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Unsers Parole:
3sclsr wirpt einen neuen Serisker für ciis 8. l>l. 2.
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Derlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Nedaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.
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Burhave, 28. Mai. In einer überfüllten nationalsozialistischen Wahlversammlung sprach hier am Freitag nachmittag Hauptmann a. D. Goering zum oldenburgischen Wahlkampf. Im Verlauf seiner Rede machte Goering bemerkenswerte Ausführungen über die Haltung der Nationalsozialisten zur Reichsregierung und zur Lage in Preußen, denen umso größere Bedeutung zukommt, als bekanntlich Goering der Verbindungsmann Hitlers zum Reichskabinett ist. Goering sagte, daß
die Nationalsozialisten in dem heutigen negativen System überhaupt nicht positiv mitarbeiten können.
Sie wollten dieses System vernichten, um auf dem Fundament von Stein wieder ein Haus ausbauen zu können.
Zur Frage der Regierungsbildung in Preußen sagte Goering, daß
die Nationalsozialisten nicht daran dächten, in Preußen mit dem Zentrum zusammen zu paktieren; das Zentrum müsse das, was es sich eingebrockt habe, schon allein auslöffeln.
Goering wandte sich dann der Außenpolitik zu und sagte, es gehe nicht an, daß man nach Gens
reise, um dort nationale Politik zu machen, während man gleichzeitig in der Heimat das nationale Element unterdrücke. Es sei auch den Franzosen bekannt, daß hinter dem Reichskanzler heute nur noch das Zentrum und die Sozialdemokraten stünden. Goering befaßte sich dann in einer sehr scharfen Kritik mit dem Zentrum und sagte,
das Zentrum habe kein Recht, der NSDAP
Verrat am Christentum vorzuwerfen.
Auf die oldenburgische Landtagswahl hinweisend erklärte Goering, daß man am Sonntag nicht nur in Oldenburg, sondern auch in Berlin und im Ausland auf das Wahlergebnis warte. Diese Wahl wachse somit weit über ihre lokale Bedeutung hinaus. Das sei das Kennzeichen aller heutigen Wahlen in Deutschland, daß sie Schicksalsfragen seien für die ganze Nation.
Abschließend betonte Goering noch einmal den legalen Charakter der Nationalsozialisten und erklärte, daß die Nationalsozialisten keinen Putsch machen würden, um im letzten Augenblick noch den Gegnern Gelegenheit zu geben, die Bewegung im Blut zu ersticken. Die NSDAP. werde das heutige System mit den eigenen Mitteln schlagen, mit den Waffen der Demokratie, dem Stimmzettel.
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Das Militär greift ein.
Innsbruck, 27. Mai. Am Freitag abend kam es im Vorort Hötting bei Innsbruck zu schweren politischen Ausschreitungen, die zur Alarmierung des Jnnsbrucker Militärs führten. Die Nationalsozialistische Partei hatte eine Versammlung einberufen, in der ein Redner aus Sahburg sprechen sollte. Kurz nach Beginn der Versammlung marschierten die Sozialdemokraten auf und drangen in den Saal ein, wo sofort eine wüste Schlacht entstand, die sich auf die Straßen ausdehnte. Da die Gendarmerie allein die Ruhe nicht wieder herstellen konnte, wurde Militär eingesetzt. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht genau festgestellt. Von der Rettungsgesellschaft wurden 32 Verletzte, darunter einige Schwerverletzte, ins Krankenhaus gebracht. Einer der Verletzten ist bereits gestorben. Ein Kraftwagen der Nettungsgesellschaft, sowie ein Personen- omnibus, in dem ebenfalls Verletzte abtransportiert wurden, wurden auf der
Straße von S^ialdemokraten angegriffen und beschädigt. Das Militär hat die Ruhe wieder hergestellt.
Das sind dieselben Leute, die in widerlichster Heuchelei tagtäglich vor dem 13. April das SA.-Verbot forderten, um die „Ruhe und Sicherheit" wiederherzustellen!
Uebsnisiis in Ssniin
Berlin, 27. Mai. In der Grenzstraße Ecke Gartenstraße wurde bei einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten der fünfund- zwanzigjährige Nationalsozialist Fritz Matthy schwer verletzt. Durch das herbeigerufene Neberfall- kommando wurden drei Kommunisten verhaftet. In der Reinickendorferstraße wurden zwei Nationalsozialisten von fünf Kommunisten überfallen. Hierbei wurde ein Nationalsozialist leicht verletzt. Die Täter konnten unerkannt entkommen. In der Müllerstraße wurde ebenfalls ein Nationalsozialist niedergeschlagen. In diesem Fall gelang es der Polizei, einen Täter festzunehmen.
Vis SoLisivensiLksnung sm Lncks
Berlin, 27. Mai. Der Reichstagsausschuß für so- tziale Angelegenheiten trat am Freitag unter Vorsitz des Abgeordneten Pg. Dreher (Natsoz.) zu einer Sitzung zusammen. Namens der Reichsregierung berichtete Ministerialdirektor Grieser vom Reichsarbeitsministerium über die Lage der Sozialversicherung.
l Der Bericht des Ministerialdirektors Grieser ergab, daß die Mindereinahmen der Sozialversicherung so katastrophal find, daß die Regierung nicht mehr imstande ist, die laufenden Ausgaben und auch keine Abzahlungen an die Post zu decken. Die Regierung hat die Flüssighaltung der Kassen nur durch Verkauf von Wertpapieren aufrechterhalten können. Der Ausschuß sollte nunmehr der Regierung ohne Unterlagen Wege aus den Schwierigkeiten weisen. Der Ausschutz lehnte aus Antrag des deutschnationalen Abgeordneten Timm dieses Ansinnen ab. Er beschloß, sich aus unbestimmte Zeit zu vertagen und den Zeitpunkt der Wiedereinberufung dem Vorsitzenden zu überlassen.
Diese Hiobsmeldung wirft ein grelles Licht aus die wahre Finanzlage des Reiches und die verworrene Finanzwirtschaft des Brüning-Kabinetts. Sie kommt keineswegs so sehr überraschend, sondern die
Spatzen psissen es bereits seit Tagen von den Dächern,
daß sich die Sozialversicherung und damit die Achse der Brüningschen Finanzpolitik im Zusammenbrechen befindet. Herr Adam Stegerwald, auch eine der schwankend gewordenen Stützen der Zentrumspartei, hat sich vollkommen festgefahren und fitzt heute wie auf einem Vulkan, jeden Augenblick gegenwärtig sein müssend, mitsamt seinem Werk in die Lust zu gehen. Der flehentliche Hilferuf an den Ausschuß, ihnen zu helfen, zeigt am besten, daß Herr Stegerwald aus der ganzen Linie mit seine»: Latein fertig ist.
Auch um Herrn Brüning wird es von Tag zu Tag wackliger. Die verschiedensten Gerüchte über seine Nachsolgeschast durchschwirren bereits die politische Luft. Wir warten mit beschaulicher Ruhe ab, wie sich für Herrn Brüning die mißliche Situation weiter entwickelt. Wie verlautet, beabsichtigt der Kanzler ja am Sonntag den Reichspräsidenten vor die Frage zu stellen, ot er noch das volle Vertrauen des Reichspräsidenten genieße, weil es sonst für ihn keinen Sinn habe, die Notverordnung, die auf lange Sicht berechnet sei, gegenzuzeichnen und durchzuführen. Also Brünings letzter Strohhalm! Gleichviel, ob er ihn erhäschen wird oder nicht, seine Rettung wird es nicht bedeuten, da es für die Systempolitik ein rettendes User nicht mehr gibt.
Die Zeiten, wo in Deutschland ohne bzw. gegen den Nationalsozialismus regiert werden konnte, sind ein für allemal vorbei.
LinLsikeiien
Berlin, 27. Mai. Aus dem Bericht, den Ministerialdirektor Grieser vom Reichs- arbeitsministerium im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages über die Lage der Sozialversicherung gab, ist noch hervorzuheben:
Ln der Invalidenversicherung beträgt nach
seinen Mitteilungen das monatliche Aufkommen an Beiträgen nur noch 54 Millionen Reichsmark, gegenüber 70 Millionen im Jahre 1931, 80 Millionen im Jahre 1930 urrd 90 Millionen im Jahre 1929. Dabei können die Einnahmen von 54 Millionen im Monat April kaum als Jahresdurchschnitt für 1932 angesehen werden. Die Ausgabeverpflichtungen für Heilverfahren usw. blieben etwa die gleichen und die Ausgaben
für Renten stiegen sogar um etwa 70 Millionen im Jahre.
Zurzeit ergebe sich in jedem Monat ein Fehlbetrag von 28 Millionen Reichsmark. Bisher fei die Invalidenversicherung ihren Verpflichtungen trotzdem dadurch nachgekommen, daß sie zur Deckung des Fehlbetrages ihre Vermögenswerte herangezogen habe. Die Schwierigkeiten, die sich hierbei ergeben, seien arok und stiegen dauernd-
Osslennsiekisokss
Kvgisi'ungspi'ogi'smm
In der Freitag-Sitzung des National^ rates gab der neue Bundeskanzler Dr. Doll- fuß die Regierungserklärung ab.
Er erklärte, daß er seine Versuche, allü bürgerlichen Parteien in der Regierung zu vereinen, fortsetzen werde. Zur Außenpolitik sagte der Kanzler dann, daß alle Welt verstehen werde und müsse, daß Oesterreich als selbständiger deutscher Staat bedingt durch das Blut, die Geschichte und die geographische Lage — der engsten! Verbundenheit und Freundschaft mit dem! Deutschen Reiche sich bewußt sei, einer Freundschaft, die berechtigt und verpflichtet.
Nach der Meinung der Regierung gehört zur Gesundung der Wirtschaft dann die un- bedingte Vermeidung der Inflation, die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts des Staatshaushalts und ein Ausgleich der Zahlungsbilanz.
In der Aussprache über das Regierungss Programm erklärte Abg. Bauer der Regierung das Mißtrauen der Sozialdemokraten«
Ssekssn voi* Lis»' pisits
Pumpoersuch bei der Reichsregierung.
Berlin, 27. Mai. Wie verlautet, hat sich ein« Abordnung der sächsischen Regierung nach Berlin begeben, um Verhandlungen mit den zuständigen Stellen der Reichsregierung aufzunehmen. Das Land Sachsen wird in allernächster Zeit nicht in der Lage sein, die für die Rückzahlung kurzfristiger Staatsschulden notwendigen Beträge in Höhe von SO Millionen aufzubringen.
Das Reich soll hier helfend eingleisen, obwoyi sich wahrscheinlich auch die sächsischen Herren nicht vorstellen können, wie aus den vollständig leeren Reichskassen die 50 Millionen herausgequetscht werden können.
i^oiiiisoks Amnestie in Hnksil
Dessau, 27. Mai. Der anhaltische Lano-r tag nahm am Freitag eine Regierungsvor-- lage über eine politische Amnestie an. Antrüge der Linken, die auch Strafen fürj Vergehen aus wirtschaftlicher Not einbezo- gen wissen wollten, wurden abgelehnt. Dagegen gab Ministerpräsident Freiberg die Erklärung ab, das Staatsministerium werde von sich aus im Verwaltungswege ohne Aufforderung Strafen, die wegen Verbrechens aus wirtschaftlicher Not verhängt worden feien, amnestieren.
Sekuii*s? IVis^si' «üsnslunßskig
Kowno, 27. Mai. Der aus der Haft enti- lassene Schulrat Meyer ist infolge seiner angegriffenen Gesundheit vorläufig dienstunfähig. Er hat sich zu einem ErholunLs-'. Aufenthalt nach Schwarzort beaeben.