Ausgabe 
(2.6.1932) Nr. 115
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Unsers Parole:

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Derlagsort Bremen. Herausgeber Art Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10gespaltene mm°Zeile RM0. Nationalsozialrstrsche Zeitung, Kurt Lhrele. Geschäftsstelle Papen- durch die Post zuzügl. 38 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70. ftratze lS. Redaktion Langenstr.48. Sprechstunden der Redaktion: Dorauszahlbar.BeiBetriebsstörung.Streik.Verbo .Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen NM0.06.

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(Telefonischer Eigenbericht.)

München, 2. Juni. Allen bisherigen Mel­dungen über den Inhalt der Unterrredung Adolf Hitlers mit dem Herrn Reichspräsidenten, die angeblichvon nationalsozialistischer Seite" kom­men sollen, steht die NSDAP. fern. Die augen­blickliche Auffassung über die Lage ist bekannt und in der NSK. dahingehend zum Ausdruck gebracht worden, daß ein Kabinett des besonderen Ver­trauens vorerst die Aufgabe zu lösen habe, den Reichstag nach Hause zu schicken, Neuwahlen aus­zuschreiben, die Organisations-Propaganda und Demonstrationsfreiheit für die bisher maßlos unterdrückte nationalsozialistische Bewegung wieder herzustellen und durch den Appell an die Nation Uebereinstimmung zu schassen zwischen dem Wil­len des Volkes und seiner parlamentarischen Ver­tretung.

Die Lösung dieser ebenso notwendigen wie ftaatspolitisch bedeutsamen Ausgabe als Voraus­setzung einer grundlegenden politischen und wirt­schaftlichen Neugestaltung würde durch uns aus der Linie der großen Zielsetzung liegen, welche die NS.-Bewegung dem deutschen Volk gegeben hat und die sie aus dem raschesten Wege durchzuführen entschlossen ist. Die Veröffentlichung der partei- ossiziellcn Stellungnahme zum neuen Kabinett und seinen Maßnahmen wird zu gegebener Zeit er­folgen.

Oss Xskinett vnnsnnll

Berlin, 1. Juni. Der Reichspräsident empfing Mittwoch gegen 20,30 Uhr Herrn von Papen zum Vortrug über seine bisherigen Bemühungen in der Kabinettsbildung und ernannte daraufhin Herrn von Papen zum Reichskanzler, Freiherrn von Gayl zum Reichsinnenminister, Dr. Warm- bold zum Reichswirtschaftsminister, General von Schleicher zum Reichswehrminister, Freiherr von Braun zum Ernährungsminister und Oftkommissar, Reichsbahndirektor Eltz von Rübenach zum Post- und Verkehrsminister. Außerdem wurde Oberregie­rungsrat Planck zum Staatssekretär der Reichs­kanzlei ernannt. Mit dem Eintreffen der betreffen­den Herren in Berlin ist für morgen die Er­nennung Goerdelers zum Arbeitsminister, Gürt- ners zum Justizminister und Freiherrn von Neu- raths zum Außenminister zu erwarten. Nur die Besetzung des Reichsfinanzministeriums ist noch zweifelhaft.

*

Mich den bisher vorliegenden Meldungen dürfte die Kabinettsliste heute fertiggestellt werden, wenn nicht noch unerwartet z. B. Goerdeler sich Herrn von Papen versagt.

Von den Parteien wird bekannt, daß das Zentrum und auch die Bayrische Volkspartei dem Kabinett offenen Kampf ansagen, desgleichen die Sozialdemokratie und wahrscheinlich auch die Staatspartei. Die Bayrische Volkspart'ei hat auch dem bisherigen Postmeister Dr. Schätze! untersagt, sich wieder am Kabinett zu beteiligen.

Die zentrümliche Presse ist bereits eifrig dabei, eine neue Hetzkampagne gegen den Reichspräsiden­ten zu entfesseln, nachdem er sich nicht mehr be­reitgesunden hat, sich dem Willen Dr. Brünings Lu beugen.

Wismar, I. Juni. Eine gewaltige Kund­gebung im Verlauf des mecklenburgischen Wahl­kampfes fand gestern abend unter Beteiligung von 30 000 Volksgenossen statt.

Nachdem sich Mecklenburgs Gauleiter, Pg. Hil­debrandt, mit den vom neuen Landtag zu er­füllenden Aufgaben beschäftigt hatte, ergriff der stellvertretende Berliner Gauleiter, Dr. Meins- hausen, das Wort zu einer glänzenden Dar­stellung der nationalsozialistischen Weltanschauung. Dann erschien unter Fanfarenmärschen der Füh­rer des neuen Deutschland, Adolf Hitler, umbrandet von unbeschreiblichem Jubel.

Sofort nahm er das Wort und führte u. a. folgendes aus:

Krlolß Hillen spi>iekt

In der Politik des Reichskanzlers Dr. Brü- ning sahen wir die Fortsetzung der am 9. No­vember begonnenen. Er ist gescheitert, weil er glaubte, eine erfolgreiche Außenpolitik ohne Ein­satz der nationalen Kräfte treiben zu können. Nicht die Zahl ist für unsere Bewegung das Ausschlag­gebende, sondern ihre Einmütigkeit im Glauben an die Idee. Wenn die DNVP. die Idee des So­zialismus ablehnt, so ist das genau so, als wollte einer erklären, er lehne die Anziehungskraft des Mondes ab. Deutschland ist jetzt nicht in irgend­eine Regierungskrise, sondern in eine Weltan­schauungskrise geraten, in der bürgerlich-national und marxistisch-international sich gegenüberstehen. Den dritten Weg hat zur Rettung aus dieser Krise der Nationalsozialismus in der Synthese von Nationalismus und Sozialismus gewie­sen. Unter dieser

^leugeslsltung

rles üsulseksn Hvnksns,

ist die größte Organisation entstanden, nicht auf dem Papier, sondern im Leben, im Kampf, Tag für Tag, herausgewachsen aus der Tiefe unseres Volkes und getragen von vielen Millionen von gläubigen Seelen. Nicht das ist das Wunderbare, daß 13 Millionen Menschen zusammenstehen, oder 14, und in wenigen Wochen werden es 15, 20 oder 30 Millionen sein, nicht das ist das Ent­scheidende, sondern daß diese Menschen aus allen Lebenslagen kommen. Bürger, die vielleicht noch vor 10, 5, ja vor 3 Jahren zu stolz gewesen wären, den Weg zum deutschen Arbeiter zu fin­den, sie haben langsam erkannt, belehrt durch die Literatur und die Ausbildung in unserer Par­tei, daß

ihr ganzes Wissen und Können und ihre ganze Bildung wertlos sind, wenn hinter sie nicht in treuer Verbundenheit die Millionenarmee deutscher Arbeiter und Bauern tritt,

sie haben langsam erkannt, daß es außer dem Wert des Wissens und der Bildung noch einen anderen Wert gibt, den Wert einer wirklich männlichen, treuen, beständigen Gesinnung, einen Wert, den sie bei den Millionenganz gewöhn­licher" Proletarier ebenso suchen wie in ihren

Kreisen. Ebenso haben Millionen deutscher Ar­beiter gesehen, daß auch ihre Zukunft nicht in der Internationale liegt und daß ihnen keine Solidarität und keine Kraft der Welt hilft, daß ihre ganze Muskelkraft sinnlos ist, wenn nicht der leitende Geist sich mit dieser Kraft ver­bündet und sie gemeinsam schaffen und ringen.

Sie haben setzt erlebt, daß ein Mann glaubte, dieser Entwicklung, gestützt auf alle denkbaren Machtmittel des Staates, auf die Dauer Wider­stand entgegensetzen zu können, daß er sich ver­maß, diese natürliche Entwicklung Deutschlands zu hemmen, daß er sich mit seiner ganzen Energie dagegenstellte, die Maschine der Gesetzgebung ge«? gen uns laufen ließ, daß man Verfassung, Gesetz und Recht beseitigte, uns zum Staatsbürger zwei­ten Ranges zu stempeln, mit allen Mitteln des Terrors und der Verwaltung uns knebelte, und jetzt? Was ich ihm prophezeite: Herr Brüning, Sie werden einst nimmer sein, aber diese Be­wegung wird sein, wird wachsen und groß wer­den, und es kommt die Zeit, da ist Ihr Name vergangen, aber diese Bewegung ist dann Deutsch­land, wird Wahrheit.

vss gsnrs Volk soll os sein!

Wir kämpfen heute nicht um einen oder zwei Ministerstühle oder um Parlamentssitze. Unsere Gegner verstehen es gar nicht, daß wir 160 Sitze errungen haben

unil ilook in keine Koalition vinlnstsn

Am Ende unserer Ziele steht nicht ein preußischer Ministerpräsident oder ein deutscher Reichskanzler, am Ende steht das ganze deutsche Volk.

Auch Regierungen, sie kommen und werden vergehen, Systeme erscheinen und verschwinden.

Wir bauen aus das, was in unserem Volke war, was heute ist, gestern war und was sein muß, nämlich die lebendigen Menschen, und es macht uns glücklicher, von diesem deutschen Fleisch und Blut Tausende von Menschen wiedererobert zu ha­ben, als nur ein Mandat gewonnen zu haben.

Mit erhobener Stimme fuhr Adolf Hitler dann fort:

Wir haben in den letzten Monaten Großes gewagt, aber ich glaube, heute auch sagen zu kön­nen, wir haben es gewonnen."

Diese Worte wurden von der Menge mit un­geheurem Jubel aufgenommen. Adolf Hitler ging dann auf die Bedeutung der Wahl am kommen­den Sonntag ein, wo ganz Deutschland auf Meck­lenburg schauen wird, und schloß mit den Wor­ten:

Es konimt der Tag der deutschen Aufer­stehung!"

Mit dem Horst Wesfel-Lied endete die imposante Kundgebung.

-i-

Bis zum Wahlsonntag wird Hitler n. a. noch in Schwerin. Güitrow und. Waren sprechen. '

ss gewonnen"

venVölkisoke lSeodsolilsi'" r«» Setnsuung von Wagens

München, 1» Juni. DerVölkische Beobach, ter" schreibt zur Betrauung von Papens, es sei selbstverständlich, daß dieses Kabinett nur als Uebergangslösung zu betrachten sei. Die Haupt­aufgabe der neuen Regierung werde sein, den Reichstag auszulösen, um durch Neuwahlen klare Rechtsverhältnisse zu schassen. Die Berechtigung dieser nationalsozialistischen Forderung werde zwei­fellos auch von den jetzt an der Regierungsbil­dung beteiligten Kreisen eingesehen, ebenso die schnellste Aushebung des SA.-Berbotes.

Alsred Rosenberg spricht in einem Artikel, der ch mit den Angriffen gegen den Reichspräsi­denten von Hindenburg beschäftigt, die Hoffnung aus, daß der Reichspräsident nunmehr entschlossen mit der erwachenden deutschen Nation gehe und mit Adolf Hitler jenes Bündnis schließe, das not­wendig sei zur Rettung des deutschen Volkes.

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1690 Millionen Fehlbetrag.

Berlin, 1. Juni. Die Bücher der Reichshaupt» lasse für das Rechnungsjahr 1931, das bis zum 31. März 1932 lief, sind am 31. Mai 1932 ab­geschlossen worden. Der Abschluß ergibt folgendes Bild:

Ende des Rechnungsjahres 1930 war beim ordentlichen Haushalt ein Fehlbetrag von 1190 Will. RM. vorhanden, von dem im Rechnungs­jahre 1931 durch die außerordentliche Schulden­tilgung 420 Mill. RM. abgedeckt worden sind. Das Rechnungsjahr 1931 bleibt somit mit einem Fehl­betrag aus 1930 in Höhe von 770 Mill. RM. be­lastet.

Im Jahre 1931 ist beim ordentlichen Haushalt ein neuer Fehlbetrag in Höhe von 449,1 Mill. RM. entstanden. Als Gesamtfehlbetrag ergibt sich am Schluß des Rechnungsjahres 1931 die Summe von 1690 Millionen RM. Der Betrag setzt sich zusammen:

Rest des Fehlbetrages des ordentlichen Haushalts 770 Mill.

Fehlbetrag des ordentlichen Haushalts 1931 449,1 ,

Fehlbetrag des außerordentlichen Haus­halts 1931 und früherer Rechnungs­jahre 470,9 ,

2wei KeieksrSsulseks im Koi'nirioi' vspksttel

Kolberg, 1. Juni. Der Versicherungss inspektor Scheih (Köslin), der auf der Rück« fahrt im Kraftwagen von Königsberg (Ostz Preußen) die Gattin des Polizeihauptwachv Meisters Hermann (Köslin) aus Danzig-j Zoppot abholte, um mit ihr gemeinsam die Heimfahrt durch den Korridor anzutreten, wurde, als er zufällig in der Nähe » der Kaserne in Wejherowo seinen Kraftwagen anhielt, mit seiner Begleiterin verhaftet.

Scheid und Frau Hermann, die sich im Besitz vorschriftsmäßiger Pässe und Visa befanden, wurden in das .GerichtsgesänaniK . in Staraard geschafft.