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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile RM 0.10 Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts NM 0.12, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70,
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Die gestrige Reichstagssitzung stand im Zeichen zweier großer nationalsozialistischer Reden, in denen Pg. Gregor Straffer das Arbeitsbeschassungsprogramm der NS- DAP. entwickelte und Pg. Gör in g mit der Neichsregierung und dem SA.-Verbot abrechnete. Die Ausführungen Gregor Straf- sers hinterließen durch ihre unwiderlegliche Stichhaltigkeit einen so tiefen Eindruck, daß heute auch der Systempresse nichts anderes übrigbleibt, als die Richtigkeit unserer Ge- dankengänge anzuerkennen.
Als im späteren Verlaufe der Sitzung Pg. Göring das Wort ergriff, begannen SPD. und KPD. wieder einmal zu toben und auch die Mittelparteien taten entrüstet, als Göring z. B. darauf hinwies, daß das Verbot der SA. zur moralischen Abrüstung des Frciheitswillens in Deutschland beitrüge. Trotz der Schärfe seiner Ausführungen unterstrich auch Göring zum Schluß die Bereitschaft der NSDAP. mit den Parteien zusammenzuarbeiten, die bereit sind, einen grundsätzlichen Systemwechsel herbeizuführen. Da auch diese Rede einen starken Eindruck hinterließ, glaubte man bei den Systemparteien, daß nunmehr Reichskanzler Brüning das Wort ergreifen würde, um von seinem Ansehen zu retten, was noch zu retten ist. Statt dessen überließ er diese Aufgabe dem Reichsinnenminister Groener,
- dessen Ausführungen das
„hilfloseste Gestammel war, das jemals ein Minister vor dem Reichstage vorgetragen hat".
Das behaupten nicht etwa wir, denn dafür würden wir mindestens vier Wochen verboten, sondern diesen Satz schreibt der Ber- lsner Vertreter der Bremer Nachrichten und auch die Weser-Zeitung stellt fest, daß Groener nicht in der Lage war, feine Rede frei zu halten, und daß seine Ausführungen im ganzen Hause lautes Gelächter hervorriefen. Der Reichskanzler sei immer nervöser geworden und die anderen Mitglieder des Kabinetts hätten verzweifelt in den Tumult hineingesehen. Im ganzen Hause habe sich ein allgemeines Bedauern niit dem Reichsminister Groener verbreitet, der hier zweifellos seinen Schwanengesang gehalten habe und selbst die Wilhelmstraße gibt noch spät abends bekannt, daß zunächst Folgerungen aus dieser Katastrophe nicht gezogen werden sollen, aber man gebe immerhin zu, daß der Reichsinnenminister vollständig verunglückt sei.
Gregor Strasser nutzte die Gelegenheit aus und stellte sofort den Antrag, die Rede .Groeners auf Schallvlattcn durch Rund
funk verbreiten zu lassen und er beantragte weiterhin, die Sitzung zu unterbrechen, damit die Regierung Gelegenheit habe, nachzuprüfen, ob Groener noch weiter die öffentliche Sicherheit gewährleiste und die Armee in Deutschland führen könne. Die in diesen Forderungen zum Ausdruck kommende vernichtende Kritik des ganzen Kabinetts brachte einen neuen Entrüstungssturm, Strasser wurde von der Sitzung ausgeschlossen, blieb aber i)n Saal, die Sitzung flog auf, der Aeltesten-Ausschuß trat zusammen und mußte den Ausschluß des Pg. Strasser zurücknehmen.
Dem System blieb am gestrigen Tage nichts erspart, und wären wir wirklich so bösartige Menschen, wie man uns immer darstellt, wir würden uns schütteln vor Lachen. So aber bringen wir einiges Mitleid mit Herrn Groener auf und hoffen, daß man diesem Mann weitere Blamagen für alle Zukunft erspart. Er hat den Ruhestand vollauf verdient.
Zu all dem Unglück, das gestern über das Reichskabinett hereingebrochen ist, kommen
Berlin, 11. Mai. In der gestrigen Reichstags- fitzung sprach als erster nationalsozialistischer Redner Pg. Gregor Strasser. Er führte aus: Abg. Strasser (Nat.-Soz.) führte aus, die Reichsregierung beschränke ihre ganze Politik aus den Kampf gegen die nationalsozialistische Bewegung. Die gesamte Propaganda der Neichsregierung in den letzten Wahlkämpfen richtete sich darauf, die Nationalsozialisten vor dem Volke und vor dem Auslande zu infamieren.
Die Behauptung der Regierungsparteien, daß der Sieg der Nationalsozialisten automatisch den Bürgerkrieg zur Folge haben werde, sei vom staatspolitischen Standpunkte aus um so gefährlicher, als wohl niemand im Hause mehr daran zweifle, daß die Lösung der großdeutschcn Frage niemals gegen und ohne die Nationalsozialisten durchgeführt werden könne.
Wenn man heute sagt, der Aufstieg der Nationalsozialisten sei lediglich die Folge der großen Unzufriedenheit im Volke, so muß man fragen: Woher kommt die Unzufriedenheit? Sie ist die Schuld der Regierung und der Regierungsparteien. (Sehr wahr bei den Nat.-Soz.) Der Aufstieg ist in erster Linie
der Protest des Volke gegen einen Staat der das Recht auf Arbeit und die Wiederherstellung des Nationalgefühls behindert.
Die große antikapitalistische Sehnsucht, die durch
noch weitere Sorgen. So hat die Wirtschaftspartei, die sonst der marxistischen Wirtschaftspolitik der Neichsregierung treue Gefolgschaft geleistet hat,Mißtrauensanträge gegen Schiele und Schöningen eingebracht und die Nationalsozialisten haben mit ihrem Antrag, auch die sozialdemokratischen Gottlosenverbände zu verbieten, das Zentrum in eine böse Klemme gebracht, während die Deutschnationalen gleichfalls einen Antrag auf Verbot des Reichsbanners gestellt haben, dessen Annahme nicht ganz ausgeschlossen erscheint. So steuert das Reichskabinett in einen bösen Strudel und man kann mit Sicherheit darauf rechnen, daß Reichskanzler Brüning heute seine ganze Kraft und rhetorische Begabung in den Dienst der Sache stellen wird, um noch zu retten, was zu retten ist. Aber wenn es selbst Dr. Brüning gelingen sollte, diese Reichstagssitzung zu überstehen, so sind seine Tage gezählt, denn er brauchte für fein Weiterbestehen unbedingt einen starken innenpolitischen Erfolg, der schon jetzt endgültig zum Teufel ist.
Wir Nationalsozialisten stehen diesem zusammenbrechenden Kabinett mit aller Ruhe und Gelasseüheit gegenüber. Wir werden eingreifen und handeln, wenn die Zeit uns als gegeben erscheint. —art.
unser Volk geht, ist der Prozeß gegen eine entartete Wirtschaft. Man fordert vom Staat, daß mit diesem materialistischen Denken gebrochen und für ehrlich geleistete Arbeit ein ehrliches Auskommen gewährleistet wird.
Wie es um die Leistungen des zusammenbrechenden Systems bestellt ist, zeigte mir so recht die Parole der SPD. vom 1. Mai. Nach 70 Jahren einer unerhörten Machtstellung, in denen Millionen deutscher Arbeiter Ihnen (zu den Sozialdemokra- ten) die Besserung ihres Lebens in Hoffnung anvertraut haben, wissen Sie nichts anderes zu sagen als: Arbeitszeitverkürzung, Völkerfrieden und Klassenhaß. Sie bekennen sich zum Gedanken der Völkerversöhnung, während Deutschland von waf- fenstarrenden Mächten umring ist und Sie stören die Möglichkeit, sich demgegenüber durchzusehen, wenn Sie im eigenen Volt den Klassenhaß zur sinnlos zerstörenden Parole erheben. (Lebhafter Beifall bei den Nat.-Soz.) Auch wir wollen Frieden, Frieden nach außen und Ordnung im Innern. Wer die außenpolitischen Behauptungsmög- lichkeiten Deutschlands zerstört, zerstört damit auch die Lebensfähigkeit des deutschen Arbeitnehmers.
Arbeitszeitverkürzung ist jetzt ihr Allheilmittel. Arbeitszeitverkürzung bedeutet praktisch IKprozentigcn Lohnabbau für Millionen.
Minderung der Kauskraft. Verminderung der
Arbeitsmöglichkeit. Well man den Arbeitsloser keine Arbeit geben kann, möchte man einen Aus» gleich auf dem Wege schassen, auf dem alle ver« hungern. Nicht Kapital schasst Arbeit, sondern umgekehrt Arbeit schafft Kapital. Der Artikel 169 der Reichsverfassung wird einmal dahin zu ändern sein, daß jeder Deutsche das Recht aus Arbeit haben muß.
Wir brauchen eine großzügige Wohnungs- und' Bevölkerungspolitik. Das Wohnproblem ist das größte aller sozialen Probleme. Insbesondere muß durch den Bau von Eigenheimen der Lage des Großstädters Rechnung getragen werden. Wir haben hier jederzeit die Möglichkeit (zu den Soz.)', Ihr Verhalten zu meiner Rede bei den hinter uns stehenden 12 Millionen Deutschen gegebenenfalls als einen Verrat an der Arbeiterschaft zu brandmarken. Die letzten Wahlen sollten Sie doch bescheidener gemacht haben! Es ist nicht damit gedient, daß Sie hier als
Parterre-Akrobaten der Tolerierungspolitik herumlaufen. (Zustimmung und Heiterkeit bei deü Nationalsozialisten.) Wenn wir den deutschen Boden meliorifleren, erhöhen wir den deutscheil Reichtum und brauchen dazu nichts, als die Mobilisierung der deutschen Arbeitskräfte.
Die Urbarmachung brachliegender Flächen würde jährlich für 100 000 Menschen neue Siedlungsmöglichkeiten schaffen. Wir haben von jeher nicht bezweifelt, daß Reichskanzler Brüning mit festem Willen an die Bewältigung der Probleme herangegangen ist. Aber er hat sich dabei mit Parteien verbündet, mit denen man einfach nicht zusammengehen kann. Man hat uns gefragt, wo unsere Köpfe seien. Wir stellen die Gegenfrage:
Wo sind Ihre Köpfe, Herr Reichskanzler?
Was, Herr Reichskanzler, haben Sie mit Ihrem Wirtschaftsführern erreicht? Ist nicht der Ertrag von Generationen zunichte gemacht worden? Regieren, Herr Reichskanzler, kann man nur mit großen Parteien, die weitgehend diszipliniert find und die das Vertrauen der Masten des deutschen Volkes haben. Dieses Vertrauen haben wir uns erworben, indem wir unsere Bewegung aus nichts 'gegen Sie alle aufgebaut haben. Die Erfüllung unserer Aufgabe gebe uns der Herrgott. Das Urteil überlasten wir der Geschichte! (Langanhaltendes Händeklatschen und Heil-Rufe bei den Nationalsozialisten.)
Abg. Hepp (Landvolk) bezeichnet es als einen schweren Fehler, daß man nicht bereits nach den Reichstagswahlen von 1930 die großen politischen Kräfte der Rechten zur Verantwortung mit herangezogen habe. Das Verbot der SA. und SS« der Nationalsozialisten werde von der Landvolkpartei in keiner Weise gebilligt.
Da keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, schließt Präsident Locbe die erste Lesung des Schuldentilgungsgesetzes.
Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) beantragt UeberwM-.
, jung des Gesetzes an den Haushaltausschuß.
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