Ausgabe 
(11.5.1932) Nr. 97
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile RM 0.10 Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts NM 0.12, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70,

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Die gestrige Reichstagssitzung stand im Zeichen zweier großer nationalsozialistischer Reden, in denen Pg. Gregor Straffer das Arbeitsbeschassungsprogramm der NS- DAP. entwickelte und Pg. Gör in g mit der Neichsregierung und dem SA.-Verbot ab­rechnete. Die Ausführungen Gregor Straf- sers hinterließen durch ihre unwiderlegliche Stichhaltigkeit einen so tiefen Eindruck, daß heute auch der Systempresse nichts anderes übrigbleibt, als die Richtigkeit unserer Ge- dankengänge anzuerkennen.

Als im späteren Verlaufe der Sitzung Pg. Göring das Wort ergriff, begannen SPD. und KPD. wieder einmal zu toben und auch die Mittelparteien taten entrüstet, als Gö­ring z. B. darauf hinwies, daß das Verbot der SA. zur moralischen Abrüstung des Frciheitswillens in Deutschland beitrüge. Trotz der Schärfe seiner Ausführungen un­terstrich auch Göring zum Schluß die Be­reitschaft der NSDAP. mit den Parteien zusammenzuarbeiten, die bereit sind, einen grundsätzlichen Systemwechsel herbeizufüh­ren. Da auch diese Rede einen starken Ein­druck hinterließ, glaubte man bei den Sy­stemparteien, daß nunmehr Reichskanzler Brüning das Wort ergreifen würde, um von seinem Ansehen zu retten, was noch zu retten ist. Statt dessen überließ er diese Aufgabe dem Reichsinnenminister Groener,

- dessen Ausführungen das

„hilfloseste Gestammel war, das jemals ein Minister vor dem Reichstage vor­getragen hat".

Das behaupten nicht etwa wir, denn dafür würden wir mindestens vier Wochen ver­boten, sondern diesen Satz schreibt der Ber- lsner Vertreter der Bremer Nachrichten und auch die Weser-Zeitung stellt fest, daß Groe­ner nicht in der Lage war, feine Rede frei zu halten, und daß seine Ausführungen im ganzen Hause lautes Gelächter hervorriefen. Der Reichskanzler sei immer nervöser ge­worden und die anderen Mitglieder des Ka­binetts hätten verzweifelt in den Tumult hineingesehen. Im ganzen Hause habe sich ein allgemeines Bedauern niit dem Reichs­minister Groener verbreitet, der hier zwei­fellos seinen Schwanengesang gehalten habe und selbst die Wilhelmstraße gibt noch spät abends bekannt, daß zunächst Folgerungen aus dieser Katastrophe nicht gezogen werden sollen, aber man gebe immerhin zu, daß der Reichsinnenminister vollständig verun­glückt sei.

Gregor Strasser nutzte die Gelegenheit aus und stellte sofort den Antrag, die Rede .Groeners auf Schallvlattcn durch Rund­

funk verbreiten zu lassen und er beantragte weiterhin, die Sitzung zu unterbrechen, da­mit die Regierung Gelegenheit habe, nach­zuprüfen, ob Groener noch weiter die öffent­liche Sicherheit gewährleiste und die Armee in Deutschland führen könne. Die in diesen Forderungen zum Ausdruck kommende ver­nichtende Kritik des ganzen Kabinetts brachte einen neuen Entrüstungssturm, Strasser wurde von der Sitzung ausgeschlossen, blieb aber i)n Saal, die Sitzung flog auf, der Aeltesten-Ausschuß trat zusammen und mußte den Ausschluß des Pg. Strasser zurück­nehmen.

Dem System blieb am gestrigen Tage nichts erspart, und wären wir wirklich so bösartige Menschen, wie man uns immer darstellt, wir würden uns schütteln vor La­chen. So aber bringen wir einiges Mitleid mit Herrn Groener auf und hoffen, daß man diesem Mann weitere Blamagen für alle Zukunft erspart. Er hat den Ruhestand vollauf verdient.

Zu all dem Unglück, das gestern über das Reichskabinett hereingebrochen ist, kommen

Berlin, 11. Mai. In der gestrigen Reichstags- fitzung sprach als erster nationalsozialistischer Red­ner Pg. Gregor Strasser. Er führte aus: Abg. Strasser (Nat.-Soz.) führte aus, die Reichs­regierung beschränke ihre ganze Politik aus den Kampf gegen die nationalsozialistische Bewegung. Die gesamte Propaganda der Neichsregierung in den letzten Wahlkämpfen richtete sich darauf, die Nationalsozialisten vor dem Volke und vor dem Auslande zu infamieren.

Die Behauptung der Regierungsparteien, daß der Sieg der Nationalsozialisten automatisch den Bürgerkrieg zur Folge haben werde, sei vom staatspolitischen Standpunkte aus um so gefähr­licher, als wohl niemand im Hause mehr daran zweifle, daß die Lösung der großdeutschcn Frage niemals gegen und ohne die Nationalsozialisten durchgeführt werden könne.

Wenn man heute sagt, der Aufstieg der Natio­nalsozialisten sei lediglich die Folge der großen Unzufriedenheit im Volke, so muß man fragen: Woher kommt die Unzufriedenheit? Sie ist die Schuld der Regierung und der Regierungspar­teien. (Sehr wahr bei den Nat.-Soz.) Der Auf­stieg ist in erster Linie

der Protest des Volke gegen einen Staat der das Recht auf Arbeit und die Wiederherstel­lung des Nationalgefühls behindert.

Die große antikapitalistische Sehnsucht, die durch

noch weitere Sorgen. So hat die Wirt­schaftspartei, die sonst der marxistischen Wirtschaftspolitik der Neichsregierung treue Gefolgschaft geleistet hat,Mißtrauensanträge gegen Schiele und Schöningen eingebracht und die Nationalsozialisten haben mit ihrem Antrag, auch die sozialdemokratischen Gott­losenverbände zu verbieten, das Zentrum in eine böse Klemme gebracht, während die Deutschnationalen gleichfalls einen Antrag auf Verbot des Reichsbanners gestellt haben, dessen Annahme nicht ganz ausgeschlossen erscheint. So steuert das Reichskabinett in einen bösen Strudel und man kann mit Sicherheit darauf rechnen, daß Reichskanzler Brüning heute seine ganze Kraft und rhe­torische Begabung in den Dienst der Sache stellen wird, um noch zu retten, was zu retten ist. Aber wenn es selbst Dr. Brüning gelingen sollte, diese Reichstagssitzung zu überstehen, so sind seine Tage gezählt, denn er brauchte für fein Weiterbestehen unbe­dingt einen starken innenpolitischen Erfolg, der schon jetzt endgültig zum Teufel ist.

Wir Nationalsozialisten stehen diesem zu­sammenbrechenden Kabinett mit aller Ruhe und Gelasseüheit gegenüber. Wir werden eingreifen und handeln, wenn die Zeit uns als gegeben erscheint. —art.

unser Volk geht, ist der Prozeß gegen eine ent­artete Wirtschaft. Man fordert vom Staat, daß mit diesem materialistischen Denken gebrochen und für ehrlich geleistete Arbeit ein ehrliches Auskom­men gewährleistet wird.

Wie es um die Leistungen des zusammenbre­chenden Systems bestellt ist, zeigte mir so recht die Parole der SPD. vom 1. Mai. Nach 70 Jahren einer unerhörten Machtstellung, in denen Millionen deutscher Arbeiter Ihnen (zu den Sozialdemokra- ten) die Besserung ihres Lebens in Hoffnung an­vertraut haben, wissen Sie nichts anderes zu sa­gen als: Arbeitszeitverkürzung, Völkerfrieden und Klassenhaß. Sie bekennen sich zum Gedanken der Völkerversöhnung, während Deutschland von waf- fenstarrenden Mächten umring ist und Sie stören die Möglichkeit, sich demgegenüber durchzusehen, wenn Sie im eigenen Volt den Klassenhaß zur sinnlos zerstörenden Parole erheben. (Lebhafter Beifall bei den Nat.-Soz.) Auch wir wollen Frie­den, Frieden nach außen und Ordnung im In­nern. Wer die außenpolitischen Behauptungsmög- lichkeiten Deutschlands zerstört, zerstört damit auch die Lebensfähigkeit des deutschen Arbeitnehmers.

Arbeitszeitverkürzung ist jetzt ihr Allheilmittel. Arbeitszeitverkürzung bedeutet praktisch IKprozentigcn Lohnabbau für Millionen.

Minderung der Kauskraft. Verminderung der

Arbeitsmöglichkeit. Well man den Arbeitsloser keine Arbeit geben kann, möchte man einen Aus» gleich auf dem Wege schassen, auf dem alle ver« hungern. Nicht Kapital schasst Arbeit, sondern um­gekehrt Arbeit schafft Kapital. Der Artikel 169 der Reichsverfassung wird einmal dahin zu ändern sein, daß jeder Deutsche das Recht aus Arbeit ha­ben muß.

Wir brauchen eine großzügige Wohnungs- und' Bevölkerungspolitik. Das Wohnproblem ist das größte aller sozialen Probleme. Insbesondere muß durch den Bau von Eigenheimen der Lage des Großstädters Rechnung getragen werden. Wir ha­ben hier jederzeit die Möglichkeit (zu den Soz.)', Ihr Verhalten zu meiner Rede bei den hinter uns stehenden 12 Millionen Deutschen gegebenen­falls als einen Verrat an der Arbeiterschaft zu brandmarken. Die letzten Wahlen sollten Sie doch bescheidener gemacht haben! Es ist nicht damit ge­dient, daß Sie hier als

Parterre-Akrobaten der Tolerierungspolitik herumlaufen. (Zustimmung und Heiterkeit bei deü Nationalsozialisten.) Wenn wir den deutschen Bo­den meliorifleren, erhöhen wir den deutscheil Reichtum und brauchen dazu nichts, als die Mo­bilisierung der deutschen Arbeitskräfte.

Die Urbarmachung brachliegender Flächen würde jährlich für 100 000 Menschen neue Siedlungs­möglichkeiten schaffen. Wir haben von jeher nicht bezweifelt, daß Reichskanzler Brüning mit festem Willen an die Bewältigung der Probleme heran­gegangen ist. Aber er hat sich dabei mit Parteien verbündet, mit denen man einfach nicht zusammen­gehen kann. Man hat uns gefragt, wo unsere Köpfe seien. Wir stellen die Gegenfrage:

Wo sind Ihre Köpfe, Herr Reichskanzler?

Was, Herr Reichskanzler, haben Sie mit Ihrem Wirtschaftsführern erreicht? Ist nicht der Ertrag von Generationen zunichte gemacht worden? Re­gieren, Herr Reichskanzler, kann man nur mit großen Parteien, die weitgehend diszipliniert find und die das Vertrauen der Masten des deutschen Volkes haben. Dieses Vertrauen haben wir uns erworben, indem wir unsere Bewegung aus nichts 'gegen Sie alle aufgebaut haben. Die Erfüllung unserer Aufgabe gebe uns der Herrgott. Das Ur­teil überlasten wir der Geschichte! (Langanhalten­des Händeklatschen und Heil-Rufe bei den Natio­nalsozialisten.)

Abg. Hepp (Landvolk) bezeichnet es als einen schweren Fehler, daß man nicht bereits nach den Reichstagswahlen von 1930 die großen politischen Kräfte der Rechten zur Verantwortung mit her­angezogen habe. Das Verbot der SA. und SS« der Nationalsozialisten werde von der Landvolk­partei in keiner Weise gebilligt.

Da keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, schließt Präsident Locbe die erste Lesung des Schuldentilgungsgesetzes.

Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) beantragt UeberwM-.

, jung des Gesetzes an den Haushaltausschuß.

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