Ausgabe 
(13.6.1932) Nr. 124
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«erlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung; hiesige die lOgespaltene mm°Zeile RM0.10 Nationals^iallftlsche Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle Papew. durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Lextteil RM 0 50, auswärts RM 0.70« straße 15. Redaktion Langenstr. 48. Sprechstunden der Redaktion: Vorauszahlbar.Bei Betriebsstörung,Streik,Verbot, Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM 0.06^

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Das Ivkis /^ulgsdol

Alfred Henke Alfred Faust.

DieBremer Volkszeitung" bringt in ihrer letz­ten Ausgabe unter der AeberschristGerüstet zum Kampf" folgende Notiz: ^

Die Sitzung des erweiterten Parteivorstandes beschäftigte sich gestern abend mit der Reichstags- jandidatur für Bremen. Nach sachlicher und ka­meradschaftlicher Erörterung des Für und Wider, verzichtete Genosse Alfred Henke auf seine Wieder- vusstellung. Daraufhin beschloß der erweiterte Par­teivorstand einmütig, der Mittwoch stattfindenden Mitgliederversammlung der SPD.-Bremen die Kandidatur des Genossen Alfred Faust zu emp­fehlen. Mit größter Befriedigung über den har­monischen Verlauf der Sitzung trennten sich die Genossen."

Diese vielsagenden Zeilen, die allzu krampfhaft denharmonischen" Verlauf der Sitzung unter­streichen möchten, beleuchten blitzartig die Situa­tion, in der sich die Sozialdeinokratie heute be­findet. Als vor 20 Jahren der bremische Soztal- demokrat Henke in den Reichstag zog, wird er sicher wie viele der alten Garde der SPD. der Ueberzeugung gelebt haben, sich mft ganzer Kraft für das Wohl der deutschen Arbeiterschaft einzu­setzen. Und wir glauben auch nicht zu viel zu sagen, wenn wir zum Ausdruck bringen, daß sich Henke trotz aller weltanschaulicher Gegensätze, und trotz des Bekenntnisses zur Internationalen sach­lich um die Belange der Arbeiterschaft bemüht hat. Warum er scheitern mußte, ist bekannt. Das Wohl einer Klasse läßt sich nicht im Kampf gegen das .Volk, im Kampf gegen die Nation und ihre sitt­lichen Grundlagen erstreiten. Diese Erfahrung hat Aiicht nur Henke, haben unzählige Sozialdemokra- ten gemacht, die heute als ehrliche Kämpfer in den Reihen der braunen Armee stehen. Sie sind über den Klassenhatz hinausgewachsen und haben eingesehen, daß nur ein gesundes und wirtschaft­lich starkes Volk, fundiert auf der nationalsozia­listischen Gedankenwelt, der Arbeiterschaft Brot und Arbeit sichert. Wir wissen nicht, wie fern oder nah Henke dieser Erkenntnis steht, aber wir hören, daß er sein Mandat niederlegt. In einem Aufsatz, der bezeichnender Weise die Ueberschrift trägt:Ein letztes Wort", sagt Henke, daß er aus Gründen, die hier unerwähnt bleiben können, ohne Erregung und ohne Bitterkeit auf die weitere Ausübung sei­nes Mandats verzichtet. Auch diese Worte sind nicht ohne lkeberlegung gewählt und jeder Arbei­ter, der sich trotz derVolkszeitung" sein Urteil über die politische Entwicklung bewahrt hat, wird stutzig werden müssen.

Die SPD. hat ihre sachliche Arbeit längst auf­gegeben, hat sie verloren, als unmittelbar nach der Revolution ihre Führer versagten, die Verspre­chungen nicht eingelöst werden konnten und sich in logischer Fortsetzung dieses Vorganges die ehe­maligen Kämpfer der Arbeiterschaft in spießige Bonzen verwandelten, denen jedes Gefühl für Po­litische Sauberkeit verloren ging. Wir wollen nicht an die Barmats und Kutiskers erinnern, sondern Kur auf den Führer der preußischen Landtagsfrak­tion der SPD. hinweisen, auf den Genossen Heil- Mann, der es fertig gebracht hat, sich für drei /Sitzungen je 18 000 Mark Honorar auf Kosten der Arbeiterschaft auszahlen zu lassen, ohne daß ihn Mn Entrüstungssturm innerhalb feiner eigenen Marter von feinem Kosten fegte. Das find Merk­

male der Verwesung, der jetzt die Sozialdeinokratie erliegen wird.

An Stelle von Henke tritt Alfred Faust, an Stelle eines Mannes, der als politischer Gegner einen Namen hatte, tritt ein alles zersetzender, in den Schmutz ziehender Geist, der von der Negation und Demagogie lebt. Die'SPD. ist aus dem Fried­hof zu ihrem eigenen Leichenbegräbnis angekom­men. Oder glaubt wirklich noch ein bremischer Ar­

beiter, daß ein überintellektueller, witzloser Haar­spalter vom Schlage Alfred Fausts ein innerlich begründetes Verständnis für die seelischen und wirtschaftlichen Nöten eines seit Jahr und Tag ausgesteuerten Arbeitslosen hat? Der Mann aus dem Betrieb, der mit seinen Arbeitskollegen zu­sammen fühlen und denken kann, mußte demre­volutionären" Literaten und Spaßmacher der Bremer Volkszeitung" weichen. Das ist die SPD. von heute!an.

üis Iclss vsi*msg sin Volk LU InsZsn

Adolf Hitler in Worms.

Frankfurt a. M., 12. Juni. Vor einer? vieltausendköpfigen Zuhörerschaft ergriff Adolf Hitler am Sonntagnachmittag bei! einer großen Kundgebung der NSDÄP. üft Wormser Stadion das Wort.

Wenn man auf die vergangenen 13 Jahrs zurückblicke, so führte er u. a. aus, müsss man sagen, daß entweder die Wege falsch! oder die Führer Menschen von ungenügen-! dem Format gewesen seien. Alles, was sis getan und unternommen hätten, sei zum Unheil ausgeschlagen. In den zwei Jahren Brünings Regierung habe sich aber auch nicht eine Voraussage erfüllt, die von dieser: Regierung angekündigt worden war. Es genüge nicht, daß man eine Sache mecha-, nisch in Angriff nehme, sondern das Ent-r scheidende sei die innere Einstellung, der zu­versichtliche Glaube an die Idee und ihren: schließlich!»» Erfolg. Zu den beiden Fak°! toren Glück und Unglück gehöre die innere Tüchtigkeit des Menschen, seine eigene Zu-- versicht und sein Glaube, die ihm Selbst-« vertrauen geben.

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeit terpartei habe seit dem ersten Tage ihres Bestehens diese innere Zuversicht gehabt, so daß von ihr Millionen Menschen ergriffen worden seien. Das sei, was jeder Mensch« das ganze Volk im Herzen tragen müsse. Die Nation müsse ihr ganzes Handeln von einer Idee bestimmt- wissen und müsse alles' Trennende ausschalten, was die tragenden geistigen Kräfte verbrauchen würden. So-« lange durch das alte Deutschland die Rege-« luug der Grundlage gegeben war, waren wir groß als Staat; als aber durch Pro-« grammatische Gegensätze der Kriegszeit die-« ser aufgerissen wurde, verloren sich dis Kräfte.

Die junge Bewegung der NSDAP. Habs' es bewirkt, daß sich Deutschland nicht nur äußerlich einig wurde, sondern sofort auch innerlich an Kraft gewann. Hitler zeigte dann auf, wie zwischen Sozialismus und Nationalismus die Brücke geschlagen wurden müsse. Ein Unglück sei es, wenn eine Idee die andere niederringen würde. Darum habe 1918 die Bewegung den Entschluß gefaßt« dafür zu kämpfen, daß alle Schichten und Stände zusammengefaßt würden, zu erken­nen, wie wichtig der eine für den anderen sei. In dieser Erkenntnis müsse die Milli- onenärmee der deutschen Arbeiter und Bau­ern zusammengeschweißt werden. Wesent­lich sei dabei, daß sich deutsche Menschen aus allen Konfessionen, allen deutschen Stämmen und Ländern zusammenfinden« um das Land wieder deutsch zu machen. Dis nationalsozialistische Bewegung habe wieder? Selbstvertrauen gegeben. Die Hessenwahl sei ein Teilausschnitt und am Montag nachj der Wahl würde die Bewegung weiter ar­beiten, bis sie das stroße Ziel erreicht habe.

Durch einen günstigen Zufall ist derAngriff" in den Besitz einiger Schriftstücke gekommen, die einwandfrei beweisen, daß der gesamte kommu­nistische Terror, die Mordtaten, die Ueberfälle, die Schießereien und Saalschlachten systematisch or­ganisiert und durchgeführt worden sind. DerAn­griff" berichtet darüber:

Es ist uns gelungen, die Mordzentrale aus­findig zu machen. Sie befindet sich im Karl-Lieb- knecht-Haus, ihre Mitarbeiter sitzen sogar m der Redaktion derRoten Fahne".

Unser Material ist unwiderleglich. Wir fordern daher von der Reichsregierung das sofortige Ver­bot der KPD., die Festnahme ihrer Führer, die Einleitung einer großen Untersuchung und strengste Bestrafung der Schuldigen an der Entfesselung des blutigen Bürgerkrieges, der seit Jahren von den kommunistischen Mordstaffeln geführt wird.

Das von uns veröffentlichte Material stammt von dem

Redakteur derRoten Fahne", Wollenberg.

Unter zahlreichen Zetteln, die mit Notizen über politische Diskussionen gefüllt sind, befinden sich auch einige Pläne, die zur Vorbereitung von Feueriibersällen hergestellt worden sind. Diese Pläne stammen von dem Führer der kommunisti­schen Kampfstasfel 103 und sind mitSchl." oder Schla-ter" ^unterzeichnet. Nach unseren Informa­tionen handelt es sich um den berüchtigten kom­munistischen Raufbold und Schießhelden Walter Erdner,

Eichendorfsstratze 9 (Keller), der unter dem SpitznamenSchlagetcr" bekannt ist und auch bereits mehrere Male vor Gericht stand und verurteilt wurde.

Eine dieser Nachrichten lautet folgendermaßen: G. Wollenberg 3. 6. 32.

Anbei das Geld für die besorgten Sachen sind an alle Leute verteilt es geht alles in Ord­nung Leute sind vertraut mit ihnen.

R F

Staffel 103 Schl."

Dieser Brief beweist eindeutig, daß auch die an­deren Briefe an Wollenberg gerichtet waren, in dessen Material sie auch gesunden wurden. Der Text des abgebildeten Briefes lautet:

Staffel 103 setzt am 1. 6. 32 Terein in dehn ihn zu geteilten bezirken. 1) Lo- Wo- Ver- Str Arbnach

zeiten 12.30 1-30

Staffel 86 wie oben nur Lo le K 9 mm sind abzuholen beim St F

A. T. F.

Schla-ter"

. Außerdem befanden sich in dem Material Mck

drei Skizzen. Eine dieser Skizzen stellt eine Straßenkreuzung dar, an der ein SA.-Lokal be­zeichnet ist, außerdem die Standorte von kommu­nistischen Revolverschützen!

Eine andere Zeichnung zeigt in ähnlicher Pri­mitivität unser Parteihaus in der Hedcmann- stratze, eine weitere in roher Ausführung das Berliner Polizeipräsidium. Unter der letzteren Zeichnung befinden sich außerdem in folgender An­ordnung die Buchstaben K P L I W S M K.

Neben dieser Buchstabenordnung befindet sich ein Kreuz.

Wenn man dieses Material deuten will, so dürfte das kaum Schwierigkeiten bereiten. Diebe­sorgten Sachen, diean alle Leute verteilt" worden sind und mit denendie Leute vertraut" sind, sind selbstverständlich

Revolver,

was ja aus dem zweiten Brief deutlich hervor­geht, wo vom Kaliber 9 mm geschrieben wird.

In einem anderen Brief steht noch SilbeTer-. Auch hier ist für jeden sofort er­sichtlich, daß es sich um das WortTerror" han­delt. Die geheimnisvollen Buchstabengruppen dar­unter bezeichnen die Orte, an denen dieser Terror eingesetzt werden soll, nämlich in den Lokalen, in Wohnungen, Versammlungen, aus den Straßen und vor den Arbeitsnachweisen.

Ueber alle diese Tatsachen wurde also'der Re­dakteur Wollenberg von derRoten Fahne" im Karl-Licbknecht-Haus vorher in Kenntnis gesetzt.

Das ist der schlüssige Beweis, daß alle Morde und Feuerttbcrsälle von der KPD. systematisch vor­bereitet, organisiert und finanziell sichergestellt wurden.

Der Fall Wollenberg ist natürlich ein Einzelfall, über den uns rein zufällig das Material in die Hände gekommen ist.

Wir fordern jedoch, daß jetzt aus diesem Mate­rial ganz eindeutig und klar die Folgerungen ge­zogen werden. Es steht einwandfrei fest, daß die KPD. in ihrem Kampfe gegen den Nationalsozia­lismus nicht davor zurückgeschreckt ist, das ge­meinste Verbrechen in den Dienst dieses Kampfes zu stellen. Wir erwarten, daß die Reichsregierung zu handeln weiß.

VspksZLsl

Berlin, 13. Juni. Wahrscheinlich im Zusammen­hang mit den Enthüllungen desAngriff" über eine KPD.-Terror-Zentrale, die ihren Sitz in der Redaktion derRoten Fahne" hat, ist der Redak­teur Wollenberg von derRoten Fahne" verhaftet worden. Die politische Polizei konnte diese Nach­richt im Interesse der Untersuchung nicht bestäti­gen,