Ausgabe 
(8.6.1932) Nr. 120
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^^^ 3 sort Bremen. Herausgeber ^Aslg: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10 gespaltene mm-Ieile RM 0.10

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Berlin, 7. Juni.

Die Tatsache, daß das Kabinett v. Papen -rr seiner Regierungserklärung sich äußerst klar gegen jede Art des Kulturbolschewismus !und alle seine Nebenerscheinungen gewendet Hat, hat naturgemäß alle diejenigen Kräfte auf den Plan gerufen, die seit jeher aus den kulturellen Verfallserscheinungen unseres Vaterlandes Nutzen gezogen haben. Der Bannerträger dieses Kampfes gegen jeden Versuch einer inneren Erneuerung des Vol­kes sind, wie nicht anders zu erwarten, ne­ben der Sozialdcmokratie das Zentrum und sein süddeutscher Ableger, die Bayerische Volkspartei.

In den letzten 24 Stunden hat die Agitation dieser schwarz-roten Kräfte nun­mehr Formen angenommen, denen wir, ganz gleichgültig, wie wir an sich dem Kabinett Papen gegenübrrstehen mögen, rein vom nationalsozialistischen Stand­punkte aus nicht, schweigend zusehen kön­nen.

In einer Versammlung bayerischer Bauern in Endorf im Chiemgau hat der Gründer der Bayerischen Bolkspartei, Dr. Heim, Sätze ausgesprochen, die nichts anderes be­deuten können» als daß die zentrümliche Bayerische Volkspartei gegebenenfalls plant, in offenem Separatismus sich gegen die Reichseinheit zu stellen. Heim sagte u. a., er könne es sich ganz gut denken, daß ein­zelne Länder unbeschadet der Interessen des Reiches sich eine selbständige Staatssorm aussuchten.

Daß es sich hierbei nicht um eine zu­fällige Entgleisung, sondern um ein wohl­bedachtes Manöver handelt, beweist eine Auslassung eines heute vormittag erschie­nenen jüdischen sogenannten Mittagblattes, das sich zu der Ungeheuerlichkeit versteigt, zu melden, man spreche in Kreisen Süddeutsch­lands angesichts des Regimes Papen-Schlei- cher ganz eindeutig von der Notwendigkeit eines süddeutschen Zusammenschlusses mit Oesterreich unter Bildung eines aus diesen Grundlagen zu errichtenden neuen Staates als Gegengewicht gegen die Tendenzen d<er Preußisch-norddeutschen Rcichsregierung. Das Blatt hat dann ferner die Stirn, hinzu­zufügen, daß auch in Westdeutschland sich schon Tendenzen zeigten, die in ähnlicher Richtung lägen und gleichfalls schon sepa­ratistischen Charakter annähme».

Es liegt auf der Hand und bedarf Wohl keiner besonderen Erwähnung, daß die Reichsregierung sich diese schamlosen Dro­hungen, die zu parteipolitischem Zwecke mit dem Einheitsgedanken des Reiches ein frev- lerisches und aberwitziges Spiel treiben.

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Memel, 7. Juni. Am Dienstag um 9 Uhr, fand die Geschäftsübergabe an das neue Direk­torium Dr. Schreiber im Beisein des neuen li­tauischen Gouverneurs Gyls und des Vertreters des alten Direktoriums Simaitis statt.

nicht gefallen lassen kann, ohne sich selbst aufzugeben, denn daß hinter diesen Plänen die alte französische Donausörderation steht, weiß jedes Kind. Der Gedanke der Einheit des Reiches ist selbst in den wildesten Stür­men des Nachnovembers als unantastbares Gut hochgehalten worden, und es wird außerhalb gewisser Kreise des Zentrums,

dessen Tendenzen sich hier wieder einmal auf das schlagendste enthüllen, keinen Menschen in Deutschland geben, der der Reichsregierung nicht zur Seite steht, wenn sie auf das allerschärfste schon den An­sängen des Emporkeimens eines neuen Se­paratismus entgegentritt.

Aeußeren Anlaß zu der Aktion des Zen­trums und der Bayrischen Volkspartei scheint die bisherige Entwicklung der politischen Dinge in Preußen gegeben zu haben.

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Der neugewählte französische Ministerpräsident Herriot, dem das Reichsbanner in Berlin stür­mische Ovationen bereiten würde, wie seinerzeit den Herren Briand und Laval bei ihrer Reise nach Berlin, hat gestern in der französischen Kammer seine Regierungserklärung abgegeben, in der er trotz seiner angeblich marxistischen Ein­stellung sich einmal auf die Tributverträge beruft, deren Unhaltbarkeit heute jedem Wirtschaftler offenbar geworden ist und in der er zum anderen die gleichen Sicherheitsthesen in der Abrüstungs­frage vertritt, wie wir sie bislang von Tardieu, dem Mann der Rechten, gehört haben. Herriot wird seine Forderungen nur etwas höflicher zum Ausdruck bringen und man formulierte gestern in den Wandelgängen der Pariser Kammer das Scherzwort, Herriot habe den Kern seiner Regie­rungserklärung von der Rechten und die Schale von der Linken genommen. Auf diesen Kern kommt es an. Er zeigt uns wieder einmal, daß es in jedem anderen Lande eine Grundlinie in der Außenpolitik gibt, die bestimmt wird durch die nationalen Lebensbelange des Volkes.

Nur in Deutschland erlebt man einen Sonder- fall. Auf der einen Seite steht der Marxismus mit seinen absolut landesverräterischen Zielen, daneben das Zentrum mit Absichten, die sich gleichfalls keineswegs immer mit den Interessen der Nation decken; des weiteren eine liberal- händlerisch eingestellte Richtung, die um des wirt­schaftlichen Profits willen der Außenpolitik hem­mend in den Rücken fällt und schließlich die deutsche Freiheitsbewegung, die die Lebensbelange des Volkes schlechthin zum Programm ihrer Außenpolitik erhebt. Es überrascht uns daher nicht, wenn Vertreter des Marxismus der fran­zösischen Regierung das Stichwort für Angriffe gegen Deutschland geben und es überrascht uns nicht, wenn das Zentrum mit der Zerschlagung Deutschlands, mit dem Separatismus spielt, um seinen eigenen dunklen Plänen zu folgen.

Ueberraschen könnte dagegen vielleicht die Un­verfrorenheit, mit der man eine Rede des nationalsozialistischen Abgeordneten Graf Revent- low solange verstümmelt und tendenziös kom­mentiert bis genau das Gegenteil von dem Ge­sagten herauskommt. In der bürgerlichen Presse finden wir einen kurzen Auszug dieser Rede, in dem davon die Rede ist, daß die bisherige Er­füllungsPolitik sich nicht Plötzlich abbrechen laste, weil dadurch eine Katastrophe für das ganze Volk heraufbeschworen würde und dieBremer Volks­zeitung" in ihrer hemmungslosen Demagogie, geht gleich einen Schritt weiter und behauptet, die Nationalsozialisten seien fürVerständigungs­politik". Wir übergehen die Flut von Schimpk-

worten, die man bei dieser Gelegenheit wieder für uns findet, denn die Zeit ist vorbei, in der man die Sozialdemokratie ernst nahm. Wir wollen nur feststellen, was Graf Reventlow in seiner Rede vor der deutschen Jugend anläßlich der akademischen Woche in Berlin zu dieser Frage tatsächlich gesagt hat.

In seinen Ausführungen war davon die Rede, daß die Kommunisten einen Agitationsantrag ein­gebracht hätten, nach dem alle Tributzahlungen und private Schuldenzahlungen an das Ausland sofort verweigert werden sollten. Graf Reventlow sagte hierzu, daß man mit der Annahme dieses Antrags Frankreich einen direkten Grund zum Einmarsch gegeben hätte und er fährt dann im Wortlaut fort:

Wenn durch jahrelange Festlegungen der Re­gierungen gewisse Zustände geschaffen sind, deren plötzliche Vernichtung nur eine Katastrophe her­vorruft, so muß eine verantwortungsvolle Regie­rung unter allen Umständen die Katastrophe ver­hindern. Es liegt, wie schon Bismarck erklärte, nicht im Belieben einer neuen Regierung, sofort kehrt zu machen. Ich bin durchaus für die Ver­ständigung zwischen den Nationen, aber ich ver­stehe darunter etwas anderes als die Politik des ewigen Nachgebens, vielmehr eine solche aufge­baut auf wechselseitigen Forderungen. Einen Krieg jetzt oder für alle absehbare Zeit zu wollen, wäre ebenso grundunrichtig, wie unverantwortlich unserer Jugend und dem ganzen Volke gegen­über. Unsere Landesverteidigung genügt heute lange nicht, um den deutschen Boden zu schützen."

Auch der sachlich denkende politische Gegner unserer Bewegung wird aus diesen Worten nicht entnehmen können, daß der Nationalsozialismus für Erfüllungspolitik sich einzusetzen beabsichtigt. Gerade üus dieser Feststellung spricht das große Verantwortungsgefühl, mit dem unsere Bewe­gung an alle ihr gestellten Aufgaben herangeht und wir werden uns, wie schon früher, nicht durch den Wahlkampf dazu verleiten lassen, Dinge zu sagen, die nicht zu verantworten wären.

DieBremer Volkszeitung" hat bei ihrer miß­glückten Flucht in die Opposition in den letzten Tagen bereits mehrfach Kostproben dafür ab­gegeben, in welcher Form sie ihren neuen Massen- betrug zu inszenieren beabsichtigt, aber wir kön­nen ihr schon heute sagen, daß die Zeit vorbei ist, in der sich die deutsche Arbeiterschaft für dumm verkaufen läßt. Man mag der Schale einen neuen Anstrich geben, der Kern ist so faul, daß man ihn durch die Schale riecht,

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Unsers Stellung Lun Ksleksi'sgisi'ung

München, 7. Juni. Die Haltung der NM DAP. zu der neuen Reichsregierung von Papen ist eindeutig und entsprichst der gründ-, sätzlichen Auffassung der Partei. Die NSä DAP. kämpft um die politische Macht in Deutschland. Sie sieht den Erfolg dieser Arbeit nicht gewährleistet in der Uebernahme lediglich formaler äußerer Machtpositionen, sondern in einer inneren Umerziehung des deutschen Menschen zu ihrer neuen Welt­anschauung. Das Kabinett von Papen ist nicht von der NSDAP. gebildet worden. Wie die bisherigen Regierungen, so wird sie auch das neue Kabinett nach seinen Ta- ten beurteilen.

Die nationalsozialistische Bewegung wird nicht zulassen, daß der klare Sinn deH Reichstagswahlkampfes durch plumpe Ab­lehnungsmanöver verdunkelt werde, sondern die.Schuldigen ins grellste Scheinwerferlicht: der Oeffentlichkeit ziehen. Was nach diesem Volksgericht zu geschehen hat, wird Sache derjenigen sein, die vom Vertrauen desj Volkes zur Führung berufen werden.

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Berlin, 7. Juni. Amtlich wird mitgeteilt; Das Reichskabinett faßte heute grundsätz-s liche Beschlüsse über. die Sicherstellung der Reichsfinanzen.

Die Reichsressorts wurden angewiesen- weitere Ersparnisse für den Reichshaushalt 1SL2 noch über den bereits vorliegende« Reichshaushaltsplau anzumelden.

Ferner setzte das Reichskabinett u. a. die Beratung über das ländliche Siedlungs-l Wesen fort, das dem Reichsernährungsmi-, nisterium zugewiesen wurde.

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Berlin, 7. Juni. Die Aussprache, die der stellvertretende preußische Ministerpräsident:-, Wohlfahrtsminister Hirthsiefer, und Finanz-, minister Klepper mit dem Reichskanzler von Papen und dem Reichsfinanzminister über den Au'sgleich des preußischen Haushalts hatten, ist, wie von preußischer Seite ve^ lautet, insofern gescheitert, als das Rerchf -erklärt habe, im Augenblick nicht imstande zu sein, die von dem früheren Reichsfinanz- minister Dietrich für die preußischen Sied- lungsanteile zugesagten 100 Millionen zu überweisen. Das Reich steht auf dem Stand--? Punkt, daß die Zahlung der IM Millionen erst 1933 zu beginnen habe, und zwar rrr Jahresraten von 20 Millionen.

Das preußische Staatsministerium trat noch am Dienstag abend zusammen, um sich mit der entstandenen Lage zu besassen. Da die 100 Millionen zum Haushaltsaus­gleich erforderlich sind, ist infolge des Sche^ terns der Verhandlungen mit dem Rerch ein Fehlbetrag in dieser Höhe im preußi­schen Haushalt vorhanden, der durch weit­tragende finanzpolitische Beschlüsse des Staatsministerimns ausgeglichen werden soll

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