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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10gespaltene mm-Zeile RM 0.10 Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70.
Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbo., Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM 0.06,
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Das Programm eines nationalsozialistischen Ministerpräsidenten
Dessau, 26. Mai.
Der neue archaistische Ministerpräsident Pg. Frcyberg nahm nach seinem Amtsantritt im ^ehördenhaus die Vorstellung der Beamten und Angestellten des Staatsministeriums entgegen und hielt dabei folgende programmatische Ansprache:
„Durch das Vertrauen meines Führers Adolf Hitler bin ich berufen, die Staatsgeschäfte im Freistaat Anhalt zusammen mit Herrn Staats- Kninister Dr. Knorr zu leiten. Ich bin mit allen Fasern meines Herzens Nationalsozialist und werde meinem Führer Adolf Hitler die Treue halten.
Nationalsozialist sein, heißt nicht, eine Parteiherrschaft errichten, ein marxistisches System des Parteibuchs fortzusetzen, sondern Nationalsozialist sein, heißt: Deutsch fühlen, deutsch denken und
deutsch handeln. Wir Nationalsozialisten erwarten nicht, daß die Beamten der NSDAP. betreten, für uns Nationalsozialisten entscheidet allein die Leistung.
Eine Regierung jedoch, die Bestand haben will, muß im Volke des Staates wurzeln und muß daher von ihren Beamten erwarten, daß sie sich zu den Grundlagen des Deutschtums bekennen. Diese Grundlagen liegen im nationalen, sozialen und christlichen Geist. Es muß von jedem Beamten verlangt werden, daß er in unverbrüchlicher Treue zu seiner Heimat, zu seinem deutschen Vaterlande steht. Diese Treue wird sich zeigen in den Opfern, die man bereit ist, für sein Volk und Vaterland zu bringen. Wir wissen, daß der Weg unseres Landes Anhalt, unseres deutschen Vaterlandes zu neuer Blüte und Wohlstand ein Opfergang ist und auf diesem Wege haben alle die, welchen eine führende Stelle im Staat anvertraut ist, voranzugehen.
Zur Mitarbeit in diesem Sinne rufe ich Sie auf »nd bitte unseren Herrgott um seinen Segen, damit das schwere Werk des Wiederaufbaus unseres Landes Anhalt und unseres deutschen Vaterlandes aelingen möge.
Gott schütze unser Land Anhalt, es lebe unser deutsches Vaterland!"
Hierauf ergriff Herr Staatsminister Dr. Knorr das Wort, um auch seinerseits die Angehörigen des Statsministeriums zu begrüßen und sie zu Pflichteifriger Mitarbeit an der Neugestaltung der Dinge aufzurufen.
Im Namen der Beamten und Angestellten versicherte Herr Staatsminister a. D. Müller beiden Ministern, daß es ihnen eine Selbstverständlichkeit sei, an der Lösung der Aufgaben, die sich beide Minister gestellt hätten, zum Wohl des Landes und des Vaterlandes mitzuarbeiten.
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Straßenkundgebungen in Wuppertal.
Wuppertal, 26. Mai. Infolge der Kürzung der Unterstützungssätze kam es am Donnerstag mittag mehrfach zu Straßenkundgebungen an verschiedenen Zahlstellen des Wuppertaler Wohlfahrtsamtes. Etwa 300 Personen drangen in das Barmer Rad- haus ein, doch konnte die Polizei das Gebäude bald wieder säubern. Am Elberselder Wohlfahrtsamt wurden mehrere Fensterscheiben eingeschlagen-
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Hamburg, 26. Mai. Gestern abend gegen 23.15 Uhr griffen kommunistische Staffeln das Verkehrslokal der Uhlenhorster Nationalsozialisten an und versuchten, in das Lokal einzudringen. Der Angriff wurde zurückgewiesen. Die Scheiben völlig zertrümmert.
Der Bericht der zuständigen Partristelle
Das Lokal Deutsches Eck liegt in einer verhältnismäßig ruhigen Straße. Zusammenstöße sind dort bisher nicht vorgekommen.
Gestern abend wurde trotzdem, da die KPD. im ganzen Stadtgebiet schwere Uebersälle ausführte, ein besonderer Wachdienst eingerichtet. Gegen 23 Uhr wurden die Wachen eingezogen und nur vor der Tür ein Posten belassen. Dieser Posten meldete dann nach wenigen Minuten das Anrücken größerer kommunistischer Trupps, die das Lokal anscheinend in die Zange nehmen wollten. Das Lokal selbst wurde von Frauen und älteren Gästen geräumt. Kaum war diese Vorsichtsmaßregel durchgeführt, als auch schon ein Steinhagel durch die verschiedenen Fenster prasselte. Einige Schüsse wurden auch in das Lokal abgefeuert. Kleinere Trupps, die einzudringen versuchten, wurden durch energische Gegenwehr an ihrem Vorhaben gehindert und zogen sich zurück.
Erst als diese Haufen das Schußfeld freigaben, erfolgte aus 40 bis 50 Meter Entfernung ein Feuerhagel, von dem jeder Mensch, der aus den Gedanken gekommen wäre, das Lokal zu verlassen, durchsiebt worden wäre. Sekundenlang dröhnte die stille Straße von' dem Geknatter der Pistolenschüsse wider. Aus Haustüren, aus Gärten und hinter Bäumen hervor zuckte Schuß aus Schuß. Nur dem taktisch richtigen Verhalten der Angegriffenen ist es zu verdanken, daß nicht mehrere Tote aus der Strecke geblieben sind.
Auf Grund einer heute morgen durchgeführten Untersuchung der Umgebung des Lokals konnte festgestellt werden, daß mindestens 40 bis 50 Schutz abgegeben worden sind. Patronenhülsen wurden mehr als 30 gefunden und zwar Kaliber 6,33 und 7,35. Da auch Patronen gefunden wurden, konnte weiter festgestellt werden, daß die Kommunisten mit Dum-Dum-Gcschossen gefeuert haben. Die Spitzen der Kugeln sind mit einer Feile abgeplattet worden.
Die Polizei benahm sich, wie meistens in diesen Fälle». Während der Schießerei und während des Augrisss war keine Tschakospitze zu sehen. Nachdem alles vorüber war und empörte Anwohner der umliegenden Straßenzüge bereits die Straße füllten, erschienen mehrere Beamte und machten die üblichen Feststellungen. Zwei der Polizisten wußten der staunenden Menge sogar zu berichten, daß sie die Hausen hätten lausen sehen und beinahe umgerannt worden seien. Außerdem wurde von der Polizei ei« Bericht herausgegeben.
Bemerkenswert ist weiter auch, daß die Beamten — nach eigenen Aussagen — nicht im geringsten darüber orientiert waren,, daß kommunistische Haufen in der Stadt herumtobten und darum ein verschärfter Wachdienst wohl angebracht sei.
Die Polizei macht es kurz:
In letzter Nacht, kurz nach 23 Uhr, wurden die Scheiben eines in der Arndtstraße belegenen Verkehrslokals der NSDAP. von durch die Flucht entkommenen Personen eingeworfen bzw. durch Schüsse zertrümmert. Personen sind nicht verletzt. Mitteilungen, die zur Festnahme der Täter führen können, nehmen die Polizeiwachen, Kriminalreviere und die Kriminalpolizei Stadthaus entgegen.
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Dsisus Lekwisnigksilvn im Ksdinett
Berlin, 27. Mai. Staatssekretär Dr. Meißner ist heute vormittag aus Neudeck nach Berlin zurückgekehrt, nachdem er den Reichspräsidenten über die Grundzüge der neuen Notverordnung eingehend unterrichtet hat. Irgendwelche Beschlüsse sind nicht gefaßt worden. Der Reichspräsident selbst wird im Laufe des Sonnabend nach Berlin abreisen und voraussichtlich am Sonntag vormittag den Reichskanzler zu einer eingehenden Aussprache sowohl über die Notverordnung wie auch über die Erweiterung bzw. Umbildung des Reichskabinetts empfangen.
Staatssekretär Dr. Meißner hat sofort nach seiner Rückkehr aus Neudeck dem Reichskanzler Brüning über seine Besprechungen mit dem Reichspräsidenten eingehend Bericht erstattet. Allen Anzeichen nach scheint es sich zu bestätigen, daß
das Reichsoberhaupt gegen die Notverordnung erhebliche Bedenken geltend gemacht, ja sie in der vorliegenden Form abgelehnt hat.
Bon amtlicher Seite wird kleinlaut zugegeben, daß das Notverordnungswerk in, Minen Punkten
noch Aenderungen (!!) erfahren dürfte. Eilfertig fügt man hinzu, daß derartige Aenderungen auf irgendwelche Schwierigkeiten innerhalb des Kabinetts nicht stoßen würden (!!). Dabei Pfeifen es die Spatzen von den Dächern, daß bereits seit Tag und Stunde erhebliche Differenzen wegen der neuen Notverordnung vorhanden sind. Die ablehnende Haltung Hindenburgs wird ganz gewiß nicht dazu beitragen, diese Differenzen zu überbrücken, sondern dürste sie eher noch weiter verschärfen, so daß die Situation für Herrn Brüning immer hoffnungsloser wird. Vor allem dürfte es Herrn Brüning nicht gelingen, die Pcrsonenfrage einfach durch Hereinnähme einiger neuer Minister, die zudem nicht aufzutreiben sind, zu lösen. Auch in diesen Fragen scheint Hindenburg sein Einverständnis nicht ohne weiteres geben zu wollen, sondern auf eine totale Lösung zu drängen, die einzig und allein darin besteht, daß die Verhältnisse im Reich denen in Preußen angeglichen werden. Die Entscheidungen auch über diese personellen Fragen find erst nach dem Vortrag zu erwarten, den der Reichskanzler am Sonntag dem Reichspräsidenten von Hindenburg nach dessen Rückkehr nach Berlin erstatten M. ' ^ i
osstsi'i'siokisOks
Husi'seknills
Nekrolog auf die Heimwchren. — Christlich^ soziale Lektion für das „katholische" Zeitt
trum. — Dollfuß — ein Zwischenspiel.
Der Gründer, frühere Führer und bis-« herige Ehrenvorsitzende der Heimwehren^ Dr. Pfrimer, hat öffentlich und in der schärfe sten Form die gegenwärtige Führung den Heimwehren in bezug auf ihre Taktik, Me- thodik und Kursrichtung verurteilt und sich. ohne Einschränkung von den Kreisen um Starhemberg losgesagt. Andere Führer ha-? ben den gleichen Schritt getan. Damit ist ein in der letzten Zeit immer offensichtlicher zu Tage getretener Gegensatz zwischen den steierischen Heimatwehren und dem übrigen Heimwehrverband akut geworden.
Dr. Pfrimer erklärt sehr richtig, daß den Sinn der Heimwehren in einem bedingungs- losen Kampf gegen das System bestand^ daß in diesem Kampf alle Kompromisse mit und für das System oder die Systemträger der Anfang zum Ende gewesen seien.
Ihm gegenüber steht der „Kompromißler" Starhemberg, der zwar im Augenblick noch die formale Kommandogewalt in den Händen hat, dem aber andererseits die Unterführer davonlaufen. Die Heimwehren im ganzen gesehen, haben in den letzten Jahren eine Halbpartpolitik betrieben, die ihnen nunmehr den Rest gegeben hat. Denn mit dem Austritt Pfrimers aus dem Heimwehrlager sind diese als politische Wehrorgani-. sation erledigt.
Die nationalsozialistiEbe Partei — das ist die letzte Konsequenz^oie wir heute ziehen können — hat also recht behalten. Ihre schon vor vielen Jahren eingenommene Haltung hat sich nunmehr im historischen Sinne bestätigt. Es hat sich gezeigt, daß die Heimwehren — als negative „antimarxistische" Kampsorganisation — an ihrer eigenen Ziel- und Programmlosigkeit zugrunde gegangen sind und daß sie schon vor Jahrei: nichts weiter waren, als ein aufgeschwemmtes politisch sein wollendes Monstrum, das sich bei jedem Schritt selbst im Wege stand.
Als kürzlich in Graz der berüchtigte „Sexualforscher" Magnus Hirschseld auftrat, schrieb die christlichsoziale „Reichspost" in ihrer Nr. 132, daß die „auf Sauberkeit bedachte Jugend remonstriert" habe. Tatsache war, daß die Nationalsozialisten gegen das Auftreten Hirschfelds so schneidig Protest einlegten, daß es diesem nicht möglich war, seinen konzentrierten pseudowissenschaftlichen Schmutz los zu werden. Es ist nun interessant zu beobachten, wie im Reich das angeblich katholische Zentrum sich hinter die Hirschfelds stellt und von „nationalsozialistischen Anpöbeleien" redet, während hiev die ebenfalls katholische christlichsoziale Partei von der „aus Sauberkeit bedachten Jugend" spricht.
Nach der Wahl vom 24. April gab es — bei ehrlichen Politikern — nur die Möglichkeit einer sofortigen Nationalratsauflö- sung. Eine bürgerliche Minderheitsregierung konnte keinen Bestand haben. Ein „anti- marxistisches Konzentrationskabinett" scheiterte an den Großdeutschen, die den negativen Antimarxismus der Christlichsozialen als leere Geste betrachten, obwohl der ihrige a uch nickt ehrlicher gemeint nnd wirksamer