Nr. 177. Jahrgang 1933
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vreMrllMonalsoriaUmMe Zeitung
_ Das Amlüoke Orcran dos Serrsls der Freierr Vrerner^
Bremen, Donnerstag, den 6. Juli 1S33 Einzelpreis 15 Vig.
Anzeigen: hiesig« die 14 gespaltene mm-Zeile K! 0.10, auswärts Hi-e 0.12; im Lextteil 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche und Familienanzeigen 0.06; sonstige kleine Anzeigen 00.8. Platz- vorschriften ohn« Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot u-s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.
Vor Beilegung des KirchenlonftiNS
Berlin, 5. Juli.
Dt« Verhandlungen, die der Reichsminister des Innern, Dr. Frick, znr Beilegung des Kir- lcheukonftiktes eingeleitet hat, haben bereits das erfreulich« Ergebnis gezeitigt, datz allseits der gute Wille zur schnellstmöglichen Beilegung des Konfliktes festgestellt werden konnte. Es ist zu hoffen, datz im Laufe dieser oder längstens der nächsten Woche durch Vollendung des neuen verfassnngswerkes der ganze Konflikt endgültig a«S der Welt geschafft wird.
NSVAV. Meenlmntt lämMGe WoWahetsemriOtnngen
München, 6. Juli.
Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mit: Unter dem Vorsitz des Reichsschatzmeisters der NSDAP., Pg. Schwarz, fand am Mittwoch im Sitzungssaal des Braunen Hauses in München eine Besprechung über die künftigen Aufgaben und Arbeiten der RS.-Volkswohlfahrt e- V. statt- Der Tagung tzvochnten bei: Der Stellvertreter des Führers, Vg. Hetz, Reichsgeschäftsführer Bouhler, Staatsratspräsident Pg. Dr. Leh, der Leiter her NS.-Volkswohlfahrt, Pg- Hilgenfellt, der Stellvertretende Reichspropagandaleiter Pg. Fischer, Reichsarzt Pg. Hochwisch, der Letter der Kriegsopferverbände, Oberlindober, sowie die Vertreter der Neichsjugend- führung und der NS.-Frauenschaft. Nach eingehenden Ausführungen des Reichsschatzmeisters der NSDAP- gab Pg. Hilgenfeldi in großen Zügen ein Bild über die Ar' der Sozialarbeit in den zurückliegenden Jahren und legte anhand von Beispielen die Notwendigkeit dar, daß nunmehr auch auf oem Gebiete der Wohlfahrtspflege und -fürwrae nationalsozialistisches Denken und Wollen Ausdruck findet. Einmütigkeit herrscht dar- über, datz es zu diesem Zweck unerläßlich ist, datz die NSDAP. die Führung über sämtliche Wohlfahrtseinrichtnngein übernimmt. Nach Besprechung von Organisationsfragen wurden Reichsschatzmeister Pg. Schwarz sowie Gtabsleiter Pg. Dr. Bormann als Vertreter der NSDAP. in die Leitung der NS.-Volls- wohlfahrt e. V. berufen-
MMHmeWrre ftie SA.. SS. und Stahlhelm
Berlin, 6. Juli
Die Pressestelle der obersten SA.-Führung teilt mit:
Für die gesamten der obersten GA.-Füh- rnng unterstellten Gliederungen (SA,, SS , Stahlhelm) ordne ich ab 10. Juli 1833 eine Ausnahmesperre bis aus weiteres an. Aufnahmen in besonders gelagerten Fallen sind in jedem Falle der Genehmigung der obersten SA.-Führung vorbehalten.
Der Chef des Stabes: Röhm.
25« «W Mann werde« neu eingestellt
Das Arbeitsveschafsimasprogramm der Reichsbahn
Berlin, 6. Juli.
Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn tagte am L. und 4. Juli 1933 in Berlin. Der vorläufige Ueberblick über die Entwicklung der Einnahmen für das erste Halbjahr 1933 zeigt, daß gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres die Gesamteinnahmen um 4,3A, gegenüber 1929 aber um 47,7A zurückgegangen sind. Gegenüber 1932 sind lediglich die Einnahmen im Personenverkehr beträchtlich niedriger. Die Einnahmen im Güterverkehr liegen um rund 2?9 höher. Diese Tatsache berechtigt zu der Hoffnung, daß die wirtschaftliche Entwicklung dt« bisherige Eiunahmeschätzung für 1933 rechtfertigen wird.
Die Reichsbahn wird ihrerseits die Entwicklung durch ein großes Arbeitsbeschassungsprogramm fördern, das die Hauptverwaltung im Rahmen des Generalangriffs der Reichsregierung aus die Arbeitslosigkeit vorbereitet hat, und das der BerwaltungS- rat genehmigt hat. In eingehenden Besprechungen mit der Reichsregierung und der Reichsbank ist ein Arbeilsprogramm in Höhe von 569 Millionen RM. aufgestellt und finanziert worden.
Da zunächst die Auflegung einer langfristigen Anleihe noch nicht möglich ist, erfolgt die Aufbringung des Geldbedarfes zwischenzeitlich durch Wechsel, deren Unterbringung gesichert werden konnte. Die Reichsbahn wird die Mittel in erster Linie zur verstärkten Verbesserung der vorhandenen Anlagen verwenden und erst in zweiter Linie neue Anlagen herstellen. Es handelt sich durchweg um Arbeiten, die auch unter den heutigen Umständen als nützlich und wirtschaftlich vertretbar bezeichnet werden.
Es sind folgende Arbeiten vorgesehen:
Oberbauarbeit-en 155 Will. RM.
Pflege und Verbesserung des vorhandenen Fahrzeugparks 44 „ „
Unterhaltung und Erneuerung der baulichen Anlagen 70 „ „
Unterhaltung und Erneuerung der maschinellen Anlagen 22 „ „
Beschaffung von Lokomotiven und Wagen 76 , „
Kraftwagen 15 „ „
Förderung und Fertigstellung begonnener Bauten und für den Beginn der Berliner Nord—Süd S-Bahn 126 „ „
zusammen 510 Mill. RM. Mit den ausgeführten Arbeiten können 259 999 Arbeitskräfte durchschnittlich für die Dauer eines Jahres beschäftigt werden. Die Arbeite» sollen schleunigst vergeben werden.
Der Berwaltungsrat beschloß ferner, von der reichsgesetzlichen Ermächtigung zur Gründung des Zweigunternehmens „Reichsautobahnen" Gebrauch zu machen; damit die Arbeiten sofort in Angriff ge- nommen werden können, ohne die endgültige Finanzierung abzuwarten, stellt die Reichsbahn dem neuen Unternehmen ein Darlehen von 50 Millionen Reichsmark zur Verfügung. Die Arbeiten haben aus der Strecke Frankfurt—Mannheim bereits begonnen.
Der Verwaltungsrat bildete aus seiner Mitte einen Ausschuß für Personalangelegenheiten, bestehend aus den VerwaltungLratsmitgliedern Putsch, Renninger, Freiherr von Schröder und Etieler. Dieser Ausschuß wird sofort in «ine Ueberprüfung der auf dem Personalgebiet liegenden Fragen eintreten.
Die ArWfimg der ZentrirmSpartei vollzogen
Kein geschlossener AeberüM der Abgeordneten znr NSVAV.
Ve. SackelSberger Verbindungsmann
Berlin, 6. Juli.
Die Auslösung der Deutschen Zentrumspartei ist erfolgt. Sie wurde bekanntgegeben durch folgenden Auslösungsbeschluß der Reichsleitung des Deutschen Zentrums:
Berlin, 5. Juli.
Die politische Umwälzung hat das deutsche EtaatS- leben aus eine völlig neue Grundlage gestellt, die für eine bis vor kurzem mögliche parteipolitische Betäti- gung keinen Raum mehr birgt. Die Deutsche Zentrumspartei löst sich daher im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler Hitler mit sofortiger Wirkung auf.
Mt dieser Auflösung gibt sie ihren Anhängern die Möglichkeit, ihre Kräfte und Erfahrungen der unter Führung des Herrn Reichskanzlers stehenden nationalen Front zur positiven Mitarbeit im Sinne der Festigung unserer nationalen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse und zur Mitwirkung am Neuaufbau einer rechtsstaatlichen Ordnung rückhaltlos zur Verfügung zu stellen.
Die Zentrumspartei vollzieht den notwendigen organisatorischen Abbau mit tunlichster Beschleunigung. Sie darf hierbei loyalerweise damit rechnen, daß die Abwicklungsarbeiten nicht gestört werden, daß Beschlagnahme von bisherigem Parteigut, wie politisch bedingte Verhaftungen von ehemaligen Parteiangehörigen in Zukunft unterbleiben und bereits Verhaftete wieder freigelassen werden, soweit nicht Verdacht strafbarer Handlungen vorliegt.
Sie gibt ferner der berechtigten Hoffnung Ausdruck, daß die bisherigen Anhänger der Zentrumspartei
durch den Führer der nationalsozialistischen Bewegung in Zukunft vor Diffamierung und Zurücksetzung geschützt werden und daß die katholische, zum nationalen Staat eingestellte Presse die gleiche Behandlung erfährt, wie die übrige nationale Presse.
Den Mandatsträgern im Reichstag, den Landtagen und in den kommunalen Körperschaften ist hinsichtlich der Beibehaltung ihrer Mandate völlige Entschluß- freiheit anheimgegeben.
Die Mitglieder der bisherigen Zentrumssraktionen treten also nicht geschlossen als Hospitanten in die Fraktionen der NSDAP. über, sondern bleiben vorerst fraktionslos und lediglich durch Verbindungsmänner mit den Fraktionen der NSDAP. in Fühlung. Die Bestellung dieser Verbindungsmänner ersolgt in unmittelbarer Verständigung mit den zuständigen Fraktionsvorsitzenden der NSDAP.
Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler und den zuständigen Fraktionsvorsitzenden der NSDAP. wird als Verbindungsmann der bisherigen Reichstagssraktion des Zentrums Herr Dr. Hackelsberger bei der Reichstagssraktion der NSDAP. bestimmt.
Letzte Verlautbarung der bisherigen ZerttrumSleitung
Berlin, 6. Juli.
Gleichzeitig mit dem Auflösungsbeschluß erfolgt folgende letzte Verlautbarung der bisherigen Zentrumsleitung:
„Das deutsche Zentrum ist nicht mehr. Sein Rücktritt vom Schauplatz der politischen Geschichte erfolgt
wie seine Geburt vor nunmehr sieben Jahrzehnten unter den Stürmen einer neuen Zeit. Fest und tief in katholischen Volksteil verwurzelt und durch seine Volksverbundenheit oft hart erprobt, hat das Zentrum stets vermocht, Millionen Deutscher mit Achtung vor der Obrigkeit, mit Liebe zum Vaterland, l mit Respekt vor der Ueberzeugung der Mitmenschen, zu einem Staatsbürgerbewußtsetn zu erziehen, das auch für das neue Reich von unermeßlichem Vorteil ist.
Diese zur Staatstreue und zum selbstlosen Dienst am Bolksganzen erzogenen Millionen sind ein so wertvolles Element im Gemeinschaftsleben, daß sie aus die Dauer weder übersehen werden können, noch übersehen werden wollen, wenn es gilt, die Volkskräfte unauflöslich ineinander zu schweißen und Staat und Volk gegen die feindlichen Mächte der Zersetzung zu schützen.
Im ehrlichem Streben, am Neuaufbau des Staates und der Volksgemeinschaft mitzuwirken, dürfen und werben sich die ehemaligen Zentrumsleute auch heute von niemandem übertreffen lasse».
Die Stunde des Abschieds sei eine Stund« ehrfurchtsvollen Gedenkens an unsere großen Führer und aufrichtigen Dankes an alle, die treu zur alten Fahne gestanden haben. Wenn wir jetzt den zeitbedingten Rahmen der Partei lösen, so tun. wir das in dem festen Willen, auch weiterhin dem Volksganzen zu dienen, getreu unserer stolzen Ueberlieferung, die stets Staat und Vaterland über die Partei gestellt hat. — Heil Deutschland!"
Die vertagte Entscheidung in London
Berlin, 6. Juli.
Der Konferenz-Dienstag hat eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Weltwtrtschastskon- serenz nicht gebracht. Der Beschluß des Büros der Konferenz, sich bis Donnerstag vormittag zu vertagen, gibt dem Präsidenten und dm einzelnen Hauptdelegationen Gelegenheit, inoffiziell die Möglichkeiten eines Ausweges aus der Sackgasse, in die man durch die scharfe Erklärung Roosevelts geraten ist, zn erörtern. Vor allem wird aber die amerikanische Delegation in den Stand gesetzt, mit Washington Rücksprache zu nehmen, dessen von inneramerikanischen Gesichtspunkten beeinflußte Stellungnahme ihr offenbar nicht ganz gelegen kommt, weil sie Amerika das Odium der „Torpedierung" der Konferenz aufbürden könnte. Jedenfalls zeigte sich am Dienstag deutlich das Bestreben, den peinlichen Eindruck, den die Roosevelt-Erklärung auch in englischen Konferenzkreisen durch ihre Formulierung hervorgerufen hat, zu verwischen. Außerdem besteht übereinstimmend bei den Amerikanern, den Engländern und Skandinaviern der Wunsch, in der besonders wichtigen Frage einer Revalorifierung des Weltmarktpreisniveaus untereinander wie auch mit gewissen außereuropäischen Staaten, eventuell auch außerhalb des Rahmens der gegenwärtigen Konferenz, in Fühlung zu bleiben.
Es ist bemerkenswert, daß in der Unterhausdebatte über das Budget des Handelsamtes die Notwendig, keit und Vordringlichkeit wirtschaftspolitischer vor währungstechnischen Entschlüssen mehrfach betont wurde. Auch aus Skandinavien und Japan liegen Meldungen vor, die das besondere Interesse dieser Länder an der Inangriffnahme der wirtschaftspoli« tischen Probleme (Zolltarife, Produktionsregelung, Preisverbesierung) bekunden. Den Tendenzen dieser Länder, die den Vorrang der wirtschaftspolitischen vor den monetären Problemen auch in der Prozedur der Londoner Konferenz gewahrt wissen wollen, steht auch weiterhin unter Führung Frankreichs der europäische Goldblock gegenüber.
Italien hat sich allerdings in einer osfenbq? inspirierten Verlautbarung des Giornale de Ftal^ von diesem Block insoweit distanziert, als es dieser Block nicht als Einheitsfront gegenüber Amerika aufgefaßt wissen will. Das Hinarbeiten der Goldc blockländer aus die Liquidierung der Konferenz erklärt sich aus ihrem Bestreben, von den Verpflichtungen des im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskonferenz abgeschlossenen Zallwaffenstillstandes loszukommen,' um Gegenmaßnahmen gegen die Auswirkungen des amerikanischen Exports treffen zu können, der sich des starken Anreizes einer deval- vierten Währung erfreut. Man wird bis Donnerstag die verschiedensten Versuche unternehmen, um die widerstrebenden Meinungen auf eine Kompromißformel zu einigen, wobei etwa der Gedanke eine Rolle spielen könnte, daß die Steigerung der inneramerikanischen Preise in Verbindung mit einer entsprechenden liberalen Zollpolitik eher einen Anreiz für die Weltwirtschaft und die Einfuhr nach Amerika bieten kann.
Amerika für Vertagung der Konferenz
Reuter zufolge verlautet, daß die amerikanische Delegation aus Grund des transatlantischen Telephongespräches mit Präsident Roosevelt bereit ist, einer Vertagung der Weltwirtschastskonserenz zuzustimmen. Sie wird sich aber gegen eine permanente Vertagung der Konferenz erklären und wird nachdrücklich dafür eintreten, daß einige der Ausschüsse der Konferenz wieder Zustandekommen sollen, wahrscheinlich in Gens.
Das gsMOMOe Werk MM Dükers
Vsri Maus
Mit der Auflösung der Parteien wird eine geschichtliche Periode für Deutschland abgeschlossen, die unter dem Zeichen Partei- kämpfe weitab von Deutschlands Weg zur Einheit führte. Wie Adolf Hitler end gültig durch die Einsetzung der Reichsstatt- halter dem Partikularisnrus den Todesstoß versetzte, wie er durch die Zerschlagung der marxistischen Gewerkschaften dem sozialen Klassenlampf den Nährboden entzog, so überwand er durch die Macht seiner Führerpersönlichkeit die Parteisucht der Deutschen. Ganz Deutschland folgt seinen Fahnen und die Parteigebilde brechen ausgehöhlt und von allen Anhängern verlassen wie Kartenhäuser zusammen-
Der Weg zum totalen Staat, zur endgültigen Nation ist frei. Nachdem das Feuer der deutschen Revolution alle Krankheitsherde ausgebrannt hat und jetzt die letzten Schlacken ausgeräumt werden, kann der Neuaufbau beginnen.
An die Stelle des Partikularisnrus setzt das neue Deutschland die Einheit der Stämme, an die Stelle des Klassenkampfes die Gemeinschaft der Stände und an die Stelle der Parteien das Führertum der Verantwortlichen Das klingt heute so einfach und selbstverständlich. Aber werfen wir einen kurzen Blick in die deutsche Geschichte zurück und wir sehen nicht nur ein schweres, meist tragisches und unheilvolles Ringen um diese uns heute selbstverständlichen Begriffe von den Fundamenten eines Staates, sondern wir erkennen auch erst in seinem vollen Ausmaß die gewaltige Größe der geschichtlichen Leistung' Adolf Hitlers.
Ueberblicken wir die geschichtliche Ent-
Grmdelach
Wicklung des deutschen Einheitsgedanlens, der jetzt in der Tat Adolf Hitlers seine herrlichste Erfüllung gefunden hat und findet von dem schmählichen und langsamen Aus- einanderbrechen des Reichs, von der Vernichtung alter und der Neubildung neüer Staaten bis zu den letzten Zuckungen des Partikularismus, die wir erst kürzlich in dem drohenden Auftreten der letzten Zentrnms- Regierungen erleben konnten-
Angesichts der mit tödlichem Ernst und preußischer Disziplin vollzogenen deutschen Revolution ist der damals allzu billige Spott gewisser bürgerlicher Kreise über den „Trommler-Hitler" verstummt. Auch ihnen ist die Wahrheit der Erkenntnis Treitschkes aufgegangen: „Nur das Genie besitzt die Kraft der Propaganda, vermag die widerstrebende Welt um das Banner neuer Gedanken zu scharen."
Adolf Hitler ist aber nicht nur der geniale Schöpfer neuer Gedanken, er ist schlechthin der Erfüller der großen geschichtlichen Sehnsucht des deutschen Volkes durch die Jahrhunderte einer kämpferischen Geschichte-
Die Rcichsresorm, die seit dem Westfälischen Frieden als ein hartes Ringen um die deutsche Staatseinheit den eigentlichen Inhalt des politischen Lebens Deutschlands hildete, hat mit der Einsetzung der Statthalter des Reichs unter Znrückdrängung der Gewalt der Länderparlamente eine erstmalige geniale Lösung gefunden.
Oft haben große deutsche Bewegungen und in ihrem Gefolge Revolutionen die deutsche Uneinigkeit und Zersplitterung überwunden und die deutsche Sache unter eine gemeinsame Idee gestellt, für die man Wohl zn
streben, aber deren einigende Kraft man nicht in staatlichen Bindungen zu wahren wußte. Alle diese großen deutschen Bewegungen, unter derem eisenllirrenden Schritt die Welt in ihren Fugen erzitterte, pflügten mit dem deutschen Schwert ganze Erdteile auf und gaben der Zeit ihre ruhmvollen deutschen Züge. Sie waren die kriegerischen Herren in allen Ländern und über allen Nationen, aber ihr eigenes Haus vermochten sie nicht zu bauen.
Fürst, Pfaffe, Bauer, StSbte. Ritterschaft.
Ein jeder trotze auf eigener Lebenskraft!
Aber immer wieder erhoben sich die deutschen Einheitsbewegungen und überwanden die „nichtsnutzige deutsche Libertät".
Geduld! Ich kenne meines Volkes Mark.
Was langsam wächst, das wird gedovvelt stark.
Langsam wuchsen diese deutchen Bewegungen- Die preußischen Jahrhunderte. Sie bereiteten das einige Deutschland vor.
Geduld! Was langsam reift, das altert svat!
Wenn andere welken, werden wir ein Staat.
Als Tacitus die Germania schrieb, waren die Germanen noch unkund ihrer selbst. Schon die 911 mit der Wahl Konrad I- beginnende, deutsche Geschichte steht nach Haller „im Zeichen des Partikularismus". Aber wiederum setzt schon wenige Jahre nach. 925, unter König Heinrich i. die erste deutsche Einheitsbewegung ein. Der Sachsenkönig Heinrich, aus dem Geschlecht Widnkind, einigte die auseinanderstrebenden deutschen Stämme zum ersten Male zu einem freien Staatenbnnde.
Dieser erste König der Deutschen, der sick» im Herzen des Volkes in Liedern und Sogen die Unsterblichkeit bewahrte, steht unserem heutigen nationalen Empfinden und Denken ganz nahe . Ueber ein Jahrtausend knüpft sich das Band desselben deutschen Willens wieder, findet sich ehrwürdige Vergangenheit und blutvollc, stürmische Gegenwart unter derselben geschichtlichen Idee.
König - Heinrich I- lehnte es ab, sich die Kaiserkrone aus Rom zu holen. Er wandte sich von dem Weltreichsgedanken der Karolinger ab und wollte bewußt in nüchterner Selbstbescheidung und realem Denken nur König der Deutschen sein. Er ließ sich nicht von den Priestern salben- Er wollte sich nicht wie !seine Vorgänger, von dem Bischöfen leiten lassen.
Welche Vergleiche liegen auch hier mft der heutigen Zeit aus der Hand: die zwangsweise Auflösung des Zentrums und die Ausschaltung des politischen Katholizismus.
Heinrich I- berief sich auf die Liebe des V'olkes, die ihn zum König gewählt habe. Sein Königtum war ein echt germanisches Wahlkönigtum. Die Volkssage erzählt, daß er im Vogelsberg bei Einbeck sitzt und alle hundert Jahre eine Weiße Jungfrau heraufschickt, die Zeit zu erkunden, wann das Deutsche Reich seiner Art und seines Willens wiedergegründet ist. Das Reich, das in diesen Tagen von Adolf Hitler gebaut wird, kann Wohl vor seinen Augen bestehen.
Aber schon Heinrichs Sohn, Otto der Große, wandte sich von der rein deutschen Politik seines Vaters ab. Sein Lebenswerl ist trotz seiner Größe, zwiespältig- Seine kraftvolle und kriegerische Herrschaft sicherte den Deutschen eine weltbeherrschende Stellung und ihm die Erneuerung der römischen Kaiserwürde. Einerseits weckte er hierdurch das deutsche Nationalgefühl in allen Stammen, andererseits aber beschritt er mit dieser Politik wieder jene verhängnisvolle« Wege nach Rom, auf denen das Deutschtum nutzlos das beste Blut vergoß.
In Rom wurde die deutsche Nationalkraft, die sich innerhalb der deutschen Grenzen und dem Osten einigend, schöpferisch und segensreich hätte auswirken können, planmäßig gebändigt, zersplittert und geschwächt-
Heinrich I. hatte mit Pflug und Schwert
im Osten neue deutsche Marken gesch.ffen. Otto sicherte zwar die Marken und begründete fest die deutsche Königsmacht, aber indem er die Zeit des römischen Kaisertums neu einleitete, und im Gegensatz zur Schwächung der herzoglichen Gewalt die weltliche Macht der Erzbischöfe nd Bischöfe stärkte, säte er die Saat der Zwietracht und der Uneinigkeit in den deutschen Gauen Er beschritt somit den Weg, der von Deutschlands wahren Aufgaben in zwar lockenden aber nicht nur unfruchtbaren, sondern auch gefahr- und verhängnisvollen Raum der europäischen Politik führte.
Das zeigte sich besonders in der tragischen Auseinandersetzung zwischen Barbarossa und dem kühnen Welfenherzog Heinrich dem Löwen- Während Barbarossa dem Zauber Italiens und der römischen Kaiserkrone unterlag und im nutzlosen Kampf im sonnigen Italien die deutschen Kräfte verbrauchte, erkämpfte Heinrich der Löwe mit Schwert und Pflug dem Deutschtum weite Lande im Osten. Er nahm den Fluch der Felonic und der Treulosigkeit auf sich, um abseits vom Glanz der nutzlosen Siegestaten Friedrichs, treu seinem Blute und der deutschen Mission, die ewigen Fundamente des Deutschtums in Blut und Boden zu legen
Heinrich der Löwe, der für die Entfaltung städtischen Wesens und bürgerlichen Gemeindelebens landesväterliche Sorge trug, sah in den feudalen Kaiserideen Friedrichs eine verderbliche Schwächung der deutschen Kraft und Entwicklung. Und wenn der Löwe auch für seine Felonie persönlich von Barbarossa mit der Zerschlagung seines stolzen Baues hart gestraft würde, sein Werk im Osten blieb und bleibt dem Deutschtum bewahrt und die Geschichte, die nach anderem Maßstab mißt, zollt ihm die gerechte An erkciimrng, die ihm das Schicksal als Mensch in kleinen menschlichen Bindungen versagte (Schluß folgt.)