Ausgabe 
(15.6.1932) Nr. 126
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Äerlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle Papen- straße lS. Redaktion Langenstr. 48. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernspr. Domsh. 25878.

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Keine poliUseke unü wS^tsekaMSeks ^euei*6nuns unü keine /^deitsbesekeß-ung

Me ^lotvvnonklnung unIspLsieknst

Berlin, 14. Juni. Der Reichspräsident von Hindenburg hat am Dienstag nach­mittag die erste Notverordnung der Regie­rung von Papen unterzeichnet. Sie befaßt sich mit Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitslosenhilfe und der Sozialversiche­rung sowie zur Erleichterung der Wohl- sahrtslasten der Gemeinden und ferner mit Vereinfachungen und Ersparnissen auf dem Gebiete der Rechtspflege und der Verwal­tung. Die Notverordnung über die poli­tischen Maßnahmen wird voraussichtlich am Donnerstag folgen.

*

Durch die erste Notverordnung der Regierung von Papen werden dem deutschen Volk weitere Opfer auferlegt. Wir erkennen in diesen neuen Belastungen die Auswirkungen einer 14jährigen verhängnisvollen Verelendungspolitik, die allein die NSDAP. seit mehr als 10 Jahren unaufhör­lich bekämpft und deren Folgen wir ihr mit mathe­matischer Sicherheit vorausgesagt haben. Der be­reits unter der Regierung Brüning, eingetretene vollständige Zusammenbrach der Sozialversicherung ist bekanntlich schon damals durch die Erklärungen des Ministerialrates Grieser vor dem wirtschafts- politischen Ausschuß zugegeben worden.

Die NSDAP. bringt auch gegenüber dieser neuen Notverordnung ihre Auffassung klar zum Ausdruck, daß,

solange nicht eine fundamentale, politische und wirtschaftliche Neuordnung erfolgt und solange nicht das nationalsozialistische Arbeitsbeschas- sungsprogramm durchgeführt wird, der wirt- schastliche Zusammenbrach nicht aufzuhalten ist. Jede Regierung, die nicht mit aller Kraft die Arbeitsbeschaffung durchführt, ist daher gezwungen, aus den Wegen des Kabinetts Brüning mit im­mer neuen stärkeren Belastungen des schaffenden Volkes, mit neuen Opfern fortzufahren, die den Zusammenbrach nicht aushalten sondern ihn nur sichtbar machen, bestätigen und bekräftigen.

Die NSDAP. hat ihre Haltung zur Regierung von Papen von deren Taten abhängig gemacht.

Die NSDAP. lehnt diese erste Notverordnung als neue für das deutsche Volk unerträgliche Be­lastung umso mehr ab, als sie an dieser ersten praktischen Maßnahme der Regierung keinerlei An­haltspunkte für eine grundlegende Aenderung der bisherigen Politik zu erkennen vermag. Die Re­gierung stellt in ihrer Erklärung zur Notverord­nung zwar die grundlegende Maßnahme zur Ar­beitsbeschaffung in Aussicht, aber da sie dieses Ver­sprechen nicht dutch Taten zu beleben in der Lage ist,

hat die NSDAP. keinen Anlaß, ihre seit jeher vertretene Auffassung zu ändern.

Was Sozialdemokratie und Zentrum dagegen Noch vor 14 Tagen als höchste Tat priesen, haben sie heute als schlimmste Sozialreaktion gebrand- markt. Sie haben die deutsche Wirtschaft in den Zusamenbruch, die deutsche Sozialversicherung in den Bankrott getrieben und tragen die Verant­wortung für die Opfer, die heute dem deutschen Volk auferlegt werden.

DieBremer Bolkszeitung" und ihr neugebackener Reichstagskandidat Faust, sie lügen bewußt, wenn sie z. B. in Ihrer gestrigen Ausgabe die Kürzung der

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Die Rundfunkrede Strassers:Die Staatsidee des Nationalsozialismus".

Berlin, 14. Juni. Am Dienstag abend sprach über die Deutsche Welle Straffer überDie Staatsidee des Nationalsozia­lismus". Die Rede wurde auch von den Sendern Berlin, Hamburg, Königsberg Breslau, Leipzig, Frankfurt a. M. und Köln übernommen. Nachdem er darauf hin­gewiesen hatte, daß er als erster National­sozialist im Rundfunk über Wesen und In­halt der Nationalsozialistischen Staatsidee spreche, führte er aus:

Der Nationalsozialismus ist letzten Endes nichts anderes als der politische Ausdruck der seelischen Nöte einer großen Epoche. Wir verstehen unter Sozialismus die staat­lich durchgeführten Maßnahmen zum Schutze -es Einzelnen oder einer größeren Gemein­schaft vor jeglicher Ausbeutung. Die Ver­staatlichung der Eisenbahnen, die Kommu- nalisierung der Trambahnen, der Licht- und Gaswerke, die Bauernbefreiung des Frei­herr» vom Stein, die Eingliederung des Standes fftems in den Organismus -es da­maligen Staates, das Leistungsprinzip des preußischen Offiziers, des deutschen unbe­stechlichen Berufsbeamten, die Mauern, das Rathaus, der Dom, das Spital einer freien Reichsstadt, das alles ist eine Ausdrucks­form des deutschen Sozialismus, wie wir ihn auffassen und fordern. Dieser Gedanke eines staatlich garantierten sozialen Selbst­schutzes hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit jenen Giftkeimen, welche der Marxismus in den deutschen Sozialismus einzuführen verstanden hat, nichts, aber auch garnichts, mit Internationalismus, Pazifismus und Klassenkampf. In einer vom

Ausland abhängigen Krcditkolonie ist

der sozial Schwächste der Meistbctroffene. Der nach innen wirkende Sozialismus und der nach außen wirkende Nationalismus sind nichts anderes als verschiedene Aeuße­rungen des gleichen Willens. Die

S^ntksss von wsiio- nslismus unrl Torislismus

im Nationalismus bedeutet die innere und äußere Freiheit Deutschlands und die Frei­heit des Arbeitsplatzes seines ärmsten Volksgenossen.

Politik heißt für uns Dienst am deut­schen Volk und Staatswohl. Die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik muß vom Staate unter weitgehendster Einschaltung der Privatinitiative deshalb kontrolliert

werden, damit dort nicht durch Fehler und Versäumnisse Verhältnisse geschaffen wer­den, die in ihrer Auswirkung die Heran­ziehung aller im Volk vorhandenen Kräfte gefährd:«, weil sie ein Beiseiteschieben eines sich benachteiligt fühlenden Volksteiles zur Folge haben. Wir Nationalsozialisten wollen

keinen planlosen Umsturz, sondern eine organische Neuordnung

statt Zerfall und Anarchie. Wir wollen keinen Bürgerkrieg und keine Klassenhetze, sondern wir wolle» die innere Aussöhnung des Volkes. Wir wollen den Schutz jeder ehrlichen Arbeit und ihres Ertrages gegen den offenen und verkappten Mißbrauch des Kapitals. Wir wollen keine Judenverfol­gung, aber wir fordern eine deutsche Füh­rung ohne jüdischen und fremden Geist, ohne jüdische Hintermänner und jüdische Kapitalinteressen, denen heute nahezu die gesamte Parteiwelt erlegen ist. Wir wollen keinen neuen Krieg, wir scheuen aber einen Krieg nicht, wenn er einmal das letzte Mittel sein sollte, um die deutsche politische und soziale Freiheit zu verteidigen. Wir wollen keine Konfessionshetze und keine Ver­folgung der christlichen Kirchen, wir fordern aber -ie ehrliche Mitwirkung der Kirchen an der Erneuerung der deutschen Kultur, ohne die auch die Kirchen seelisch verdorren und haltlos werden. Wir wollen von den Seelsorgern keine Parteipolitik, dafür aber Dienst am Frieden der menschlichen Seele, an der sittlichen Erhebung der Massen. So­lange die anderen Völker aufrüsten, verlan­gen wir für das deutsche Volk ebenfalls das Recht, sich den notwendigen Schutz seiner Interessen bereitzustellen.

Das

Vertragswert von Versailles

ist in seiner heutigen Form als unsittlicher Vertrag vor dem Sittengesetz der ganzen Kulturwelt ungültig und nichtig. Das gleiche gilt für die auf dem Vertrag von Versailles aufgebauten weiteren Tributvcr- träge. Ebenso klar und eindeutig ist unsere Innenpolitik. Das Volk will Ordnung, Arbeit und Brot. Für uns ist die

Lösung eisn sorislsn

die Existenzfrage der Gegenwart, die sofort von neuen Männern in Angriff zu neh­men ist.

Wirtschaft heißt bei uns nicht Börsenge-

Kriegs-Renten mit einer Forderung des l tung desHaushaltes für Versorgung und Angriffs" oder überhaupt mit der Ruhegehälter" unter Nr. 155 folgenden NSDAP. in Verbindung bringen. Antrag eingebracht:

Wir haben mit dieser neuen Notver- oAmung nicht das Geringste zu tun und hatten darüber hinaus bei der Bera-

1. Jeder weitere Abbau der Kriegsopfer­versorgung, auch in der Höhe der Etatsmittel wir- eingestellt Srei-

schrei, Finanzmanöver und Spekulation aus Kosten des leidenden Volkes, sondern Werte schaffen, die der Allgemeinheit zugute-» kommen.

Unser nächstes Ziel ist die Beseitigung des Leerlaufes der deutschen Wirtschaft und zwar 1. durch

U:l:rwindung der Arbeitslosigkeit und Gesundung der Landwirtschaft, 2. durch Lösung der Frage des gerechten Arbeits­lohnes und 3. durch sinngemäße Einschal­tung unserer Geldwirtschaft in den Rahmen der kommenden Nationalwirtschaft. So, wie wir einen lebensfähigen Mittelstand aus biologischen Gründen bejahen, eine starke Arbeiterschaft durch Lösung des sozia­len Problems wollen und ein sauberes, auf Leistung aufgebautes Berufsbeamtentum fordern, sehen wir in dem deutschen Bauern nicht nur einen Stand unter Ständen, son­dern den Urquell unserer rassischen Erneue­rung überhaupt.

Das Losungswort und Programm abeL heißt:

Deutschland, nur Deutschland, nichts als Deutschland!

werdende Mittel im Kapitel 3 werden znr Verbesserung der Versorgung ver­wendet.

2. Die durch die Notverordnungen ge­schaffenen einschneidenden Rechtsver- schlechtcrungen werden beseitigt.

3. Der Rcichsarbeitsminister wird er­sucht, Maßnahmen zur Verbesserung und zum Ausbau von Versorgung und Fürsorge umgehend zu treffen.

Dieser Antrag wurde abgelehnt. Unter denjenigen, die gegen unseren Antrag stimmten, befanden sich auch alle Sozi-« ald e mo kraten.

Wie hoffnungslos leer, wie seelisch aus­geweidet muß es in den Köpfen dieser sozialdemokratischen Pamphletiffen aus­sehen, die den Entscheidungskampf um ihre Position mit solchen Späßen wie sie die Bremer Volkszeitung" macht, führen wol­len. Nur warnen wir diese Leute und warnen auch die Regierung davor, diese Art Volksverhetzung ein gewisses Maß überschreiten zu lassen, denn die Zeiten haben sich gewandelt und jeder weiß heute, ob er will oder nicht, daß das System zu Ende geht, und die NSDAP. die Macht übernimmt. Die wenigen intelligenten Männer dieses Systems haben daher auch bereits alle Schritte unternommen, um aus dem Gedächtnis der kommenden Füh­rer der Nation so schnell wie möglich zu verschwinden. Wir hätten Sie für klüger gehalten, Herr Reichstagskandidat!

Huok 6ie kksieksi'sgisnung

sagt diesmal in einer Erklärung deutlich,, wer für die eigentlichen Ursachen verant­wortlich ist. Gleich in den ersten Sätzen heißt es:

Die Bilanz, die die Regierung vorgefun­den hat, zwingt sie, als ersten Schritt vor der Inangriffnahme ihres eigentlichen Pro-