Nr. 183 . Jahrgang 1933
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Berlin, 11. Juli.
Vorn Präsidium des Reichsluftschutzbundes wird u- a. mitgeteilt:
Die Uebersliegung deutscher Gebietsteile durch landfremde Flugzeuge und der herausfordernde Abwurf von Hetzflugblättern über der Reichshauptstadt am 23. Juni haben im ganzen Volke einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Aus allen Teilen deö Landes find uns zahllose Aeußerungen in dieser Angelegenheit zugetragen worden. Aus allen Stimmen spricht die wachsende Sorge um die Sicher hell der Bevölkerung. Sie alle sind der beredte Ausdruck des Verlangens nach wahrem Frieden und wirklicher Gleichberechtigung. Sie geben aber auch dem Zorn über die ungetane Schmach und der Erbitterung über die Unfreiheit Deutschlands in der Luft leidenschaftlichen Ausdruck.
Es ist uns unmöglich, auf alle diele Aeußerungen zu antworten. Wir benutzen deshalb den Weg über die deutsche Presse, um allen Freunden und darüber hinaus dem ganzen Wolke für das Vertrauen zu danken, das auS den zahlreichen Stimmen spricht.
Die einzige trostreiche Zuficherung, die wir auf alle verängstigten und entrüsteten Zu-
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schriften geben können, ist die. daß jeder Volksgenosse in der Reichsregierung die sicherste Garantie für eine zweckentsprechende und hoffnungsvolle Behandlung des großen Gebietes der Luftgefahr und des Luftschutzes sehen kann und soll.
Die Regierungen und Behörden des neuen Staates sind offensichtlich so sehr von der Lustgefahr, der Notwendigkeit ihrer Abwehr und des Schutzes der Bevölkerung durchdrungen, daß von dort aus zweifellos alles getan wird, was die Gefahr für das Volk herabzumindern geeignet ist.
Der Reichsluftschutzverband ist die Gemeinschaft aller derer, die durch Selbstschutz dem Volke dienen wollen.
Unsere Antwort «ruf die aus den Ereignissen der letzten Zeit erwachsenen und an uns herangetragenen stimmen kann daher nur in der Aufforderung an die gesamt« Bevölkerung ansklingen:
Helft dem Reichsluftschntz, damit er Euch helfen kann!
Tretet seinen Ortsgruppen bei oder gründet solche, wo sie noch nicht bestehen.
Luftschutz ist das Gebot der Stunde! Luftschutz ist dieForderungder Nation!
Die VeefMimg
-er Deutfche« EvangelWen Kirche
Berlin, 11. Juli.
Der Evangelische Pressedienst teilt mit: Die Arbeit, die der vom Deutschen Evangelischen Kirchenbund Bevollmächtigte Ausschutz zur Schaffung der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche begonnen Plt, ist am Montag in gemeinschaftlicher Beratung Mt den Herren Wehrkreispfarrcr Müller als Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Professor D. Fe - je r - Tübingen, Pros. der Rechte Dr. D. Heckel - Ionn, Preußischen Staatskommissar Ministerialdirektor Jäger beendet worden. Das Verfassungswerk gelangt Dienstag durch Vorlage an die Vertreter der Deutschen Evangelischen Landeskirchen zum Abschluß.
Die Erklärung, in Anwesenheit des Herrn Reichs- ministerS des Innern Dr. Frick verlesen, wurde wie folgt unterschrieben:
Berlin, den 10. Juli 1933.
Dr. Frick, Marahrens, Hesse, D. Seetzen, D. Weiser, Ludwig Müller, D. Karl Fezer,' D. Dr. Joh. Heckel, Jäger.
Amtlich wird mitgeteilt: Die Vertreter der im Deutschen Evangelischen Kirchenbund vereinigten Landeskirchen sind am Dienstag abend im Reichsministerium des Innern zusammengetreten, um durch
den Mund des Landesbischofs D. Marahrens die Vollendung des kirchlichen VerfassungswerkLs zu verkünden. Die Abstimmung über den in den vorbereitenden Beratungen fertiggestellten Entwurf hatte die einmütige Annahme der neuen Verfassung ergeben. Die Deutsche Evangelische Kirche hat damit Gestalt gwonnen.
Der Reichsminister des Innern gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß er als erster Gelegenheit Habs, der einigen Kirche des evangelischen Deutschlands die Glückwünsche der Reichsregierung in dem denkwürdigen Augenblick zu übermitteln, in dem diese Kirche ihren Eintritt in die Geschichte des deutschen Volkes vollzieht. Er stellte gleichzeitig in Aussicht; daß die rechtliche Anerkennung der neuen kirchlichen Verfassung durch Reichsgesetz noch in dieser Woche erfolgen werde.
Mit der Vollendung des Verfassungswerkes für die Deutsche Evangelische Kirche wurde auch die Grundlage für die Beilegung der Kirchenkonslikte, vor allem in Preußen, geschossen. Bereits am Mittwoch morgen beginnen im Reichsministerium des Innern die entscheidenden Verhandlungen hierüber und werden noch im Laufe dieser Woche zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden.
Sie AuweM des EtaateS auf allen Gebieten sichergestellt
Ein Rundschreiben des Reichsinnenministers an die Michsstatlhalter und an
die Landesregierungen
Berlin, 11. Juli.
Der Reichsminister des Innern, Dr. Frick, hat an sämtliche Reichsstatthalter und sämtliche Landesregierungen für Preußen an den Ministerpräsidenten und an den Minister des Innern folgendes Rundschreiben geruhtet:
In seinen letzten Ansprachen an die SA-Führtt und an die Reichsstatthalter hat der Herr Reichskanzler eindeutig festgestellt, daß die deutsche Revolution abgeschlossen ist. Soweit neben der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei noch politischen Parteien bestanden,, haben sie sich selbst aufgelöst. Ihre Wiederkehr oder Neubildung ist für alle Zeiten ausgeschlossen. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ist damit, der alleinige Träger des Staates geworden.
Alle Macht dieses Staates liegt in den Händen der von dem Herrn Reichskanzler allein geführte Reichsregierung, in der alle entscheidenden Aemter mit zuverlässigen Nationalsozialisten besetzt sind.
Damit ist die siegreiche deutsche Revolution in das Stadium der Evolution, d. h. normaler gesetzmäßiger Aufbauarbeit getreten.
Wichtigste Aufgabe der Reichsregierung ist es nunmehr, die in ihr vereinigte totale Macht geistig und wirtschaftlich zu untermauern. Diese Aufgabe wird jedoch auf das schwerste gefährdet, wenn weiterhin noch von einer Fortsetzung der Revolution oder von einer zweiten Revolution geredet wird. Wer so redet, muß sich darüber klar sein, daß er sich damit gegen den Führer selbst auflehnt und dementsprechend behandelt wird.
Solche Aeußerungen stellen eine glatte Sabotage der nationalen Revolution dar und sind insbesondere geeignet, die deutsche Wirtschaft, die dank der von der Reichsregierung zur Lösung des ArbeitSlosen- problemS getroffenen Maßnähmen im erfreulichen Wiederaufbau begriffen ist, neuen Beunruhigungen auszusetzen und damit das deutsche Volk in seiner Gesamtheit zu schädigen.
Das der Reichsregierung als Trägerin der nationalen Revolution in steigendem Maße entgegengebrachte Vertrauen,, das gerade in der Belebung der Wirtschaft und in dem starken Absinken der Arbeitslosenziffern seinen'sichtbaren Ausdruck findet, darf unter keinen Umständen enttäuscht werden. Jeder Versuch einer Sabotage der deutschen Revolution, die namentlich in unbefugten Eingriffen in die Wirthschaft und Nichtachtung von Anordnungen der Träger der Staatsautorität zu erblicken ist, muß daher auf Grund .der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 mit den schärf
sten Maßnahmen (mindestens Schutzhast) gegen wen immer, geahndet werden.
Soweit Eingriffe nötig und berechtigt find, dürfen sie von nun an nur von den Trägern der Staatsautorität und aus deren ausdrückliche Anordnung und unter ihrer alleinigen Verantwortung erfolgen. Aufgabe der Herren Reichsstatthalter und der Lan- dxsregierungen, insbesondere der zuständigen Minister des Innern ist es, wie der Herr Reichsstatthalter am 6. Juli d. I. ausdrücklich betont hat, mit allen Mitteln zu verhindern, daß irgendwelche Organi- sationen oder Parteistellen sich künftig noch Regie- rungsbefugnijfe anmaßen. Andernfalls besteht die Gefahr, daß die Gegner des Nationalsozialismus, ins- besondere Kommunisten und Marxisten versuchen werden, sich in die NSBO. oder die Deutsche Arbeitsfront oder sonstige Organisationen einzuschlei- chen, unter ihrem Schutze die deutsche Wirtschaft sort- gesetzt zu beunruhigen und der Regierung der nationalen Revolution Schwierigkeiten zu bereiten.
Im besonderen Auftrag des Herrn Reichskanzlers ersuche ich die Herren Reichsstatthalter und die Landesregierungen,
die Autorität des Staates auf all« Gebieten und unter all« Umständen sicherzustellen und jedem Versuch, diese Autorität zu erschüttern oder auch nur anzuzweisrlu, woher er auch kam- men mag, rücksichtslos und unter Einsatz aller staatlich« Machtmittel entgegenzutreten.
Ich bitte ferner dafür zu sorgen, daß auS dieser Gründen künftig auch von der bisher geübten Eins setzung von Kommissaren und Beauftragt« Abstaut genommen wird, da der unter ausschließlicher nationalsozialistischer Leitung stehende Staatsapparat in der Lage ist, die in Frage kommenden Aufgabe» allein durchzuführen. Ich bitte daher in eine beschleunigte Prüfung darüber einzutreten, wie die zurzeit noch bestehenden Kommissariate usw. aus schnell« stem Wege abgebaut oder, soweit unentbehrlich, i» den ordentlichen Staatsapparat eingeordnet werde» können, da jede Art von Nebenregierung mit der Autorität des totalen Staates unvereinbar ist. Spätestens bis zum 1. Oftober d. I. bitte ich mir mizu> teilen, auf welchen Gebieten ausnahmsweise die Beibehaltung von Kommissaren im Staat-interesse unbe. dingt erforderlich erscheint.
Ein verheißungsvoller Ansang
Vier Millionen Reichsmark Arbeitsspende
Berlin, 11. Juli.
Nicht weniger als 3978 520,61 RM. wurden bis zum 30. Juni bei Finanz- und Zollämtern für die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit eingezahlt. Von einem Landessinanzamtsbezirk liegt noch keine Angabe vor, so daß die Zahl heute bereits 4 Millionen überschreiten wird. Die Sammlung für diese Spende hat etwa Mitte Juni eingesetzt. Das Ergebnis wurde also in zwei Wochen erzielt. Täglich gingen annähernd 300 000 NM. ein. Ein Anfangserfolg, wie er besser nicht erwartet werden konnte.
Der Appell an die Hilfsbereitschaft unseres Volkes ist also nich t v erg eb l ich. In Jahren der Not und innerem Hader schien das Bewußtsein im Volke .erstürben.zu sein, daß alle Berufstände und Erwerbs« schichten schicksalhaft miteinander verbunden sind.
Heute ist der Gemeinschaftssinn wieder erwacht und drängt zur Tat. Vertreter aller Volkskreise haben Anteil an dem Anfangserfolg der Arbeiispende. Fn Stadt und Land hat der Ruf des Führers und Kanzlers Widerhall gefunden. Und was besonders hervorzuheben ist: Auch Arbeitnehmer haben es sich
nicht nehmen lasten, am Lohn- und Gehaltszahlung-, tag einen Betrag für die Spende abzuführen.
Weiter so! Dann wirb aus Millionen klein« Quell« und Bäche der Strom wachs«, der in Statt und Land Segen spendet.
Annahmestellen für die Spende find die Finanz- cmrcr, Zollämter und Hauptzollämter. Ueberweisun. g« an diese Annahmestellen tönn« erfolg« dnrch Post, Bank, Sparkasse usw.
Neue Vluttat marxiftiftischer MoLdduben
Nürnberg, 11. Juli.
Der SA.-Mann Langerfelder wurde am Dienstag früh auf dem Wege zur Arbeitsstätte von den als Anhängern der KPD. berüchtigten Brüder Franz und Konrad Müller überfallen und durch Messerstiche in den Leib gefährlich verletzt. Der zur Hilfe herbeieilende SA.-Mann Strobel erhielt zwei Stiche in den Oberarm. Die beiden Täter flüchteten und konnten bis jetzt noch nicht gefunden werden.
Oer^eZ 2 ur deutscken UirkIick^eiL
(rrunäsLtrlickes rum interiwjionslen koifferelirßeäsnken Von Egon Friedrich Maria Aders.
Bremen, 11. Juli.
Ob jenen vermeintlich in die Weltweite dringenden außenpolitischen und wirtschaftlich« Fachmännern aller „großen" und „kleinen" „Ententen" wohl schon dann und wann einmal eine Ahnung überkommt, wie sich im Kopfe des sogenannt« Laien diese Welt malt, die nun seit so endlosen Leidensjahren mit Konferenztisch« verbarrikadiert ist? Wahrscheinlich nicht. „Herab aus hoher Meisterwolk'" — wie sollten sie darauf verfallen, daß die Naturrechte des gesunden Menschenverstandes und der allgemeinen Bildung .sich erkühnen könnten, Pirschgänge in diese Sperrzone zu unternehmen?! Aber es gibt solche tollkühnen Käuze... Der Verbotstafeln nicht achtend, holen sie zu einem Hechtsprünge der Selbsthilfe aus, setz« über den Stacheldrahtzaun von Paragraph«; Kurszetteln und statistischen Kurven und guck« diesen Spiele« einmal in die Kart«...
...Auch dem geistig einfach« Mann der tenden Hand, der das Herz auf dem recht« »Nd seine fünf Sinne beisammen hat, ist i letzt« anderthalb Jahrzehnt« die Wahrhei alten Spruches überwältigend zum Bewußtse kommen, daß die Welt mit „wenig Verstand" i wird. (Vielleicht sollte es bester heiß«: mitw Charakter und Natur!)
Die Zünftig« des staatsgeschäftlichm Haut ft aller abendländisch« Völker find in der schn ieift Lloßgestellt worden. Nach so viel Jrrtu
Fachleute ist die endgültige Auseinandersetzung des gesunden Menschenverstandes mit dem aufgeblähten international« Konfermzwes« fällig. Die unwillkürliche und verschüchterte Hochachtung, die der außenpolitische und Weltwirtschaftstechnische Laie vor diesem aufreizend anspruchsvoll«, kostspielig« und gerauschhast« Gebahrm trotz allem immer noch empfindet, trübt die gradgewachsene Urteilskraft des Volkes. Dagegen mußte etwas geschehen...
...Ueber zehn Jahre lang reist nun dieser Troß von internationalen Schlaswagenmärtyrern mit Jn- tellektualbrill«, Aktenmappen, Dolmetschern, Telefonisten, Schreibmaschinistinnen und ganzen Güterzügen voll Papier durch Europa, sitzt mit wohlge- schärft« Kopierstift« vor Stößen von Kanzleibog«,, runzelt die Stirn« und faltet streng und gewichtig die Mundwinkel. Die Brust voll von Würdegefühlm (gestrichen voll), Spesen schindend, den. letzten Blick vor der Abreise verzückt in die Kamera, gerichtet... Man verschleißt die Klubsessel in dm Hall« der Luxushotels, wandelt ungestraft unter Palmen und hockt abends in dm Bar-Eck«... Bittere ' Erinnerung« werd« wach, bei den«, die Menschenkenner und Beobachter von Beruf, und sprachmkundig, Jahr um Jahr mit gesessen hab« in dies« verflucht« Bar-Ecken, diesen Friedhöf« deutscher Natiönalehre, und die Randglossen der Ausländer unter sich zu deuten und zu schmeck« wußten, die blutigen Witze Briands und ChamberlainS aufgefangen hab«, nach
dem ihr „Freund" Stresemann mit bierehrlichen Hochgefühl« (sein« Namen in die Weltesche singe-, kerbt zu haben) abgegangen war... Bittere Erinnerungen... Litwinow, der sowjetruffische Außenmi- nister ist auf der jetzigen Londoner Konferenz der einzige Gewinner, der mit einer dicken Mappe unterschriebener Nichtangriffspakte abzieht... Man sieht im Geiste seines damalig« Amtsvorgängers Tschit- scherin überlegen gelassene, sehr weltmännische leichte Verneigung und das verhalten-feixende Asiatenlächeln über Stresemann's «ckgratsteif« Bückling; sieht die schläfrig scheinende List in Briands schwani- ' migem Kaschemmenwirtsgesicht und die Tarnung durch gewallte gesellschaftliche Formlosigkeit, die den Partner sich selbstzufrieden in der eign« „Gewandtheit" sonnen ließ; über alledem dann das sphinxische Gleißen von ChamberlainS Einglas und die brutale Verkniffenheit seiner Mundwinkel...
...Verdutzten Ernst, einen Schimmer unwillkür- licher betroffener Hochachtung vor deutscher Art: — wann konnte man, wie ganz selten, etwas derartiges erhäschen als zeitgeschichtlicher Beobachter auf dies« Stationen des deutschen Passionsweges! Vielleicht damals in Versailles, als Graf Brockdorff-Rantzau mit kühlem Blick aus schmal gefalteten Augen über den vor ihm hingelegt« Vertrag hinwegsah, mit 'gänzlich unverkrampster Ruhe, entspannt und ohne Verwirrung, langsam seine Handschuhe auszog und sie lässig auf den gewichtig« Band warf, wie auf ein« zufälligen, belanglosen Gegenstand... Eine unvergeßliche Gebärde/die auch das neue Dentschland diesem in die Demokratie verirrten Edelmann ebenso hoch anrechnen darf, wie dem jetzig« Außenminister von Neurath seine'gute Haltung als Botschafter in Rom/als fast die. gesamte ausländische Diplomatie der romantischen PersönlichkeitSwirkung Mussolinis gegenüber ein« schmutzige Beflissenheit an dm Tag
legte und einzig und allein der Schwabe Neurath in gemessener Würde sich zurückhielt (wie heute wieder unser taktsichever Reichskanzler) — bis der italienische Regierungschef ihn suchte und um seine Freundschaft warb... Seltenes Sternglimmen in der dunklen Nacht einer endlos« Straße! Und immer noch kreisen wie damals die Berge und immer wieder wird das berühmte Mäuslein geboren: eine papierne Entschließung, in jener gewundenen, feierlich nichtssagenden blutlosen Sprache abgefaßt, deren bluffende „Seriösität" längst ganz Europa zum Halse heraushängt ...
...Woran liegt.es? Worin ist der letzte Grund zu suchen für dieses Versagen? Die öffentliche Meinung verlangt nach einer gefühlsmäßig greifbar« Erklärung.
Es ist nicht wahr, daß die außenpolitischen und wirtschaftlichen Fachfragen so über alle Begriffe schwierig zu durchdenk«, die Gegensätze in den Lebensbelangen der Völker so unüberbrückbar groß seien. Der wirkliche Grund liegt darin, daß ein überlebter, absterbender Geist am Werke ist. Etwas muffig-gestriges, etwas verbohrt-reaktionäres, natur- «tfremdetes, Menschlichkeitarmes, ein Hauch von Verwesung dünstet über diesem ganzen Konferenz- wesen und der persönlich« Seelcnart der Mehrzahl der Vertreter. Kaum.jemand von den ausländischen Teilnehme« hat Witterung davon, daß ein völlig neues Zeitalter im Anbruch. ist. Den wenigsten dämmert etwas von dem tieferen Sinn des großen KriegeS, von der Weltwende,, die er einleitete. Das Verknäuelte, Verknotete der Probleme hängt zu- tiefst, zusammen mit der abgrundtiefen Verständnis- losigWt gegenüber der deutschen Verwandelung. Die eingefleischt klassengeistigej. reaktionäre, liberalistisch- materialistische Grunidein'stellung der ganzen Denkweise ist - die Endursache davon, daß schöpferische
Einfälle, die die heillose Wirrnis der international« Wirtschaftsbelange blitzartig durchleuchten würd«, gar nicht auskommen können. Das tüftelige Rätselraten und Nußknack« um die Dinge herum erinnert Zug um Zug an die eigensinnige und engstirnig-zänkische Art, mit welcher die deutsch« parlamentarischen Parteien Adolf Hitler in der Zeit vor der Machtübernahme unausgesetzt nach seinem „Programm" frug«: — hier wie dort fehlte jedes naturverbundene tiefere gefühlsmäßige Wissen darüber, daß die ganz großen Dinge im Leben immer zugleich die ganz einfachen sind. Hitlers groß- und klaräugige Abkehr von blutleeren gedanklichen Konstruktionen, seine Verbindung von freimütiger Selbstpreisgabe im Gemüt und ganz überlegenem hartem Wirklichkeitssinn erschien der verbildeten Jutellektn- alität als einfältig, naiv und geistlos. Wir hab« es an dieser Stelle, kurz nach dem Tag von Potsdam schon einmal mit anderen.Worten. gesagt: „ein« durch ein bischen Wissen verschroben« Äkknsch« gewinnt.selbst Brahma nicht..." heißt ein altes indo- arisches Sprichwort. - .
. . . Wäre für Frankreich und seine Vasallenstaaten und für die angloamerikanische Welt Adolf Hitler heute schon mehr, als ein siegreicher .P a r- t ei mann, dann stünde es auch besser um den Geist der Konferenzen. Probleme, die gelöst werd« soll«, müssen zunächst einmal gesehen werd«. Die autzerdeutsche und außeritalienische Welt sieht die innere Natur der Dinge gar nicht. Sie sieht nicht, daß in Deutschland ein Europa von Morgen und Uebermorg« gerettet wurde; daß eine Titanenhand die ganze abendländische Welt im letzt« Augenblick vor dem Absturz zurückgerissen hat; daß, vielleicht zum erst« . Male in der uns bekannten Geschichte, große Politik nicht allein natur-- und merrjchliM-Ltspcnb^ch« gehandhabt. sondern