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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint seden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenderechnnng: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile RMO.IO Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.1S, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70, Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, VerboAussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM 0.0k bis Freitag von 17 bis 19 Uhr.—Fernsprecher Domsheids 25878. usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugpr. Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit.
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Berlin, 30. Mai. Bei seinem heutigen Empfang beim Reichspräsidenten hat der Reichskanzler Dr. Brüning den Gesamtrück- tritt der Reichsregierung überreicht. Der Reichspräsident hat den Rücktritt angenommen. Er hat das derzeitige Kabinett gebeten, die Geschäfte bis auf weiteres fortzuführen. Er wird zunächst versuchen, aus dem üblichen parlamentarischen Wege die Neubildung der Regierung vorzunehmen und heute nachmittag zuerst den Reichstagspräsidenten LöbL, dann anschließend die Fraktionsführer der verschiedenen Parteien in der Reihenfolge ihrer Fraktionsstärke empfangen. Reichskanzler Dr. Brüning hat gebeten, ihm möglichst bald einen längeren Urlaub zu bewilligen, da er in die Erörterungen um die künftige Kabinettsbildüng nicht hineingezogen werden möchte.
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Berlin, 30. Mai. Der Reichspräsident hat unmittelbar nach dem Rücktritt des Reichskanzlers Dr. Brüning die Verhandlungen zur Neubildung der Regierung aufgenommen. Er hatte zunächst zu diesem Zweck Besprechungen mit einer Reihe von Parteiführern. Er empfing am Montag nachmittag zuerst den Reichstagspräsidenten Löbe, hierauf die Führer der sozialdemokratischen Partei, Wels und Breitscheid.
Um 18.30 Uhr wurden sodann der Führer der Nationalsozialisten ,Adolf Hitler, un- der Abgeordnete Hauptmann a. D. Goering empfangen. Die Aussprache mit den Nationalsozialisten war sehr eingehend und dauerte etwa eineinhalb Stunden. Der Verlaus der Besprechung mit den Nationalsozialisten wird von diesen als befriedigend bezeichnet.
Die Besprechungen des Reichspräsidenten zielen, so wird berichtet, anscheinend aus die Bildung einer überparteilichen Regierung ab, die durch Fachleute ergänzt wird. Die Regierung solll angeblich parlamentarisch durch die Parteien vom Zentrum bis zur Rechten unter Einschluß der Nationalsozialisten gestützt werden.
Die Empfänge werden am Dienstag vormittag um 10.30 Uhr fortgesetzt. Es werden dann die Führer des Zentrums, der Deutschnationalen und der anderen Parteien empfangen werden.
Reichskanzler a. D. Dr. Brüning ist entgegen seinen ursprünglichen Absichten in
Berlin verblieben.
Unsers Uisinung
Wir Nationalsozialisten stehen allen diesen Meldungen und Meinungen aus den Kreisen der früheren Regierung oder des Parlaments mit aller Skepsis und Vorsicht gegenüber. Wir wissen daß Dr. Brüning nicht an irgendwelchen Zufälligkeiten gescheitert ist, wissen auch, daß zwar der Wahlsieg in Oldenburg und die Feststellung der Ungerechtigkeit des SA.-Verbotes seinen Sturz beschleunigt haben, während die eigentliche
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Berlin, 30. Mai. Reichstagsabgeordneter Dr. Goebbels nahm in einer von ungefähr 7000 Ssmtswaltern besuchten geschlossenen Versammlung der Nationalsozialisten zu den neuesten politischen Vorgängen Stellung. Nachdem Dr. Goebbels einen Ueber- blick über die politische Entwicklung der letzten zwei Jahre seit Bestehen des Kabinetts Brüning gegeben hatte, kam er zu dem Schluß, daß durch den Sturz des Kabinetts der grundlegende System- und Kurswechsel in Deutschland eingeleitet worden sei.
Vorbedingung sei, daß den Nationalsozialisten nunmehr auch entsprechend dem in allen Wahlen zum Ausdruck gekommenen Volkswillen die Macht in Deutschland gegeben würde. Demzufolge sei es notwendig, daß erst einmal -er Reichstag aufgelöst würde, um so klare und eindeutige Machtverhältnisse zu schaffen. Voraussetzung für diese Wahlen sei aber, daß sämtliche einschränkenden Notverordnungen hinsichtlich Presseknebelung, SA-Verbot usw. aufgehoben würden, um so ein unbeeinflußtes Bild der wahren Volksmeinung in Deutschland zu bekommen
Weiter wandte sich Dr. Goebbels der Frage zu, wie nunmehr die Verhältnisse in Preußen gestaltet würden. Hier führte er u. a. aus, daß durch die letzten Notverordnungen das Eigenleben der Länder so beschnitten worden sei, daß eine Aenderung nur über das Reich durchgeführt werden könne. Koalitionen könnte« von den Nationalsozialisten nur dann eingegangen werden, wenn sie die Gewähr dafür hätten, daß die grundlegenden programmatischen Forderungen der Nationalsozialisten zur Ausführung gelangten.
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Zusammentritt von Neichstagssraktionen.
Berlin, 30. Mai. Von den Fraktionen des Reichstages haben bisher für Dienstag die Deutsche Volkspartei und die Wirtschafts- prrtei Sitzungen anberaumt, Während die Wirtschaftspartei vormittags zusammentritt, beginnt die Sitzung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei um 16 Uhr.
Für Mittwoch, den 1. Juni, ist außer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine Sitzung der Zentrumsfraktion für 10 Uhr angesetzt worden.
fache in der inneren Unzulänglichkeit und Unfähigkeit des Kabinetts zu suchen ist. Daraus ergeben sich dann aber als weitere Ileberlegungen, daß man nicht mit irgendwelchen Mittelchen die nun schon seit Jahren in Deutschland schleichende Krise beheben kann. Das Uebel muß an der Wurzel gepackt werden und die Kräfte müssen die Staats- sührung übernehmen, die auf Grund ihrer Einstellung zu Volk und Staat geschichtlich zu dieser Aufgabe berufen sind.
In einem solchen Zeitpunkt ist es müßig, mit Kombinationen aufzuwarten, die 2 Stunden später überholt sind. So fassen wir unsere Meinung dahin zusammen:
13 Jahre hat der Führer bei allen Entscheidungen und bei der jeweiligen Beurteilung der politischen Lage den rechten Weg gesunden und so tragen ihn heute in den Stunden, in denen er in Berlin zu entscheiden haben wird, das Vertrauen des größeren Teiles des deutsches Volkes, trägt ihn die ganze deutsche Freiheitsbewegung, die deutsche Jugend und alle Volksgenossen, die im Herzen sich vom Glauben an Deutschlands Zukunft leiten lassen.
Ein neuer Kampsabschnitt hat begonnen, wir
wissen unseren Führer an vorderster Front und wir warten auf den Augenblick, in dem er uns aufruft zum letzten Sturm aus dieses System, ausruft zu neuen Opfern und neuer Arbeit am Aufbau unseres Staates. —art.
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Berlin, 31. Mai. Ueber die Entwicklung der Lage auf Grund der bisherigen Partei- sührerbesprechungen werden verschiedene Meinungen verbreitet. Die D.A. Z." berichtet u. a., daß die Frage der Neuwahlen in den Vordergrund getreten sei. Der Reichspräsident sei offenbar von sich aus grundsätzlich zu dem Entschluß gelängt, den Reichstag aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben, um auf diesem Wege volle Klarheit in der innenpolitischen Entwicklung herbeizuführen. Die Neuwahlen sollen mit Rücksicht aus die schwierige außenpolitische Lage nicht sofort vorgenommen werden. Es wird angenommen, daß sie erst im Herbst stattfinden sollen.
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Genf, 30. Mai, In hiesigen englischen Kreisen besteht die Auffassung, daß hier kurz vor der Lausanner Konferenz eine Vorbesprechung der leitenden Staatsmänner der Großmächte stattfinden wird. Man erwartet, daß die französische Regierung bis zum 10. Juni endgültig gebildet sein wird und Heriot bald darauf nach Genf kommt, um hier mit dem englischen Außenminister Simon, dem italienischen Außenminister Grandi und einem Vertreter Deutschlands zusammentreffen.
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kunft zunächst über die Wetterführung der vorläufig festgefahrenen Abrüstungsverhandlungen zu beraten. Vor allem soll endgültig darüber entschie-, den werden; wann und in welcher Form die Frage der deutschen Gleichberechtigung in den Rüstungen auf der Abrüstungskonfererrz zur Verhandlung gelangen soll. Es wird ferner erwartet, daß bei dieser Vorbesprechung der leitenden Staatsmänner auch die Lausanner Fragen behandelt werden. Auch werden bereits Stimmen laut, die eine Vertagung der Lausanner Konferenz sür wahrscheinlich kalten.
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Berlin, 30. Mai. Bei seinem heutigen Empfang hat Reichskanzler Dr. Brüning, wie schon in einem Teil der gestrigen Auslage gemeldet, dem Reichspräsidenten den Rücktritt der Reichsregierung überreicht. Hindenburg nahm den Rücktritt an.
Der Reichspräsident hat das derzeitige Reichs-! kabinett gebeten, die Regierungsgeschäste vorkäme fig fortzuführen. Er wird zunächst versuchen, .die Regierungsbildung auf parlamentarischem Wege vorzunehmen und heute nachmittag zuerst den Reichstagspräsidenten Loebe, dann anschließend die Fraktionen der verschiedenen Parteien in der Reihenfolge ihrer Fraktionsstärke empfangen. Reichskanzler Dr. Brüning hat um die Möglichkeit gebeten, einen längeren Urlaub zu bewilligen, da er zu den Erörterungen einer künftigen Kabinettsbildung nicht hinzugezogen werden möchte.
Schon der Sonntag-Empfang des Reichskanzlers beim Reichspräsidenten, der abgebrochen urch über den merkwürdiges Stillschweigen bewahrt wurde, ließ den Rücktritt Brunings als wahr-! scheinlich erscheinen. Wenn die amtlichen Stellett und die Journaille sich auch noch soviel Mühe gaben, die Dinge zu bagatellisieren, es ließ sich nicht mehr verheimlichen, daß die Gegensätze zwischen dem Reichsoberhaupt ud dem Reichskanzler unüberbrückbar geworden waren.
Herr Brüning schien die eingetretene Spannung nicht so ernst zu nehmen; denn „gestern noch auf stolzen Rossen", gefiel sich der Kanzler auf dem Bankett der ausländischen Presse am Sonnabend darin, über die Regierungskrise seine Glossen zu ziehen und diese heiklen Fragen mit dem hübschen Ausdruck, sie trügen „Museumsgeruch" an sich, abzutun. Herr Brüning dürfte demnach wohl am Sonnabend noch nicht geahnt haben, daß das Schicksal über ihn hinwegschreiten würde, ganz gewiß dürfte er jedenfalls die Wahl- niederlage in Oldenburg sowie die Niederlage in Sachen des SA.-Verbotes noch nicht in seine Kalkulation eingestellt haben. Daß das Zusammentreffen dieser für den Reichskanzler unglückseligen Ereignisse die Spannung noch verschärft und seine Stellung erst recht unhaltbar gemacht haben, wirk niemand bezweifeln wollen.
Für das schwarz-rote System bedeutet der gestrige Tag den schwersten Schlag, den es bisher erlitten hat und von dem es sich nie wieder erholt. Die Auswirkungen sind überhaupt noch nicht abzusehen. Man muß sich vergegenwärtigen, mit welcher Hartnäckigkeit und Zähigkeit sich das jetzt endlich gefallene System mit Händen und Füßen an die Macht geklammert und wie es dabei von den Systemparteien und der Journaille mit allen Mitteln unterstützt worden ist. Wie oft nicht schon schien das Kabinett zu bersten, immer wieder hat es sich aufgerafft uno auf die Beine gestellt, immer wieder hat es sich, wenn auch mit knapper Mehrheit, durch die Abstimmungen des Reichstages hindurchgerettet. Und das alles, obgleich nie eine Regierung vorher so sehr bei allen ihren Maßnahmen gescheitert ist und das deutsche Volk mit Steuern und unsozialen Maßnahmen „beglückt" hat. Grund:
Brüning galt — und das mit Recht — als die letzte Säule des Systems. Stürzt sie ein, so hat damit auch sür das System die letzte Stunde geschlagen.
Jetzt endlich ist Lem Na tion alloMlismuH ,,.»i