Ausgabe 
(26.5.1932) Nr. 109
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Unsers Parole:

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Derlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr.Fernsprecher Domsheide 25878.

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Nachdem der Abg. Pg. Freister die Zustände In der Preußischen Rechtspflege gegeißelt hat, er­hält die KPD. das Wort.

Abg. Pieck (Komm.) wendet sich gegen die deutschen Richter. Nationalsozialistische Mörder hätten nur sieben Jahre Zuchthaus bekommen, die Kommunisten aber wegen politischer Tätigkeit in der Reichswehr zehn Jahre Zuchthaus. (Zurufe bei den Nationalsozialisten: Noch nicht genug! Erregte Zurufe der Kommunisten.) Abg. Pieck (Komm.) ruft den Nationalsozialisten zu:

In Ihren Reihen sitzt eine ungeheure Zahl von Mördern.

Daraus erhebt sich bei den Nationalsozialisten Ungeheurer Lärm. Nationalsozialistische Abgeord­nete drängen nach vorn. Die Kommunisten stürmen hieraus aus die Rednertribüne und umgeben ihren Redner. Sie stoßen wilde Drohungen gegen die Nationalsozialisten aus und überschütten sie mit Beleidigungen.

Als der Abg. Hinklcr (Nat.-Soz.) die Treppe zur Rednertribüne betritt, wird er von einem kommunistischen Abgeordneten ins Gesicht geschla­gen. Im gleichen Augenblick stiegt ein Tintenfaß in die nationalsozialistischen Reihe». Hieraus setzen sich die Nationalsozialisten zur Wehr. Stühle und Tischkästen werden als Massen und Wurfgeschosse benutzt. Die Lampen der Stenographentische wer­den zertrümmert. Im Verlauf der Schlägerei werden die Kommunisten von den National­sozialisten aus dem Saal getrieben. Vizepräsident Baumhoss hatte während der Schlägerei seinen Platz verlassen und damit die Sitzung unterbro­chen. Die nationalsozialistischen Abgeordneten sin­ken das Lied:SA. marschiert!" Die übrigen Abgeordneten verlassen den Saal.

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Der Sitzungssaal des Preußischen Land­tages bot nach der Schlägerei einen wüsten Anblick. Schwere Ledersessel, Tischkästen, zerbrochene Lampen und ein Tohuwabohu von Papier, Abstimmungskarten und was sich sonst in den herausgerissenen Kästen der Arbeitsplätze der Abgeordneten vorgefunden hatte, lag besonders um den kommunistischen Sektor herum aus dem Boden. Man konnte von dem Eingang der Kommunisten auf der linken Seite des Hauses her kaum den Sitzungssaal betreten und mußte erst müh­sam über die Reste des Mobiliars hinweg- klettern.

In den Wandelgängen herrschte eine au­ßerordentlich starke Erregung, die auch das Publikum ergriff, das sich auf den Wandel­gängen des Tribünengeschosses versammelte, wo es beinahe zu einer Fortsetzung der Schlägerei gekommen wäre, wenn die Beam­ten des Hauses nicht eingegriffen hätten. Unten im Saalgeschoß, wo die Abgeordneten beieinanderstanden, und aufgeregt debattier­ten, bemühten sich die Fraktionsführer, ihre Fraktionsgenossen zu Fraktionssitzungen zu- sammenzuberufen. Es wurde inzwischen be-

Berlin, 25. Mai. Die nationalsozialistische Fraktion des Preußischen Landtages gibt zu den Vorgängen in der Mittwoch-Sitzung eine längere Erklärung heraus, in der es u. a. heißt:

Die kommunistische Partei hatte es offenbar, wie das schon die Sitzung am Dienstag unter Litz- mann bewies, aus eine bewußte Provokation der nationalsozialistischen Fraktion abgesehen. Der ehrwürdige 83jährige General wurde mit be­schimpfenden Zurufen wieAlter Trottel", Kriegsschieber",Nazischwein" überschüttet. Da die kommunistische Fraktion mit ihren Anpöbelun- gen nicht zum gewünschten Ziel kam, versuchte sie es auf andere Weise und steigerte ihre Herausfor­derungen derart, daß sie zusammen mit prominen­ten Mitgliedern der SPD. während der Debatte über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Prüfung der preußischen Polizei- und Rechts­pflege-Methoden ein hervorragendes Mitglied der nationalsozialistischen Fraktion, den Oberleutnant Schulz, als Mörder bezeichnete, ohne daß der amtierende Präsident Baumhofs (Zentrum) wohl infolge Unkenntnis der Namen der betreffenden Abgeordneten einschreiten konnte. Der Kommunist Pieck verstieg sich in seinen Beleidigungen so weit, daß er die nationalsozialistische Bewegung als Mörderpartei" hinstellte.

Es folgt dann eine Darstellung der bekannten Vorgänge, wobei hervorgehoben wird, daß Mit­glieder der sozialdemokratischcn Fraktion den

kannt, daß bei der Schlacht vor allem einige kommunistische und sozialdemokratische Ab­geordnete nicht unerheblich verletzt worden sind. Der Geschäftsführer der sozialdcmokra- tischen Fraktion, Abg. Jürgensen, mußte be­wußtlos aus dem Sitzungssaals getragen werden. Die kommunistischen Abgeordneten Krämer-Oberschöneweide, Kuntz und Golke sind gleichfalls verletzt. Hauptsächlich gab es Kopfwunden. Eine leichtere Verletzung erlitt der nationalsozialistische Abgeordnete Wehner-Ostpreußen.

Die zweite Sitzung des neuen Preußischen Land­tages wird vom Alterspräsidenten Litzmann wie­derum bei vollbesetztem Hause und starkem An­drang auf den Tribünen um 2,15 Uhr eröffnet. Zu beiden Seiten des Alterspräsidenten haben die Beisitzer Platz genommen. Die^Regierungsbank ist auch bei der zweiten Sitzung wieder leer.

Alterspräsident Litzmann erklärt: Aus der Presse habe ich erfahren, daß in der Eröffnungssitzung des Landtages von der linken Seite des Hauses während meiner Eröffnungsansprache schwere Be­leidigungen ausgestoßen worden sind. Ich habe

Kommunisten tätlichen Beistand geleistet hätten.

Wir haben", so führt die Erklärung fort, durch unser diszipliniertes Auftreten in der Dienstag- und Mittwoch-Sitzung bewiesen, daß wir den preußischen Landtag arbeitsfähig erhalten wollen. Wir hätten uns auch nur mit parlamen­tarischen Mitteln dagegen zur Wehr gesetzt, daß unserer Partei vorgeworfen wurde, es säßen in unseren Reihen eine ungeheure Anzahl von Mör­dern und sie sei eine Mürderpartei. Als man aber unseren Fraktionsgeschäftsführer Hinkler ohne jeden Anlaß mitten ins Gesicht schlug, als die Fraktion von den kommunistischen Raufbolden mit Wurfgeschossen aller Art bombardiert wurde, da blieb uns nichts anderes übrig, zumal der amtie­rende Vizepräsident die Sitzung bereits aufgehoben hatte, als zu dem auch strafrechtlich anerkannten und erlaubten Mittel der Notwehr gegen den organisierten schweren Landsriedcnsbruch der marxistischen Fraktionen zu greifen.

Die NSDAP. ist, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, entschlossen, nur mit gesetz­mäßigen Mitteln die Macht und die Verantwor­tung an sich zu nehmen. Wo man ihr aber aus diesem Wege Gesetzlosigkeit und Gewalt entgegen­setzt, da ist sie ebenso entschlossen und bereit, wie in ihren Vcrsammlungssälcn und aus der Straße, so auch im Parlament, unter der Inanspruch­nahme der gesetzlich zulässigen Notwehr die Gesetz­mäßigkeit ihres Handelns sicherzustellen.

Die Verletzten der NS.-Landtagssraktion

Berlin, 25. Mai. Von nationalsozialistischer Seite wird mitgeteilt, daß vier Mitglieder der nationalsozialistischen Landtagsfraktion bei der Schlägerei verletzt worden seien. Der Fraktions­führer Hinkler sei am linken Ohr verletzt worden, der Abgeordnete Wehner (Ostpreußen) habe durch einen Wurf mit einem schweren Stuhl eine Ver­letzung im Rückgrat davongetragen, während der Abg. Daluege einen Messerstich bekommen habe. Schließlich sei noch der Abg. Kunze verletzt worden.

sie nicht verstanden. (Zurufe und Lachen links.) Soweit die Beleidigungen mich persönlich an­gehen, ist es ausschließlich meine Sache, wie ich damit verfahren will. Ich kann mich aus den Standpunkt stellen, daß ich von den Zurusern überhaupt nicht beleidigt werden kann. (Stürmi­sche Bravo-Rufe und Händeklatschen bei den Na­tionalsozialisten. Die Kommunisten bringen ein dreifaches Nieder gegen den Alterspräsidenten aus.)

Wenn die Beleidigungen aber gegen andere Persönlichkeiten gerichtet sind. io kann ich dazu

Kommunisten slünmvn in ttemdung

Hamburg, 25. Mai. Am Mittwochabend kam es aus dem Jungfernstieg zu schweren Ausschreitungen Erwerbsloser und kommu­nistischer Elemente. Ein Zug von mehreren tausend Personen zog unter fortwährenden Hunger"-Rufen durch die genannte Straße, Vor dem Alsterpavillon ergriffen die Do-. monstranten Stühle und Tische und schleus derten sie gegen die großen Spiegelscheiben des gutbesuchten Lokals. Um die Menschen­mengen am Eindringen zu verhindern, nah­men vier Polizeibeamte mit gezogenen Reo volvern an den Eingängen Aufstellung, bis drei Hilfsbereitschaften zur Stelle waren- Die Straßen wurden daraus mit dem Gum- miknüppel geräumt. Die Polizei nahm etwck zwanzig Verhaftungen vor.

In den Großen Bleichen wurde ein Po-, lizeibeamter von der Menge umzingelt. Ep gab in der Notwehr einen Schuß ab, durch den jedoch niemand verletzt wurde. Der Alsterpavillon wurde vorübergehend ge-r schlössen. Auch die am Jungsernstieg ge­legenen zahlreichen Geschäfte machten zu, da Plünderungen befürchtet "wurden. Ditz Fensterscheiben zweier Läden wurden eben-- falls eingeschlagen. Mehrere den Jungfern-, stieg passierende elegante Privatautomobils wurden von der erregten Menge angehalten und umgekippt, nachdem die Insassen die; Wagen verlassen hatten. Feuerwehr richtete die beschädigten Wagen wieder auf.

Ein zweiter Ueberfall in Hamburg NS.-Lokal von Kommune beschossen

In der Mittwochnacht rotteten sich gegen 1211hl ungefähr 150 Kommunisten und Reichsbanner­leute zusammen, um ein NS.-Lokal im Eppen» dorferweg zu stürmen. Bevor überhaupt die Polizei benachrichtigt werden konnte, krachten mehrere Feuersalven, die teilweise die Fenster durchschlugen und in den Wänden steckenblieben.

Die Polizei hat natürlich keinen der Täter dingfest machen können.

nicht schweigen. Wenn z. B- gerufen wirdNie­der mit den kaiserlichen Generälen", so wird da­von auch betroffen der Generalseldmarschall von Hindenburg. (Zurufe und Lachen bei den Kom­munisten.) Wenn ich wüßte, wer diesen Ausdruck gebracht hat, würde ich entsprechende Maßnahmen dagegen getroffen haben. (Zuruf bei den Kom­munisten: Die ganze Fraktion!) Das spricht nicht für Ihre Fraktion. (Erneutes Lachen bei deck Kommunisten.)

Das Haus wendet sich dann der Wahl des Prä­sidenten zu. Hierzu erklärt zunächst Abg. Lohsq (Nat.-Soz.) die Bereitwilligkeit seiner Fraktion, sich den bisherigen parlamentarischen Gepflogen­heiten anzuschließen. Als größte Fraktion, so be­tonte er, stellen wir den Antrag, den Abgeordne­ten Kerrl (Nat.-Soz.) zum Präsidenten zu wählen^ Von dem Verhalten der übrigen Fraktionen beb

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