Ausgabe 
(20.6.1932) Nr. 130
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus,

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Seit fast zwei Jahren bestimmen die National­sozialisten das Tempo der innerpolitischen Ent­wicklung. Auf der einen Seite beobachten wir die versuche des Systems und ihrer Parteien, einmal tnit Hilfe der Notverordnungen den Zusammen- Ibruch ihrer Finanzpolitik zu verdecken und zum Anderen durch Verfassungsbrüche ohne Zahl die legale Machtentwicklung der NSDAP. zu ver­hindern. Hier fei nur an die letzten Vorgänge im bayerischen Landtag gedacht, bei denen der Vize­präsident, Pg. Schwede, mißhandelt und aus dem Plenarsaal geworfen wurde. Dem gegenüber steht die durch nichts aufhaltbare Entwicklung der deutschen Freiheitsbewegung, die nun schon in zwei Läiidern die absolute Mehrheit und in Preußen eine Machtposition sich errungen hat, ohne deren Unterstützung eine legale Regierung nicht mehr möglich ist.

Wie kaum akders zu erwarten, ist es uns in Hessen noch nicht gelungen, die absolute Mehr­heit zu gewinnen, weil das Zentrum, weniger als politische Partei, nicht in so kurzer Zeit zusam­mengeschlagen werden kann. Wir sind uns be­wußt, daß das Zentrum in allen solchen Entschei­dungskämpfen seine politische Position mit religiö­sen Momenten verschleiert und den Wnhlkampf von der Kanzel heruntersührt. Dadurch ergeben sich Bindungen, die nur durch zäheste Erziehungs­arbeit gelöst werden können. Immerhin ist das Zentrum in eine außerordentlich schwierige Lage gekommen, da ihm jede andere Koalitionsmöglich­keit als die mit der NSDAP. genommen ist und ein geschäftsführendes Kabinett ja nicht lebens­länglich im Amt bleiben kann.

Bei Betrachtung der Wahlergebnisse in Hessen können wir zunächst zu unserer Genugtuung fest­stellen, daß Zentrum und Marxismus S5 000 Stimmen verloren, die wir zum größten Teil gewonnen haben. Von den 12 000 Stimmen, die die SAP-, und von den rund 25 000 Stimmen, die die Kommune ver­lor, konnte die SPD. ganze 4 000 Stimmen wieder für sich zurückholen, während die NSDAP. 37 000 Stimmen aufholte. Vergleicht man die Verschie­bung der Wählerstimmen mit der Zahl der Mandate, so mutz man sagen, daß die SPD. bei 'ihrem kleinen Gewinn von 4 000 Stimmen zwe: Mandate gewinnt, während das Zentrum bei einen: gleichen hohen Verlust seine Mandatszahl 'halten kann. licberrnschend ist auch, daß die ge­mischte Gesellschaft von Volkspartei, Staatspartci, Christlich-Sozialer Vollsdienst, Volksrechtspartei, Hessisches Landvolk und Wirtschaftspartei, die zu­sammen unter einer Flagge segelten, bei einem Stimmenverlust von 43 000 nur drei Mandate ein­büßten. Hier ist nicht ohne Reiz festzustellen, daß an zwei Abgeordneten serös Parteien beteiligt sind, so daß jeder der beiden Abgeordneten sich in drei Teile teilen muß, um seinen Wählern gerecht zu werden.

Entscheidend bei dieser Wahl bleibt jedoch die lingangs getroffene Feststellung, daß die unbedingt 'notwendige Auseinandersetzung mit dem Zentrum jfich weiterhin zuspitzt, um so mehr, als die Vor­gänge in Süddeutschland und die Kampfansage der bayerischen Volkspartei an die Reichsregierung die. sDinge erneut in Fluß gebracht haben. Zunächst jst der Reichsinnenminister gezwungen, die Borge

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(Das vorläufige amtliche Gesamtergebnis)

Darmstadt, 19. Juni 1932. Das vorläufige amtliche Gesamt­ergebnis der Wahlen zum Hessischen Landtag lautet:

SPD... 172445 17 (13)

Zentrum.. 108603 10 (10)

SAP. 11497 1 (2)

KPD. 82111 7 (10)

Dr.Leuchtgen.. 2079 ()

DNVP. 11420 1 (1)

NSDAP. 328313 32 (27)

Hess.Demokr. 4925 ()

Nat.Einheitsl. 25175 2 (5)

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Absolute Mehrheit in Oberhessen

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Land­tagswahl aus der Provinz Oberhessen lautet: Sozialdemokraten 41951 (44 003)

Zentrum 8965 ( 8 537)

SAP. 1 ?32 ( 2 684)

Kommunisten 10602 (14 716)

Dr. Leuchtgen 1019 ( )

Deutschnationale Vp. 5 070 ( 3117)

NSDAP. 102 305 (87 311)

Hess. Demokraten 1 138 ( 1007)

Nationale Einheitsliste 5 623 (22 055)

Provinz Rheinhesscn

Sozialdemokraten 43 715 (41 264)

Zentrum 52 638 (53 260)

SAP. 2 452 ( 4 040)

Kommunisten 22 243 (30145)

Dr. Leuchtgen 213 ( )

Deutschnationale Vp. 2 704 ( 3 585)

NSDAP. 30 870 (83 215)

Hess. Demokraten 1 780 ( 1340)

Nationale Einheitsliste 7 219 (18871)

Provinz Starkenburg Sozialdemorkaten 87185 (82 834)

Zentrum 47 000 (50 647)

SAP. 7 713 (16384)

Kommunisten 49 266 (61 929)

Dr. Leuchtgen 1 779 ( )

Dcutschnationale Vp. 4 331 ( 4155)

NSDAP. 135133 (120657)

Hess. Demokraten 2 011 ( 2 266)

Nationale Einheitsliste 12 633 (27 282)

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München, 19. Juni. Zum Wahlergebnis im Lande Hessen schreibt die Pressestelle der NSDAP.:Der Wahlsieg der NSDAP. hat die letzte Hoffnung für den schwarz-roten Gegner zerschlagen, der deutschen Freiheits­bewegung im Reich den Weg zur Macht zu verlegen. Das Wahlergebnis zeigt ein­deutig die Richtung an, die die politische Entwicklung in Deutschland in den nächsten Wochen nehmen wird. Die NSDAP. hat in Hessen weitere fünf Mandate hinzuge- wonnen. Der Gesamtmarxismus hat aber­mals zwei Mandate verloren. Das Zentrum hat aufs neue Stimmenverluste zu ver­zeichnen.

Die Folgerungen, die sich aus der Hessen­wahl für die politischen Maximen ergeben, nach denen eine Reichsregierung zu han­deln hat, die sich auf den Willen des deut­schen Volkes verfassungsmäßig stützen muß,

fechte zu liefern, jedoch wissen wir, daß diesen Kampf die. deutsche Freiheitsbewegung allein zu seinem siegreichen Ende wird führen müssen. Dazu gehört der Einsatz der ganzen Partei, der Einsatz jedes einzelnen Parteigenossen. Wir haben an Mecklenburg gesehen, wie leicht die Entscheidung von ganz wenigen Stimmen-abhängig sein kann. Darüber hinaus aber muß bedacht werden, daß der uns bevorstehende Kamps mit dem Zentrum nicht

allein mit dem Stimmzettel, sondern mit der Schürfung unserer geistigen Massen und ihrem rücksichtslosen Einsatz an jeder Stelle durchgeführt werden muß. Das kulturelle Firmenschild des Zentrums muß restlos zertrümmert werden durch eine bewußt völkische, deutsche Kultur, in dem die christlichen Konfessionen lebendige Glieder einer organischen Volksgemeinschaft sind.

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sind also geklärt: Oberstes Gesetz einer Res gierung, der zurzeit keine Volksvertretung zur Seite steht, kann nur sein, dem bereits jetzt klar erkennbaren Volkswillen, der am 31. Juli seine endgültige Bestätigung fin­den wird, in keiner Weise zuwiderzuhalk deln.

Das Volk verlangt insbesondere, daß Schluß gemacht wird mit den bisherigen wirtschaftlichen" Rotverordnungsmethoden, die ständig neue Entbehrungen dem ärmsten Volksgenossen auferlegen und die Wirtschaft durch unerträglich wachsenden Steuerdruck drosseln, statt Arbeit zu schaffen. Äas ist auch für die jetzige Reichsregierung ditz Lehre aus' den Hessenwahlen.

Das politische Ergebnis des Landes Hes­sen muß aber auch im Hinblick aus die Vorgänge der letzten Tage als ein Be­kenntnis des deutschen Volkes zum Reichs­gedanken gewertet werden. Der Herr Reichs-

Sie wollen verreisen?

Haben Sie schon die V. N. Z. umbestellt?

kanzler wird nicht umhin können, künftig seine Haltung gegenüber Ländermaßnahmeir, die offensichtlich Rrichsgesetze sabotieren, mit dem Volkswillen in Einklang zu bringen. Er hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zu zwingen. Die nächsten Tage werden hoffentlich darüber Klarheit brin-c gen."

biLLZMSSES

Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, fand am 16. Juni vormittags in Berlin eine Sitzung der Neichssiihrung des Notsrontkämpferbundes statt, aus der der Beschluß gefaßt wurde, durch Steige­rung des bisherigen Terrors gegen die SA.- und SS.-Formationen für diese ein neues Verbot zu erzwingen. Das Schreiben des Reichspräsidenten an den Reichsinnenminister, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß der Reichspräsident entschlossen sei, mit allen ihm verfassungsmäßig zustehenden Mitteln gegen Ausschreitungen jeder Art vorzu­gehen, salls Gewalttätigkeiten nach Aushebung des SA.-Verbots in Zukunft nicht unterblieben, gäbe dazu eine Handhabe. In diese Terroraktion gegen die SA.- und SS.-Formationen sei auch die kom­munistische Partei einzuspannen. Die Aktionen hätten am 17. Juni zu beginnen und hätten von Tag zu Tag umfassender zu werden. Dieser Be­schluß ist am gleichen Tage in getarnter Form auf telegraphischem Wege an alle größeren Rotsront- kiimpscrbund-Einheiten weitcrgeleitet worden. Noch am gleichen Abend sind daraufhin im ganzen Reich von Notsrontkämpser-Gausührern Fiihrerkonseren- zen einberufen worden, an denen sämtliche Funk­tionäre bis zum Abteilungsleiter herunter teil­nahmen, und aus der die Anweisungen der Reichs- süyrung des Notsrontkämpserbundes ento^- -- nommen wurden.