Nr. 184. Jahrgang 1933
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Sie SemchMe -er Verfassung -er neue« Seufiche« Evangelischen Kirche
Weltwirtschaftstonserenr schrumpft zusammen
London, 12. Juli.
Die Weltwirtschaftskonferenz beschäftigt sich nur noch mit einem Bruchteil des ursprünglichen Programms. Ausgeschlossen sind von den Verhandlun-, gen u. a. die praktischen Währnngsfragen, die Fragen der Schiffahrtszuschüsse und das Zollproblem.
In dem Ausschuß für die Regelung von Erzeugung und Absatz ist der Umfang der Fragen, über die noch einigermaßen aussichtsreiche Verhandlungen geführt werden können, ziemlich zusammen- geschrumpft. Die wichtigen Weltwaren Kohle, Wolle und Holz sind vorläufig vor dem Programm gestrichen. Endgültige Vorschläge sind nur über Weizen, Zinn, Kaffee, Kakao und landwirtschaftlichen Edelerzeugnissen eingereicht worden. Der Vorsitzende erklärte am Mittwoch, daß die Produktionsregelung auf Zinn als gelöst betrachtet werden könne, uno haß die Weizen- und Zuckerverhandlungen einen befriedigenden Verlauf nähmen.
Aus Vorschlag des englischen Vertreters wurde ein Unterausschuß für Zinn unter dem Vorsitz des Präsidenten des Internationalen Zinnausschusses, Sir John Sampbel, eingesetzt. Die Verhandlungen für eine Erneuerung des im August 1934 ablaufenden Zinnabkommens sind zur Zeit im Gange.
Unterredung Aerrdeeßon-Dala-jer ergebnislos
Berlin, 18. Juli.
Als sich die Abrüstungskonferenz in Genf am 29. Juni auf den 16. Oktober vertagte, wurde in Aussicht genommen, daß Henderson als Präsident der Konferenz in der Zwischenzeit durch Verhandlungen in den maßgebenden Hauptstädten ein Abkommen vorbereiten solle. Henderson wollte seine Rundreise alsbald in Paris beginnen, mußte aber länger als eine Woche auf die Gelegenheit zu einer Aussprache mit Daladier und Paul Boncour warten, so daß ihm schließlich vor seiner Weiterreise nach Rom nur ein einziger Tag für Paris zur Verfügung stand. Er hat in Paris am Dienstag vormittag und abend der- handelt, aber offenbar keinerlei Zugeständ- Nisse von französischer Seite erlangt. Daladier konnte jedenfalls einem Pressevertreter erklären, Hcn- dsrson habe bewiesen, daß er die französische These sehr gut verstehe. Diese französische These ist bekanntlich der alte Sicherheitskomplex, der neuerdings durch die Forderung nach einer scharfen internationa- len Rüstungskontrolle vor jeder Abrüstungsmaßnahme eine neue Gestalt angenommen hat.
Die Autorität Hendersons hat schon während der Konferenz nicht ausgereicht, um die dort versammelten Bevollmächtigten und Sachverständigen der einzelnen Länder zu einer ersprießlichen Aussprache zu bringen. Nichts begründet die Hoffnung, daß er jetzt durch Einzelverhandlungen mehr erreichen wird. Dazu kommt, daß gerade für Frankreich 'Henderson nie „persona grata" war und daß die französische Regierung es lieber gesehen hätte, wenn er die jetzigen Verhandlungen nicht selbständig, sondern in Begleitung von Mitgliedern des Büros, also praktisch von Benesch und Politis, unternommen hätte. Da dieser Plan, der jede Gewähr für die Sabotage der Verhandlungen geboten hätte, von Henderson selbst abgelehnt worden ist, scheint es Frankreich jetzt für notwendig zu halten, umso entschiedener jedem Positiven Ergebnis entgegenzuarbeiten, wobei das unaufrichtige Schlagwort „keine Aufrüstung Deutschland" wieder im Vordergründe steht.
Berlin, 12. Juli
Ueber die Grundzüge der Verfassung der neuen Deutschen Evangelischen Kirche wird dem Evangelischen Pressedienst folgendes mitgeteilt:
Die neue Deutsche Evangelische Kirche ist keine Staatskirch«. Alle Befürchtungen, daß der Staat eine Oberhoheit über die Kirche und ihr Bekenntnis ausrichten könnte, sind durch den Gang der Ereignisse und durch den klaren Wortlaut des neuen Bersassungswer- kes widerlegt. Die Eigenständigkeit der re- formatorischen Bekenntnisse ist vielmehr verfassungsmäßig gesichert. Ueber dem Bekenntnis steht als einzige Autorität das Evangelium, wie eS in der Heiligen Schrift bezeugt ist.
DaS neue Borfassungswerk ist eine Rahmenverfassung, die in ihren einzelnen Teilen noch a -gefüllt werden mutz. An der Spitz« der neuen Kirche steht als Führer ein Reichs» dischof, der dem lutherischen Bekenntnis angehören mutz.
Das Führerprinzip wird ergänzt durch die Mitwirkung des Kirchenvolkes, die in der Nationalsynode ihren Ausdruck findet, die dem Grundsatz entspricht, auch die äußeren Formen der Deutschen Evangelischen Kirche gemäß dem Neuen Testament zu gestalten.
Neben dem Reichsbischos tritt das Geistliche Ministerium, da- dem Bischof in der Leitung der Kirche untersteht. Es besteht auS drei Theologen und einem rechtskundigen Mitglied. Die drei theologischen Mitglieder vertreten die drei Betenntuisgruppen der Kirche, die lutherische, die Deformierte und die uniierie.
Da die neue evangelische Kirche keine
Sitz«: die überragendste VetMIiAK« der West
Wie ein Amerikaner Deutschland sieht Frankfurt a. M., 12. Juli.
Die Gauleitung Hessen der NSDAP. hatte den amerikanischen Rundfunksprecher Doug Brincleh von der National Broadcasting Company in Newyork zu einer Reise durch West- und Süddeutschland eingeladen Am 11. Juli erstattete Mr. Brinkley in einem Rundsunkzwiegespräch, das durch den deutschen Kurzwellensender auf alle amerikanischen Sendestationen übertragen wurde, über seine Reise und seine Eindrücke über das neue Deutschland Bericht. Meine persönliche Festellung ist, so führte er aus, daß in Deutschland überall Ruhe und Frieden herrscht. Nirgendwy habe ich auch nur das geringste Anzeichen von Unruhen oder Mißhandlungen feststellen können- Die gan,e Be-
Staatskirche ist, enthält die Kirchenverfassung keine Arierparagraphen. Der Arierparagvaph betrifft völkische Notwendigkeiten, die Verfassung des neuen Kircheuministeriums ist vom Evangelium her durch evangelische Notwendigkeiten bestimmt. Das schließt nicht die Abwehr artfremder Einflüsse, besonders innerhalb der kirchlichen Führung, -aus. Aber diese Abwehr betrifft den theologischen Führer- nachwuchS. Die Frage der Artgemäßheit der kirchlichen Führung wird nicht durch die Berfassung bestimmt, sondern durch die Regelung des theologischen Nachwuchses.
Gleichzeitig mit der Verfassung wurde ein kirchliches - Einführungsgesetz von denselben Instanzen erlassen, die ihre Unterschrift unter das Verfassungswerk gesetzt haben. Die rechtliche Anerkennung der Kirchenverfassung durch ein Reichsgesetz ist noch im Laufe dieser Woche zu erwarten.
Telegramme Hitlers
an Hindenbnrg und Wehrkreispfarrer Müll«
Berlin, 12. Juli
Reichskanzler Adolf Hitler hat an den Herrn Reichspräsidenten folgendes Telegramm nach Neudeck gerichtet:
„Hochverehrter Herr Reichspräsident!
Nachdem gestern das Verfassungswerk der Deutschen Evangelischen Kirche zum Abschluß gebracht ist, sind heute die Verhandlungen über die Beilegung des preußischen Kirchen- konfliktes in einer für Staat und Kirche gleichermaßen befriedigenden-Weife zu Ende geführt worden. Die auch mir besonders am Herzen liegende innere Freiheit der Kirche wird durch Zurückziehung der Kommissare und
völkerung macht heute einen viel glücklicheren Eindruck als im vergangenen Jahre bei meinem Aufenthalt in Deutschland. Das deutsche Voll hat heute mehr innere Nahe und Sicherheit als je zuvor und die feste Hoffnung, daß die Verhältnisse sich zusehends bessern werden.
,Mit Adolf Hitler als Reichskanzler und der nationalsozialistischen Regierung ist e'n neues und schöneres Deutschland erwacht- Deutschland hat neue Lebenskraft, Lebensmut und Freiheit gefunden. Adolf Hitler ist heute die überragendste Persönlichkeit der Welt. Deutschland wurde von Adolf Hitler wieder neu geboren und ich habe das felsenfeste Vertrauen: Das neue Deutschland wird weiter leben und gedeihen.
5 Todesurteile in Moskau
Moskau, 12. Juli
Das Moskauer Stadtgericht verhandelte in öffentlicher Sitzung gegen 12 Angeklagte
Unterkommissare des Staates außer Zweifel gestellt. Der innere Neubau der Landeskirchen wird nach kirchlichem Recht durch freie Wahl des evangelischen Kirchenvolkes einer baldigen Vollendung entgegengeführt werden. Ich bin glücklich, Ew. Exzellens berichten zu können, daß nunmehr Gewähr gegeben ist, Ihren auch von mir und allen Beteiligten gehegten Wunsch nach Befriedung des evangelischen Kirchenlebens binnen kürzester Frist erfüllt zu sehen. In verchrungsvoller Ergebenheit Reichskanzler Adof Hitler."
An Wshrkreispfarrer Müller richtete der Führer das nachstehende Telegramm:
„Mit Freude habe ich von der Vollendung des Verfassungswerkes Kenntnis genommen. Möge damit die Grundlage für die Einigkeit und Freiheit der evangelischen Kirche geschaffen sein.
gez. Reichskanzler AdolfHitler."
Die neue Deutsche Evangelische Kirche.
Ein Rundfunkvortrag Wchrkreispfarrers Müller.
Berlin, 12. Juli.
Wehrkreispfarrer Müller sprach heute abend über den Deutschland-Sender über die neuen Aufgaben der Kirche und des Kirchenvolkes. In dieser neuen Deutschen Evangelisten Kirche, so führte er aus, wird neues Leben pulsieren. In dieser Kirche soll der Mann aus dem Volke wieder spüren, daß er Kamerad ist unter Kameraden, Mensch unter Menschen, daß wir zusammengehören. — Treue, einfache Pflichterfüllung, der Wille zur Klarheit und Wahrheit soll der Wille unserer Kirche und unseres Volkes sein. ^
Wege« angeblicher Schädlingsarbeit im öffentlichen Speisungswesen und verurteilte 5 Angeklagte zum Tode durch Erschießen. Weiter wurden Freiheitsstrafen von 18 Monaten bis zu 8 Jahren verhängt.
Ueber den Inhalt der Anklage berichtet die Telegraphen-Agentur der Sowjet-Union, die Untersuchung habe ergeben, daß seit Mitte 1S32 in einer Reihe von Fabrik-Speisehallen GlaSsplitter, Sand, Nagel, Haare und Draht- stücke in den Speisen gefunden worden seien.
Volvo in Earkwright eingetroffen
Cartwright, 12. Juli.
Das italienische Lustgeschwader, das am Mittwoch früh in Reykjavik gestartet war, ist um 18,26 Uhr m. e. Z. hier glatt gelandet.
Damit hat das Geschwader die riesige Strecke von Reykjavik bis Cartwright in knapp 12 Stunden zurückgelegt.
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Abschluß der bürgerlichen Aera aus den Berliner Thätern.
Das Berliner Theaterleben, so wie es sich Ende der Spielzeit 1932/33 zeigt, ist nur noch die Ruine des anspruchsvollen und glitzernden Warenhauses von ehemals. Seine Zeit ist heute vorüber. Fast alle die Prominenten, die in den letzten Jahren in schlechten Stücken und zweifelhaften Inszenierungen große Kasse machten, find über die Grenze geflüchtet; wie vorauszusehen, ist der wesentlich deutsch geartete Nachwuchs noch nicht in entsprechender Menge da, und so muß denn zunächst einmal daran gearbeitet werden, die Nachwirkungen der kulturbolschewistischen Zeit auS dem Berliner Bühnenbetriebe auszumerzen und eine neues Theaterleben aus der Tiefe des VolkstumS zu erwecken.
Man scheint sich im übrigen gerade bei den älteren Fachleuten noch nicht ganz klar darüber zu sein, daß nicht nur die Zeit des linksgerichteten, sondern auch die des bürgerlichen Theaters abgelaufen ist. Denn es kann keine Täuschung darüber bestehen, daß die allermeisten Probleme, die den bürgerlichen Menschen beschäftigten, immer mehr an Bedeutung verlieren, genau so, wie die dazugehörigen Regieformsn, die Ueberbetonung der Individualität, der Dienst an den Götzen der Eitelkeit und dergleichen: das alles wird über kurz oder lang von dem großen Strudel und dem reinigenden Sturmwind der nationalsozialistischen Revolution hinweggefegt werden. Es ist klar, daß auch auf dem Gebiete des Theaters ein neuer Stil und neue Ausdruckssormen gefunden werden, die sich organisch aus dem heute Gegebenen entwickeln und mit den Ergebnissen der nationalsozialistischen Umwertung Schritt halten. In Berlin muß ganz von vorne begonnen werden — es ist da überhaupt nur das Staatliche Schauspielhaus, das bereits seit längerer Zeit in einer organischen Neubildung begriffen, als einzig intaktes Theater in den Staat und in das Reich des Nationalsozialismus hinüber- genommen werden kann. Es wird gut sein, wenn ihm das Schiller-Theater wieder angegliedert wird und auch die Volksbühne am Horst-Wessel-Platz eint Be
treuung erfährt, die dort nicht alles beim alten läßt. Auch das Deutsche Theater wird wohl in der kom- . wenden Spielzeit in gewisser Beziehung eine besondere Stellung unter den Berliner Privattheatern einnehmen.
Im Juni 1933 lebten noch alle Berliner Theater von der Vergangenheit und ihren Ueberresten. Man hat bei dieser Gelegenheit wieder feststellen können, daß im Gegensatz zu unseren klassischen Zeiten allein die Politik revolutionär, der sogenannte Geist aber rückschrittlich gerichtet war, an überholte Formen, Vorstellungen und Ausdrucksmittel gebunden. Das zeigte sich wieder deutlich in diesen Wochen aus dem Berliner Theater. Denn alle Erfolgsstücke der letzten Monate bewiesen reaktionäre Tendenzen, indem sie noch einmal die Welt jener bürgerlichen Gesellschaft heraufbeschworen, die jetzt durch die nationalsozialistische Volksgemeinschaft abgelöst werden soll: Bezeichnenderweise hat z-, B. der, „Taifun" im Deutschen Künstlsrtheater sich ebenso lange ge- ^ halten, wie der „Mann mit dem Kuckuck" in der Komödie. Daß das Komödienhaus den „Mitternachtsdichter" von Curt Götz und Heinz Gordon mit Otto Wallburg in der Hauptrolle herausbrachte, ist ihm bei der rückschrittlichen Gesamthaltung ebensowenig zu verdenken, wie dem Renaissance-Theater das alte Sommerstück „Der Störenfried" von Ben- dix mit Adele Sandrock und Paul Henckels. Mit einem Theater jedoch, das dem Geiste des Dritten Reiches und der Weltanschauung des Nationalsozialismus auch nur einigermaßen entspricht, haben diese Aufführungen natürlich nicht das geringste zu tun. Es wird im Gegenteil dabei klar, wieviel Arbeit da noch zu leisten ist, und daß es wohl sogar .der polt- tischen Machtmittel bedarf, um hier neue Tatsachen zu schassen und mit kräftiger Hand d«s Steuer herumzuwerfen.
ES kann bei dieser Gelegenheft durchaus nicht verschwiegen werden, daß auch die Stücke mit nationalem oder völkischem Gehalt hnrti
noch immer hinter den politischen Ereignissen Hertz in ken. Sie entsprechen noch nicht dem Stil, wie er sich bereits im Nationalsozialismus herauszubilden beginnt und spiegeln weder die militanten, noch die ständischen Tendenzen, die gerade in den letzten Wochen Immer stärker hervorgetreten sind. Unter diesem Gesichtspunkt muß auch Hans Christoph Kaergels Schauspiel „Andreas Hollmann" (aufgeführt im StaatStheatsr) geweitet werden, das vor etlichen Jahren vielleicht, durch sein« Darstellung des Grenzlandkampfes ein außerordentliches Ereignis für unser deutsches Theaterleben bedeutet hätte, heute aber in seiner naturalistischen Darstellungsart und seiner Handlung und Haltung, die manchmal des Weinerlichen nicht entbehrt, eigentlich schon der Vergangenheit angehört. Es wäre hier grundsätzlich zu bemerken: Der Kampf zwischen zwei Völkern, wie er sich im „Andreas Hollmann" zwischen Deutschen und Tschechen abspielt, kann auf der Bühne nicht im Sinne, des Volksstückes wiedergegeben werden, sondern braucht, um sich über den Einzelfall zu er- heben, symbolische Repräsentanten, oder anders gesagt, wirkliche Führerpersönlichkeiten, die für ein größeres Ganze sprechen und handeln können. Das wird/wohl instinktiv mit der Hauptperson versucht, aber diese Gestalt ist doch nicht so stark bestimmt und hervorgehoben, daß sie bereits als typisches Beispiel des Grenzlandführers gelten könnte. Daraus erklärt sich denn auch der Mangel der eigentlich dramatischen Wirkung in diesem Stück, das sich wohl gelegentlich in Ausbrüchen-entlädt, aber keine wirkliche Stet- gerung bringen kann. Man hat auch bft dieser Ge- legenheit wieder feststellen können, daß- eS am Naturalismus, d. h. in der Abschtlderung der bloß materiellen Tatsachen kein Drama geben' kann, denn Drama entsteht nur in einer, Welt: der Ordnung, gefestigten Sittlichkeit und bestimmter Rangverhält- Nisse, während der Naturalismus nur. die einzige Ebene des sog. Menschlichen und Natürlichen aner- kennt. Das Prinzip der Hierarchie,'daS der Ratio, nalsozialismus verkündet, ist das Gegenteil jedes Naturalismus und entscheidet damit auch die Rich. tung der künftigen dramatischen Produftion. Aber die deutschen Dramaturgen sind in ihrer Mehrzahl
für diese neuen Gesichtspunkte noch gar nicht erzogen und erschlossen und in Unkenntnis darüber, daß das Drama immer den stärksten Ausdruck eines politisch handelnden und sich in politischen Funktionen erfüllenden Bolksganzen bedeutet, auch dann, wenn es scheinbar nur einen kleinen Ausschnitt des nationalen Lebens oder der nationalen Geschichte wiedergibt.
Es ist infolgsdessen ein wichtiges Ereignis, daß Dr. Walter Stang, der Neichsleiter der Deutschen Bühne, in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der VKB (Vereinigung künstlerischer Bühnenvor- stäNde) eine Reihe von Dramaturgen zusammengerufen hat, um mit ihnen die neuen Aufgaben der Wertung, Analyse und Verwirklichung eines neuen deutschen Dramas zu klären. Das frühere Collegium dramaturgicum war in einen ästhetischen und Ittera- rischen Debattierklub ausgeartet, die neue Arbeitsgemeinschaft jedoch, der Wolf Leutheuser und Hans Esdras Mutzenbecher vom Preuß. Theaterausschuß, Frau v. Coler vom Berliner Staatstheater, Wolf von Gordon, Friedrich Billerbeck-Gentz, Dr. Wilh. von Schramm, Dr. Hans Knudsen und andere Persönlichkeiten angehören, soll demgegenüber unter Führung von Dr. Stang allmählich in der Besprechung klassischer und moderner Dramen die festen Grundsätze herausbilden, nach denen überhaupt ein neues deutsches Schauspiel und Lustspiel, immer im Zusammenhang mit der Politischen Bewegung des Nationalsozialismus selbstverständlich, gefunden, beurteilt und in die rechten Bahnen gewiesen werden kann. Daß die Voraussetzungen der neuen dramatischen Produktion völlig andere sind, weil eben heute der Dichter und Dramatiker nicht mehr im. luftleeren Raume schafft, sondern im Dienst seines Volkes und im Zusammenhang mit dessen nationaler Sendung — das liegt auf der Hand, ist aber offenbar immer noch nicht von allen Beteiligten in seinen letzten Folgerungen gewürdigt und erkannt.
Der Sommer 1933 bedeutet den Abschluß der bürgerlichen Aera des Berliner Theaterlebens. Es ist nur gut, daß viele,, ja die überwiegende Zahl der Bühnen inzwischen geschlossen und die ersolgten Zu- sammenbrüche einen so deutlichen Schlußstrich gezogen haben: Eben dadurch entsteht der Zwang, ganz von vorne anzufangen und von unten her mit dem
Erneute Grenzverletzung durch polnische Nieser
Deutsch-Eylau,12. Juli.
Am Dienstag abend machte sich ein polnische-. Flugzeug einer groben Grenzverletzung schuldig Gegen 19,40 Uhr sichteten Bahnbeamte ein Flug zeug, das in geringer Höhe die D-Zugstrecke Berlin—Allenstein—Jnsterburg über den Deutsch- Eylauer Bahnhof hinwegflog. Da die Maschine nur etwa 50 Meter hoch flog, konnte sie ohm weiteres als ein polnischer Militäreindecker ertönt werden. Das Flugzeug trug außer den polnischen Hoheitsabzeichen die Bezeichnung U. 25. Nach einer Schleife über dem Hauptbahnhof flog die Maschine über den Exerzierplatz hinweg in südlicher Richtung zur Grenze. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Maschine der Megerstation Graudenz.
Konferenz der WirMaftsminister
Berlin, 12. Juli.
Unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsministers Dr. Schmitt fand am 12. Juli nachmittags im Reichswirtschaftsministerium eine. Besprechung mit den Leitern der Wirtschaftsressorts der Länder statt. Der Reichswirtschaftsminister wies daraus hin, daß nunmehr mit aller Entschiedenheit trotzdem sicher- gestellt. werden müsse, daß die Wirtschaftspolitik allein und unter cmsschießlicher Verantwortlichkeit des Reichswirtschaftsministers und der Wirtschaftsminister der Länder, soweit letztere zuständig sind, geleitet wird. Er betonte, daß es vor allem darauf ankomme, daß die Wirtschaft in jeder Hinsicht st a- b i l und sicher geführt werden müsse und daß Ordnung und Rechtssicherheit die unerläßlichen Voraus« setzungen für eine erfolgreiche Führung der Wirtschaft und für eine tatkräftige Förderung des unverkennbar beginnenden Ausstiegs der Wirtschaft sei.
Eröffnung der AeichSjugend- Fützrerschule in VotSdam
Potsdam, 12. Juli.
Nachdem bereits am Montag der Lehrbetrieb in der neu errichteten Reichsjugendführerschule in Potsdam ausgenommen worden war, fand heute die feierliche Eröffnung und Besichtigung durch geladen« Gäste und die Presse statt. Mich einleitenden Worten wies der Letter der Reichsjugendführerschule, Dr. Uscödel, darauf hin, daß zum ersten Lehrgangsleiter der Reichsjugendführerschule der Bannführer Schramm aus Danzig berufen sei.
Reichsjugendführer Baldur von Schirach betont« die enge Verbundenheit der Stadt Potsdam mit der Entwicklung der nationalsozialistischen Jugend. — „Wir wollen", erklärte er, „von dieser Führerschaft auch Menschen ins Deutsche Reich hinaus senden, die im Geiste von Potsdam die wahre soziale Gesinnung -der Zeit hinaustragen in ihre Gefolgschaft und so bauen und schassen helfen an jenem Deutschen Reich der Zukunft, das alle Deutschen umschließen soll, die Aermsten und die Reichsten, das ein Reich sein soll, in dem das Preußentum dieser Stadt seine klarste und reinste Ausprägung findet." — Im Anschluß hieran fand eine Besichtigung der Räume statt.
Neuaufbau zu beginnen. Dieser Neuaufbau wird sich vor allem auch auf die Arbeit der „Deutschen Bühne" stützen, die unterdessen wieder ein neues deutsches Theatervoll sammeln und zu einer organischen, d. h. begeisterten und beseelten Einheit zusammenfassen soll. Auch hier vollzieht sich im Augenblick wohl zuerst nur ein Uebergang, aber es ist doch sicher,, daß, sich da ebenso neue Formen des geregelten Theaterbesuches herausbilden werden, wie sich neue Formen aus allen Lebensgebieten kristallisierten und weiter kristallisieren. Denn die nationalsozialistische Revolution geht weiter. Sie hat das Theater ergriffen und ist, darüber haben die Ausführungen des Ministerpräsidenten Goering und des Preuß. Staatskommissars Hans Hinket vor der Presse keinen Zweifel gelassen, dabei, die staatlichen wie die städtischen Bühnen fest in die Hand zu nehmen, im nationalsozialistischen Sinne zu fuhren und zum nationalpolitischen Instrument auszugestalten. Das ist mehr als äußerlich-mechanische Gleichschaltung;' denn es bedeutet vom Politischen her die Inkraftsetzung eines ganz neuen Geistes, dem bürgerlich-kapitalistischen vollkommen entgegengesetzt.
Wir stehen heute zwischen zwei Zeiten auch aus dem Gebiete des Theaters. Die organische Umwälzung, die sich vollzieht, geschieht nicht-aus . Grund irgendwelcher privaten Absichten und. Meinungen, sondern nach einem weltgeschichtlichen Gesetz. Das Theater von 1943 wird mit dem Theater von 1933 nicht mehr verglichen werden können, denn es wird ein Volks- und Natisnaltheater sein und wirklich wieder der Volksgemeinschaft offenstehen. Vielleicht geht Berlin aus diesem Wege voran, vielleicht bleibt eS aber auch in der Erinnerung an seine Zeit falschen Glanzes befangen, so daß hier die Neugestaltung sich am schwersten und zähesten vollzieht. Jedenfalls ist das Berliner Theaterleben heute gefährdet — infolge der Sünden des alten Systems noch bis in die jüngste Vergangenheit sogar mit Recht. Für die nächste Spielzeit sind von den eigentlichen Privattheatern wohl nur das Rose-Theater und dann das Deutsche Theater einigermaßen gesichert. Die übrigen Sprcch- theater mitsamt einer großen Menge von Schauspielern werden erst nach den Beweis erbringen müssen, ob sie in ein nationalsozialistisches Zeitalter paffen oder nicht. Wilhelm von Schramm.