Ausgabe 
(9.7.1933) Nr. 180
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Ke.180. Sahrgarig 1933

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vttMrftalwnalforiMiMie Zenuny

DasArnMoke Dracu» dss Sencsls der Treterr Bremern

Bremen. SonMsg. den 9. AM 1933 EinzeWreiS 15 Vsg.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile 3LL 0.10, auswärts ^ 0.12-, im Lextteil 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche und Familienanzeigen Ltl 0.06-, sonstige kleine Anzeigen 0.08. Platz- vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung. Streik, P*»» bot u. s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

LrkolZreieker der roini8cüien Verlianclliui^en

DsS ReichSkonlordai unterschrieben

IettnngSwsnLe

Von Kurt Thiele. M. d. R.

Berlin. 8. Juli.

Das Eigentum der SPD. und der sozial- demokratischen Presse ist vom Reich beschlag­nahmt und enteignet. Die Parteisekretäre und Redakteure befinden sich in Gewahrsam. Der in Bremen weidlich bekannte Herr Faust, der seine größten Schweinereien unter dem be­zeichnenden Decknamen „Mephisto" schrieb, beschäftigt sich jetzt nützlicher bei der Reini­gung der Klosettanlagen im Konzentrations­lager.

Nachdem die Räume der ehemaligen „Bre­mer Volkszeitung" erst einmal gründlich aus­gelüftet wurden, werden sie nunmehr von der „Deutschen Arbeitsfront" Berlin, der BNZ. pachtweise überlassen werden. Am mcr- gigen Tage ziehen somit Verlag und Redak­tion in das Haus Am Geeren 6 bis 8 ein. Damit führt die „BNZ." der bremischen Be­völkerung die Ueberwindung des Marxismus durch den Nationalozialismus sichtbar vor Augen.

Neben der „BNZ." gibt es jetzt nur noch die beiden Blätter des Schünemann-Verla- ges: die kleine „Weserzeitung" und die „Bre­mer Nachrichten". Der Schünemann-Verlaa hatte hier in Bremen ein ausgesprochenes Zeitungsmonopol. Dieses hat die „BNZ" in den letzten Wochen gebrochen. Die „Bremer Nachrichten" befinden sich in verzweifelter Verteidigungsstellung, so daß sie kürzlich so­gar dazu überging, die Auflagenziffer am Kops der Zeitung in roter Schrift bekannt zu geben — aber nur bei der stark erhöhten Sonntagsnummer.

Rom, 8. Juli.

Vizekanzler von Papcn teilte heute folgendes mit: Das Konkordat zwischen Heiligen Stuhl und Deut­schen Reich ist heute nachmittag paraphiert worden. Der Abschluß ist historisch bedeutsam, weil zum ersten Male seit der Gründung des Reiches die­ses seine Beziehungen zum Heiligen Stuhl regelt, was bisher den deutschen Ländern vorbehalten war. Nicht minder bedeutsam aber ist es, daß die beiden hohen Autoritäten, von deren Zusammenwirken das Wohl der Völker abhängt, nämlich die Autorität der Kirche und die Autorität des Staates, in diesem Vertrage ihre von Gott gesetzten Einflußsphären sich gegenseitig sichern und gegeneinander abgrenzen, um in umso größerer Harmonie der geistigen, kulturel­len und staatlichen Wohlfahrt des Landes zu dienen.

Die Herstellung klarer Zuständigkeit wirb in Zu­kunft jeden Streit zwischen dem Staat und der Kirche ausschließen.

Ich bin überzeugt, daß das abgeschlossene Kon­kordat einmal der geistigen Misston der Kirche nützlich sein wird, dann aber auch in hervorragen­dem Maße dem inneren Frieden der deutschen Staa­tes und dem Werden des neuen Staates dienen wird.

Die Vaeaphierrmg

Berlin, 8. Juli.

Die Paraphierung des Reichskonkordats ist

Sonnabend abend 6 Uhr durch KardinalstaatSsekretär Pacelli und Vizekanzler von Papen im Va­tikan vollzogen worden. Zu der endgültigen Unter- zeichnung wird der Vizekanzler, der heute abend Rom wieder verläßt, in zwei bis drei Wochen nach Rom zurückkehren. Die Veröffentlichung des Konkordats wird erst nach seiner Unterzeichnung erfolgen. Das Ergebnis der achttägigen Verhandlungen, die von Anfang an auf beiden Seiten im besten Geist ge­führt worden sind, ist auch im Vatikan mit größter Befriedigung aufgenommen worden.

Adolf Silier rinn Abschluß des NeichSkonlordalS

Berlin, 6. Juli.

Gleichzeitig mit dem Abschluß des Konkordats erläßt der Reichskanzler die folgende Verfügung: Durch den Abschluß des Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und der Deutschen ReichSregierung erscheint mir genügende Gewähr dafür gegeben, daß sich die Reichsangehörigen des römisch-katholischen Bekenntnisses von jetzt ab rückhaltlos in den Dienst deS neuen nationalsozialistischen Staate- stellen wer­den. Ich ordne daher an:

1. Die Auslösung solcher katholischer Organisa- tionen, die durch den vorliegenden Vertrag anrr. konnt sind, und deren Auslösung ohne Anweisung der ReichSregierung erfolgte, find sofort rückgängig zu machen.

L Alle Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und

andere Führer dieser katholischen Organisationen sind aufzuheben. Line Wiederholung solcher Maßnahmen ist für die Zukunft unzulässig und wird nach Maß­gabe der bestehenden Gesetze bestraft.

Ich bin glücklich in der Ueberzeugung, daß nun- mehr eine Epoche ihren Abschluß gefunden hat, in der leider nur zu oft religiöse und politische Inter­essen in eine scheinbar unlösbare Gegensätzlichkeit ge- raten waren.

Der zwischen dem Reich und der katholischen Kirche abgeschlossene Vertrag wird auch aus diesem Gebiet der Herstellung des Friedens dienen, besten alle be­dürfen.

Ich habe die parke Hoffnung, daß die Regelung der das evangelische Glaubensbekenntnis bewegen- den Fragen in kurzer Zeit diesen Akt der Befriedi­gung glücklich volleÄwn wird.

Reichskanzler Hitler an Vizekanzler von Papen

Berlin, 8. Juli.

Der Reichskanzler hat zum Abschluß der Kon­kordats folgender Telegramm an Vizekanzler von Papen gerichtet:

„Nehmen Die bitt«, Herr Vizekanzler, zn dm» er­folgreiche» Abschluß des neuen Vertrages Mischen dem Deutsche« Reich und der Katholischen Kirche meine« aufrichtigen Glückwunsch und meinen Dank entgegen"

Wir sind der Meinung, daß es neben uns noch eine Zeitung geben soll. Wie weit diese sich behaupten kann, wird wesentlich von ihr .selbst abhängen, denn die Bremer haben einen in den Jahren unserer Aufklärungs­arbeit geschärften Sinn. Die Vergangenheit einer Zeitung ist selbstverständlich nie v:n ihr zu trennen. Jede Zeitung hat „ihren" Geist Wesentlicher wird aber doch das Gebare.« die­ses betriebseigenen Geistes in. Zukunft sein Das Urteil fällt allemal das lesende Publi­kum selbst. Das bremische Publikum wird also auch entscheiden, ob Dr. Goebbels das zukünftige Kriterium der bremischen bür­gerlichen Presse skizziert hat, oder ob dieses kriterium erfreulicherweise auf die angezo­gene Presse nicht zutrifft, als er am 4. d. "its. tm Rundfunk ausführte:

„Sie hinken asthmatisch keuchend hinter der Geschichte her. Unterdes sind wir an ihnen vorbeimarschiert und haben Geschichte gemacht. Jetzt schreiben sie, was wir jetzt täten, das hätten sie ja schon immer ge­wollt. Sie seien national, sie seien sozial. Sie schwächen immer ab. Sie sagen nicht sozialistisch, sondern sozial, nicht nationa­listisch, sondern national. In dieser langen Endsilbe —al liegt schon was sie sind: Leicht angeschleimt."

Die „BNZ." ist das Kampfinstrument der Dewegung — wie immer seit ihrem zwei- einhalbjährtgen Bestehen, so auch in der Zu­kunft, in der Evolution genau so wie in der Revolution. Als Gründer und Verlagsleitcr glaube ich der Garant für die Geradlinigkeit der „BNZ." zu sein und betrachte mich als Hüter unseres „BNZ. "-Geistes:

Für die Bewegung, die Deutschland ist, alles!

8 MWomZr Darlehen Wr AebeiiSbeWsMmg

Berlin, 8. Juli.

Das Reichskommissariat für Arbeitsbeschaf- fting teilt mit, daß der Kreditausschuß der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt in dieser Woche Darlehnsanträge über rund sechs Mil­lionen RM. aus dem Sofortprogramm be­willigt hat. Aus der sehr reichhaltigen Tages­ordnung der Ausschußsitzung - es wurden weit über 100 Anträge behandelt — seien fol­gende größere Bewilligungen hervorgehoben: 0'5 FiMonen RM. für forstliche Wegebauten m WiMteM>erg, rund 0,6 Millionen für d e Erweiterung einer Wasserversorgungsunlage m Kreis Stade, rund 0,5 Millionen für größere Arbeiten zur Regulierung von Was- serläufen. und zwar für den Ausbau der Lohe in Niederschlesien, und für die Regulie­rung der Ludst im Landkreis Guben.

Von Interesse ist ferner noch, daß der Was­serbaudirektion Königsberg ein Darlehen von 150000 RM. zur Untersuchung oes Un­tergrundes der beiden ostpreußischen Hafte """ Gehrungen bewilligt wurde. Ve- ^*Euch schweben hier, teilweise ausgelöst durch die Erörterungen über die Ursach n der Hafflrankheit, verschiedene Projekte, die entweder eine Ableitung der Abwässer oder aber auch Landgewinnung durch Trocken­legung zum Ziele haben Die Untersuchungen, die jetzt mit Hilfe der Mittel des Sofor<prc- angestellt werden, sollen der eno- Klärung der Frage dienen, auf wcl- Wege die Haffprobleme am zweckmä­ßigsten gelöst werden können

ireubildung des Preußischen StaaiSraLeS

Berlin, 8. Juli.

Das Gesetz über den Staatsrat, das vom preußi­schen Staatsministerium in seiner Sitzung am 7. Juli unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Goering beschloßen worden ist, besagt u. a.: Der Staatsrat berät das Staatsministerium bet der Führung der Staatsgeschäfte.

Den Staatsrat bilden:

1. kraft ihres Amtes der Ministerpräsident und die Staatsminister,

2. kraft Ernennung durch den Ministerpräsidenten bis zu 50 Personen.

Die Mitglieder des Staatsrats führen die Amts­bezeichnung: Preußischer Staatsrat. Zum Staats­rat kann nur ernannt werden, wer u. a. mindestens 25 Jahre alt ist und die Rechte eines deutschen Staatsbürgers besitzt.

Der Ministerpräsident ernennt die Staatsräte

aus folgenden Gruppen:

1. Gruppe: Staatssekretäre.

2. Gruppe: Der Stabschef der gesamten SA., der Reichsführer der SS., der Stabsleiter der PO-, die für preußische Gebietsteile zuständigen Gauleiter der NSDAP. und die eine Gruppe führenden Obergrup­penführer der SS.

8. Gruppe: Vertreter der Kirchen, von Wirtschaft, Arbeit, Wissenschaft und Kunst sowie sonstige um Staat und Volk verdiente Männer.

Der Ministerpräsident, die Staatsminister und die > Staatssekretäre gehören dem Staatsrat für die Dauer ihres Amtes an, die Staatsräte der zweiten Gruppe für die Dauer der dort bezeichneten Aemter in der nationalsozialistischen Bewegung, die Staatsräte der dritten Gruppe auf Lebenszeit.

Präsident des Staatsrats ist der Ministerpräsident

Der Ministerpräsident gibt dem Staatsrat eine Ge­schäftsordnung. Die Staatsräte sind verpflichtet, an allen Sitzungen teilzunehmen, soweit sie nicht vom Ministerpräsidenten beurlaubt sind. Die Staatsräte äußern sich zu den Vorlagen, die dem Staatsrat zu­gehen. Wichtige Gesetze sollen vor ihrer Verkündung dem Staatsrat vorgelegt werden. Hält ein Staats­rat die Beratung einer sonstigen Angelegenheit für erwünscht, so teilt er dies dem Ministerpräsidenten unter Darlegung der Gründe mit; der Ministerpräsi­dent entscheidet endgültig, ob der Anregung zu ent­sprechen ist.

Der 'Staatsrat stimmt nicht ab. Die Sitzungen des Staatsrats sind nicht öffentlich. Der Reichs­kanzler kann jederzeit die Einberufung des Staats­rates verlangen; er kann im Staatsrat Derzeit er­scheinen und das Wort nehmen.

Das Amt der Staatsräte ist ein Ehrenamt. Die Staatsräte erhalten freie Eisenbahnfahrt und Aufwandsentschädigung nach Maßgabe von Vor­

schriften, die das Staatsministerium erläßt. Ein Verzicht auf die Aufwandsentschädigung Ist nicht statthaft.

Dieses Gesetz tritt mit dem auf die Verkündung folgenden Lage in Kraft. Mit dem Inkrafttreten ist der bisherige Staatsrat aufgelöst.

Die neuen StaatSratSrnttglieder

Berlin, S. Juni.

Ministerpräsident Goering hat als Führer des neuen Staatsrats in den Staatsrat berufen: Alle preußischen Minister, die Staatssekretäre Grauert vom Innenministerium und Koerner vom StaatS- ministerium, den Stabschef der SA., Hauptmann a. D. Rühm, den Reichsführer der SS-, Himmler, den Stabschef der Politischen Organisation der NSDAP. und Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, den Oberpräsidenten und Gauleiter Koch-Königsberg, den Gauleiter Karpenstein-Stettin, den Operpräfidenten und Gauleiter von Brandenburg-Grenzmark, Kube, den Oberpräsidenten von Nieder- und Oberschlesten und Gauleiter Brückner, den Gauleiter von Halle- Merseburg, Jordan, den stellvertretenden Gauleiter Görlitzer-Bcrlin, ferner die Gauleiter Wagner- Bochum, Terboven-Essen, Florian, Siemen-Koblenz, GrohL-Köln, Weinrich-Kasiel, Telchow-Hannover-Ost, Operprästdent und Gauleiter Lohse-Kiel.

Für diejenigen Gauleiter der NSDAP-, die gleich­zeitig Statthalter eines anderen Gebiets sind, also die Gauleiter Leuper, der Statthalter von Braun- schweig-Anhalt ist, den Gauleiter Meyer, der Statt­halter von beiden Lippe ist, den Gauleiter Sauckel, der Statthalter von Thüringen ist, und den Gau­leiter Sprenger, der Statthalter von Hessen ist, wer­den die stellvertretenden Gauleiter tu den Staatsrat berufen.

Ferner sind folgende Obergruppenführer der SA. in den Staatsrat berufen worden: Polizeipräsident Heines-Breslau, Litzmann-Königsberg, von Jagow- Kaffel, Luyker-Niederrhein und Oberpräsident Lutze« Hannover, ferner die SS.-Gruppenführer Ministe­rialdirektor Daluege-Berlin, von Woyrsch und Po­lizeipräsident Weitzel-Düsseldorf.

Als Vertreter der Wirtschaft ist der Indu­strielle Thyssen, als Vertreter des Stahlhelms Ritt­meister a. D. Morozowicz, ferner aus der Gruppe von Personen, die besondere Verdienste um den Staat haben, der frühere Oberpräsident von Ostpreußen, Kutscher, und der bisherige Oberpräsident von Pom- mer, von Halfern, in den Staatsrat berufen.

Der neue preußische Staatsrat wird außerordent­lich feierlich mit einem großen Staatsakt crössnet werden und in einem Saal des Berliner Schlosses tagen.

Es sitzt kein AWiMMen mehr

MmislerßrWdenL Goering Weicht Wer den neuen SiaatSeal

Berlin, 8. Juli.

Ministerpräsident Goering sprach Sonnabend

mittag vor Vertretern der Presse über den neuen preußischen Staatsrat.

Nachdem nun die Totalität des Staates erreicht ist, so sagte der Ministerpräsident u. a., ist die große nationalsozialistische Freiheitsbewegung das Funda­ment des neuen Staates geworden. Das neue Deutschland baut sich auf den Nationalsozialismus auf. Mit dem Tode der Parteien war es selbstver­ständlich oder vielleicht vor allen Dingen dadurch bedingt, daß die Bewegung zunächst die Parlamente zerschlagen hat,

Im nationalsozialistischen Staat gibt es kein Ab­stimmen, gibt es den Begriff der Mehrheit nicht mehr. Der nationalsozialistische Staat kennt nur eine Autorität und diese geht von oben nach unten, und erkennt nur eine Verantwortung, und diese geht von unten nach oben.

Die Mächt, die uns heute gegeben ist, ist ungeheuer. Und deshalb gerade müssen die Männer, die in die­ser Machtvollkommenheit stehen, dafür Sorge tra­gen, daß sie jederzeit und immer diese Macht nur zum Segen des Volkes anwenden können. Wenn man, eine derartige Machtvollkommenheit besitzt und 'die Parlamente ausgeschaltet sind, könnte die G«.

fahr bestehen, besonders bei der großen Last und Ueberlast der Arbeit der führenden und regierenden Männer, daß sie einen gewißen Kontakt mit dem Volke verlieren. ES ist aber auch wieder ein Grund­prinzip deS Nationalsozialismus, daß die führenden Männer immer nur und dringend diesen Kontakt behalten müßen, daß sie sich immer als mitten im Volke stehend fühlen, daß ihre Hauptaufgabe ist, Sorgen, Bedürfnisse und Wünsche und Notwendig­keiten des Volkes richtig zu erkennen und dement­sprechend zu handeln.

Ich will durch den neue» preußischen Staatsrat nun die lebendige Verbindung mit dem preußischen Volke herstellen, will orientiert werden über die Sor­gen und Wünsche der Bevölkerung, will orientiert werde«, wie sich die Gesetze auswirken, wie die Er- laße und Gesetze der Regierung im Volke selbst ver­standen werden.

Es war also nötig, sich darüber klar zu werden: Wer find nun die Personen, die am besten über die Stimmung des deutschen Volkes Bescheid wissen, welcher find die Persönlichkeiten, die die engste Ver­bindung mit dem Volke haben. ES war selbstver­ständlich, daß wir sofort aus die Gauleiter der NSDAP. kommen mußten. Sie stehen lebendig im Volke, sie sind es, zu denen die Sorgen herangetragen werden, die ständig in lebendigster und dauernder Fühlung mit dem Volke stehen. Daneben sind es in größerem Umfange die höheren SA.- und SS.- Führer und die Männer, die durch besondere Lei­stungen aus besonderen Gebieten des öffentlichen Le­bens hervorgetreten sind. Aus der Fülle dieser Men­schen wird der neue Staatsrat berufen. Seine Auf­gabe ist es, dem Ministerium zur Seite zu stehen, um das Ministerium ins Bild zu setzen über das, was nötig ist, Anregungen dem Ministerium zu geben, damit die Regierung weiß, was sie machen muß und kann. Vor allem hat er aber die Regierung zu be­raten in ihrer Gesetzgebung, damit die Gesetze, die gemacht werden, lebendig sind, die Regierung zu be­raten, wie das Gesetz sich auswirken wird, damit auch hier Fehler und Rückschläge vermieden werden können.

Selbstverständlich ist es, daß dieser Staatsrat nur ein beratendes Organ ist. Abgestimmt wird nicht. Das wäre eine Sünde wider den national­sozialistischen Geist und ein Rückfall in parlamen­tarisch-demokratische Gebräuche. Auch hier herrscht durchaus das Führerprinzip, und doch kommt dem Staatsrat eine ungeheure Aufgabe zu und er trägt eine gewaltige Verantwortung.

Darum haben wir uns auch entschlossen, den Staatsrat so herauszuheben, wie es seiner Verant­wortung entsprechen muß, das heißt, es gibt keinen Staatsrat mehr in Mitgliedern, sondern es gibt in Zukunft nur und vor allem „preußische Staatsräte". Jeder, der im preußischen Staatsrat ist, trägt den Titel „Preußischer Staatsrat" und ist so zu betiteln und anzureden. Die Stellung des Staatsrates ist herausgehoben. Er kommt unmittelbar hinter den Ministern, steht also über allen anderen Beamten der Preußischen Verwaltung.

Ein weiteres ist noch geschehen. Das Gesamtmini- steriüm selbst ist Mitglied des Staaisratss, und selbst die Staatsminister tragen außer ihrem Titel als Staatsminister noch dm Titel „Staatsrat". Damit ist zum Ausdruck gebracht worden, welche große Be­deutung diesem Staatsrat zuteil kommen «oll. Der Staatsrat wird auch in außerordentlicher feierlicher Weise in . den nächsten Wochen eröffnet werden. Er wird im Berliner Schloß tagen, um auch hier ihn von vornherein in . die Mitte einer Umgebung zu setzen, die.große Traditionen hat.

Der Staatsrat ist keine formale Einrichtung, son­dern er ist eine unerhört wichtige, nächst der Staats-

sFortsetzung aus bette S)

Randbemerkungen

Von Kurt Teege.

Bremen, 9. Juli.

In der von der Not unseres Vaterlandes wohl am schwersten heimgesuchten Provinz Ostpreußen liegt ein Ort, dessen Name aus der deutschen Ge­schichte nicht mehr auszulöschen ist. Das ist Neu­deck, das Besitztum deS Reichspräsidenten von Hin- denburg. Viele Staatsmänner haben sich dort auf­gehalten und schwerwiegende politische Entscheidun­gen find hier gefallen. Als die NSDAP noch im Kampf um die Macht stand, sahen die Marxisten aus begreiflichen Gründen ihre Ausgab« darin, den Reichspräsidenten von der „Staatsgefährltchkeit" der NSDAP zu überzeugen. In Neudeck wurden di« Unterdrückungsmaßnahmen gegen die deutsche Frei­heitsbewegung beschloßen, wurden Notveroronungen über Notverordnungen unterzeichnet, auf Grund de­ren Hunderte und Tausende nationalsozialistischer Kämpfer wegen ihrer Liebe zu Deutschland ins Ge­fängnis wanderten. In Neudeck wurde Brüning ge- stürzt und Papen ernannt, in Neudeck gaben sich gewisse Kreise die größte Mühe, den Führer deS neuen Deutschlands, Adolf Hitler, nie an die Macht kommen zu laßen.

Und trotz aller Verbote, Unterdrückungen und Jntrigen ist Mols Hitler siegreich aus dem Kampf gegen die Marxisten hervorgegangen. Die Zeiten haben sich geändert. Wenn früher Minister des alten Systems nach Neudeck fuhren, wurden sie nicht von einer spalierbildenden Mengt begrüßt, tm Gegenteil: oft war eS so, daß diese Herren mit nicht gerade schmeichelhaft zu bezeich­nenden Zurufen bedacht wurden, bo groß war ihre „Popularität".

Ja, die Zeiten haben sich geändert — am letzten Junitag hat der Kanzler deS neuen Deutschlands mit dem Reichspräsidenten in Nendeck wichtige po­litische Verhandlungen geführt und Entscheidungen getroffen. Bor zwei Tagen wurden durch das Staats­oberhaupt in Neudeck der nationalsozialistische ReichS- ernährungSminister R. Walther Darrä und der Reichswirtschaftsminister Schmitt auf ihr neues Amt vereidigt. Heute steht die Menge spalierbildend an den Zufahrtsstraßen nach diesem kleinen ost­preußischen Ort und jubelt den nationalsozialistischen Führern zu im Bewußtsein, daß zum ersten Dftil« wieder Männer nach Neudeck fahren, die wirklich nur das Beste für Deutschland wollen, die einen gradlinigen Weg gehen und die ihr ganzes Han­deln dem einen Grundsatz unterordnen: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz"!

Von Anfang an hat sich die nationalsozialistische Bewegung das Ziel gesetzt, den Staat zu erobern und diesen mit den Grundsätzen der nationalsozia­listischen Weltanschauung zu erfüllen und so in diesem Geiste Deutschland neu aufzubauen. In den wenigen Monaten, in denen der Nationalsozialismus herrscht, ist seinem Führer ein Werk gelungen, das einzig in der deutschen Geschichte dasteht und das selbst ein Bismarck nicht vollbrachte. Der Parteien- staat ist tot. Mit der Selbstauslösung des Zentrums ist die letzte Partei in Deutschland ver­schwunden. Die Entwicklung zum deutschen Einheits­staat geht weiter.

In diesem deutschen Einheitsstaat werden die bis­herigen Führer des Zentrums keinen Platz mehr an der Sonne einnehmen. Von allen deutschen Parteien, die in den letzten Tagen ihr Dasein aufgegeben ha­ben, sind die Abgeordneten zum größten Teil von den Fraktionen der NSDAP als Hospitanten aus. genommen worden. Nur beim Zentrum und seinem

l'slskoü llnimsr äer L.N.L.

Am Oeersn, kol. 62 ?

süddeutschen Anhängseln der Bayrischen Volkspartei, ist das nicht der Fall. Und das mit Recht!

Denn denken wir an die Tätigkeit des Zentrums in den letzten 14 Jahren, so ist uns deutlich und unauslöschbar im Bewußtsein, daß es führende Zentrumsleute waren, die mit dem rheinischen Se­paratismus Hand in Hand gingen, daß es der Zentrumsabgeordnete Dr. Bell war, der den Vcr- sailler Vertrag unterschrieben und daß das Zentrum 14 Jahre lang nach allen Kräften bemüht war, mit den Marxisten als Bundesgenossen, die nationalst- zialistische Bewegung, die heute die alleinige Macht in Deutschland besitzt, zu unterdrücken und zu knebeln. Wenn der Führer bei allen diesen Dingen dem Zentrum noch das Zugeständnis ge­macht hat, einen Verbindungsmann zur NSDAP stellen zu dürfen, so ist das ein großmütiger Ent­schluß, der daraus basiert, daß der Nationalsozialis­mus jedem die Hand reicht, der es ehrlich meint, daß er aber auch jedem die Faust zeigt, der mit der Maske des Heuchlers die Aufbauarbeit am neuen Staat sabotieren will.

Wir wollen hoffen, daß das Zentrum diese Groß­mütigkeit des Führers voll zu würdigen weiß, wer­den aber auf der anderen Seite nicht versäumen, aufzupassen und wachsam zu sein, denn man kann nicht von heute auf morgen vom Feind zum Freund des Nationalsozialismus werden. Unerbittlich werden wir gegen die vorgehen, die sich äußerlich einen nationalsozialistischen Anstrich gegeben haben, inner­lich aber der gleiche Schweinehund geblieben find. Und für uns Nationalsozialisten ist das Innere maß. gebend.

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I Seit der Machtübernahme durch Hitler ist eine 1 bedeutende weit über das saljonmäßLn übliche Maß