Ausgabe 
(5.7.1933) Nr. 176
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m. 176. Jahrgang 1933

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Bremen, Mittwoch, den 8. Juli 1835 EinrelvreiS 15 Vls.

Anzeigen: hiesig« die 14 gespalten« mm-Zeile 0.16, auswärts 0.12; im Lextteil 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche uni Familtenanzetgen 0.06; sonstige klein« Anzeigen 00.8. Platz vorschristen ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, BeL bot u.s.w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung d«L BezugSpreiseS.

vremeMatiomlsoriaWMo Zenun-

Das BrnMoke Oraarr des Senals der ^reierr Bremern

Vi» Krise in London

Berlin, 5. Juli

Die Ueberraschung und Enttäuschung Wer die Erklärung Roosevelts zur Stabili- fierungsfrage ist überall um so größer, als feine vorläufige Antwort auf die Entschlie­ßung der europäischen Goldländer die Mög­lichkeit von Verhandlungen offen gelassen hatte- Amerika hat in der für die Konferenz­arbeiten nach allgemeiner Auffassung grund­legenden Frage der Währungsstabilität sich Wieder in seine traditionelle Isolierung zurückgezogen und sogar mit der kategorischen Erklärung Roosevelts die Brücken unter sich abgebrochen. Trotzdem gibt man sich in Lon­don der optimistischen Auffassung hin, daß die Weltwirtschaftskonferenz weitergehen könne. Die ausführliche Reuter-Auslassung Wer die Konferenzlage verfolgt keinen an­deren Zweck, als nachzuweisen, daß die Ar­beiten fortgesetzt werden können, und für diesen Gedanken auch die Amerikaner zu ge­winnen.

Me amerikanische Delegation, die aller­dings von Washington aus immer wieder desavouiert worden ist, hat sich bereits von sich aus für die Weiterarbeit ausgesprochen- England ist ebenso wie die kontinentalen Goldländer trotz beträchtlicher Verstimmung Wer die Haltung Amerikas nicht gewillt oder nicht in der Lage, die in den letzten Tagen viel erörterte Währungsfront nunmehr zu verwirklichen. Die letzte Erklärung der Gold­standardländer beschränkt sich demgemäß auf die Wiederholung der alten Grundsätze, ohne konkrete Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. England ist seinerseits durch die Rücksicht auf feine Dominions gehemmt, von denen ins­besondere Kanada an der amerikanischen Preissteigerungspolitik interessiert ist. Wenn es auch vielleicht möglich ist, so ist doch nicht abzusehen, welche brauchbaren Ergebnisse unter den gegenwärtigen Umständen erzielt Werden sollen Im Gegenteil wird die nun­mehr erlangte Gewißheit über die amerika­nische Stabilisierungsfeindschaft in den ein­zelnen Ländern früher oder später wirt- schaftspolitische Gegenmaßnahmen hervorru­fen, die nur zu einer weiteren Verwirrung des Bildes beitragen können.

VerAngmsg berettS am Donnerstag?

London, 5. Juli.

In wohlunterrichteten Konferenzkreisen wird die Ansicht ausgesprochen, daß die für Donnerstag vormittag angesetzte Vollsitzung das Begräbnis der Konferenz bringen wird.

Soweit sich die Lage übersehen läßt, wird das Büro der Konferenz als solches bestehen bleiben. Es ist auch möglich, daß die Arbei­ten einiger Ausschüsse, bei denen eine Er- solgsmöglichkeit besteht, noch fortgesetzt und beschleunigt zu Ende geführt werden.

Schweres

SegelbsotsmmlÄü M der Aichenweser

5 Kinder ertrunken

Bremen, 5. Juli.

Unverantwortlicher Leichtsinn hat zu einem schweren Segelbootunglück geführt, dem wahr­scheinlich 5 Kinder und ein Erwachsener zum Ppfer gefallen sind. Trotz schweren Nordwest- ^urms wagten sich am Dienstag nachmittag sechs Erwachsene mit fünf Kindern in einem Segel­boot auf die offene Weser. Kurz nach Verlassen der Geefte-Mündung kenterte das Boot. Durch den SchlepperElssleth" wurden drei Erwach­sene gerettet. Ein anderes Boot nahm zwei Er­wachsene aus. Vermutlich sind der sechste Er­wachsene und sämtliche fünf Kinder ertrunken. Zwei Kinderleichen sind bereits geborgen worden.

Isktik o6er Bekenntnis?

See politische Katholizismus opseei seine AngrissSstellung

Das Ende der Bayerischen VoUSpariei

München, 4. Juli.

Der ehemalige Staatsminister und Reichstagsab­geordnete Eugen Gras Quadt-Jsny gibt eine Erklärung bekannt, in der es u. a. heißt:

Im Benehmen mit der Bayerischen StaatSregie- rund erkläre ich als Bevollmächtigter der Landes­parteileitung der Bayerischen Volkspartei, daß mit dem heutigen Tage jede Tätigkeit der BVP. aufge­hört hat und ihre Mitglieder aus dem Treuever- hältnis zur Partei entlasten sind.

Die Partei ist praktisch damit aufgelöst. Durch die nationalsozialistische Revolution gibt eS außerhalb der NSDAP. keine politische Wirkungs­möglichkeit mehr. Es ist deshalb für jede« bisheri­gen Angehörigen der BBP. der Weg frei, unter der unmittelbaren Führung Adolf Hitlers am Aufbau des neuen Deutschlands mitzuwirken.

Me der Parlamentsdienst der Telegraphen-Union erfährt, hat der Führer der ReichstagSsraktion der Venerischen Bolkspartei, Prälat L e i ch t»Bamberg, der im Wahlkreis Franken gewählt war nnd dem Reichstag sei 1913 angehört, in einem Schreiben an die Reichstagsverwaltung ohneAngabevon Gründen sein Mandat niederlegt.

Ferner hat der nationalsozialistische Reichstags- abgeordnete Forstrat Hug-Waldshut im Hinblick auf seine Ernennung zum kubischen Landesforst­

meister auf die Ausübung seines Reichstagsmandates verzichtet.

Heule voraussichtlich Auflösung des Zentrums

Berlin, 5. IM.

Wie wir erfahren, dürste heute Mittwoch nun­mehr mit der endgültigen Entscheidung über die Auflösung der Deutschen Zentrumspartri zu rechnen sein. Die Fühlungnahme mit den führenden Män­nern der NSDAP. ist soweit gediehen, daß ein Ab­kommen vorbereitet weiden konnte, durch das den positiv tätigen Kräften der bisherigen ZentrumS- partei auch weiterhin eine politische Betätigung er­möglicht werden kann. Der mit allen Vollmachten ausgestattete Reichsführe'r des Zentrums, Reichs­kanzler a. D. Dr. Brüning, dürste daher heute Mittwoch die Auflösung der Deutschen Zentrums» partei verkünden.

Auch die Deutsche Bolkspartei verschwunden

Berlin, 5. Juli.

Der Parteiführer der Deutschen Bolkspartei, Reichstagsabgeordneter Dingeldey, teilt mit:

Da mit dem Wesen des jetzigen nationalsozia­listischen Staates Parteien im alten Sinne nicht vereinbar sind, werden hierdurch mit sofortiger Wirkung sämtliche Organisationen der Deutschen

Bolkspartei aufgelöst. Die Liquidation ist nach Möglichkeit zu beschleunigen. Ueber die Stellung der Mandatsträger find Verhandlungen mit den maßgebenden Stellen aufgenommen.

Ich erwarte von allen Freunden der Deutschen Bolkspartei, daß sie getreu ihrer Ueberlieferung ver­antwortungsfreudig an des Vaterlandes Größe und Freiheit mitarbeiten. Einigkeit und Recht und Freiheit find des Glückes Unterpfand.

g«z. Dingeldey".

Das Zentrum außerhalb der Beichserekutive

ES lehnt die Auflösung ab

Danzig, 5. Juli.

MeDanziger Landeszeitung", das Organ der Danziger Zentrumspartei, beschäftigt sich mit der Auflösung der Zentrumspartei in Deutschland und lehnt für Danzig eine Auflösung des Zentrums ab. Sie nimmt zur Lage u. a. mit folgenden Worten Stellung:Wir wollen der Parteileitung in keiner Miss vorgreifen, aber für uns in Danzig liegen die Dinge klar: Das Danziger Zentrum ist seit Schaffung unseres Freistaates eine völlig selbstän­dige Partei, die nur ideelle Verbindung mit der Mutterpartei im Reich hat und es ist selbstver­ständlich, daß sie weiterbesteht. Unser Danziger Zentrum, die starke Bastion des katholischen Volks­teiles, hat auch weiter eine große Mission zu er­füllen. Darum muß und wird bei uns das Zen­trum weiterbestehen..

Sie neue Bevölkerungsziffer Deutschlands:

66.1 Millionen

Das Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni Deutschland nächst Rußland der volkreichste Staat Europas

Berlin, ö. Juli.

Nach den soeben im Statistischen ReichSamt zu­sammengestellten vorläufigen Ergebnissen der Volks­zählung vom 16. Juni 1933 beträgt die orts- anwesende Bevölkerung des Deutschen Reiches, ohne Saargebiet, 65,3 Millionen. Zusammen mit den rund 836 666 Einwohnern des Saargebiets, in dem wegen der vorübergehenden Lostrennung von der deutschen Verwaltung nicht gezählt werden konnte, beziffert sich die Reichsbevölkerung auf 66,1 Millio­nen. Dieses Ergebnis bleibt noch um rund

1.7 Millionen hinter der Einwohnerzahl des Deut­schen Reiches vor dem Kriege zurück. (67F Millionen im alten Gebietsstand des Reiches.)

Gegenüber der Zählung vom 16. Juni 1925 hat die Reichsbeoölkeruug (ohne Saargebiet) um rund

2.7 Millionen oder 4,4 v. H. zugenommen. Deutsch­land ist nächst Rußland der volksreichfte Staat Europas.

Die BevMeeulmSzaN in den einzelnen Ländern

Berlin, 5. Juli.

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung weisen die einzelnen Länder folgende Bevölkerungs­zahlen auf:

Preußen

39 858 073

Bayern

7 703 997

Sachsen

5196 381

Württemberg

3 713 150

Baden

2 429 977

Thüringen

1676 759

Heften

1 426 830

Hamburg

1184 548

Mecklenburg-Schwerin

708 077

Old enburg

581296

Braunschw eig

518 736

Anhalt

365 824

Bremen

366 425

Lippe-Detmold

179 305

Lübeck

136 469

Mecklenburg-Strelitz

112 809

Schaumburg-Lippe

50 469

Von der 65,3 Millionen zählenden ortsanwesenden Bevölkerung des Deutschen Reiches (ohne Saar­gebiet) entfallen 31,7 Millionen auf das männliche und 83,6 Millionen auf das weibliche Geschlecht. Der Frauenüberschuß ist, wie schon 1925 zu beob­achten war, in weiterer Rückbildung be­griffen. 1933 trafen auf je 1066 Männer noch 1060 Frauen gegenüber 1073 im Jahre 1925 und 1101 im Jahre 1919. Die Bevölkerungs­dichte ist von 133 Einwohnern je Quadratkilo­meter im Jahre 1925 auf 139 Einwohner 1933 ge­stiegen. Von den europäischen Staaten weisen ledig­lich Belgien, die Niederlande und England eine höhere Bevölkerungsdichte auf. Der absoluten Be­völkerungszahl nach ist Deutschland nächst Rußland der volksreichfte Staat Europas.

Der Stahlhelm dem Befehl Hitlers mtterstellt

Berlin, 5. Juli.

In der parteiamtlichen vom Führer erlassenen Verordnung über die Eingliederung des Stahlhelms wird u. a. ausgeführt:

Der gesamte Stahlhelm tritt unter den Befehl der

Obersten SA.^ührung und wird nach ihren Richt­linien neu gegliedert.

Der Jungstahlhelm und die Sporteinheiten werden durch die Stahlhelmdienststellen aus Befehl der Obersten SA.-Führuug entsprechend den Gliederun­gen der SA. neu zusammengefaßt. Diese Umstellung muß bis zu einem Zeitpunkt beendet sein, den die Oberste SA.-Führung noch bestimmt. Für die übri­gen Teile des Stahlhelms gibt der Bundesführer die erforderlichen Befehle.

Als Zeichen der Verbundenheit des Stahlhelms mit der nationalsozialistischen Bewegung tragen diese Teil« des Stahlhelms die feldgraue Armbinde mit schwarzem Hakenkreuz aus weißem Grund.

Den Jungstahlhelm und den Sporteinheiten ver­leihe ich als einen Teil meiner SA. deren Armbinde und das an der Mütze zwischen den Kokarden zu tragende Hoheitsabzeichen.

(gez.): Adolf Hitler.

Füheertagung der HZ. in München

München, 5. Juli.

Reichsjugendführer Baldur von Schirach eröffnete am Montag abend im Wten Rathaus die Führer­tagung der -Hitlerjugend. Der Führertagung wohnen sämtliche Mitglieder der Reichsjugendführung, Ge­biets- und Bannführer der Hitlerjugend, Gebiets- jungvolk- und Jungbannführer, die Gauführertnnen und Untergauführerinnen des Bundes Deutscher Mädchen, die Gauführer der Jugendbetriebszellen und die Kreisführer des Studentenbundes bei. Zum ersten Male nahm an der Tagung auch der Bundes­führer des Scharnhorst teil. Der Reichsjugendsührer von Schirach gab in einer großen Rede die zukünfti­gen Arbeitsziele der Hitlerjugend bekannt und um­riß die Aufgaben der unter der Führung der Hitler­jugend stehenden gesamten organisierten Jugend Deutschlands.

Sie wirtschaftlicheN und lulüwekSN Leisttmsr» -er Deutschen in den Substanzen

Von KarlMartin, Hamburg.

Die Deutschen genießen in allen lateinamerikani­schen Ländern hohes Ansehen, aber in keinen der über zwanzig Mittel- und südamerikanischen Staaten sind sie so stark vertreten und spielen sie wirtschaft­lich und kulturell eine solche Rolle wie in Brasilien, besonders in -den südlichen Staaten Rio Grande do Sui, Santa Katharina und Parana.

Auch der Weltkrieg, in den Brasilien nur ungern eingetreten ist, hat daran nichts geändert, und die Stellung der Deutschen in Brasilien ist nach der rasch erfolgten Wiederherstellung des alten freund­schaftlichen Verhältnißes zwischen den beiden Natio­nen nach dem Kriege dieselbe geblieben wie in der Vorkregszeit.

Diese Erscheinungen- hängen auf das engste mit -der bereits einhundtundneunjährigen geschichtlichen Entwicklung der deutschen Einwanderung in Bra­silien zusammen. Sie begann damit, daß am 25. Juli 1824 eine Anzahl Deutscher, meist Hamburger, Schleswig-Holsteiner und Hannoveraner, die ihr Vaterland infolge der wirtschaftlich ungünstigen Auswirkungen der napoleonischen Bedrückung und der Freiheitskriege verlosten hatten, nach Rio Grande iw Sul lam, um sich eine neue Existenz zu gründen,

Sie waren dem Rufe des Kaisers Don Pedro I ge­folgt, der nicht nur den Politischen GrundsatzTod oder Unabhängigkeit" aufgestellt, sondern auch die Notwendigkeit einer planmäßigen Besiedlung und wirtschaftlichen Erschließung -des Landes als un­abweisbar erkannt hatte.

Wenn diese ersten deutschen Gruppeneinwanderer auch von den Nöten im damaligen Deutschland arg mitgenommen waren, so waren es doch unerschrockene und tatkräftige Männer, die in ihrer neuen Heimat, begünstigt durch das nicht tropische Klima dieses Lan­desteiles, bald Wurzel faßten und als tüchtige Sied­ler und Handwerker sowie in anderen Berufen bald vorwärts kamen. In verhältnismäßig kurzer Zeit gelangten die Deutschen auch in -den Städten von Rio Grande do Sul wie Sao Leopold», besonders aber in Porto Megre, der Hauptstadt dieses Staates, zur Geltung, wo Zehntausende von Deutschen haupt­sächlich in Handel, Industrie und Handwerk tätig sind, sieben deutsche Kirchen, zwölf deutsche Volks­schulen, ein deutsches Krankenhaus und andere Für-- sorgeeinrichtungen bestehen und wo auch der Ver­band deutscher Vereine, die einzige größere Orga­nisation her Deutschen in Brasilien, seinen Kitz hat.

Dieser Verband ist der Mittelpunkt -der gemeinnützi­gen Veranstaltungen des Deutschtums und hat u. a. auch einen -den Verleumdungen der Feinde Deutsch­lands entgegenwirkenden Depeschendienst während der schlimmsten Kriegszeit in wirksamer Weise unter­stützt und die Nothilfeveranstaltungen der Deutschen in Brasilien für die Stammesheimat nach dem Kriege organisiert.

In über hundert Jahren hat das Deutschtum in Brasilien eine großartige Leistung vollbracht- und insbesondere ist die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des blühenden Staates Rio Grande, do Sul, in dem über 350 000 Deutsche und Deutsch- bürtige leben, nicht zu denken.

Es hat besonders zu dem Ansehen der Deutschen in Brasilien und zur, Erhaltung ihrer Eigenart beigetragen, daß sich unter den Eingewanderten und ihrem Nachwuchs nicht nur'tüchtige Siedler, Kauf- - leute und, Handwerker, sondern äuch zahlreicheIn-, tellektuelle", Lehrer, Ingenieure, Rechtsgelehrte, Aerzte, Journalisten, Schriftsteller,- Dichter und auch' Wissenschaftler'befanden. Unter-den Tagesschrift- -stellern ist in erster Linie her hochbegabte v. Koseritz zu nennen, der 1851 mit. dendie Brummer" ge­nannten Angehörigen einer deutschen Legion mach Rio Grande do Sul kam, die von -dev brasilianischen Regierung zum Kampfe gegen den, Diktator Rosas in Argentinien angeworben worden war. Er war 1864 bis 1881 Schriftleiter der von dem Politiker, und ersten Konsiil des deutschen Bundes der Brüggen

gegründetenDeutschen Zeitung" und gründete dann die noch heute alsNeue Deutsche Zeitung" bestehende Koseritz' Deutsche Zeitung". Auch andere gut ge­leitete deutsche Zeitungen, so dieDeutsche Post" (51. Jahrgang) in Sao Leopolds, dasDeutsche Volksblatt" (63. Jahrgang) in Porto Alegre, die Deutsche-Zeitung" (38. Jahrgang) in Sao Paolo und dieRio-Zeitung" (13. Jahrgang) in Rio de Haneiro erhalten -das geistige Band unter den deut­schen Landsleuten.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung des Staates Rio Grande do Sul uiü> anderer Teile Brasiliens haben die Deutschen Außerordentliches beigetragen. Bereits 1880 gab es in Rio Grande deutsche Wollwebereien, die Flanelle, Tuche und Schale herstellten. Aus kleinen Handwerksbetrieben haben sich in vielen Orten -deutsche Wazenbauanstalten, Sattel- und Pan­toffelfabriken usw. entwickelt. Die bedeutende, nach den La Plata-Staaten exportierende Lederindustrie von Sao Leopold» liegt zu etwa 85 v. H. in deut­schen Händen.- Zur Zeit der Jahrhundertfeier der deutschen Einwanderung in Brasilien, im Jahre 1924, gehörten den Deutschen in Rio Grande do Sul 6244 oder 74 v. H. von insgesamt 6432 indu­striellen Betrieben und Unternehmungen, darunter 21 von' 25 Schmalzfabriken, 759 von 913 holzver­arbeitenden Werken und alle 7 großen Konserven- säbriken.

ES darf nicht verschwiegen werden, daß. wie dem

Künstler

von Gustav Staebe

Bremen, 5. Juli 1933.

Das denkwürdigste Ereignis dieser Tage ist zweifelsohne die Selbstauslösung der schwarzen Parteien, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei. Hierin liegt etwas Ungewöhnliche), insofern, als es sich in diesem Falle um die Li> quidation einer Weltanschauung handeln soll, die im Auf und Ab des parlamentarischen Le­bens immer eine gewisse Stabilität behaupten und selbst durch die Machtergreifung Hitlers nuringeringemMatzevoninnener- schüttert werden konnte.

Erlebte die breite Masse der marxistischen Ge­folgschaft täglich und stündlich die Fehler und den Verrat auf den eigenen politischen Wegen, so verstanden es die schwarzen Parteien in jeder Zeit und Lage sehr geschickt, die sogenannte katholische Weltanschauung", als anonymes Rührmichnichtan im Hintergrund, in der Re- erve zu halten, um nach außen hin den politi- chen Kampf mit den gleichen Mitteln und Pa­rolen zu führen wie jener Brei demokratisch- liberalistischer Parteien, der nur noch davon lebte, dasSchlimmste" zu verhüten, schließlich aber doch dem vierzehnjährigen Sturm der deut­schen Erneuerungsbewegung weichen mußte. Wo darum heute Männer und Frauen deS Zentrums und der Bayerischen Bolkspartei von diesen Irrtümern geheilt worden sind und sich aus tiefer innerer Ueberzeugung zum Nationalsozialismus bekennen, strecken wir ihnen unsere Hände entgegen, wie sie uns ent­gegengestreckt wurden in einer Zeit, wo ein sol­ches Bekenntnis noch einer Selbstauslöschung aus der menschlichen Gemeinschaft gleichkam. Niemand begrüßt es mehr als gerade wir Na­tionalsozialisten, wenn sich jetzt auch in den schwarzen Parteien die Erkenntnis von der Folgerichtigkeit der allgemeinen politischen Ent­wicklung durchzusetzen beginnt.

Gerade deshalb aber, weil uns unser hohes Verantwortungsgefühl gegenüber Volk und Volksseele davor bewahrt, diesen neuen Freun­den unsere Hand zu verweigern, darum lehrt uns die Geschichte der Deutschen, daß ihre Größtenimmerdannamschwersten besiegt wurden, wenn sie als. Sie­ger solchen Gegnern Gnade und Großmut schenkten, die alles an­dere alsversöhnlich waren, im Gegenteil den arglosen Sieger voller Dank­barkeit umarmten, während ihre Fäuste Dolch und Gift umkrampft hielten. Jeder aufbau- willige Deutsche hofft in diesen Tagen, daß das neue Bekenntnis der schwarzen Parteien ehr­lich gemeint ist. Wer aber um das Sterben argloser deutscher Helden weiß und die hämische nnd verschwommene Grimasse seiner Verräter sah, horchtauf.

Die letzten Monate brachten auch nicht im ge­ringsten eine Stärkung des Vertrauens zu den Parteien des politischen Katholizismus. Sogar die letzten Tage häuften eine Flut von Meldun­gen, aus denen hervorgeht, daß sich der Klerus in versteckter und offener Form die Organisie­rung einer schleichenden Opposition gegen den Hitlerkurs zur Aufgabe gemacht hat. Von dieser Ueberzeugung können auch nicht Versicherungen einesfreudigsten Ausbauwillens" hinwegtäu­schen, der jenseits der Grenzen Farbe bekennt und als intellektuelle Greuelhetze sie-ft' ar wird. So war auch die Abhaltung des KaU- ^ chen Ge­sellentages anfangs im schweizer!,: - n Lnzern vorgesehen und erst dann nach Mönchen ver­legt worden, als mit Bestimmtheit ein Verbot und damit das ersehnte gespannte Verhält­nis zwischen politischem Klerus und den natio­nalsozialistischen Machthabern erw rtet werden konnte. So traten jetzt allerorts Geistliche an die Spitze der katholischen Aktion, deren politischer Weg gekennzeichnet ist durch haßvollste und un- christlichste Verfolgung der nationalsozialistischen Bewegung, die selbst vor den ermordeten Kame-

Verfaster dieser Zeilen aus eigener Erfahrung be­kannt ist, die aus -dem Kriege kommenden und zum Teil politisch verhetzten, seelisch gleichsam entwur­zelten Notauswanderer -der Nachkriegszeit, denen von der brasilianischen Regierungbargeldlose" Ueber- fahrt auf brasilianischen Dampfern unter entgegen­kommenden Abarbeitsbedingungen gewährt wurde, nicht aus dem tüchtigen Holze geschnitzt waren wie jene Pioniere der -deutschen Einwanderung in Bra­silien, jedoch haben auch hier Anpastungs- und Aus­leseprozesse stattgefunden, von denen der Brief eines Wackeren Kunde gibt, der vor etwa zehn Jahren nach Hamburg aus dem Urwald schrieb:Die Ar­beit ist schwer, aber der Mensch ist frei!" Die brasilianische Regierung ist, wie uns vom General­konsulat in Hamburg bestätigt wird, den Deutschen in Brasilien gegenüber nach wie vor freundlich eingestellt, es finden auch immer noch Einzelein­wanderungen tüchtiger Deutscher, hauptsächlich Kauf­leuten und Technikern, statt, und wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung im Zusammenhang mit der Weltkrise den Erlaß eines Gesetzes notwendig gemacht hat, -daß nicht mehr als 33lb v. H. aller Angestellten Ausländer sein -dürfen, und fteiwer-dende Stellen durch Brasilianer besetzt werden müssen, so werden doch die Deutschen nicht aus ihren Stellun­gen verdrängt.

So ergibt sich im Ganzen ein sehr erfreuliches Bild vom Deutschtum in Brasilien, -das' auch in Ar»- kunjt jeink Bedeutung behalten wird,