Ausgabe 
(11.11.1933) Nr. 305
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das amtliche Organ -es Senats

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-er Freien Lansestaöt öremen

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Bremer Zeitung, Berlagsgesellschast m. b. H., Geeren 6 bis 8. Fernrus: Sammelnummer Roland K25.

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Nr. 305 / 4. Vierteljahr

Sonnabend, den 11 . November

Anzeiaen-Tcil: Hiesige je wm-Zeile t3 Rps.. auswärtige 17 Rps,; im Textteil hiesige 7b Rp^ , auswärtige IVO^ Klein-Anzeigen bis 20 mm. Familien-Anzcigen und Wohnunflsmarkt . bei. Vorauszahlung . .Np.. Stellenaesuche 6 Rps Platzvorschristen ohne jede Veroindli'chkeit Alle sonstigen Pedin^inigeN nach a

SpreLseit^sVerlagesL Schris tleitung 12 bis 13 Uhr. / Schluß der Anze.gen-Annahme 18 Uhr.

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Die Feierstunde der Liatis

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Die Saarregiening fuchtsichzurechiseNigen

Genf, 10. November.

' Der Donnerstag hier veröffentlichte Viertel- l jahrsbericht der Regierungskommission des Saar- 'gebiets beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Apolitischen Lage, die sich nach Auffassung der Re­gierungskommission fortgesetzt weiter verschlechtert hat. Der Bericht, dessen poli­tische Ausführungen bemerkenswcrterweise nicht die Zustimmung des saarländischen Mitgliedes der Regrerungskommission gefunden haben, macht, wie nach der Tendenz der letzten Verordnungen nicht anders zu erwarten war, die National­sozialistische Partei für die gegenwär­tigen unbefriedigenden Zustände verantwortlich. Anstatt dieser Bewegung als Ausdruck des Volks­willens objektiv gegenüberzutreten, erhebt die Regierungskommission eine Reihe von Be­schuldigungen, die die jüngsten Verordnungen rechtfertigen sotten. Die Nationalsozialisten hätten den Willen, eine tatsächliche Macht an die Stelle der bestehenden Regierung zu setzen, und verliehen zu diesem Zweck der Betätigung der Bevölkerung auf allen Gebieten eine politische Färbung. Durch Drohungen, Denunziationen und versteckten Boykott gegen Andersdenkende habe sie im Saargebiet eine Atmosphäre der jüngsten Erregung geschaffen, die andere politische Par­teien zu Gegenaktionen veranlaßt habe. Die Folge davon sei das Umsichgreifen von Eewalt- und Terrorakten gewesen. Eine besondere Gefahr bilde die Beeinflussung von Beamten In ge­wissen Fällen fei das Amtsgeheimnis sogar ver­letzt und interne Anweisungen seien der Presse yprzeitig zugegangen. Mit der Begründung, allen Einwohnern des Saaxgebiets, ohne Unterschied, Schutz gewähren zu müssen, erklärt die Regie­rungskommission, daß sie sich in die Lage versetzt sähe, Ausnahmemaßnahmen zu er­greifen.

Die Vomier-Wette nach Mecklenburg verlegt

Berlin, 10. November.

Die Dornier-Werke haben sich entschlossen, ihren Friedrichshafener Betrieb, die Flugzeugwerft, nach Wismar in Mecklenburg zu verlegen, wo außer der Werft ein See- und ein Landflugplatz entstehen wird. Für Wismar bedeutet diese Ver­legung eine außerordentliche Belebung des Ar- beitsmarktes; denn die Stadt Wismai hat eine der prozentual höchsten Arbeitslosenzahlen in Deutschland auszuweisen. Die Verlegung ist ins­besondere auf die Bemühungen oes Reichsstatt­halters von Mecklenburg und Lübeck, Hilde- brandt, zurückzuführen.

Das deutsche Volk hört seinen Führer

Deutschland ist erwacht!

Berlin, 10. November.

Nie war eine Zeit in der Geschichte des Deut­schen Volkes reicher an großen historischen Ge­schehnissen als die mistige . Seit Beginn der nationalen Erhebung haben wir fast täglich Welt­geschichte erlebt, sind Zeugen von Begebnissen ge­worden, die in der deutschen Geschichte durchaus einmalig sind. Selbst in seinen großen Tagen hat das deutsche Reich nicht jenes Bild einer entschlossenen Einheit geboten, wie in diesen Tagen, wo der Führer das deutsche Volk aufgerufen hat, seine Stimme zu der Politik der Regierung abzugeben, sich zum Frieden der Frei­heit und der Gleichberechtigung zu bekennen; Gleicherzeit geht der Appell dahin, anstelle des früheren parlamentarischen Scheingebildes eine wirkliche Volksvertretung zu berufen, von der man mit Recht sagen kann, daß das ganze Volk hinter ihr steht.

Der letzte Appell des Führers galt den deutschen Arbeitern, die im neuen Reich erstmalig in ihrer Geschichte den Platz einnehmen, der den schaffenden Mensch en gebührt, die durch den Führer und seine Bewegung Menschenwürde, Ansehen und Gleichberechtigung innerhalb der Volksgenossen wiedererlangt haben. Der l. Mai war der Tag, an dem das Bündnis zwischen den einzelnen Volksschichten abgeschlossen wurde, der Ehrentag des deutschen Arbeiters, aber es ist nicht bei diesem einen Tag geblieben. Immer wieder, wenn der Führer und die Regierung vor schwerwiegenden Entschlüssen standen, sind sie zum Volk gegangen.

In schlichtem Rahmen vollzog sich heute der Akt. in dem der Führer zwei Tage vor der Wahl zur deutschen Arbeiterschaft sprach. Durch die Anord­nung einer einstündigen Arbeitspause in allen Betrieben des ganzen Reiches und die einer Minute Verkehrsstille gewann das Ereignis auch äußerlich ein besonderes Gepräge, Aus allen Häusern, ja fast aus allen Fenstern, hingen die Fahnen des allen und neuen Deutschland Das Straßenbild war vollkommen verändert Vor allem auf dem Weg, den der Führer von der Reichskanzlei bis zum Werk in Siemensstadt nahm, standen die Menschen Kopf an Kopf. Schulkinder, Hitler-Jugend und die Formationen der SA,, SS,, St. und der vaterländischen Vereine bildeten Spalier.

In Siemensstadt selbst war neben den Fahnen und Spruchtüchern der Eingang zum Stadtteil durch eine Triumphpforte geschmückt. Viele Häuser trugen Blumen unb Girlanden, an den Stätten der Arbeit war alles unverändert. Man gewann den Eindrck, als seien die Techniker in ihren weißen, die Arbeiter in ihren blauen Kitteln nur für einen Augenblick von der Arbeits­stätte fortgegangen. Die drei gewaltigen, 200 m

langen und 100 m breiten Hallen waren Kopf an Kopf von der Arbeiterschaft besetzt.

Ueber dem Platz des Führers hingen an einer Laufkatze sechs Jupiterlampen, während die Scheinwerfer der Tonfilmapparaturen auf den großen Laufbühnen, die sich über die ganze Hallen- breite unmittelbar unter der Decke hinziehen, montiert waren. Ueberall waren auch Laut­sprecher aufgestellt. Die Presse war auf einer Kranbühne auf einem provisorischen Vretter- podium untergebracht. Um den Generator herum, der als Rednerbllhne diente, waren die Marinen soweit als möglich zurückgeschoben. Kopf an Kopf stand die Belegschaft, so wie sie von der Arbeit gekommen war, in Erwartung des Führers, Männer und Frauen, Alt und Jung, vom Be­triebsleiter bis zum Lehrling, Ingenieure, Tech­niker, Abordnungen aus dem kausmönnuchen Betrieb, kurz, das gesamte Arbeitsoolk der Stirn und der Faust.

Line mwrMge Demonstration

Um 12.00 Uhr erschien Reichsminister Dr, Goebbels, von donnernden Heilrufen empfangen, die sich wiederholten, als er in dem Betriebsbüro der großen Dynamohalle unterhalb der Kranbiihne vor dem Mikrophon des Deurich- landsenders Platz nahm Auf Wunsch der Beleg­schaft wurde seine Reportage von der Stunde der schaffenden Arbeit auch durch die in der Halle angebrachten Lautsprecher übertragen. Um 12,10 Uhr flammten die Scheinwerfer auf. Un > er atemloser Stille hörten die Tausende und aber Tausende die mit­reißenden Worte des Ministers,

Dr, Goebbels gab einen Bericht von der Städte der Arbeit, dabei ausgehend von Berlin, Mitten in dieser Stadt der Arbeit", so sagte Dr, Goeb­bels,hat die Regierung ihren Sitz aufgeschla­gen," Und er schilderte dann den Weg hinaus nach Siemens st adr, einer Stadt, die ihren Namen erhielt nach einer der größten industriellen und technischen Anlagen, die die moderne Welt­wirtschaft überhaupt kennt.

Mit Stolz und Bewunderung", führte Dr. Goebbels aus,blickt unser Auge auf diese riesi­gen Fabrikbauten, auf diese fast bis in die Un­endlichkeit hineingezogenen Maschinenhallen, auf die sich reckenden Türme, das majestätische Bild einer modernen Industriestadt. Unaufhörlich dröhnen die Eisenhämmer und singen die Maschi­nen das Lied der schaffenden Arbeit.

Es. sind gerade 10 Jahre her, da standen die marxistischen Volksversührer vor den betrogenen Massen, um ihnen Freiheit, Schönheit und Würde zu versprechen, Sie hätten genug getan, hättensieihnennurArbeitundVrot gegeben. Statt sich aber für das Volk einzu­setzen, verkrochen sie sich hinter Parlaments- und

Eesetzesbarrikaden. Zwischen ihnen und den Massen stand der Parteifunktionär. Sie wagten garnicht mehr, vor das Volk hinzutreten. Denn wenn es sie streng und unerbittlich anschaute, mußten sie vor Scham die Augen niederschlagen.

Wie anders ist das heute. Schon weit vor der großen Maschinenhalle sind Straßen und Wege eingezäunt von dichten grauschwarzen Menschen­mengen.

Das arbeitende Volk wartet

Es wartet auf seinen Führer. Denn er wird heute mitten unter seine schaffenden Volksgenossen treten, um vor ihnen Rechenschaft abzulegen und die Notwendigkeit der Verteidigung der nationalen Ehre zu begründen.

Denn diese nationale Ehre ist nun nicht mehr das Vorrecht einer kleinen auserwiihlten Schicht. S?e ist Sache des ganzen Volkes geworden. Und gerade der arbeitende Mensch hat in den oci> pavgenen Jahren des deutschen Niederbruchs und Verfalls einsehen gelernt, daß ein Volk ohne Ehre auch immer sein Brot verliert und daß es deshalb in erster Linie Pflicht und Ausgabe der arbeiten­den Menschen ist, die Ehre des Staates und der Nation zu verteidigen und eifersüchtig über ihre Unversehrtheit zu wachen.

Solch eine gewaltige Demonstration vor der ganzen Welt! Nun ruhen in einigen Augen­blicken in ganz Deutschland die Maschinen; nach dem Signal der Arbeitsireng dieses Riesenwerkes werden überall in Stadt und Land yuf allen Fabrikanlagen, Schiffen und Werften die Sirenen aufheulen, auf den Straßen stehen die Menschen und Verkehrsmittel für eine Miiiute still. L i n ganzes Volk entblößt sein Haupt Es erbittet vom Himmel Gnade und Segen für die gerechte Sache seiner nationalen Ehre, die die Welt glaubt, uns verweigern zu können. Es ist eine Demonstration, die alle Standes- und Klassenunterschiede verwischt, Arbeiter, Bürger und Bauern, Städter und Dörfler. Mann und Frau. nehmen an ihr gleicherweise teil. D i e deutsche Nation erlebt die eindrucks­voll st e Bekundung ihres Willens, die überhaupt denkbar ist. Feierlich vor der ganzen Welt erhebt sie ihren Anspruchauf Ehre, Freiheit, Gleich­berechtigung und Frieden.

Noch vermag man sich das in seiner Tragweite gar nicht vorzustellen Was in zwei Jahrtausen­den unerfüllbar blieb, hier wurde es Wirklichkeit. Das deutsche Wunder ist geschehen. Die Sehnsucht aller Gutgesinnten wurde erfüllt. Deutsch­land ist erwacht.

Nun schweigen die Maschinen. Das Schwirren und Drehen der Räder ist verstummt, der schrille (Fortsetzung im Inneren des Blattes,)

Der Ruf an die Schaffenden

Bon Kurt Teege

Bremen, 11. November.

Es war ein gewaltiges und nie zu vergessen­des Erlebnis, diese Riesendemonstration des deutschen Volkes zur Wahl am 12. November., Gestern mittag zwischen 1 und 2 Uhr hatte der Wahlkampf seinen Höhepunkt erreicht. Der Führer sprach über alle deutschen Sender zum arbeitenden Volk. Ueberall dort, wo schassende Hände sich regen und mühen, in den Fabriken und auf den Werften, in den Werkstätten und in den Kontoren, in den Schulen und auf den Universitäten ruhte die Arbeit eine Stunde lang. Arbeiter der Stirn und der Faust hat­ten sich vor dem Lautsprecher zusammengefun­den, um den Worten des Führers zu lauschen. Der Verkehr, das Tempo unserer Zeit wurde auf eine Minute unterbrochen und stockte.. Entblößten Hauptes legte das deutsche Volk in seiner Gesamtheit in diesem Moment das Bekenntnis vor der Welt ab, daß Regie­rung und Volk eines Geistes und eines Willens sind und daß das Volk geschlossen und treu den Weg beschneitet, den ihm der Führer des Reiches vorschreibt. In dieser feierlichen Stunde des 10. November kam so recht zum Ausdruck, wie ehrlich der von Adolf Hitler so oft betonte Friedenswillen der deutschen Nation ist. ' .

Aus den Lautsprechern ertönt von den Sie­mens-Werken in Völlig das Hammern der Maschinen-und das-summende und 1 eintönige Lied der schaffenden Arbeit. Reichsminister Dr. EoebbeIsj derEroberer des roten Berlin", derpstit ckoetsur", wie man ihn bei seinem ersten und voraussichtlich auch für län­gere Zeit letzten Auftreten in Genf in Völker­bundskreisen nannte. Dieser treüe Paladin des Führers eröffnete mit kurzen und knappen Worten, aber doch mit der ihm eigenen Ueber- zeuaungskunst diese gewaltige Kundgebung. Er spricht von dem majestätischen Anblick der riesigen Fabrikanlagen der Siemens-Werke und von dem höchsten Gut, das der Mensch sein eigen nennen kann, von der Arbeit. Und dann kommen aus dem Munde dieses vielleicht der Welt besten Rethorikers dieWorteder dervergangenen 14 Jahre. Es ist eine vernichtende Kritik, die der Minister über dieArbeiterführer" fällt, denen das eigene Ich höher stand als das Wohl ihrer Berufs­kollegen, die systematisch in dieser Zeit der Schmach und Schande von den eigenen Genossen zu Proletenge stempelt wurden.

Hell ertönt durch den Aether der grelle Schrei der Sirenen der Siemens-Werke. Mit den Tönen aus dem Lautsprecher vermischt sich der Chor der Sirenen im ganzen Lande, und über diesen Fansarenklängen aus den Stätten

Volk uncl k^ülirsi'

mit ciem füllte? Äureii cjis l-sncje

> Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, das Glück hatte, an der Wahlreise des Führers in ' seiner engsten Umgebung von Anfang bis ' Ende teilnehmen zu können, kann am ehesten ' ein Urteil darüber abgeben, wie groß die Liebe des Volkes zum Führer, wie ; groß die Begeisterung für den Mann ist, der die Geschicke Deutschlands am 30. Januar in seine Hände genommen hat. Wir waren es von jeher gewohnt, daß die, die den Führer kannten, ihm nicht nur folgten, sondern sich ihm mit Hirn und Herz bliiü» ergaben, daß es für sie nicht den geringsten Zweifel darüber gab, daß sie jederzeit für den Führer ohne Be­sinnen alles hinter sich lassen und auch ihr Leben für ihn bedenkenlos hingeben würden. Diese unbedingte Hingabe, diese blinde Treue, , diese bedingungslose Gefolgschaft zum Führer

> ist nun Gemeingut des ganzen deutschen Volkes ! geworden. Immer mehr hat sich die Erkennt-

nis durchgesetzt, welches Geschenk dem deutschen ^ Volk in diesem Manne wurde, und viele Milli- j anen seiner einstigen politischen Gegner, auch ^ viele Millionen, die heute noch nicht organi- D, satorisch eingegliedert sind in die national- k sozialistische Bewegung, haben den Weg zu ; ihm gefunden. Millionen Fäuste, einst geballt

> zum Marxisten-Gruß, haben sich geöffnet, ohne ^ daß sie ihnen jemand auseinanderzwang. I Ganz von allein gingen die Hände auf, ganz - von selbst reckten sich die Arme empor und ^ Glaube und Hoffnung zogen wieder in die 1 Herzen ein .

' Wenn wir auf dieser Wahlreise durch die Städte fuhren, dann konnten wir auf Schritt und Tritt die Bestätigung dieser Erkenntnis erleben. In unzähligen Bildern prägte sich

uns dieser Eindruck ein, Bilder, die zusammen­gesetzt ein prächtiges Mosaik deutscher Einheit und deutscher Hoffnung gaben,

Volk und Führer: Eine neue Blick­richtung hat sich im deutschen Volke Bahn ge­brochen. Aus der Vielheit der Meinungen ist im Schmelztiegel des Dritten Reiches eine Meinung geworden. Diese Meinung heißt: Deutschland! Ein Volk ist im Werden. Der Weg zu einer Neugeburt der deutschen Nation war bitter schwer. Er ging durch die Grauen des Weltkrieges, durch das entsetzliche Elend der Nachkriegszeit, durch einen Fieber- taumel und Ströme von Blut. Aber die Höhe wurde erklommen, die Stellung genommen, und nun gilt es, sie auszubauen zu einer un­einnehmbaren Festung des deutschen Volkes. Menschen sind dabei das Baumaterial und Blut ist der Mörtel, das Bindemittel, das diese Menschen aneinander zwingt und aus ihnen einen eisernen Block macht.

Bilder von der Wahlfahrt des Führers:

Wir stehen um Mitternacht auf dem Haupt­bahnhof in F r a n k f u r t a, M. Niemand ist es gesagt worden, daß der Führer von hier aus die Weiterfahrt antreten wird, dennoch haben sich Tausende eingefunden und im strö­menden Regen ausgeharrt, oft ohne Mantel und Schirm und ausreichendes Schuhwerk, nur um den Führer zu grüßen. Der Führer steigt in den Schlafwagen. Plötzlich strömen von allen Seiten Eisenbahnarbeiter herbei: Ran­gierer, die Gesichter ölvrrschmiert, Kohlen- arbeiter und Heizer, schwarz und berußt, Men­schen, die bestimmt viele Jahre lang im Klassenwahn befangen waren. In immer grö­

ßerer Zahl sammeln sie sich um den Schlaf­wagen, und ein einziger brausender Ruf Heil Hitler" brandet durch die Bahn­hofshalle, als der Führer sich ihnen am Fenster zeigt und ihnen freundlich zuwinkt. Bis zur Abfahrt des Zuges gehen diese Menschen nicht von dem Schlafwagen weg, dann strecken sich noch einmal ihre Arme dem Führer entgegen.

Ein Arbeiterviertel in Stuttgart. Vor einem Jahr hingen hier aus allen Fenstern die roten Lappen, die Transparente mit Sowjetschriften, und das Passieren dieser Straße war für jeden Deutschbewußten mit Lebensgefahr verbunden. Und jetzt, der Führer fährt durch diese Straße, Fenster um Fenster ist dicht belagert, überall hängen Hakenkreuz- fahnen und Kränze. Kein Mensch hat die Hausbewohner gezwungen, sie dahin zu hän­gen. Von ihren Unterstützungsgroschen haben die Erwerbslosen sich die Fahnen gekauft, und nun stehen sie da, Arbeiter und Erwerbslose, denen das Schicksal noch keinen neuen Arbeits­platz verschaffte, stehen da in zerschlissenen Kleidern, harren stundenlang aus, dann drän­gen sie sich in hellen Scharen jubelnd um den Wagen des Führers und jeder einzelne möchte ihm gern die Hand schütteln und ihm danken dafür, daß er sie wieder dem Leben zurückgab. Kleine bescheidene Sträußchen werden in den «Wagen gegeben, auf Wiesen gepflückt, beschei­dene kleine Geschenke, mit kargen Mitteln her­gestellt, aber sie sind wertvoller, als pracht­volle Blumenangebinde und protzige Gaben derer, die vom Ueberfluß schenkten.

Ein anderes Bild in Breslau. Alte Mütterchen, zahnlos und politisch wenig ge­schult, alte Mütterchen, die dennoch ergriffen wurden vom Strom der Zeit, hat­ten sich mit Klappstühlen bewaffnet an die Straße gesetzt, durch die der Führer kommen mußte. Die Straße wurde trübe erhellt von Gaslaternen, das Wetter war feucht und

regnerisch, dennoch hielten die alten Mütter­chen aus, und als der Wagen vorbeifuhr, in dem der Führer saß, da mußten sie zu ihrem Kummer feststellen, daß sie ihn kaum gesehen hatten. Sie hörten davon, daß auf der Rück­fahrt die Straße mit Fackeln beleuchtet wer­den würde; da harrten sie getreulich noch einmal zwei Stunden aus. Als in später Stunde dann der Führer stehend durch das Spalier der Menschen und Fackeln fuhr, da drängten sich die alten Mütterchen mit glück­strahlenden Gesichtern an den Wagen und wir hörten nur den einen Satz:Wir haben ihn gesehen!" Andere erzählten dann, wie lange diese Mütterchen an Ort und Stelle ausgeharrt hatten.

Die große Versammlung des Führers in Elbing. Neben dem Rednerpodium zwei Männer im Alter von etwa vierzig und fünf­undvierzig Jahren'in schäbigen grünen Ar­beitsjoppen. Wie sich herausstellte, sind sie vierundzwanzig Stunden hintereinander aus Masuren mit dem Fahrrad nach Elbing gefahren, zu dieser Riesenversammlung, um einmal den Führer zu sehen und ihm die Treuegrüße ihrer Arbeitskameraden zu bringen. Im Gespräch stellt sich heraus, daß. beide Männer fast drei Jahre lang arbeitslos waren. Sie waren längst der kommunistischen Agitation anheimgefallen, Funktionäre der Sowjetpartei geworden. Da fiel jedem von ihnen in diesem Sommer wie ein Geschenk des Himmels eine Arbeitsstelle in den Schoß Beide erhielten lohnende Arbeit auf viele Monate hinaus. Da erst gingen ihnen die Augen auf, da erst sahen sie, wer wirklich Sozialist ist und wirklich für den deutschen Arbeiter sorgt. Sie erkannten, daß d i e Hauptsorge des Führers dem deutschen Arbeiter gilt und sein Hauptbestreben es ist, Arbeit und Brot zu schaffen, wie er es Jahre lang versprach. Und

nun ließen sie es sich nicht nehmen, trotz der großen Anstrengung, nach Elbing zu fahren, um dem Führer zu danken.

Essen: Die Kumpels des Ruhrgebiets

waren für kommunistisch« und marxistische Ideen von jeher der beste Nährboden. Die Millionenarmee von Arbeitslosen des Ruhr- gebietes war vor einigen Jahren ein ge­schlossenes Heer der kommunistischen Draht­zieher. Welche Wandlung in neun Monaten! Obwohl Vorsorge getroffen war, daß weit über Hunderttausend in geschlossenen Hallen den Führer hören konnten, waren doch die Karten schon wenige Stunden später restlos vergriffen. Nicht nur Bürger waren es oder Handwerker, die in diese Versammlungen gingen, sondern in erster Linie waren es die Arheiter der Betriebe, die Kumpels aus den Gruben, die wieder neuen Mut gefaßt haben und nun in einer geradezu fanatischen Be­geisterung den Führer umjubelten. Hier brachen alle Bande frommer Scheu, da Haffen keine Absperrungen mehr und kein Zureden, die Menschenmassen ließen sich nicht mehr halten, das Temperament ging mit ihnen durch, und eine gewaltige Woge ungeheurer Begeisterung ging über die Stadt. Was wir nirgends erlebten, geschah' hier. Nach der Versammlung fand man Dutzende von Man­teln. über fünfzig Schirme, mehr als dreißig Damenhüte und mehr als fünfzig Mützen und Hüte von Männern. Man fand ^ogar Schuhe, rechte und linke in großer Zahl, de­ren Besitzer im Taumel der Begeisterung das Fehlen der Fußbekleidung offenbar gar nicht bemerkt hatten. Man fand Röcke und Westen, Uhren. Brieftaschen, Ringe und Arm­bänder, Halsketten und sogar Perücken. Das ist ein kleines Beispiel für die ungestüme Huldigung der Bevölkerung des Ruhrlandes für den Führer.

Wie oft fuhren wir durch Dörfer und