Ausgabe 
(7.7.1933) Nr. 178
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Nr. 178. Jahrgang 1833

v«rlag. Schristlettung und GeschSstSstelle: Papenstrah« 18. Sprech- stund«« d«r Schristlettung! Montag btL Freitag 18 bis 1v Uhr. F«rnspr«cher: DomSheid« 260 SI. — Di« BNZ erscheint täglich morgens, nur am Montag mittag-, und kostet monatlich 2.30 ein» schließlich Botenlohn, durch die Post bezogen erhöht sich der Preis um »2 Zustellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichte».

Bremen. Freitag, den 7. Juli 1933 Einzelpreis 15 Big.

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vreMrIlalwMlioriMMMe Zeitung

Das Tlrntlieke Orcrcrn des Senciis der ^rererr Brernsn

V« Führer hül« Wort:

vftprrutzen wird wieder ausgebaut

Königsberg i. Pr„ 6. Juli.

Mr find in der Lage, au« der Lhesbesprechung in der Reichskanzlei über die Rettungsaktion für Ost­preußen Nähere- mitzuteilen. Danach stehen im einzelnen folgende Maßnahmen bevor:

Die Provinz Ostpreußen soll weitgehend indu­strialisiert werden und zwar durch Schaffung von Filialbetrieben der im Reich« bereits bestehenden Industrien und durch Verlegung von Betrieben der weiterverarbeitenden Industrie in die ausschließlich ländlichen ostpreutzischen Bezirke. In Frage kommen vor allen die Metallindustrie und die Textilindustrie. Vielleicht will man den Belegschaften, d. h. den Arbeitern und Angestellten, genügend Land zuteilen, um einen bodenständigen Stamm zu schassen, etwa nach der wirtschaftlichen Struktur Württembergs. Ebenso ist an die Auswertung der gegebenen Aus­fuhrmöglichkeiten gedacht und die Neuanlage bzw. der Ausbau von Wasserstraßen geplant.

Mau will der Industrie einen ausreichenden Auf­tragsbestand für eine Reihe von Jahren zusichern. Zu diesem Zweck wird der Anteil Ostpreußens bei der Vergebung von öffentlichen Arbeiten über den Bevölkerungsanteil hinaus erhöht werden.

Zu diese« Industrielle« Maßnahme« kommt ein be­sonderer Gedanke des Reichskanzlers, Ostpreußen auch zu einer kulturellen Kraftquelle zu machen. Es ist daran gedacht, die KönigSbergcr Universität zu einer Nationalurrioersität auszubauen und vielleicht auch ein großes Nationaltheater in Ostpreußen zu schassen.

*

Oft schien es in den vergangenen 14 Jahren, als würde das alte Kolonisierungswerk des deut­schen Ritterordens jäh beendet werden und von den Zinnen der Märienburg und dem Königs- berger Schloß die Banner des vordrängenden Slawentums weh'n. Seit Hello von Gerlach Posen und das heutige Korridorgebiet für schmtziges Geld an die Polen verraten hatte, sank Der Stern der deutschen Hoffnungen auf die Wiederaufrichtung einer seiner blühendsten Pro­vinzen. Heute noch wissen nur wenige um das fürchterliche Elend in den ostpreußischen Städten und Dörfern und um den verzweifelten Kämpf um jede Scholle deutschen Ackers gegen polnische Grundstücksmakler und die schleichende Vertrei­bung aus der heißgeliebten Heimat in den letz­ten Jahren. Erst das Kabinett Hitler übernahm Nach dem unglücklichen Kriege die Ueberlieferung Heinrich von Plauens und begann wieder aufzu­bauen, was unverantwortliche Elemente in Ihrem westlichen Liberalismus zerschlagen hat­ten. Wer je den Mythus deutscher Ostlandfahrer -rlebte, sieht mehr in diesem Aktionsprogramm rlS nur Gesetze und Artikel, sondern den alten Geist der Hochmeister wieder lebendig werden: Gen Ostland woll'n wir reiten.

MirMervereMgung in . Rerrdeü

Berlin, 7. Juli.

Wie die Telegraphen-Union erfährt, werden ReichSernährungsminister Darrö und Reichswirt­schaftsminister Schmitt am Freitag mittag vom Reichspräsidenten in Neudeck empfangen und der, «idigt.

Uederfliiffige Einmischung Sir John Simons in

innerdeutsche Angelegenheiten

London, S. Juli.

Am Schluß seiner gestrigen Nnterhausrede befaßte sich Staatssekretär Sir John Simon auch mit Deutschlands innerpolittschen Angelegenheiten. ES sei heute, führte er aus, sehr allgemein das Gefühl der Bestürzung und Sorge über die Lage gewisser Min­derheiten in Deutschland zum Ausdruck gekommen. Die im Unterhaus gefallenen Aeußerungen seien keineswegs im Geiste engherziger Kritik oder im Namen von Parteien gemacht worden, sondern der Ausdruck der wohlerwogenen Ueberzeugung des bri­tischen Volkes in seiner Gesamtheit. Es sei tragisch, daß die Ereignisse der Gegenwart und jüngsten Ver­gangenheit so viel getan hätten, gerade bei den Leu­ten, deren Stimmung gegen Deutschland immer freundlich war, einen Teil der Sympathien zu zer­stören, die Deutschland brauche. Es sei ernstlich zu wünschen, daß die Zeit kommen möge, wo Groß­britannien mit gutem Gewisien an einer Lösung der Probleme Europas mithelfen könne. Dies wäre

aber nur möglich, wenn Großbritannien vollstes Ver­trauen hinsichtlich der Behandlung der Minderheiten

in allen Teilen der Welt hätte.

»

Sir John Simon erklärt zwar, daß er die deutschen Probleme in aller Freundschaftlichkeit behandeln wolle, und es liegt uns sicherlich fern, daran zu zweifeln. Wir wollen aber doch zum Ausdruck bringen, daß ebenso wenig, wie es die englische Regierung gern sehen würd«, wenn man sich in innerpolitische englische Angelegen­heiten einmischt, auch Deutschland es ablchnt, wenn ein fremder Staatsmann, wie Simon eS vor dem Unterhaus getan hat, sich mit deutschen innerpolitischen Fragen beschäftigt. Dieser Wunsch ist umsomshr gerechtfertigt, als Sir John Simon weder im Hinblick auf Tatsachen richtig unterrichtet ist, noch auch dem, was in Deutschland vor sich geht, das notwendige Ver­ständnis. entgegenbringt. Wo in Deutschland

halbverhungerte Menschen gesirnden sein sollen, bleibt sein Geheimnis. Daß ferner die Juden­frage nicht, wie eS immer wieder geschieht, als eine Rafsenfrage schlechthin behandelt werden darf, sollte ihm bekannt sein. Handelt es sich doch in erster Linie darum, das jüdische Element in Deutschland auf das Maß an Beteiligung am öffentlichen Leben und an sonstigen Einflüssen im Beruf usw. zurückzuführen, wie ihm seiner anteiligen Bevölrerungsziffer nach tatsächlich zu­kommt.

Wenn es auch schon außerordentlich schwierig sein wird, anderen Völkern Ratschläge zu geben, wie sie sich ihr innerpolitisches Leben gestalten sollten, so ist dies dann umso bedenklicher, wenn eS auf Grund von falschen Informationen und ohne Verständnis für di« deutsche« Vorgänge geschieht, dazu noch von einem so verantwor- tungSvollen Platz aus, wie eS der englische Staatssekretär getan hat.

4 Todesurteile im VVG.-Aürtber-Vrozed

Sühne sür eine gemeine kommunistische Mordtat

Berlin, 7. Juli.

Im Prozeß gegen die BVG-Räuber wurde am Donnerstag das Urteil verkündet: Die An­geklagten Hildebrandt, Hohersel, Willi Krebs und Achtenhagen wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes, begangen in Tateinheit mit gemein­schaftlichen schweren Raub mit Todescrfolg mitdcmTodebestraft. Außerdem wurde auf schwere Zuchthausstrafen erkannt. Der An­geklagte Wienke erhielt lebenslängliches Zuchthaus, Hoehne sieben Jahre Gefängnis und Max Krebs zehn Jahre Zuchthaus. Der An­geklagte Klann wurde wegen Hehlerei zu vier Jahren Gefängnis und Stach wegen Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Vor dem Gerichtssaal hatte ein starkes Polizeiaufgebot Aufstellung genommen. Es bestand strenge Anordnung, keine weiblichen Zuhörer in den Saal zu lassen. Diese Maß­nahme ist darauf zurückzuführen, daß am letzten Dienstag, als der Anklagevertreter seine Straf- anträge stellte, einige weibliche Personen zu­sammenbrachen und laut aufschrien.

Die Urteilsbegründung

In seiner Begründung führte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schmidt aus: Man muß schon lange zurückgreifen, um auf einen Fall zu stoßen, bei dem die Angeklagten sich so ver­brecherisch betätigt haben. Auch Personen mit langer Erfahrung in den Gerichtssälen haben er­klärt, daß die Ausführung der Taten der An­geklagten außerordentlich frech ist. Das Tun der Angeklagten ist gewachsen aus dem kommunisti­

schen Sumpf der letzten Jahre, und es ist kein Zweifel, daß die kommunistische Welt­anschauung, die sie in ihrer Jugend auf­genommen haben, die Quelle ihres Ver­gehens gewesen ist. Wenn die Verteidigung angeführt hat, es müsse berücksichtigt werden, daß die Angeklagten in dem Lokal, in dem sie ver-' kehrten, in eine Art Heldenverrhrung hineinge­wachsen sind, so bat der heutige Staat gar keine > Veranlassung, eine derartige Heldenverehrung irgendwie zu berücksichtigen. Ein weiteres Mo­ment zum Verständnis der Taten liegt vielleicht in der Lektüre der Zeitungsorgane, die di« An­geklagten gelesen haben. Aber auch hierin liegt keine Ursache für das Gericht, Milde walten zu lassen.

Während die Angeklagten zunächst das Ur­teil gefaßt aufgenommen haben, verfiel gegen Schluß der Angeklagte Wienke in Schreikrämpfe, während der Angeklagte Achtenhagen einen Ohn­machtsanfall erlitt.

Kommunistische Studenten werden von den Hochschulen entsernt

Berlin, 7. Juli.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Wis­senschaft, Kunst und Volksbildung verfügt, daß alle Studierenden an preußischen Hoch­schulen, die sich in den letzten Jahren nach­weislich im kommunistischen Sinne betätigt

haben (auch ohne Mitglied der KPD. zu sein) mit sofortiger Wirkung von dem Universitäts­studium (Relegation) auszuschließen sind, auch wenn die im letzten Absatz däS 8 29 der Vorschriften der Studierenden der Landes- universttäten vom 1. Oktober 1914 angege­benen Voraussetzungen nicht vorliegen.

Zur Feststellung der betreffenden Studie­renden ist die Mithilfe der örtlichen Studie­renden heranzuziehen. Die Namenslisten der relegierten Studierenden sind dem Kultus­ministerium, der örtlichen Studentenschaft und sämtlichen deutschen Hochschulen alsbald zuzuleiten, damit eine neue Immatrikulation an anderen Hochschulen nicht mehr erfolgen kann.

Acht kommunistische Greuelhetzer gefaßt Rccktinghcrusen, 6. Juli.

, Der, Staatspolizeistelle Recklinghauseu ist eS gelungen, rn Recklinghauseu drei uub in Büer fünf führende Funktionäre der KPD. zu ermitteln und festzunehmen,

die planmäßig Greuelmeldungen über Deutschland verbreitet haben.

Die Festgenommenen haben das Zentralor- gan des verbotenen kommunistischen Jugend- verbandes .Lunge Garde" in großen Mengen vertrieben. Die beschlagnahmten Exemplare der „Jungen Garde" enthalten Greuelmeb- tmngen über Deutschland.

Französische Gelder süe Dollsirtz

Paris, 7. Juli.

. Wie aus London geweidet wird, hat der öster­reichische Finanzmintste'r Buresch mit dem fran­zösischen Finanzminister George Bonnet über den französischen Abschnitt der österreichischen Anleihe verhandelt, der nach der gegenwärtig laufenden französischen Anleihe zur Zeichnung, aufgelegt wer­den soll. .Wenn dies zutrifft, dürfte die österrei­chische Anleihe von Banken nur aus rein politischen Erwägungen gedeckt werden, da der Anleihemarkt schon jetzt eine sehr zurückhaltende Tendenz zeigt.

Sie Londoner Konserem «edl weiter

London, 6. Juli.

Die Sitzung des Büros der Weltw irisch asts- konserenz ist soeben beendet. Verschiedene Teilnehmer erklärten beim Verlassen del Sitzungszimmers, daß die Konserenz wei­tergehe. Eine Unterkommission werde sich mit der Frage befassen, welche Verhandlun­gen unter den gegenwärtigen Umständen wei­tergeführt werden können. Das Büro werde zur Entgegennahme des Berichtes dieser Un­terkommission am Montag wieder zusammen­treten. Eine offizielle Erklärung wird im Laufe des heutigen Abends erwartet.

Die GolddloMimder sabotieren die WeUwirtzchaftSkonserenr

Berlin, 6. Juli.

Bei Betrachtung des Scheiterns der Lon­doner Weltwirtschastskonferenz darf nicht übersehen werden, daß der Block der Gold­währungsländer einen wesentlichen Teil der Schuld am Zusammenbrach der Konferenz trägt.

Deutschland ist zu diesen Verhandlungen, die außerhalb der eigentlichen Konferenz stattfanden, nicht zugezogen worden. Ge­rade deshalb können wir in aller Objettivrtät feststellen, daß Frankreich, die Schweiz und Holland in der Kernfrage mindestens eine ebenso intranstgenie Haltung gezeigt Haber wie die Vereinigten Staaten. Die Kernfrage ist für Roosevelt und die Vereinigten Staa ten nicht die Stabilisierung des Dollars ge Wesen, sondern vielmehr die Ordnung der Schuldvcrhältnisse, die durch den allgemeiner Niedergang des Preisniveaus in Unordnung geraten sind- In diesem Zustande steht woh! Roosevelt mit Recht den wirklichen Grün? für die Stagnation des internationalen Gü teraustausches, für den Niedergang der Gü> ererzeugung und für die Arbeitslosigkeit. Bei all seinen Maßnahmen hat Roosevelt das einzige Ziel im Auge, diesem Zustand Rech­nung zu tragen und ihn zu beseitigen. Und gerade in diesem Punkte haben die Glaub! gerländer. Frankreich, Schweiz und Hollani völlia versagt.

Bezeichnend ist, daß sich eben in diesen Län­dern jetzt Vereinigungen gegen die Nicktan- erkennnung der Goldklausel in Schuldner­verträgen gebildet haben. Deutschland hat bei seinen Verhandlungen über das Transfer­moratorium von diesem Shylock-Standpuuft genug zu spüren bekommen- Es fehlt diesen Ländern alles Verständnis für die Notwen­digkeit des Lebens der Völker und für den unbedingt zu bejahenden Lebenswillen von 3V Millionen Arbeitslosen, der noch den Vor­rang vor. solchen Schulden haben mutz, die unter ganz anderen Voraussetzungen zustande kamen. In diesem Problem liegt der Schlüs­sel für die Haltung Roosevelts. In dem Ver­sagen der Goldblocklönder gegenüber dickem Problem liegt die Ursache für das Scheitern der Weltwirtschastskonferenz.

Das geschichtliche Werk Moll Hitlers

von Klaus Gundelach.

(Schluß)

Im Zusammenbruch des Reiches nach dem Tode des letzten Hohenstaufens auf dem Schafott in Nea­pel — dahin hatte die verderbliche Jtalienpolitik geführt — erhob sich in Deutschland der Partikula- rismus der Dynastien und Städte. In der „kaiser- losen schrecklichen Zeit" gelangten die Städtebünde zur Politischen Macht. Schon mit dem Hohenstaufen- kaiser Friedrich II. setzte die Entwicklung zur Macht der weltlichen und geistlichen Dynastien ver­derbenbringend ein. Friedrich II. förderte die Ent­wicklung aus seiner unheilvollen Ideenwelt des römi­schen Weltkaisertums heraus und trat so wieder ein­mal die Belange eines deutschen Königtums mit Füßen. Auch das sollte sich bitter rächen. In dieser Zeit der Mitte des 13. Jahrhunderts vorm Zusammenbruch des großen, aber Deutschland ent­fremdeten Staufergeschlechts beginnt der „Partiku- larismus der Dynastien und Kommunen".

Eine neue mächtige Einheitsbewegung erweckte Dr. Martin Luther. Der Protestantismus rüttelte das deutsche Gewissen aus und „sammelte begeisterte Männer aus allen Stämmen des zersplitterten Volks großem Wirken". Treitschke sagte: „Er begann licht und recht die. verwegenste Revolution aller leiten".

Aber die kaiserliche Macht in den Händen eines fremden der Nation versagte sich der notwendigen jrchlichen und politischen Reform. Im Gegenteil, >as Habsburgische Kaiserhaus führte die Völker des romanischen Südeuropas ins Feld wider die deut­schen Ketzer.

Aber aus Blut und Eisen, aus Verwüstung und Untergang stieg neues Leben. Eine neue deutsche Ge­schichte beginnt und im Zeichen der errungenen Glaubensfreiheit nimmt der werdende preußische Staat, als Schirmherr des Protestantismus, den Kampf um die deutsche Einheit auf. „Von ihm ging fortan das Politische Leben Deutschlands aus"

(Treitschke). Preußen wurde zum Träger der deut­schen Einheitsbewegung. Preußens Antipode war das römisch gesinnte Habsburger Kaisertums, das mit allen oft schamlosen und unwürdigen Mitteln die Einheit verhindern wollte.

Ueber Jahrhunderte marschiert die preußische Ein­heitsbewegung. Die preußischekonservative Revolution vollzog sich von oben, in immer neuen Wellen, durch den monarchischen Staats­gedanken. „Erst die freiheitliche Kirchenpolitik der Hohenzollern hat das Zeitalter der Religionskriege abgeschlossen." (Treitschke.)

Durch die Kraft des deutschen Schwertes gab erst­mals Friedrich Wilhelm der deutschen Nation unter dem Rufe „Gedenke, daß du ein Deutscher bist" einen gemeinsamen Willen gegen das Ausland wieder. Der Große Kur­fürst zwang die rebellischen Stände, als eines Haup­tes Glieder zu leben und schwächte die Macht der Landstände. Er ging auf in dem Gedanken der Reichsreform und vertrat sie auf dem ersten Reichs­tage nach dem Westfälischen Frieden. Friedrich Wilhelm I. schmiedete das preußische Volk „durch die Gemeinschaft schwerer Bürgerpflichten, durch die Einheit des Beamtentums und des Heerwesens" (Treitschke) zusammen. Die übermütigen Stände wurden in die Reihen der „gemeinen Untertanen" herabgedrückt.

Friedrich der Große sah in dem Hause Habsburg den Feind einer deutschen Freiheit und Einheit und in seiner geschichtlichen Sendung den Kampf gegen den Habsburgischen Despotismus. Dieser Kampf schien ihm die Ausgabe des preußischen Staates. Die Erfolge gaben ihm recht. Aber nie dachte er daran, Preußen von dem auseinanderbrechenden deutschen Gemeinwesen zu trennen.

Aber für seine kühnen Pläne aus den-Neubau des Reichs, durch Säkularisation, Stärkung der Macht der größeren weltlichen Reichsstände, die Be­

seitigung des deutschen Dualismus durch einen Bund weltlicher Fürsten, war die entscheidende Stunde noch nicht gekommen.

Friedrichs Werk, der d eut sch e F ürst enb und, konnte sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II. nicht mehr wahren, er zerbrach unter seiner schwächlichen und müden Politik. Durch den Reichenbacher und Wiener Vertrag ketteten kleinmütige Staatsmänner Preußen vorbe« haltslo», auf eigene Initiative und Führertum ver­zichtend, an das Schicksal Oesterreichs, um mit ihm, das damals allein bedroht war, von Napoleon unter­drückt zu werden.

In den hoffnungslosen Kriegen, die mit den Ver­trägen von Camposormio und Luneville endeten, sahen schon Goethe unter der Kanonade von Valmy die Zeitenwende, die jetzt unter den harten Schlägen Napoleons heraufzog, klar voraus. Er erklärte am Wachtfeuer zu den preußischen Offizieren gewandt: „Am heutigen Tage beginnt eine neue Epoche der Weltge­schichte." Ihr undeutsches Gepräge, das die Züge Napoleons trug, erhielt diese Epoche und damit Deutschland aber erst durch den Friedensvertrag von Camposormio und später von Luneville.

Durch die in den Verträgen zwischen der Habs­burgischen Kaisermacht und Napoleon herbeigeführte Verstümmelung der deutschen Westgrenze, durch die Säkularisation geistlichen Gebietes und durch' die Entschädigung ausländischer Fürsten aus Kosten des Reichs, schuf Napoleon daS Föderativ- system, das,bis, in unsere Tage seine verderbliche Gültigkeit bewahrte, und dessen er sich zur Nieder- haltung Deutschlands bediente. Nach den Beschlüssen auf dem Rastatter Kö'ngreß und durch den Reichsdeputatio n>z ha wp't schlnß verteilte in einem verächtlichen Börsenspiel zu Paris Napo­leon deutsches Land und deutsche Menschen unter würdelos bettelnde deutsche Fürsten, nach seiner Gunst und 'seinem .französisch machtpolitischxn I§r- messen. Dynastische Habgier bereicherte sich in dieser schimpflichen Fürstenrcvolütion schmählich an den 'von Napoleon zerrissenen und hingeworfenen Fetzen der geistlichen Staaten.

WaS als geschichtliche Notwendigkeit allein Sache einer deutschen Revolution gewesen wäre, die Ver­nichtung von 112 deutschen Staaten, die längst fällige AnSlöschung des heiligen Reichs, überließen die schwächliche, friedensselige Politik des preußischen Hofes der Habsbugischen Habgier und der Haß und das Mißtrauen der Wiener Hofburg des fremden Eroberers.

So wurde Napoleon zum Schöpfer der deutschen gegen eine preußische Machtpolttik dem Schwerte Mtttelstaaten, um durch ihre Zersplitterung Deutsch­land. für immer in Ohnmacht und Schwäche zu halten.

Erst Adolf Hitler hat Napoleon ganz aus Deutschland vertrieben. Hitler überwand Napoleon. Noch vor kurzer Zeit lieferten die „Geschöpfe des Bonapartismus" in Gestalt der schwarzen Parti- lularisten vom Schlage Held, Sch äff er und Bolz ihre letzten Gefechte gegen das neue Deutsch­land. Sie beriefen sich in ihrem Kampf auf die geschichtslosen Staatenbildungen Napoleons, da aber das deutsche Volk in dem Nationalsozialismus, diese künstlichen Gegensätze einer Deutschland feindlich gesinnten Staatengründung längst überwunden hatte, mußten sie zwangsläufig scheitern. Durch die Ein­setzung der Reichs st atthalter machte Adolf Hitler diesem Treiben der Reichsfcinde für immer ein Ende. Erst er führte die Reichsreform, die seit Jahrhunderten, seit dem Niedergang des heiligen Reichs, der eigentliche Wesensinhalt der deutschen Geschichte ist, zum Besten des deutschen Volkes durch. Adolf Hitlers Reichsstatthalter sind die Garanten der Reichseinheit. .

Die Befreiungskriege brachten zwar die Freiheit von der napoleonischen Schmach, aber trotz revolutionären Willens nicht die Erfüllung der deut­schen Reichssehnsucht. Napoleon hatte weiter gesehen, als seine Zeitgenossen. Blut und Eisen brachen zwar seines äußere Zwingherrschaft, aber seine un­bewußten- heimischen Bundesgenossen in Deutschland Und die''M'e tternich-Politik sabotierten nach wie vor die Einheit.

' Mich 'HäbSburg blieb sich bis in den Weltkrieg hinein und bis aus die heutigen Tage, in denen

die Schwarzen, Dollfuß, Vangoin und Star» hemberg, im Geiste der Habsburgischen Restau­ration Großdentschland mit dem alten Habsburgi­schen Haß bekämpfen, immer gleich.

All das überwand auch Bismarck noch nicht völlig. Es würde im Rahmen dieses Aufsatzes zu weit führen, das gewaltige Werk des ersten Kanz­lers aufzuzeichnen. Er hat die Sehnsucht der Deut­schen seiner Zeit erfüllt und sie aus den verschwom­menen liberalistischen Träumen der 48er Jahre in das harte Reich der Wirklichkeit von Blut und Eisen geführt, nachdem auf wirtschaftlichem Gebiete der preußische Finanzmiuister, v. Motz in dem Deut­schen Zollverein die Vorarbeit geleistet hatte. Bis­marck erweckte nicht nur das Ratio nalgefühl und eine Reichsgesinnung, er baute auch das Reich als ein gewaltiges Haus, dessen monu­mentales Stahlgerippe, dessen geniale Konstruktion für die Ewigkeit errichtet ist, dessen Inneres aber noch im Geiste jener vergangenen Zeiten ausgebaut wurde. Allzuviel Wände trennten in engen Ge­mächern die Menschen eines Blutes. Allzuviel Putz, Zierrat und Stuck-Fassaden täuschten Originalität und klassenmäßige Verschiedenheit vor, in allzuvielen Winkeln konnte sich der StarK in der Dunkelheit der Reaktion aus dem zwecklosen Gerumpel und den Mottenkisten vergangener Jahrhunderte lagern. In diesen Winkeln, in dem zerbröckelten Schutt und dem abgelegten Plunder nisteten sich die Feinde eines gesunden Neuaufbaues, das schwarze und das rote Ungeziefer, ein. Kurzsichtige und alte Menschen wollten es nicht sehen und fühl­ten sich in der Moderlust und dem Gerümpcl ver­gangener Zeiten am wohlsten.

Bis Adolf Hitler kam und gründlich aufräumte. Die roten und schwarzen Gefahrenherde sind aus­gerottet, der alte verstaubte Plunder rücksichtslos ausgekehrt, die trennenden Wände der Stämme, Klassen und Parteien abgerissen und der überladene Stuck klassenmäßiger Eitelkeiten weggeschlagen. Ein frischer Wind weht durch die neuen, hellen und offenen Räume. Es- ist, als ob eine neue Sound über einem neuen Deutschland leuchtet, in dem sicy ein erwach tes Volk an einem frischen Morgen neu einzurichten beginnt.