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L Nr. 309 / 4 . Vierteljahr
Mittwoch, den 12 . November
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Vor Hendersons Rürktvm
Die Reichsregierung ehrt ihren Führer
von Vapen beglückwünscht den Kanzler zu feinem großen Wahlsieg
Henberson über die Nücktrittsgerüchte
Gens» 14. November
Der Präsident der Abrüstungskonferenz. K Henderson» beantwortete heute Pressevertre- ir lern gegenüber Fragen über die Gerüchte, ck daß er sein Amt als Präsident der Abrü- S stungskonserenz niederzulegen beabsichtige, k Die Zusammenkünfte vom Freitag und Sonn-
0 abend hätten ihn peinlich berührt. Er erhalte n nicht die notwendige Unterstützung. Er könne U unter diesen Umständen nicht aus unbestimmte K Zeit in Gens bleiben. Wenn sich kein Wille U zeige, tatsächlich Fortschritte zu verwirklichen, st sei er gezwungen, sein Mandat als Präsident ck der Abrüstungskonferenz dem Völkerbund x zur Verfügung zu stellen.
Was Henderson beabsichtigt.
Die Ankündigung der englischen Presse von dem 4 bevorstehenden Rücktritt des Präsidenten der Ab- :r rüstungskonferenz, Henderson, hat hier einen ö äußerst peinlichen Eindruck hervorge-
1 rufen. Henderson soll den Plan für seinen bevor- is stehenden Rücktritt damit begründet haben, daß 1 die Großmächte zu den gegenwärtigen Ausschuß- a Verhandlungen nur nichtverantroortliche Beamte » entsandt hätten und die Ausschußverhandlungen » einen äußerst schleppenden Gang nähmen.
Die tiefere Ursache dieser plötzlichen Rückst trittsdrohung liegt jedoch zweifellos in der gegen- a wältig geradezu trostlosen Lage der Ab- r rüstungskonferenz, die heute weder leben r noch sterben kann. In den letzten Verhandlungen l haben nicht nur Italien und Ungarn, sondern auch f Japan übereinstimmende Erklärungen abgegeben, k daß sachliche Verhandlungen und Beschlüsse in der j gegenwärtigen Lage unmöglich seiend Die italieni- s sche Parole von der Zwecklosigkeit und Sinnlosig- s keit der gegenwärtigen Konferenzverhandlungen I beherrscht die Lage. Die Rücktrittsdrohung Hender- s sons richtet sich jedoch nach Beurteilung unterrichte- - ter Kreise in erster Linie als ein Druckversuch !. gegendie Großmächte. Henderson hofft, damit die Großmächte, vor allem aber die englische und französische Regierung zu einer aktiveren Teilnahme an der Abrüstungskonferenz zu veranlassen. Nach hiesiger Beurteilung richtet sich jedoch die Drohung Hendersons in erster Linie an die englische Adresse. Die seit langem schon stark gespannten persönlichen Beziehungen zwischen Henderson und Macdonald sind hier allgemein bekannt. In Konferenzkreisen wird die Haltung Hendersons scharf verurteilt. Man wirft ihm vor, daß er als Präsident als letzter das Recht habe, das sinkende Schiff zu verlassen und daß keinerlei Veranlassung für ihn vorliege, jetzt seinen Posten aufzugeben. Angesichts der geringen politischen Bedeutung des Konferenz- Präsidenten dürfte jedoch die Rücktrittsdrohung nur als eine Geste aufzufassen sein.
Hendersons Drohung
Ein Druckmittel gegen Italien?
Genf, 14. November.
" Die Rücktrittsdrohung Hendersons ist hier plötzlich zu einer grvßen Sensation geworden, die das Tagesgespräch beherrscht. Präsident Hender-
Berlin, 14. November.
In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts hielt vor Eintritt in die Tagesordnung Vizekanzler von Papen folgende Ansprache an den Reichskanzler Adolf Hitler:
Herr Reichskanzler!
Im Namen aller Mitglieder der Reichsregierung habe ich die Ehre, in der ersten Sitzung, die das Kabinett nach dem denkwürdigen 12. November vereint, folgendes auszuführen:
Wir, Ihre nächsten und engsten Mitarbeiter, stehen noch vollkommen unter dem Eindruck des einzigartigsten, überwältigendsten Bekenntnisses, das jemals eine Nation ihrem Führer abgelegt hat. In neun Monaten ist es dem Genie Ihrer Führung und den Idealen, die Sie neu vor uns ausrichteten, gelungen, aus einem innerlich zerrissene« und hoffnungslosen Volk ein in Hoffnung und Glauben an seine Zukunft geeintes Reich zu schaffen.
Damit ist die nationalsozialistische Bewegung zum totalen Staat geworden,
mit allen Rechte» und Pflichten, die sich daraus ergeben. Auch die, die bisher noch abseits standen. haben sich nun eindeutig zu Ihnen bekannt, weil sie fühlten, daß es Ihr großer Wunsch war, alle Volksgenossen, gleich wo sie früher gestanden. unter Ihrer Führung zu vereinen.
Gleich wie die anderen großen Völker nach dem Weltkriege den unbekannten Soldaten als Symbol ihrer Tapferkeit, Ehre und Würde ein Denkmal errichteten, hat das deutsche Volk gewünscht, vor der Welt ein unüberhörbares Bekenntnis seiner eigenen Ehre und Würde abzulegen, indem es seinen unbekannten Soldaten, der einst bei Le Varque für sein Volk blutete und nun fein Führer geworden ist, einen überwältigenden Vertrauensbeweis darbrachte.
Die Sehnsucht unseres Feldmarschalls und großen Führers aus dem Weltkriege, das Vaterland in Einigkeit zusammenstehen zu sehen, ist durch Sie, Herr Reichskanzler, erfüllt worden. Wohl noch nie in der Geschichte der Nationen ist einem Staatsmann ein solches Maß gläubigen Vertrauens entgegengebracht worden. Das deutsche Volk hat damit zu erkennen gegeben, daß es den Sinn der Zeitenwende begriffen hat und den
son selbst hat versucht, den ungünstigen Eindruck seiner Erklärung dadurch zu mildern, daß er seine Rücktrittsdrohung jetzt plötzlich mit der neuen Haltung der italienischen und ungarischen Regierung begründet.
In einer amtlichen Erklärung an das Reuter- Büro und in persönlichen Unterredungen macht Henderson die italienische Regierung für den
Führer auf seinen Wegen zu folgen entschlossen ist.
Aus historischer Perspektive dieser Tage betrachtet, wird der 12. November ein Wendetag der deutschen Geschichte sein, weil von hier aus innere soziale Wirkungen im Kampf für die abendländische Kultur weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus ausstrahlen werden — aber auch weil die Notwendigkeit einer friedlichen Neuordnung Europas nach dem Gesetz von Recht und Gerechtigkeit nunmehr in ein entscheidendes Stadium getreten ist.
Der Traum von den zwei Deutschlands, die man gegeneinander ausspielen könne, ist endgültig ausgeträumt. Die Umwelt findet an dessen Stelle eine Nation, die mehr wie je entschlossen ist, für ihre Weltgeltung, für ihr Recht und für den Frieden, wie die Wohlfahrt Europas zu kämpfen. Wir wissen, daß Sie, Herr Kanzler, den alten Worten huldigen: „Nach dem Siege binde den Helm fester". In diesem Sinne ist das Kabinett glücklich, in einer solchen Stunde unter des Feldmarschalls und Ihrer Führung für Deutschland arbeiten zu dürfen.
Reichskanzler Adolf Hitler dankte in bewegten Worten den Mitgliedern des Reichs- kabinefts, die sich in einer spontanen Kundgebung von- den Plätzen erhoben hatten, für die treue Mitarbeit und das unerschütterliche Vertrauen, das man ihm in den verflossenen Monaten entgegengebracht hat. Der Reichskanzler gedachte in diesem Augenblick ebenfalls in Worten herzlichsten Dankes des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, der durch die Berufung dieses Kabinetts die Voraussetzungen für den gewaltigen Sieg der deur- schen Einigkeit geschaffen habe. Die allerschwerste Arbeit des Reichskabinetts, die innere Formung des Volkes selbst sei jetzt, wie das Ergebnis der Volksabstimmung und der Wahl des letzten Sonntags zeige, gelungen. Gestützt auf dieses Ergebnis, könnten nun die weiteren Arbeiten im Innern und nach außen leichter und besser in Angriff genommen werden als früher.
Sodann wurde ein Kabinettsbeschluß herbeigeführt, wobei Vizekanzler von Papen zum Saarbevollmächtigten der Reichsregierung ernannt wird. Als solchen find Herrn von Papen die Sachbearbeiter der Saarsrage in den einzelnen Ministerien unterstellt und er hat das Recht des unmittelbaren Geschäftsverkehrs in diesen Angelegenheiten.
Erledigt wurde im weiteren Verlauf der heu-
gegenwärtigen Stillstand der Verhandlungen verantwortlich. In französischen. Kreisen wird daher die Rücktrittsdrohung Hendersons eindeutig in der Richtung ausgenutzt, daß man jetzt bereits die Schuldfrage für den etwaigen Zu- sammenbruch der Konferenz auswirft und Deutschland, Italien und Ungarn hierfür verantwortlich zu machen sucht.
tigen Beratungen des Reichskabinetts ein Gesetzentwurf zur Aenderung des Gemeindeumschul- dungsgesetzes vom 21. 9. 1933, das eine Verlängerung der Fristböstimmungen und einige Ergänzungen vorsieht, ferner der Entwurf eines Gesetzes über Außerkraftsetzung des Mineralwasser- Steuergesetzes und des Schaumwein-Steuergesetzes. Das letztere geschieht lediglich aus dem Grunde, um den drohenden Entlassungen einer größeren Zahl von Arbeitern vorzubeugen und um neue Arbeitsmöglichkeiten zu erschließen.
Auf Grund einer Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums und des Reichswirtschaftsministeriums beschäftigte sich das Reichskabinett mit den von diesen beiden Ministerien aufgestellten Grundsätzen in der Frage des Doppelver- dienertums, die gutgeheißen wurden. Angenommen wurde ferner ein Gesetz über Preisnachlässe (Rabatte), das die auf diesem Gebiet zutagetretenden Mißstände beseitigen soll.
Den größten Raum in den Beratungen des Reichskabinetts nahmen drei Gesetzentwürfe des Reichsjustizministers ein, die die Einschränkung der Eide im Strafverfahren, die Beseitigung der Mißbräuche bei der Ehe und der Annahme an Kindesstatt, sowie Maßnahmen gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher zum Gegenstand haben. Hierbei handelt es sich einmal um eine Beseitigung des Uebermaßes der Eide im Strafverfahren, das nicht der Wahrheitserforschung dient, sondern sie schädigt.
Es soll die Vereidigung aller Zeugen in Fällen von ganz untergeordneter Bedeutung und bei belanglosen Privatklagen nicht mehr obligatorisch sein. Das geltende Recht zwingt vielfach dazu, einen Zeugen zu vereidigen, trotz der klaren Erkenntnis, daß der Zeuge sich in offenbare Widersprüche verstrickt hat. Diesem Zustand soll das heute beschlossene Gesetz ein Ende bereiten.
Das zweite Gesetz bezweckt die Bekämpfung von Verfallserscheinungen auf familienrechtlichem Gebiet. Darnach soll grundsätzlich jede Ehe nichtig sein, wenn sie ausschließlich oder vorwiegend zu dem Zweck geschlossen ist, der Frau die Führung eines Familiennamens zu ermöglichen, ohne daß eine eheliche Lebensgemeinschaft begründet werden soll.
Ebenso soll die Bestätigung einer Annahme an Kindesstatt überall da versagt werden, wo begründete Zweifel daran bestehen, daß durch die Annahme ein dem Eltern- und Kindesverhältnis entsprechendes Familienband hergestellt werden soll.
Präsident Henderson beabsichtigt, wie verlautet, zunächst die Rückwirkungen seiner Erklärungen auf die weitere Haltung der Großmächte, insbesondere auf Italien, abzuwarten, und will, wie aus seiner näheren Umgebung mitgeteilt wird, die Folgerungen ziehen, falls nicht in der nächsten Zeit eine Aenderung in der Haltung Italiens eintritt.
Spenglers „Zähre
Don 6.H
Oswald Spenglers neuestes Buch „Jahre der Entscheidung" — am 30. Januar bis Seite 106 gedruckt, von Spengler nach der nationalen Revolution so weitergeschrieben, wie er es geplant hatte — hat bereits Las hundertste Tausend (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, München) erreicht. Wie Buchhandlungen versichern, wird dieses Buch nach Hitlers „Mein Kamps" am meisten verkauft. Diese starke Wirkung verlangt, obgleich seit dem Erscheinen im Juli dieses Jahres schon einige Monate vergangen sind, erneut und immer wieder kritische Würdigung. Denn das Buch ist in seinem eiskalten Pessimismus und seinem Machiavelli'schen Denken ebenso verlockend wie gefährlich.
Wenn man Maß an das Weltbild Spenglers legt, so darf man nicht mit heutigen Werten rechnen. Spengler denkt nur an Weltgeschichte, denkt nur in Jahrhunderten, ja sogar Jahrtausenden. Wenn er „Deutschland in Gefahr" sieht (so sollte ursprünglich der Titel des Buches lauten), so spielt für ihn der Versailler Vertrag, die polnische Frage, das Kolonial-Problem keine Rolle. Polen wird im ganzen Buche nicht einmal erwähnt. Nur die Weltmächte und ihre Bewegungen interessieren ihn, und immer wieder mit einer geradezu fanatischen Einseitigkeit zitiert er das Gleichnis der römischen Geschichte, die sich für ihn zwangsläufig in der Weltaeichichte nochmals wiederholen muß.
der Entscheidung"
Barniek
Nach Spengler stehen wir in einem Jahrhundert des Ueberganges, das auf die Zeit der Demokratien, auf die Zeit der kleinen Geister das Weltalter der Cäsaren folgen läßt. „Der triste Zug der Weltverbesserer, der seit Rousseau durch diese Jahrhunderte trottete und als einziges Denkmal seines Daseins Berge bedruckten Papieres auf dem Wege zurückließ, ist zu Ende. Die Cäsaren werden an ihre Stelle treten." Ueber die Demokratie als Staatsform urteilt er vernichtend, und wir müssen ihm darin recht geben. Die Demokratie ist ihm „die Formlosigkeit in jedem Sinne als Prinzip", der Parlamentarismus ist ihm eine „verfassungsmäßige Anarchie". In dieser Zeit der Demokratie hat die Wirtschaft das Primat vor der Politik erlangt — der Staat ist durch das Kontor ersetzt worden — das Führer- tum, das Spengler am stärksten im preußischen Offizierskorps manifestiert sieht, hat der Masse Platz machen müssen.
Es ist kein Wunder, daß Spengler mit zynischer Verachtung auf den Marxismus herabsieht, der für ihn seit der französischen Revolution der Träger der sogenannten weißen Weltrevolution ist und den er als den einzigen Sieger des Weltkrieges bezeichnet. Mit dieser Anschauung, m-t der vernichtenden Kritik der sogenannten Arbeiterführer und des Klassenkampses, der in Wirklichkeit nur ein Klassenneid ist. deckt er sich fast vollkommen mit unseren heutigen Anschauungen. Aber wenn er den Arbeiter der heutigen Zeit
gleichsetzt mit dem Sklaven des antiken Spartakusaufstandes, dann begibt sich der Eeschichts- philosoph auf gefährliche Bahnen. Für den Arbeiter hat er nur unverhohlene Verachtung und das ist entschieden eine Verkennung des Arbeiters, der im Rahmen seiner heroisch- völkischen Mission nach Ueberwindung des marxistischen Rationalismus gerade im heutigen Deutschland einer der stärksten Träger der Staatsautorität geworden ist. Man kann diesen deutschen Arbeiter heute nicht mehr mit dem Ausdruck eines Lohnbolschewisten kennzeichnen. Aber — vergessen wir nicht: Spengler hat das Buch vor dem 31. Januar geschrieben, er konnte nicht wissen, welche Revolution sich gerade auf diesem Gebiete vollziehen würde. Und auf den marxistischen Arbeiter des letzten Jahrzehnts kann man seine Worte getrost anwenden.
Neben der weißen, plebejisch-rationalistischen Weltrevolution sieht Spengler mit zahlreichen anderen Kritikern unserer Zeit die farbige Weltrevolution heraufkommen, die Emanzipation der farbigen Völker, die zwangsläufig zur Auflehnung gegen die Oberhoheit der weißen Rasse führen muß. Hierbei rechnet er Rußland mit zu den farbigen Völkern; für ihn ist mit Beginn der Bolschewistischen Revolution das westeuropäische petrinische Rußland endgültig versunken und hat einem asiatischen, von einer asiatischen Horde regierten Rußland Platz gemacht. Bei der Einschätzung der farbigen Weltrevolution verfällt Spengler nun in einen Irrtum, den er selbst zuvor gegeißelt hat: in die Ueberschatzung des wirtschaftlichen Momentes. Daß die Löhne der farbigen Arbeiter nur ein Zehntel der Löhne
der weißen Arbeiter sind, ist für ihn die gefährlichste Tatsache der kommenden Machtauseinandersetzung. Wo bleibt da das Primat der Politik? Wenn die Cäsaren kommen, „deren Zeitalter schon heute in diktatorischen Tendenzen sich anzumelden beginnt", — werden diesen Cäsaren derartige wirtschaftliche Tatsachen irgendwelche Hindernisse auf ihrem alle Tradition überspringenden Machtzuge sein? Die richtige Ein- wertung der Führernatur und des Führerprinzips hat bei Spengler zu einer bis zum Haß gesteigerten Unterschätzung des Arbeiters geführt und darum auch wieder zu einer Ueberschätzung der durch den farbigen Arbeiter drohenden Wirtschaftsgefahr. Gerade er, der den Reichtum und den Luxus, den erschaffenen und ererbten (nicht errafften) Besitz fordert, sollte sich darüber klar sein, daß es Qualitätsunterschiede gibt. die dem gesteigerten Kultur- oder auch Zivilisations- bedllrfnis entsprechen. Und kann dieser Forderung nach Qualität die Arbeit des farbigen Arbeiters unbedingt nachkommen? Ist nicht durch sie ein Unterschied im Lohnniveau zwischen den farbigen und den weißen Arbeitern bedingt?
Der Schluß des Buches und das nach der nationalen Revolution hinzugeschriebene Vorwort schließen den Ring der Betrachtung. Für die kommenden weltgeschichtlichen Auseinandersetzungen. die der eiskalte Verstand Spenglers sich nur in Hekatomben von Menschenopfern denkt, ist ihm ein Volk Europas das wichtigste: das deutsche. Nicht nur weil es sein Volk ist, und weil er deshalb Angst um dieses Deutschland hat. sondern weil es das jüngste Volk Europas ist und weil es als germanisches Volk die größte Möglichkeit einer Entfaltung seines Willens be-
Unser Wertmesser:
Die Leistung
Von Kurt Thiele
Bremen» 14. Nov.
Mehr als 4014 Millionen Volksgenossen haben sich zu der Parole „Für Frieden, Ehre und Gleichberechtigung" und damit zu des Führers außenpolitischer Befreiungsarbeit bekannt. Mehr als 3914 Millionen haben ebenso feierlich seiner innerpolitischen Befreiungsarbeit zugestimmt.
Früher stand nur die Partei hinter dem Führer. Sie war ein geringer Bruchteil des Volkes. Heute gibt es 3,9 Millionen Parteimitglieder und über die ist seit Monaten die Eintrittssperre verhängt aus technisch-organisatorischen Gründen. Der Ausfall der Wahl hat gezeigt, daß heute diezehnfacheZahl von Volksgenossen hinter dem Führer steht. Dieser Tatsache werden wir Rechnung tragen. Die Revolution ist nunmehr voll und ganz von der Evolution abgelöst worden. Die llsbergangszeit sah zugleich auch die Blütezeit des Konjunkturrittertums. Konjunkturritter wird es auch in Zukunft geben. Aber während sie in den vergangenen Monaten in solchen Massen auftraten, daß zeitweise eine allgemeine Beunruhigung unter den alten Parteigenossen der Kampf- und Oppositionszeit zu beobachten war, werden sie- nunmehr nur noch Einzelerscheinungen sein. Unser Verhältnis zu der Gesamtheit der Volksgenossen ist von jetzt an ein anderes.
An der Treppe zum Tempelbau des Dritten Reiches haben wir wiederum eine wichtige Stufe fertig gemauert. Bis zum 0 . März war die Partei — als Behälter der in ihr zusammengefaßten Weltanschauungsgenossen — mit einer Keimzelle zu vergleichen, die immer wieder gegen das Mutterei — gesamtes Volk — anrannte. Am 5. März gelang ihr der Einbruch, begann die Befruchtung. Am 12. November erlebten wir die Eeburtsftunde der Volksgemeinschaft. Jetzt erst sind wir ein Volk in des Wortes tiefster Bedeutung geworden. Damit ist eines der ganz großen Ziele der NSDAP. — geschichtlich betrachtet vielleicht das größte — erreicht.
Die Partei aber wird bestehen bleiben. Doch das muß heute klar zum Ausdruck gebracht werden: die Volksgemeinschaft kennt keine Klassen. Es braucht sich also einerseits niemand deswegen etwa zweitklassig vorzukommen, weil er nicht Mitglied der Partei ist, wie andererseits die Partei solche Eedankengänge aus ihrer ganzen inneren Einstellung, ihrer Zielrichtung, nicht kennt. Der Wert eines Menschen für sein Volk ist nur an einem Maßstab zu messen, das ist die Leistung für das Volk. Und diese ist an und für sich nicht an den Besitz des Parteibuches gebunden.
Allerdings aber haben die alten Parteigenossen aus der Kampf- und Oppositionszeit in bes 0 nderem M a ß e Leistung für das Volk auszuweisen. Der Stellvertreter des
sitzt. Und weil es das Geheimnis und die . nicht abzuschätzende Macht preußischen Geistes in sich hat. Dieser Geist ist es, der der weißen Welt für die kommenden Auseinandersetzungen die Form zu verleihen vermag. Ein Volk muß „in Form" sein — ist eine der Hauptforderungen Spenglers. Und nun ist die nationalsozialistische Revolution gekommen. Spengler erkennt sie an als preußisch durch und durch. „Die deutschen Träumer erhoben sich, ruhig mit imponierender Selbstverständlichkeit, und öffneten der Zukunft einen Weg." Aber Spengler warnt: die Mobilmachung ist noch kein Sieg. Mit dieser Warnung deckt er sich mit der Anschauung der führenden Männer der nationalsozialistischen Revolution, die immer wieder gesagt haben: Der Gegner ist noch nicht überwunden, wir müssen eisern, unerbittlich kämpfen — wir müssen Opfer auf Opfer bringen — wir müssen den preußischen Geist wachhalten, wenn wir unsere Mission erfüllen wollen.
Spengler sieht diese Mission in weltgeschichtlichen Aspekten. Das ist, um es nochmals zu wiederholen, verlockend und gefährlich und deshalb soll man sein Buch mit Vorbehalt lesen und soll vor allem seine auf Jahrhunderte gerichteten Blicke nicht anwenden auf die Gegenwart und ihre Aufgaben. Vielleicht auch würde Spengler schon heute manches revidieren, was er in dem Buch gesagt hat. Aber dazu ist er wohl zu stolz. Denn ein Mensch, der so verachten kann wie er, der so das Kleine und Minderwertige haßt, der darüber sogar manchmal die Distanz zu den Dingen verliert, muß von einem beispiellosen Stolz sein. „Ich sche weiter als andere", sagt er in seinem Vorwort. Die ^nt muß lehren, ob er tatsächlich weiter sieht.