Ausgabe 
(9.5.1932) Nr. 95
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Berlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. Fernsprecher Domsheide 25878.

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Dr. Brüning, der Minister ohne Vertrauen und Reichskanzler gegen den Willen des Volkes, hat am Sonntag vormittag anläßlich einer politischen Matinee des Verbandes der auswärtigen Presse In Gegenwart, eines kyappen Dutzend weiterer Minister gegen den Willen des Volkes, eine Rede gehalten, der wir in fast allen Punkten zustimmen könnten, wenn es aus rhetorische Leistung an­käme, wenn sich die Tätigkeit eines Kanzlers darin erschöpfte, seine außenpolitischen Fehlschlüge von Zeit zu Zeit mit einer schöngelungenen Rede bemänteln zu können.

Dr. Brüning beschäftigte sich in seiner Rede zu­nächst mit den Rückwirkungen der Wiederwahl Hindenburgs, ohne dabei das SA.-Verbot zu er­wähnen oder darauf hinzuweisen, welche neuen Be­lastungen man dem deutschen Volk in den kom­menden Notverordnungen zumuten wird. Er glaubt vielmehr, daß durch die Wiederwahl j unseres jetzigen Reichspräsidenteneine Epoche von Konflikten und inneren Nichtigkeiten" verhindert sei. Sollte der Herr Reichskanzler den Aufbruch der Nation, die völlige Umbildung des politischen Willens als Nichtigkeit bezeichnen, so wäre das für uns erneut ein Beweis, wie weltenfern dieser Kanzler deutschem Gestaltungswillen und Zu- kuuftswillen steht-

Und es scheint, daß wir mit dieser unserer Auf­fassung recht haben, denn er fordert dann weiter, daß man sich nunmehreinhellig um die ver- ehrungskoürdige Person des Herrn Reichspräsiden­ten zu scharen habe, um ihm die moralische Stoß­kraft zu geben, die für die kommenden außenpoli­tischen Aktionen notwendig sein werden". Wie aber denkt sich der Kanzler diese an sich richtige Voraussetzung, wenn man alle die Kräfte der Nation die mit Gut und Blut für das Vater­land emzustehen bereit sind, durch Notverordnun­gen zu Bürgern zweiter Klasse stempelt, sie mit aller Gewalt und gegen alles Recht von der Mit­arbeit am Staate ausschließt und sich statt dessen auf Mächte stützt, die im Lauf ihrer Geschichte und der unseres Volkes hundertfältig bewiesen Haben, daß sie in der Zerstörung der deutschen Nation, in der Zerstörung der Kultur und der höllischen Einheit ihr wesentliches Ziel erblicken.

In dieser verhängnisvollen Unkenntnis aller sstaatspolitischen Notwendigkeiten liegen Ursache und Schuld des Versagens der deutschen Außen- und Innenpolitik. Man kann einen deutschen Reichspräsidenten nicht mit schönen Worten zu einem politischen Faktor in der Außenpolitik wer­den lassen, wenn man durch Parteitaktische Manö­ver ihm die Massen des Volkes entfremdet, die im Gegensatz zu der überwältigenden Mehrheit seiner jetzigen Wähler wirklich bereit sind, dem Führer der Nation Gefolgschaft zu leisten. Auf diesen Wahnsinn kann nicht deutlich genug hingewiesen werden. Parlamentarisch gesehen, hat er zu der völligen Verwirrung der innerpolitischen Lage in Deutschland geführt und staatspolitisch betrachtet, gibt er dem Führer der Opposition, gibt er

Adolf Hitler das geschichtliche Recht, mit allen

ihm zur Versügung stehenden Mitteln die Macht

im Staate anzustreben, um den Staat und da­mit das Volk vor den Mächten zu retten, die heute am Ruder sind.

Dem gegenüber werden alle Erwägungen der Tagespolitik belanglos und wären wir Deutschen ein politisch geschultes Volk, so hätten sich bei den letzten Wahlen nicht 40, sondern 70 und 80 Pro­zent der Wählerschaft hinter den Mann gestellt, der über den politischen Alltagskram hinaus eine aus der Geschichte gewachsene, das ganze Volk zu­sammenfassende politische Linie in seinem Kampf befolgt. >

Keinem Außenminister aller übrigen Länder steht eine so starke und tatbereite nationale Oppo­sition zur Versügung wie dem deutschen und kein Außenminister aller anderen Länder weiß so wenig mit dieser wervollsten Masse außenpolitischer Ver­handlungen etwas anzufangen wie Dr. Brüning. Auch diese Tatsache beweist nur, auf wie völlig falschem Wege sich die deutsche offizielle Politik bewegt.

Von diesem Standpunkt aus gesehen, werden dann alle weiteren Ausführungen des Kanzlers, die mit bewegten Worten die Not des deutschen Volkes schildern, gegenstandslos, denn es fehlt Dr. Brüning die innere Berechtigung, Sprecher der Nation zu sein.

Man sollte uns nicht immer vorwerfen, wir trieben Opposition um der Opposition willen und wir hetzten nur gegen den Kanzler aus Partei­egoistischen Zielen. Man gebe sich einmal die Mühe, den hier dargelegten Grundgedanken nach­zugehen und man wird uns bei aller Verschieden-

Paris, 9. Mai. Während Gorgnlow er­klärt, daß er vollkommen selbständig gehan­delt habe, hat sich jetzt eine Zeugin gefun­den, deren Aussäge ein wesentlich anderes Bild ergibt. Frau de Vilmorin, die am Tische Faireres stand und nur etwa drei Schritte von dem Mörder entfernt war, hat vor dem Untersuchungsrichter zu Protokoll gegeben, daß Gorgulow sich vor der Tat flüsternd mit einem Mann und einer Frau unterhalten habe. Als der Präsident den Saal betrat, habe die Frau leise gesagt:

Da ist er!"

Daraufhin habe sich Gorgnlow scharf um­gedreht, die Zeugin zur Seite gestoßen und. seine Schüsse abgefeuert. Der Mann, mit. dem er sich vorher unterhalten habe, habe leise gesagt:Er hat sein Ziel nicht ver­fehlt", und sei darauf mit der Frau in der Menge verschwunden.

Wie aus Prag gemeldet wird. hat Gorgu-

heit der politischen Auffassungen im einzelnen zu­geben müssen, daß unser Weg der einzig richtige und einzig mögliche ist.

Wir glauben dem Kanzler gern, daß er zurzeit ehrlich bemüht ist, außenpolitisch Erfolge zu errin­gen. Aber man kann dieses Ziel nicht erreichen, wenn man die einfachsten außenpolitischen Regeln außer acht läßt. Man wird dem deutschen Volk weder die Wchrfreiheit geben, noch auf die Tribut­zahlungen verzichten, solange das deutsche Volk sich nicht in einer außenpolitischen Lage befindet, von der aus es diese lebensnotwendigen Forderungen sich ertrotzen kann. Allein können wir das nicht, einen Krieg wünscht keiner, also brauchen wir Bundesgenossen, denen wir soviel bieten können, daß es sich für sie lohnt, für unsere Belange ein­zustehen. Dazu ist eine gesunde und leistungs­fähige Wirtschaft notwendig, vor allen Dingen aber die handelspolitische Ausnutzung unserer geo­graphischen Lage, des weiteren die Leistungs­fähigkeit unserer Industrie in der Qualitätsarbeit. Dazu ist es weiter notwendig, Weltgeschichte zu kennen, um zu wissen, welche Länder die gegebenen Bundesgenossen und welche Länder die bleibenden Erbfeinde des deutschen Volkes sind.

Prüft man unter diesen Gesichtspunkten die Versuche des Kanzlers in Genf, so hat man den zweiten Beweis für die Reihe von Niederlagen, die wir dort erlitten haben und erleiden werden.

Solange wir nicht über einen deutschen Außen­minister verfügen, der sich auf die staatserhalten- den Kräfte der Nation zu stützen vermag und der die Spielregeln jeder Außenpolitik beherrscht, mit anderen Worten, ein Mann, der in seiner politi­schen und weltanschaulichen Einstellung genau aus dem entgegengesetzten Pol steht wie Reichskanzler Dr. Brüning, bleibt uns die Freiheit verwehrt.

art.

low in engen Beziehungen zu dem GPU- Agenten Uschaiow gestanden. Gorgulow soll sogar eine geheime Reise nach Sowjet-Ruß­land unternommen und unter seinen Be­kannten für die Rückkehr nach der Räteunion Propaganda gemacht haben. Andererseits habe der Mörder sich jedoch bemüht, mit dem Allrussischen Militärverband in Verbindung zu treten.

Im Sante-Gesüngnis haben die Psychiater bereits die Untersuchung Gorgulows auf seinen Geisteszustand aufgenommen. Für den Prozeß wird ihm ein Offizialverteidiger ge­stellt.

Das französische Jnnenministeriun^ ver­öffentlicht im Zusammenhang mit der Un­tersuchung über das Vorleben und die Gründe, die den Mörder des französischen Staatspräsidenten zu seiner Tat veranlaßt haben, eine amtliche Verlautbarung, nach der > Gorgulow nach einem Aufenthalt in Baris

im Jahre 1930 wegen unrechtmäßiger Aus­übung ärztlicher Tätigkeit ausgewiesen wurde. In der Erklärung des französischen Innen­ministeriums wird mit besonderer Betonung auf eine Broschüre hingewiesen, die Gorgu­low in Paris drucken ließ, und auf deren Deckel sich das jungbolschewistische Abzeichen zwei Sensen, darüber eine Tanne und ein Totenkopf befindet.

Ministerpräsident Tardieu fügte dieser amtlichen Erklärung hinzu:In der ganzen Angelegenheit ist ein dunkler Punkt, die kommunistische Parteikarte, die Gorgulow in Prag ausgestellt wiprde. Gorgulow verfügte außerdem über größere Barmittel, und man muß sich fragen, woher dieses Geld stammte "

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Paris, 9. Mai. Um 2 Uhr wurde folgendes Ge­samtergebnis der französischen Wahlen aus dem ersten und zweiten Wahlgang bekannt, und zwar ist es das Ergebnis aus 602 von 605 Wahlkreisen. Die Zahlen in den Klammern bedeuten die Sitze in der vorigen Kammer.

Konservative

5

( «)

Demokratisch-republikan. Union

76

( 90)

Linksrepublikaner (Tardieu)

72

(101 ,

Unabhängige Republikaner

28

( 26

Volksdemokraten, Kath. Volksp.

16

( 19

Radikale Linke u. Unabh. Rad.

61

( 90)

Radikalsozialisten

156

(109)

Rcpubl. Soz. u. franz. Soz.

36

( 32)

Sozialisten

129

(112)

Kommunisten

23

(15)

Nach diesem Ergebnis haben die

linken

Kammer-

gruppen die absolute Mehrheit,

denn

Tardieus

Mehrheit reicht nach der durchgegebenen Liste nur von den Konservativen bis zur Radikalen Linken.

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Hausbewohner unter Trümmern begraben«

Paris, S. Mai. In Lyon stürzten zwei Familienhäuser ein, die 45 Bewohner be­herbergten. Durch den Einsturz platzte die Gasleitung, worauf der Trümmerhaufen in Flammen aufging. Nur etwa zehn Ein­wohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, so daß noch etwa 35 unter den Trümmern begraben liegen. Die Aufräu- mungsarüeiten an der Unglücksstelle in Lyon konnten bis zum Sonntag abend noch nicht wieder aufgenommen werden. Die Zahl der Verschütteten wird von der Polizei auf 5E biskv beziffert. Bürgermeister Herriot weilte selbst an der Trümmcrstättc. Die gesamte Lyoneser Feuerwehr und die Garnison von Lyon befinden sich an der Unglücksstelle und arbeiten fieberhaft an der Rettung der Ver­schütteten. Die Katastrophe scheint durch die letzte» starken Regenfälle verursacht worden zu sein. Hierdurch hat sich der Erdrutsch er­eignet, der den Einsturz der Häuser nach sich ro-»

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