Ausgabe 
(27.6.1932) Nr. 136
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London, 27. Juni. In einer Unterredung mit dem Sonderberichterstatter desDaily Expreß" hat her Bauernführer der Bayrischen Volkspartei Dr. Heim, n. a. ausgeführt: '

Jeder Zeit könne jetzt der Tag kommen, an dem Kronprinz Rupprecht zum König von Bayern ausgerufen

werde. Dies sei nicht nur die Meinung der großen Mehrheit des bayrischen Volkes, sondern er habe guten Grund, zu glauben, daß sie auch von der gegenwärtigen bayrischen Regierung geteilt werde. 75 vi H. der bayrischen Bevölkerung würden so- lort die Wiederaufrichtung der alten bayrischen Monarchie unterstützen.

Die Weimarer Verfassung ist tot, wir warten nur noch aus die Stunde ihres Begräbnisses". >Die Wiedereinführung der Monarchie bedeute allerdings nicht die Trennung Bayerns vom Reich. Alles, was Bayern verlange, sei, ein treues Glied des Reiches zu bleiben. Bayern Müsse aber das Recht zu einer von den anderen deutschen Staaten unabhängigen Verfassung haben. Wir wollen einen König als Herrscher anstatt eines republikanischen Präsidenten, weil wir glau­ben, daß ein Monarch, der durch die Bande des jBlutes mit seinem Lande verbunden ist, der beste Herrscher für einen Staat in diesen schweren Zei­ten ist.

Die Frage des Berichterstatters, ob die Herbei­führung einer absoluten Monarchie mit diktatori­schen Vollmachten gebilligt werde, wurde von Heim verneint. Die bayrischen Könige seien immer demokratische Könige gewesen, die von ihrem Volke geliebt worden seien. Die Monarchie werde von einem Zweikammer-Parlament unterstützt werden. Dies sei alles bereits ausgearbeitet wor­den. Das Oberhaus werde aus vom König er­nannten Mitgliedern zusammengesetzt sein und zwar aus einflußreichen Industriellen, Universi- täts- und Kirchenvertretern sowie gewählten Ver­tretern verschiedener öffentlicher Körperschaften, Handelsverbände, Gewerkschaften usw. Das Un­terhaus werde nach denselben Richtlinien wie der jetzige bayrische Landtag gewählt werden mit Aus­nahme, daß das Wahlrecht eingeschränkt werde.

Heim erklärte ferner, er glaube, daß die Stunde kommen werde, wo der

Konflikt zwischen Bayern und dem Reich zum offenen Ausbruch komme.

Bayern werde sich dann nach einem König um­schauen, der es in dem Kampf um die Wahrung der bayrischen Gesetze gegen die allgemeine deutsche Unordnung, die die Reichsregierung Bayern aus- zwingen wolle, führen werde.Wir wünschen kei­nen Kampf, aber wenn uns ein Kampf abgezwun­gen wird, dann find wir bereit dazu."

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Bochum, 26. Juni. Am Sonntag mittag über­fielen in Wattenscheid Kommunisten einen Trupp Nationalsozialisten. Die Kommunisten gingen mit Steinen und mehreren Schüssen vor. Hierbei wurden zwei Nationalsozialisten durch einen Kopf­schuß bzw. Schultersteckschuß lebensgefährlich ver­letzt. Beide mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Zwei Nationalsozialisten erhielten durch Schüsse leichtere Verletzungen. Eine Frau erhielt einen Oberschenkelschuß. Von den Tätern konnte nur ein Kommunist festgenommen werden.

Inzwischen ist durch durch Kopfschutz verletzte SA.-Mann im Krankenhaus verstorben.

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Köln, 26. Juni. Der bei den Zusammenstößen !biit der Polizei am Sonntag, den 19. Juni durch deinen Schuß schwerverletzte Stahlhelmer ist in der Nacht zum Sonntag gestorben.

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Esten, 26. Juni. Sonntag morgen gegen 2.30 Uhr wurden zwei uniformierte SA.-Leute aus Worbeck, die von einer Sonnenwendfeier zwei Mädchen nach Hause brachten, im Stadtteil Alten­dorf von zwei Burschen von hinten beschossen. Es sielen ungefähr acht Schüsse. Durch einen Wurde ein Nationalsozialist in den Rücken getrof­fen. Das Geschoß trat oberhalb des Herzens wie­der heraus. Er wurde- dem Krankenhaus zuge- jführt. Es besteht Lebensgefahr. Am Tatort wur­den fünf Patronenhülsen, Armeepistole 08 gefun­den. Von den Tätern fehlt jede Spur.

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^ Beuchen, 26. Juni. In der Nacht zum Sonntag gegen 23 Uhr kam es in der Bahn­hofstraße zu einer Schlägerei zwischen etwa ^0 Kyl UlUlliN l^" arwd unaeiäbr 25 National«

sozialisten, die zum Teil uniformiert waren. Um die streitenden Parteien rottete sich eine große Menschenmenge zusammen. Auf nationalsozialistischer Seite wurde ein Ar­beiter durch drei Messerstiche in den Rück n, ein zweiter Arbeiter durch einen Stich ins rechte Schulterblatt, und einen Messerstich am Kops verletzt. Drei weitere National­sozialisten sind Hauptsächlich durch Stock­schläge, zum Teil erheblich mißhandelt worden.

Die Polizei säuberte die Straßen und

sistiertck mehrere Personen. Zeugen haben bekundet, daß die Kommunisten die Natio­nalsozialisten angegriffen haben und daß der Arbeiter Krassnh der Rädelsführer der Kommunisten war. Bei seiner Durchsuchung wurde ein Dolch gefunden. Krassny wurde festgenommen. Von den verletzten National­sozialisten mußten drei ins Krankenhaus geschafft werden.

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Hamburg, 26. Juni. Sonntag früh ist es er­neut zu einem schweren Feuerüberfall auf Na­tionalsozialisten und zu einem Kugelwechsel zwi­schen einschreitender Polizei und Kommunisten ge­kommen. Ein Nationalsozialist erlitt einen Hand­schutz. Ob auch Kommunisten verletzt wurden, steht noch nicht fest. Der Vorfall ereignete sich an der Helgoländer Allee, wo auf Nationalsozialisten, die zu einer Veranstaltung abmarschierten, aus den Anlagen heraus plötzlich geschossen wurde. Die Nationalsozialisten nahmen Deckung. Als Polizei eintraf, wurde auch sie aus dem Gebüsch heraus beschossen. Die Polizeibeamten erwiderten das Feuer und nahmen einige Verhaftungen vor.

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Leipzig, 26. Juni. Am Sonntag vormittag ist es in Leipzig zu mehreren politischen Zusammen­stößen gekommen. In Leipzig-Klein-Zschocher wurden etwa zehn Nationalsozialisten von etwa 60 Kommunisten überfallen. Mehrere National­sozialisten wurden verletzt in Krankenhaus ge­bracht. Einer mußte in Behandlung behalten werden.

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Wuppertal, 26. Juni. In Barmen hat die Po­lizei einen sogenannten kommunistischen Selbst­schutz, dessen Mitglieder zum größten Teil mit Hieb- und Stichwaffen, darunter auch mit Beilen, bewaffnet waren, aufgehoben. Dieser Selbstschutz hatte in der Nacht zum Sonntag Fußgänger an­gehalten und nach Waffen durchsucht. Die Polizei verhaftete über 40 Personen, darunter eine Frau, die in Männerkleidung steckte.

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Die nationalsozialistische Landtagsfraktion in Preußen hat folgenden Urantrag eingebracht:

Ungehindert und ungehemmt feiert der rote Blutrausch in Preußen in den letzten Tagen Or­gien wie noch nie. Organisierte Mordbanden des Untermenschentums, Terrorstotztrupps des verbote­nen Rotsront-Kämpserbundes, Rollkommandos der Eisernen Front stürzen sich, sobald sie in Uebcr- macht sind, bewaffnet aus friedliche SA.- und SS.- Mänuer, sowie Mitglieder der NSDAP. Kein Tag vergeht, ohne datz dieser rote Blutrausch mehrere Todesopfer fordert. Kein Tag vergeht ohne Dutzende schwerster Verletzungen. Die Po­lizei sieht diesen Terrorakten untätig zu oder ent­wickelt höchstens eine erfolglose Scheintätigkeit. Die roten Mörder und Landfriedcnsbrccher werden fast nie dingfest gemacht, während häufig die über- fallenen Nationalsozialisten noch obendrein von Polizeiorganen zwangsgestellt werden. Durch Zu­lassung solcher Zustände macht die Führung der preußischen Schutzpolizei und der geschästssührende vreußifche Innenminister sich mitschuldig an dem

von den roten Terrorbanden vergossenen Blut.

Der Landtag wolle deshalb befchlietzen:

1.

Die Staatsregierung wird angewiesen, noch heute durch Polizeirundsunk sämtlichen Polizciver- waltern schärfste Verfolgung roter Gewalttäter znr Pflicht zu machen.

2.

Das Staatsministerium wird angewiesen, sämt­lichen Polizeiverwaltern anzukündigen, datz jeder Fall roter Gewalttätigkeit in ihrem Amtsbereich aufs strengste daraufhin untersucht wird, ob sämt­liche Berusungs- und Versolgungsmatznahmen gegenüber marxistischen Terrorbanden und ihren Angehörigen mit äußerster Gewissenhastigkeit und Umsicht durchgeführt wurden, und datz gegen die Polizeiverwalter rücksichtslos Dienststrafverfahren mit dem Ziel der ruhegchaltlosen Dienstentlassung eingeleitet werde«, falls sich herausgestellt, daß diese es an der nötigen Umsicht und Schärfe des Durchgreisens gegenüber marxistischen Terroristen stylen ließen.

Berlin, 26. Juni. Der Reichskanzler Volt Papen hat bald nach seiner Rückkehr aus! Genf den Reichspräsidenten aufgesucht, ums ihm über den-bisherigen Verlauf der Lau«! sanner Konferenz und insbesondere über^ seine letzte Besprechung mit den französischen! Staatsmännern Bericht zu erstatten.

Um 5 Uhr nachmittags fand eine Kabi« nettssitzung statt, die ebenfalls im wesent­lichen außenpolitischen Fragen gewidmet war- Die bereits gestern begonnene Aussprache über die innerpolitischen Probleme ist heuten morgen zu Ende geführt worden. Es ist als völlig sicher anzunehmen, daß der Reichskanzler sein Einverständnis zu den Maßnahmen des Kabinetts und des Reichs- innenministers von Gay! gegenüber den re« beklierenden zentrümlich-marxistischen Län- derregierungen erklärt.

Was den Konflikt mit den süddeutschen Regierungen angeht, ist die Rolle der auf« rührerischen Länderregierungen, nachdenp der Reichsregierung die dringend notwen« digen Korsettstangen von anderer Seite ein« gesetzt worden sind, nur noch von zweit« ranziger Bedeutung. Man sieht an zu« ständiger Stelle jedenfalls keinen Anlaß mehr,, sich der Herren Held, Schmitt, Bolzi und Ädelung willen graue Haare wachsen zul lassen, da durch die für Mittwoch zu er« wartende Reichsnotverordnung alles Weckers veranlaßt wird.

Wesentlich bedeutsamer sind dagegen diS Schritte, die

der Rcichsinuenminister nach der Aufklärung,

die ihm am Freitag durch die national« sozialistischen Vertreter aus Berlin und dem Ruhrgehiet stber die Ausmaße des kommu­nistischen Blutterrors zuteil geworden ist§ gegen den marxistischen Bürgerkrieg zu! unternehmen gedenkt. Wir erinnern in diesem Zusammenhang daran, daß Herrf von Gayl den nationalsozialistischen Ver­tretern in diesem Punkte Abhilfe inner« halb 24 Stunden bestimmt zugesagt hat.

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Dr. Goebbels für radikale Bekämpfungs- maßnahmen politischen Terrors.

Berlin, 25. Juni. Auf einem Deutschen Abend, den der Gau Westen der NSDÄP. Berlin am Sonnabend in Schlachtensee ver« anstaltete, sprach der Berliner Gauleiter Dr. Goebbels. Ein nationalsozialistisches. Kabiuett würde, so sagte er, dem Spuk der roten Bürgcrkriegshetzs in 24 Stunden ein Ende gemacht haben. Wenn es heute mög« lich sei, daß Nacht für Nacht im ganzen Reiche SA-Männer ihr Leben lassen müß­ten, daß von der Beisetzung eines ermor­deten Kameraden zurückkehrende SA-Män­ner aus dem Gebäude desVorwärts" be­schossen würden, daß der Polizeipräsident untätig zusehe, daß obendrein die NSDAP. noch des Mordes beschuldigt werde, uirü eine nationale Regierung dazu schweige, so sei es an der Zeit, i» Deutschland aller­hand zu ändern. Sei man im Ernst der Meinung, die Nationalsozialisten würden sich auf platonische Rundfunkreden beschrän­ken? Die Anwendung radikaler Mittel ge­gen den Terror sei am Ende doch noch am christlichsten; es sei christlicher, das Unter« weltsgesindel zn Paaren zu treiben und damit anständigen jungen Menschen das! Leben zu sichern, als jenem freien Lauf u lassen und ihm Wecker Gelegenheit -W

zu lasten u

UMrMlen zu geben,