Ausgabe 
(30.5.1932) Nr. 112
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4l)erlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.

Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbal, Aussperrung usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugpr.

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Absoluts IVUsImdsit vrnsiokt

Stimmen

Mandate

Deutschnationale..

15 629

(12 653)

2

( 2)

Sozialdemokraten .........

50 987

(54 893)

9

(w

Soz. Arbeiter-Partei

1464

( - )

—

(-)

Kommunisten..

15 590

(18 942)

2

( 3)

Rat. Verein, (früher Deutsche

Volkspartei u. Wirtschaftspaket

2 303

(15 012)

—

( 2)

Deutsche Staatspartei. ......

6 213

( 8 515)

1

( 1)

Oldenburger Landvolk.. .

5 987

( 5 404)

1

( 1)

Nationalsozialisten.

131 525

(97 802)

24

(19)

Oldenburger Zentrum ..

42114

(46 252)

7

( 9)

In Klammern die Vergleichszahlen d

er Landtag

swahlen im

Mai

1931.

vnüning

Der Reichskanzler Brüning erklärte heute dem Reichspräsidenten den Rücktritt der gesamten Reichsregierung

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?» Pistolenschüsse auf eine Schankwirtschast.

Berlin, 29. Mai. Am Sonntag, etwa hegen 10.05 Uhr wurden von Kommunisten 29 Pistolenschüsse auf eine Schankwirtschaft iin der Bernauerstraße abgegeben. Von den jGästen wurden vier durch Oberschenkelschüsse verletzt. , >

Pistole und Revolver.

' Das Lokal „Zum Heidekrug", das sich an der Ecke der Bernauer- und der Strelitzer- straße befindet und erst vor kurzer Zeit seinen Besitzer gewechselt hat, wird in der Umg^end für ein nationalsozialistisches Ver­kehrslokich gehalten. Kommunistische Burschen hatten schon seit Tagen wie­derholt Drohungen geäußert, daß sie die Gast­wirtschaft bald „ausräuchern" würden. In der Sonntagnacht waren etwa 25 National­sozialisten im Lokal anwesend, als Plötzlich ßn der Tür ein junger Bursche erschien und Nus zwei Waffen, einer Militärpistole und einem Revolver, Kaliber 7,65, hinterein­ander etwa 20 Schüsse mitten zwischen die an den Tischen sitzenden Gäste abgab. Ob­wohl die Gäste sofort Deckung suchten, bra­chen vier Personen, der Arbeiter Szajor, der Schaffner Bleckat, der Kraftwagenführer Max Katsch und eine Frau Grien, von Ku­geln getroffen zusammen. Im selben Au­genblick begannen andere Kommunisten von der Straße aus durch die Fensterscheibe in das Lokal zu feuern. Ihre Schüsse gingen 'glücklicherweise in die Wand.

/Zufällig kamen zwei Nationalsozia­listen die Strelitzerstraße entlang. Als sie die Schüsse vernahmen, eilten sie hinzu, sprangen die wenigen Stufen zum Lokal empor und rissen den Kommunisten, der sn der Tür stand und einen seiner Kom­plizen, der sich gegen ihm auf der Treppe aufhielt, zn Boden. Es gelang ihnen aber Nicht, den Burschen die Waffen zu ent­wenden. Die Kommunisten konnten viel­mehr noch weiter feuern, so daß die Natio­nalsozialisten schließlich gezwungen waren, jsie wieder freizulassen« Nun ergriffen die Kommunisten die Flucht. Ein Chauffeur Karl Peterson aus der Woltcrstraße 32, der sie sofort verfolgte, wurde von den Flüchtenden ebenfalls beschossen und durch seinen Schuß in den Oberschenkel verletzt.

Die Waffe versagt. i /Inzwischen erschien an dem Tatort eine uns zwei Mann bestehende Streife des zu­ständigen Polizeireviers und eilte sofort den Kommunisten nach. Diese hatten jedoch in der ganzen Umgegend die Gaslaternen aus­gedreht, sodaß völlige Finsternis herrschte. jAls sie von den Polizisten eingeholt wur­den, blieben sie stehen und der eine von tzhnen versuchte, auf die Beamten zu schie­ben, doch versagte die Waffe. Im nächsten Augenblick waren die Kommunisten in der Dunkelheit verschwunden.

Die Aussprache Hindenburgs und Vriinings.

Berlin, 29. Mai. Der Reichspräsident von Hin- denburg traf am Sonntag morgen um 7 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge auf dem Bahnhof Friedrichstraße wieder in Berlin ein. Er begab sich sofort in das Reichspräsidentenpalais. Um 11 Uhr empfing er den Reichskanzler zu einer Aussprache über die gesamtpolitische Lage. Die Aussprache fand unter vier Augen statt. Sie wird am Montag 12 Uhr fortgesetzt werden.

Die Gegensätze zwischen Brüning und Hindenburg

Berlin, 29. Mai. Obgleich von amtlicher Stelle über den Inhalt der Unterredung zwischen Reichs­kanzler Dr. Brüning und dem Reichspräsidenten von Hindenburg Stillschweigen bewahrt wird, be­urteilt man in gut unterrichteten Berliner Kreisen das Ergebnis der Aussprache Pessimistisch. Die Tat­sache, daß die Aussprache nur von kurzer Dauer war und abgebrochen worden ist, gibt zu der An­nahme Anlaß, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichs­kanzler sehr erheblich sind. Die Frist bis zum Mon­tag dürfte deshalb gewünscht worden sein, um weitere Ueberlegungen anzustellen. Es erscheint je­doch sehr zweifelhaft, daß sich die Gegensätze zwi­schen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanz­ler überbrücken.lassen. In gut unterrichteten Krei­sen hält man es dabei für wahrscheinlich, daß der Reichskanzler am Montag seinen Rücktritt ein­reichen wirk

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Berlin, 29. Mai. Ueber den bereits bekannt ge­wordenen sozialpolitischen Inhalt der neuen Not­verordnung hinaus bringt der „Politisch-gewerk­schaftliche Zeitungsdienst" eine Mitteilung mit neuen Angaben, in der es heißt:

„Da die in Aussicht genommenen steuerlichen Belastungen zum Ausgleich des Defizits nicht aus­reichen, sollen die Sätze der Arbeitslosenversiche­rung und der Krisensürsorge aus die Sätze der Wohlfahrtspflege gesenkt werden. Die durchschnitt­liche Senkung beträgt in der Arbeitslosenversiche­rung 23 v. H., sie geht aber an kleinen Orten und für ledige Unterstützungsempfänger bis fast zu 50 v. H. In der Krisensürsorge ist eine Senkung von 15 v. H. vorgesehen. Dabei soll eine Aufgliederung nach Ortsklassen erfolgen. In der Invalidenver­sicherung muß zur Deckung des Defizits eine Sen­kung der Bezüge durchgeführt werden. Die eigent­lichen Invalidenrenten von 36,80 Mark im Mo­natsdurchschnitt wird um 6.50 Mark auf 30.30 Mark gesenkt. Die Witwenrente wird von 21.85 M. im Durchschnitt um 5 Reichsmark aus 16.85 Mark und die Waisenrente von etwa 14.75 Mark um 4 Mark auf 10.75 Mark herabgesetzt werden. Diese Kürzungen bringen ungefähr 200 Millionen Mark . ctz -- -----—-

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Während in Großkämpfen Deutschlands der versteckte Bürgerkrieg tobt und in den letzten Tagen 3 Nationalsozialisten 'ihr Leben lassen mußten und viele schwer verwundet wurden, während in Berlin Brüning ver- zweifelt um feine Stellung als Reichskanzler; ringt, zu einer Zeit, in der die Reichsregierung ernsthaft beabsichtigt, die Sätze der Erwerbsloscnfürsorge bis zu 50 Prozent zu senken, in diesen Stunden weitgreifeudster Entscheidung fand im Frei- staat Oldenburg eine Wahl statt, die zum ersten Mal den Nationalsozialisten die abso-. lute Mehrheit im Landparlament brachte, j

Während das alte System zusammenbricht und sich ängstlich um alle Entscheidungen drückt, gibt das deutsche Volk eindeutig seine Stimme der deutschen Freiheitsbewegung, trotz aller Voraussagen, daß die NSDAP. ihre Entwickluugsmöglichkeit erschöpft habe.

Zur Stunde, in der diese Zeilen ge-<. schrieben werden, weiß noch keiner, was der. heutige Tag in Berlin bringt, aber wir, die wir soeben einen neuen glänzenden Sieg an unsere Fahnen geheftet haben, wir können warten, hundert Meter vor dem Ziel, werden warten, bis unserem Führer die Gestaltung des deutschen Schicksals in die Hand gegeben wird. "

In Oldenburg ist am gestrigen Tage oie Linke und das Zentrum erneut vernichtend geschlagen worden. Die Sozialdemokratie verliert 4000 Stimmen, die Kommunisten 3400, die Staatspartei 2005 und zum ersten Mal das Zentrum 4000 Stimmen, d. h« 10 Prozent seiner Wählerschaft. Selbstver­ständlich sind Volkspartei und Wirtschaft^ Partei, die sich zu einer nationalen Ver-. einigung zusammengetan haben, völlig auf­gerieben worden; sie verlieren 85 Prozent ihrer Stimmen und sind im neuen Land­tag nicht mehr vertreten. Gegenüber diesen zusammenbrechenden Parteien gewinnt die NSDAP. 34 000 Stimmen, das sind fast 40 Prozent gegenüber der letzten Landtags­wahl. Sie erringt damit die absolute Mehrheit, d. h. sie erzielt von 46 Man­daten 24. Das Ziel ,das sich Gauleiter' Röver gestellt hat, ist erreicht und mit ihm danken Millionen des deutschen Volkes unserem Führer, der in vorderster Front kämpfend der Bewegung einen entscheiden­den Sieg verschafft hat, so entscheidend, daß er wahrscheinlich dem wankenden Kabinett Brüning den letzten Stoß in Berlin geben wird.

Das unterstreicht auch eine noch nachts herausgegebene Erklärung der Reichsleitung der NSDAP-, die folgenden Wortlaut hat:

„Die NSDAP. hat bei der heutigen Oldenburger Landtagswahl die absolute Mehrheit von sämtlichen Mandaten er­obert. In der Entscheidungsstunde des Kabinetts Brüning hat das Volk ge­sprochen und Recht und Anspruch der NSDAP. auf die Staatssührung mit einer überwältigenden Vertrauensknnd- gcbung bestätigt. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für die wirkliche Stimmung des Volkes und für die kolk

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