m. 176. Jahrgang 1933
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Bremen, Mittwoch, den 8. Juli 1835 EinrelvreiS 15 Vls.
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vremeMatiomlsoriaWMo Zenun-
Das BrnMoke Oraarr des Senals der ^reierr Bremern
Vi» Krise in London
Berlin, 5. Juli
Die Ueberraschung und Enttäuschung Wer die Erklärung Roosevelts zur Stabili- fierungsfrage ist überall um so größer, als feine vorläufige Antwort auf die Entschließung der europäischen Goldländer die Möglichkeit von Verhandlungen offen gelassen hatte- Amerika hat in der für die Konferenzarbeiten nach allgemeiner Auffassung grundlegenden Frage der Währungsstabilität sich Wieder in seine traditionelle Isolierung zurückgezogen und sogar mit der kategorischen Erklärung Roosevelts die Brücken unter sich abgebrochen. Trotzdem gibt man sich in London der optimistischen Auffassung hin, daß die Weltwirtschaftskonferenz weitergehen könne. Die ausführliche Reuter-Auslassung Wer die Konferenzlage verfolgt keinen anderen Zweck, als nachzuweisen, daß die Arbeiten fortgesetzt werden können, und für diesen Gedanken auch die Amerikaner zu gewinnen.
Me amerikanische Delegation, die allerdings von Washington aus immer wieder desavouiert worden ist, hat sich bereits von sich aus für die Weiterarbeit ausgesprochen- England ist ebenso wie die kontinentalen Goldländer trotz beträchtlicher Verstimmung Wer die Haltung Amerikas nicht gewillt oder nicht in der Lage, die in den letzten Tagen viel erörterte Währungsfront nunmehr zu verwirklichen. Die letzte Erklärung der Goldstandardländer beschränkt sich demgemäß auf die Wiederholung der alten Grundsätze, ohne konkrete Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. England ist seinerseits durch die Rücksicht auf feine Dominions gehemmt, von denen insbesondere Kanada an der amerikanischen Preissteigerungspolitik interessiert ist. Wenn es auch vielleicht möglich ist, so ist doch nicht abzusehen, welche brauchbaren Ergebnisse unter den gegenwärtigen Umständen erzielt Werden sollen Im Gegenteil wird die nunmehr erlangte Gewißheit über die amerikanische Stabilisierungsfeindschaft in den einzelnen Ländern früher oder später wirt- schaftspolitische Gegenmaßnahmen hervorrufen, die nur zu einer weiteren Verwirrung des Bildes beitragen können.
VerAngmsg berettS am Donnerstag?
London, 5. Juli.
In wohlunterrichteten Konferenzkreisen wird die Ansicht ausgesprochen, daß die für Donnerstag vormittag angesetzte Vollsitzung das Begräbnis der Konferenz bringen wird.
Soweit sich die Lage übersehen läßt, wird das Büro der Konferenz als solches bestehen bleiben. Es ist auch möglich, daß die Arbeiten einiger Ausschüsse, bei denen eine Er- solgsmöglichkeit besteht, noch fortgesetzt und beschleunigt zu Ende geführt werden.
Schweres
SegelbsotsmmlÄü M der Aichenweser
5 Kinder ertrunken
Bremen, 5. Juli.
Unverantwortlicher Leichtsinn hat zu einem schweren Segelbootunglück geführt, dem wahrscheinlich 5 Kinder und ein Erwachsener zum Ppfer gefallen sind. Trotz schweren Nordwest- ^urms wagten sich am Dienstag nachmittag sechs Erwachsene mit fünf Kindern in einem Segelboot auf die offene Weser. Kurz nach Verlassen der Geefte-Mündung kenterte das Boot. Durch den Schlepper „Elssleth" wurden drei Erwachsene gerettet. Ein anderes Boot nahm zwei Erwachsene aus. Vermutlich sind der sechste Erwachsene und sämtliche fünf Kinder ertrunken. Zwei Kinderleichen sind bereits geborgen worden.
Isktik o6er Bekenntnis?
See politische Katholizismus opseei seine AngrissSstellung
Das Ende der Bayerischen VoUSpariei
München, 4. Juli.
Der ehemalige Staatsminister und Reichstagsabgeordnete Eugen Gras Quadt-Jsny gibt eine Erklärung bekannt, in der es u. a. heißt:
Im Benehmen mit der Bayerischen StaatSregie- rund erkläre ich als Bevollmächtigter der Landesparteileitung der Bayerischen Volkspartei, daß mit dem heutigen Tage jede Tätigkeit der BVP. aufgehört hat und ihre Mitglieder aus dem Treuever- hältnis zur Partei entlasten sind.
Die Partei ist praktisch damit aufgelöst. Durch die nationalsozialistische Revolution gibt eS außerhalb der NSDAP. keine politische Wirkungsmöglichkeit mehr. Es ist deshalb für jede« bisherigen Angehörigen der BBP. der Weg frei, unter der unmittelbaren Führung Adolf Hitlers am Aufbau des neuen Deutschlands mitzuwirken.
Me der Parlamentsdienst der Telegraphen-Union erfährt, hat der Führer der ReichstagSsraktion der Venerischen Bolkspartei, Prälat L e i ch t»Bamberg, der im Wahlkreis Franken gewählt war nnd dem Reichstag sei 1913 angehört, in einem Schreiben an die Reichstagsverwaltung ohneAngabevon Gründen sein Mandat niederlegt.
Ferner hat der nationalsozialistische Reichstags- abgeordnete Forstrat Hug-Waldshut im Hinblick auf seine Ernennung zum kubischen Landesforst
meister auf die Ausübung seines Reichstagsmandates verzichtet.
Heule voraussichtlich Auflösung des Zentrums
Berlin, 5. IM.
Wie wir erfahren, dürste heute Mittwoch nunmehr mit der endgültigen Entscheidung über die Auflösung der Deutschen Zentrumspartri zu rechnen sein. Die Fühlungnahme mit den führenden Männern der NSDAP. ist soweit gediehen, daß ein Abkommen vorbereitet weiden konnte, durch das den positiv tätigen Kräften der bisherigen ZentrumS- partei auch weiterhin eine politische Betätigung ermöglicht werden kann. Der mit allen Vollmachten ausgestattete Reichsführe'r des Zentrums, Reichskanzler a. D. Dr. Brüning, dürste daher heute Mittwoch die Auflösung der Deutschen Zentrums» partei verkünden.
Auch die Deutsche Bolkspartei verschwunden
Berlin, 5. Juli.
Der Parteiführer der Deutschen Bolkspartei, Reichstagsabgeordneter Dingeldey, teilt mit:
„Da mit dem Wesen des jetzigen nationalsozialistischen Staates Parteien im alten Sinne nicht vereinbar sind, werden hierdurch mit sofortiger Wirkung sämtliche Organisationen der Deutschen
Bolkspartei aufgelöst. Die Liquidation ist nach Möglichkeit zu beschleunigen. Ueber die Stellung der Mandatsträger find Verhandlungen mit den maßgebenden Stellen aufgenommen.
Ich erwarte von allen Freunden der Deutschen Bolkspartei, daß sie getreu ihrer Ueberlieferung verantwortungsfreudig an des Vaterlandes Größe und Freiheit mitarbeiten. Einigkeit und Recht und Freiheit find des Glückes Unterpfand.
g«z. Dingeldey".
Das Zentrum außerhalb der Beichserekutive
ES lehnt die Auflösung ab
Danzig, 5. Juli.
Me „Danziger Landeszeitung", das Organ der Danziger Zentrumspartei, beschäftigt sich mit der Auflösung der Zentrumspartei in Deutschland und lehnt für Danzig eine Auflösung des Zentrums ab. Sie nimmt zur Lage u. a. mit folgenden Worten Stellung: „Wir wollen der Parteileitung in keiner Miss vorgreifen, aber für uns in Danzig liegen die Dinge klar: Das Danziger Zentrum ist seit Schaffung unseres Freistaates eine völlig selbständige Partei, die nur ideelle Verbindung mit der Mutterpartei im Reich hat und es ist selbstverständlich, daß sie weiterbesteht. Unser Danziger Zentrum, die starke Bastion des katholischen Volksteiles, hat auch weiter eine große Mission zu erfüllen. Darum muß und wird bei uns das Zentrum weiterbestehen. —.
Sie neue Bevölkerungsziffer Deutschlands:
66.1 Millionen
Das Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni — Deutschland nächst Rußland der volkreichste Staat Europas
Berlin, ö. Juli.
Nach den soeben im Statistischen ReichSamt zusammengestellten vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung vom 16. Juni 1933 beträgt die orts- anwesende Bevölkerung des Deutschen Reiches, ohne Saargebiet, 65,3 Millionen. Zusammen mit den rund 836 666 Einwohnern des Saargebiets, in dem wegen der vorübergehenden Lostrennung von der deutschen Verwaltung nicht gezählt werden konnte, beziffert sich die Reichsbevölkerung auf 66,1 Millionen. Dieses Ergebnis bleibt noch um rund
1.7 Millionen hinter der Einwohnerzahl des Deutschen Reiches vor dem Kriege zurück. (67F Millionen im alten Gebietsstand des Reiches.)
Gegenüber der Zählung vom 16. Juni 1925 hat die Reichsbeoölkeruug (ohne Saargebiet) um rund
2.7 Millionen oder 4,4 v. H. zugenommen. Deutschland ist nächst Rußland der volksreichfte Staat Europas.
Die BevMeeulmSzaN in den einzelnen Ländern
Berlin, 5. Juli.
Nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung weisen die einzelnen Länder folgende Bevölkerungszahlen auf:
Preußen
39 858 073
Bayern
7 703 997
Sachsen
5196 381
Württemberg
3 713 150
Baden
2 429 977
Thüringen
1676 759
Heften
1 426 830
Hamburg
1184 548
Mecklenburg-Schwerin
708 077
Old enburg
581296
Braunschw eig
518 736
Anhalt
365 824
Bremen
366 425
Lippe-Detmold
179 305
Lübeck
136 469
Mecklenburg-Strelitz
112 809
Schaumburg-Lippe
50 469
Von der 65,3 Millionen zählenden ortsanwesenden Bevölkerung des Deutschen Reiches (ohne Saargebiet) entfallen 31,7 Millionen auf das männliche und 83,6 Millionen auf das weibliche Geschlecht. Der Frauenüberschuß ist, wie schon 1925 zu beobachten war, in weiterer Rückbildung begriffen. 1933 trafen auf je 1066 Männer noch 1060 Frauen gegenüber 1073 im Jahre 1925 und 1101 im Jahre 1919. Die Bevölkerungsdichte ist von 133 Einwohnern je Quadratkilometer im Jahre 1925 auf 139 Einwohner 1933 gestiegen. Von den europäischen Staaten weisen lediglich Belgien, die Niederlande und England eine höhere Bevölkerungsdichte auf. Der absoluten Bevölkerungszahl nach ist Deutschland nächst Rußland der volksreichfte Staat Europas.
Der Stahlhelm dem Befehl Hitlers mtterstellt
Berlin, 5. Juli.
In der parteiamtlichen vom Führer erlassenen Verordnung über die Eingliederung des Stahlhelms wird u. a. ausgeführt:
Der gesamte Stahlhelm tritt unter den Befehl der
Obersten SA.^ührung und wird nach ihren Richtlinien neu gegliedert.
Der Jungstahlhelm und die Sporteinheiten werden durch die Stahlhelmdienststellen aus Befehl der Obersten SA.-Führuug entsprechend den Gliederungen der SA. neu zusammengefaßt. Diese Umstellung muß bis zu einem Zeitpunkt beendet sein, den die Oberste SA.-Führung noch bestimmt. Für die übrigen Teile des Stahlhelms gibt der Bundesführer die erforderlichen Befehle.
Als Zeichen der Verbundenheit des Stahlhelms mit der nationalsozialistischen Bewegung tragen diese Teil« des Stahlhelms die feldgraue Armbinde mit schwarzem Hakenkreuz aus weißem Grund.
Den Jungstahlhelm und den Sporteinheiten verleihe ich als einen Teil meiner SA. deren Armbinde und das an der Mütze zwischen den Kokarden zu tragende Hoheitsabzeichen.
(gez.): Adolf Hitler.
Füheertagung der HZ. in München
München, 5. Juli.
Reichsjugendführer Baldur von Schirach eröffnete am Montag abend im Wten Rathaus die Führertagung der -Hitlerjugend. Der Führertagung wohnen sämtliche Mitglieder der Reichsjugendführung, Gebiets- und Bannführer der Hitlerjugend, Gebiets- jungvolk- und Jungbannführer, die Gauführertnnen und Untergauführerinnen des Bundes Deutscher Mädchen, die Gauführer der Jugendbetriebszellen und die Kreisführer des Studentenbundes bei. Zum ersten Male nahm an der Tagung auch der Bundesführer des Scharnhorst teil. Der Reichsjugendsührer von Schirach gab in einer großen Rede die zukünftigen Arbeitsziele der Hitlerjugend bekannt und umriß die Aufgaben der unter der Führung der Hitlerjugend stehenden gesamten organisierten Jugend Deutschlands.
Sie wirtschaftlicheN und lulüwekSN Leisttmsr» -er Deutschen in den Substanzen
Von KarlMartin, Hamburg.
Die Deutschen genießen in allen lateinamerikanischen Ländern hohes Ansehen, aber in keinen der über zwanzig Mittel- und südamerikanischen Staaten sind sie so stark vertreten und spielen sie wirtschaftlich und kulturell eine solche Rolle wie in Brasilien, besonders in -den südlichen Staaten Rio Grande do Sui, Santa Katharina und Parana.
Auch der Weltkrieg, in den Brasilien nur ungern eingetreten ist, hat daran nichts geändert, und die Stellung der Deutschen in Brasilien ist nach der rasch erfolgten Wiederherstellung des alten freundschaftlichen Verhältnißes zwischen den beiden Nationen nach dem Kriege dieselbe geblieben wie in der Vorkregszeit.
Diese Erscheinungen- hängen auf das engste mit -der bereits einhundtundneunjährigen geschichtlichen Entwicklung der deutschen Einwanderung in Brasilien zusammen. Sie begann damit, daß am 25. Juli 1824 eine Anzahl Deutscher, meist Hamburger, Schleswig-Holsteiner und Hannoveraner, die ihr Vaterland infolge der wirtschaftlich ungünstigen Auswirkungen der napoleonischen Bedrückung und der Freiheitskriege verlosten hatten, nach Rio Grande iw Sul lam, um sich eine neue Existenz zu gründen,
Sie waren dem Rufe des Kaisers Don Pedro I gefolgt, der nicht nur den Politischen Grundsatz „Tod oder Unabhängigkeit" aufgestellt, sondern auch die Notwendigkeit einer planmäßigen Besiedlung und wirtschaftlichen Erschließung -des Landes als unabweisbar erkannt hatte.
Wenn diese ersten deutschen Gruppeneinwanderer auch von den Nöten im damaligen Deutschland arg mitgenommen waren, so waren es doch unerschrockene und tatkräftige Männer, die in ihrer neuen Heimat, begünstigt durch das nicht tropische Klima dieses Landesteiles, bald Wurzel faßten und als tüchtige Siedler und Handwerker sowie in anderen Berufen bald vorwärts kamen. In verhältnismäßig kurzer Zeit gelangten die Deutschen auch in -den Städten von Rio Grande do Sul wie Sao Leopold», besonders aber in Porto Megre, der Hauptstadt dieses Staates, zur Geltung, wo Zehntausende von Deutschen hauptsächlich in Handel, Industrie und Handwerk tätig sind, sieben deutsche Kirchen, zwölf deutsche Volksschulen, ein deutsches Krankenhaus und andere Für-- sorgeeinrichtungen bestehen und wo auch der Verband deutscher Vereine, die einzige größere Organisation her Deutschen in Brasilien, seinen Kitz hat.
Dieser Verband ist der Mittelpunkt -der gemeinnützigen Veranstaltungen des Deutschtums und hat u. a. auch einen -den Verleumdungen der Feinde Deutschlands entgegenwirkenden Depeschendienst während der schlimmsten Kriegszeit in wirksamer Weise unterstützt und die Nothilfeveranstaltungen der Deutschen in Brasilien für die Stammesheimat nach dem Kriege organisiert.
In über hundert Jahren hat das Deutschtum in Brasilien eine großartige Leistung vollbracht- und insbesondere ist die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des blühenden Staates Rio Grande, do Sul, in dem über 350 000 Deutsche und Deutsch- bürtige leben, nicht zu denken.
Es hat besonders zu dem Ansehen der Deutschen in Brasilien und zur, Erhaltung ihrer Eigenart beigetragen, daß sich unter den Eingewanderten und ihrem Nachwuchs nicht nur'tüchtige Siedler, Kauf- - leute und, Handwerker, sondern äuch zahlreiche „In-, tellektuelle", Lehrer, Ingenieure, Rechtsgelehrte, Aerzte, Journalisten, Schriftsteller,- Dichter und auch' Wissenschaftler'befanden. Unter-den Tagesschrift- -stellern ist in erster Linie her hochbegabte v. Koseritz zu nennen, der 1851 mit. den „die Brummer" genannten Angehörigen einer deutschen Legion mach Rio Grande do Sul kam, die von -dev brasilianischen Regierung zum Kampfe gegen den, Diktator Rosas in Argentinien angeworben worden war. Er war 1864 bis 1881 Schriftleiter der von dem Politiker, und ersten Konsiil des deutschen Bundes der Brüggen
gegründeten „Deutschen Zeitung" und gründete dann die noch heute als „Neue Deutsche Zeitung" bestehende „Koseritz' Deutsche Zeitung". Auch andere gut geleitete deutsche Zeitungen, so die „Deutsche Post" (51. Jahrgang) in Sao Leopolds, das „Deutsche Volksblatt" (63. Jahrgang) in Porto Alegre, die „Deutsche-Zeitung" (38. Jahrgang) in Sao Paolo und die „Rio-Zeitung" (13. Jahrgang) in Rio de Haneiro erhalten -das geistige Band unter den deutschen Landsleuten.
Zur wirtschaftlichen Entwicklung des Staates Rio Grande do Sul uiü> anderer Teile Brasiliens haben die Deutschen Außerordentliches beigetragen. Bereits 1880 gab es in Rio Grande deutsche Wollwebereien, die Flanelle, Tuche und Schale herstellten. Aus kleinen Handwerksbetrieben haben sich in vielen Orten -deutsche Wazenbauanstalten, Sattel- und Pantoffelfabriken usw. entwickelt. Die bedeutende, nach den La Plata-Staaten exportierende Lederindustrie von Sao Leopold» liegt zu etwa 85 v. H. in deutschen Händen.- Zur Zeit der Jahrhundertfeier der deutschen Einwanderung in Brasilien, im Jahre 1924, gehörten den Deutschen in Rio Grande do Sul 6244 oder 74 v. H. von insgesamt 6432 industriellen Betrieben und Unternehmungen, darunter 21 von' 25 Schmalzfabriken, 759 von 913 holzverarbeitenden Werken und alle 7 großen Konserven- säbriken.
ES darf nicht verschwiegen werden, daß. wie dem
Künstler
von Gustav Staebe
Bremen, 5. Juli 1933.
Das denkwürdigste Ereignis dieser Tage ist zweifelsohne die Selbstauslösung der schwarzen Parteien, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei. Hierin liegt etwas Ungewöhnliche), insofern, als es sich in diesem Falle um die Li> quidation einer Weltanschauung handeln soll, die im Auf und Ab des parlamentarischen Lebens immer eine gewisse Stabilität behaupten und selbst durch die Machtergreifung Hitlers nuringeringemMatzevoninnener- schüttert werden konnte.
Erlebte die breite Masse der marxistischen Gefolgschaft täglich und stündlich die Fehler und den Verrat auf den eigenen politischen Wegen, so verstanden es die schwarzen Parteien in jeder Zeit und Lage sehr geschickt, die sogenannte „katholische Weltanschauung", als anonymes Rührmichnichtan im Hintergrund, in der Re- erve zu halten, um nach außen hin den politi- chen Kampf mit den gleichen Mitteln und Parolen zu führen wie jener Brei demokratisch- liberalistischer Parteien, der nur noch davon lebte, das „Schlimmste" zu verhüten, schließlich aber doch dem vierzehnjährigen Sturm der deutschen Erneuerungsbewegung weichen mußte. — Wo darum heute Männer und Frauen deS Zentrums und der Bayerischen Bolkspartei von diesen Irrtümern geheilt worden sind und sich aus tiefer innerer Ueberzeugung zum Nationalsozialismus bekennen, strecken wir ihnen unsere Hände entgegen, wie sie uns entgegengestreckt wurden in einer Zeit, wo ein solches Bekenntnis noch einer Selbstauslöschung aus der menschlichen Gemeinschaft gleichkam. Niemand begrüßt es mehr als gerade wir Nationalsozialisten, wenn sich jetzt auch in den schwarzen Parteien die Erkenntnis von der Folgerichtigkeit der allgemeinen politischen Entwicklung durchzusetzen beginnt.
Gerade deshalb aber, weil uns unser hohes Verantwortungsgefühl gegenüber Volk und Volksseele davor bewahrt, diesen neuen Freunden unsere Hand zu verweigern, darum lehrt uns die Geschichte der Deutschen, daß ihre Größtenimmerdannamschwersten besiegt wurden, wenn sie als. Sieger solchen Gegnern Gnade und Großmut schenkten, die alles andere alsversöhnlich waren, im Gegenteil den arglosen Sieger voller Dankbarkeit umarmten, während ihre Fäuste Dolch und Gift umkrampft hielten. Jeder aufbau- willige Deutsche hofft in diesen Tagen, daß das neue Bekenntnis der schwarzen Parteien ehrlich gemeint ist. Wer aber um das Sterben argloser deutscher Helden weiß und die hämische nnd verschwommene Grimasse seiner Verräter sah, horchtauf.
Die letzten Monate brachten auch nicht im geringsten eine Stärkung des Vertrauens zu den Parteien des politischen Katholizismus. Sogar die letzten Tage häuften eine Flut von Meldungen, aus denen hervorgeht, daß sich der Klerus in versteckter und offener Form die Organisierung einer schleichenden Opposition gegen den Hitlerkurs zur Aufgabe gemacht hat. Von dieser Ueberzeugung können auch nicht Versicherungen eines „freudigsten Ausbauwillens" hinwegtäuschen, der jenseits der Grenzen Farbe bekennt und als intellektuelle Greuelhetze sie-ft' ar wird. So war auch die Abhaltung des KaU- ^ chen Gesellentages anfangs im schweizer!,: - n Lnzern vorgesehen und erst dann nach Mönchen verlegt worden, als mit Bestimmtheit ein Verbot und damit das ersehnte gespannte Verhältnis zwischen politischem Klerus und den nationalsozialistischen Machthabern erw rtet werden konnte. So traten jetzt allerorts Geistliche an die Spitze der katholischen Aktion, deren politischer Weg gekennzeichnet ist durch haßvollste und un- christlichste Verfolgung der nationalsozialistischen Bewegung, die selbst vor den ermordeten Kame-
Verfaster dieser Zeilen aus eigener Erfahrung bekannt ist, die aus -dem Kriege kommenden und zum Teil politisch verhetzten, seelisch gleichsam entwurzelten Notauswanderer -der Nachkriegszeit, denen von der brasilianischen Regierung „bargeldlose" Ueber- fahrt auf brasilianischen Dampfern unter entgegenkommenden Abarbeitsbedingungen gewährt wurde, nicht aus dem tüchtigen Holze geschnitzt waren wie jene Pioniere der -deutschen Einwanderung in Brasilien, jedoch haben auch hier Anpastungs- und Ausleseprozesse stattgefunden, von denen der Brief eines Wackeren Kunde gibt, der vor etwa zehn Jahren nach Hamburg aus dem Urwald schrieb: „Die Arbeit ist schwer, aber der Mensch ist frei!" — Die brasilianische Regierung ist, wie uns vom Generalkonsulat in Hamburg bestätigt wird, den Deutschen in Brasilien gegenüber nach wie vor freundlich eingestellt, es finden auch immer noch Einzeleinwanderungen tüchtiger Deutscher, hauptsächlich Kaufleuten und Technikern, statt, und wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung im Zusammenhang mit der Weltkrise den Erlaß eines Gesetzes notwendig gemacht hat, -daß nicht mehr als 33lb v. H. aller Angestellten Ausländer sein -dürfen, und fteiwer-dende Stellen durch Brasilianer besetzt werden müssen, so werden doch die Deutschen nicht aus ihren Stellungen verdrängt.
So ergibt sich im Ganzen ein sehr erfreuliches Bild vom Deutschtum in Brasilien, -das' auch in Ar»- kunjt jeink Bedeutung behalten wird,