Ausgabe 
(17.5.1932) Nr. 101
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile RM 0.10 Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70,

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Tokio, 16. Mai« Am Pfingstsonntag wur­den in Tokio eine Reihe aufsehenerregender revolutionärer Anschläge verübt, denen n. a. der japanische Ministerpräsident Jnukai ;um Opfer gefallen ist« Sieben als Ma­rine- und Armeeofsizier verkleidete Revo­lutionäre drangen in- die Wohnung des Ministerpräsidenten ein und feuerten meh­rere Schüsse aus ihn ab« Jnukai wurde schwer verwundet« Matt brachte den 7Kjäh- rigen Ministerpräsidenten sofort ins Kran­kenhaus, wo er trotz einer Blutübertragung wenige Stunden später am Montag, um V.V4 Uhr, gestorben ist. > >

. Gleichzeitig mit dem Anschlag auf Jnukai wurden Anschläge auf die Bank von Japan, auf die Polizeizentrale, auf die Zentrale der Seiyakei-Partei, auf die Mitsu-Bifhi- Bank und auf die Wohnungen des Außen­ministers Joschisawa, des Admirals Suzuki, des Obersten Zeremonienmeisters Graf Hagafhi und des Großsiegelbewahrers Gras Matino verübt.

Nach dem Anschlag auf den Ministerpräsi­denten stellten sich achtzehn junge Leute freiwillig der Polizei. Es handelt sich um sünf Marineoffiziere, mehrere Armeeoffi- Aiere und Kadetten. Sie gehören sämtlich L>er Gesellschaft der Schwarzen Drachen an, wie auch dieTodeshand" genannt wird. Die Mitglieder dieser Vereinigung kämpfen ze­igen die neue Ordnung. Sie waren insbe­sondere mit der Politik der japanischen Re­gierung in der Mandschurei und in Schang­hai nicht einverstanden. Gleichzeitig mit den Anschlägen wurden überall in der Stadt Flugblätter verbreitet mit Aufschriften wie: Nieder mit den untreuen Elementen", Lang lebe der Kaiser",Beendet die Kor­ruption der Politiker",Nieder mit der Oligarchie der Finanzleute".

Bei den verschiedenen Anschlägen und Bombenwürfen wurde ein Polizist getötet, 7 Polizisten, 16 Offiziere und drei Zivi­listen verwundet. Der Kaiser hat den Finauzminister Takahashi zum stellvertre­tenden Ministerpräsidenten ernannt-

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Dynamik im Elektrizitätswerk.

, Tokio, 16. Mai. Der Politischen Polizei ist es tzelungen, noch rechtzeitig einen weiteren Anschlag ^aufzudecken. Unter den Transformatoren im Elek­trizitätswerk wurde Dynamit gesunden, Die

Atentäter wollten allem Anschein nach das Werk in die Luft sprengen, um die Lichtversorgung zu unterbinden.

Der japanische Kaiser hat der Familie des er­mordeten Ministerpräsidenten sein Beileid ausge-

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Tokio, 16. Mai. Nachdem der schwer verletzte Ministerpräsident Jnukai ins Krankenhaus ge­bracht worden war, ordnete er an, daß an seinem Bett eine Kabinettssitzung stattfinden sollte. Die Minister fanden sich auch sofort ein, doch konnte Jnukai an den Beratungen nicht mehr teilnehmen, da er während der ganzen Zeit, mit kurzen Un­terbrechungen, besinnungslos war. Das Parlament ist zu einer Sondersitzung einberufen worden. Man erwartet, daß das bisherige Kabinett der Ueber­lieferung entsprechend, noch am Montag zurück­treten wird.

Ueber den Anschlag auf Jnukai teilte die Schwiegertochter des Ministerpräsidenten folgende Einzelheiten mit: Sie befand sich außerhalb des Hauses, als die Attentäter eindrangen. Versuche von einigen Polizisten, sie aufzuhalten, waren ver­gebens. Jnukai befand sich mit einem anderen Minister in seinem Zimmer. Die Schwiegertochter eilte zu ihm und bat ihn, zu fliehen. Er weigerte sich jedoch und trat den Eindringlingen entgegen, wobei er ihnen zurief:

Schießt nicht auf mich, ich werde Eure Forderungen anhören. Ihr dürst es nicht wagen, aus mich zu schießen!"

Der Führer der Eingedrungenen ließ sich jedoch auf Unterhandlungen nicht ein, sondern befahl, Feuer zu geben. Von mehreren Kugeln getroffen, sank Jnukai zusammen. Die Attentäter flüchteten darauf. Wie noch bekannt wird, trägt Jnukai seit einigen Monaten eine stählerne Weste, um sich gegen Anschläge zu schützen. Infolgedessen zielten die Attentäter auch in erster Linie auf den Kopf des Präsidenten.

Wie weiter bekannt wird, ist der bei den An­schlägen verwundete Offizier Nishida inzwischen gestorben. Er galt als ein Verräter der Sache der schwarzen Drachen. Er war ein Schüler Jnouyc', der in Verbindung mit einem früheren Anschlag auf einen Minister im Gefängnis saß.

sprachen. Gleichzeitig übermittelte das diploma­tische Korps der japanischen Regierung Beileids­kundgebungen. In ausländischen diplomatischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Jnukai ein Anhänger des Verständigungsgedankens gewesen sei.

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London, 16. Mai. Das japanische Kabinett hat im Laufe des Montag dem Kaiser von Ja­pan sein Rücktrittsgesuch überreicht. Dieser hat sich jedoch geweigert es anzunehmen und den stellvertretenden Ministerpräsidenten Takahashi be­auftragt, die Geschäfte vorläufig weiterzuführen. DieAelteren Staatsleute" sind zu einer Sitzung zum Kaiser einberufen worden, der mit dem Kriegsminister Besprechungen hat, ob es ratsam sei, das Standrecht zu verhängen. Der Armeerat hat beschlossen, den Generalleutnant Masaki zum Kriegsminister zu machen, ganz gleich, ob das Ka­binett dem Rücktritt des jetzigen Kriegsministers Araki zustimmt oder nicht. Auch aus Araki war ein Anschlag geplant. Der bewaffnete Attentäter war in seine Wohnung kurz nach Mitternacht ein­gedrungen. Araki war jedoch schon zur Kabinetts­sitzung fortgegangen.

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Koblenz, 16. Mai. Am zweiten Pfingstfeiertag nachmittags ereignete sich an der unteren Mosel eine schwere Wolkenbruchkatastrophe, die unermeß­lichen Schaden anrichtete. Nach den ersten Nach­richten aus dem betroffenen Gebiet ergoß sich der Wolkenbrnch über den Winninger Berg so stark, daß die Felder und Bcrghänge abgespült und die gesamte Aussaat vernichtet wurde. Die Wasser­massen durchfurchten die Felder in einer Tiefe, daß man glaubte, Schützengräben vor sich zu ha­ben. Insbesondere in der Gemeinde Güls ist der Schaden unermeßlich. Dort drangen Schlamm- und Geröllmassen meterhoch in die Straßen ein und brachten zahlreiche Häuser zum Einsturz. Viel Vieh, insbesondere Schweine und Kleinvieh, ist in den Geröll- und Schlammassen umgekommen.

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Der Kampf der NSDAP. um Arbeit und Brot.

Von Werner Daitz

Mitglied des Reichswirtschaftsrats der NSDAP.

Der in meinem vorigen Artikel angekün« digte doppelte Vorstoß der Reichstagsfrabi tion der NSDAP. gegen das Kabinett Brü-i ning hat inzwischen auf der ganzen Linie zum Erfolg geführt. Die Fronten sind heute vollständig geklärt.

Zunächst hat der Reichswehrminister Grö-t ner unserem Frontal-Angriff weichen müs­sen. Damit ist dem Kabinett Brüning dies stärkste Stütze, die in der Verbindung von! Reichswehr- und Reichsinnenministerium lag und die stärker als der Reichskanzler selber schien, genommen worden lübrigens ein unhaltbarer, aber gerade deshalb ein typisch neudeutscher Zustand: der Mann, den der Reichspräsident und die Armee als ungeeig- net für den Posten eines Reichswehrmi-- nisters, fein eigentliches Metier, fallen lassen, wird von Herrn Brüning im Ka­binett als Innenminister weiterbeschäftigt!) Das erneut geschwächte Kabinett mit dem weiter zusammengeschmolzenen Häuflein vor Ministern, das sich nun ängstlich, um Herr« Brüning schart, wird jetzt der vollen Wuchs des zweiten Teils unseres Angriffs ausge­setzt sein. Dieser wird nicht lange auf silf warten lassen.

Auch hierfür haben wir das Vorfeld inso­fern gesäubert, als Herr Brüuing unser Ar­beitsbeschaffungsprogramm in seiner Finan- zierungs-Methode, wie wir erwartet haben, als unmöglich abgelehnt hat. Er hat sich damit in Gegensatz zu der gesamten arbeits­willigen und arbeitslustigen Bevölkern,tg

Deutschlands gestellt.

Sogar die Sozialdemokratie hält, wie au? demHamburger Echo" vorn 12. Mai 1933 hervorgeht, die Durchführung einer groß­zügigen Arbeitsbeschaffung mit Hilfe einer inländischen Anleihe nicht für möglich, son­dern erwartet für ein wirksames Arbeits- beschaffungs-Programm nach wie vor die Unterstützung durch eine ausländische An­leihe, die sie von Frankreich zu bekommen hofft. Daß der Preis für diese Anleihe stets die Fortsetzung der Reparationszah­lungen fein muß, fei nur nebenbei er-

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