Ausgabe 
(4.5.1932) Nr. 92
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.

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Kabinett brüning sekwsnkti

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^ulbsuglsubs gegen Lei'ti'ümmvi'ungslsnstismus

IN einem Bremer Kaufmann.

Auf der einen Seite Ideen und Persön­lichkeiten — auf der anderen Seite Materia­lismus, das find die beiden Weltanschau­ungen, um die es geht. Unser heutiges Bür- jgertum leidet seelisch unter materiellen Verlusten und sorgt sich um weiteres Materi­elles Unglück. Politische Gespräche in diesen Kreisen drehen sich um die wirtschaftliche Not; es werden bestimmte Regierungsmaß­nahmen, so z. B. Schädigung der Tabak­industrie, Zerstörung des Hausbesitzes u. a. mit Recht auf das Schärfste kritisiert, und außerdem kommt die Sorge zum Ausdruck, weiche Gefahren die nationalsozialistische Be­wegung Wohl in sich birgt: führt sie doch zum Bürgerkrieg? Und wie wird es wirt­schaftlich werden? Es find müde, gebeugte und verzagte Menschen, die so denken. Kriegszeit, Revolution, der wirtschaftliche Zusammenbrach und die Enttäuschung aller politischen Hoffnungen haben sie mürbe ge­macht. Wenn sie es vermöchten, aus dem Tal ihres Alltagslebens sich herauszuheben und von irgendeiner Höhe herabzusehen auf die Umwelt, dann würden sie erkennen, daß die Menschen, von denen sie innerhalb ihrer Sackgasse nur den Marfchtritt und den Trommelwirbel beunruhigend empfinden, sich gläubig und froh den Weg zu neuer Zu­kunft bahnen. Sie würden auch wieder ler­nen, daß es in erster Linie nicht auf die Lösung materieller Aufgaben, sondern auf Ideen und Persönlichkeiten ankommt.

Die Demokratie hatte eine Idee, die lange Zeit die Menschen an ihre Fahnen fesselte, die Bekämpfung des Absolutismus und ganz gleiche Politische Rechte für alle. Die Jdee- hat sich erfüllt und stirbt an ihrer Erfül­lung; die Persönlichkeiten der 1848er Zeit leben heute in geschichtlicher Erinnerung.

Die Idee der Volkspartei war die Ver­ständigung mit dem Erbfeinde, mit Frank­reich. Sie fand viele Anhänger. Persönlich­keit, welche diese Idee verkörperte, war Stresemann. Die Idee war falsch und Stresemann ist vergessen.

Die Hebung des vierten Standes war die Idee, welche dem Marxismus Zugkraft gab. Sie ist in Einseitigkeit, Parteiegoismus und Bonzentum entartet. Den Führern fehlte Las Verantwortungsgefühl für das Ganze. Die Bewegung verrohte, weil das Ideale ,im Materiellen unterging. Bebel ist tot.

Das Streben dieser Parteien dient nicht mehr einer Idee, sondern ist nur aufSelbst- ierhaltung gerichtet.

Das Zentrum ist ultramontan. Ultramon- 'tan heißt wörtlich „Jenseits der Berge". Seine Geschichte kennt Persönlichkeiten. SVindthorst, Erzberger, Brüning, die etwas igeleistet haben; aber decken sich diese Leistun­gen und Zentrumsideen mit dem Interesse des deutschen Vaterlandes?

Bleibt noch der Kommunismus. Persön­lichkeit: Stalin, der Despot, Idee: Gott- Josenpropaganda. Eine widersinnige Erschei­

nung: die beherrschende Idee ist, alles Ideale zu vernichten.

Man frage sich einmal ganz ehrlich, wel­cher von diesen Parteien gehört in Deutsch­land die Zukunft? Und wenn man Liefe Frage nicht beantworten kann, was dann? Darf überhaupt einer dieser Parteien die Zukunft gehören? Wenn nein, warum — nicht?

Wer diese Fragen ganz gewissenhaft prüft, der kann zu gar keiner anderen Antwort kommen als zu der: diese Parteien haben keine Zukunft mehr, oder ihre Zukunft und die Zukunft Deutschlands schließen sich gegen­seitig aus.

Was ist nun der Grund, daß so viele Menschen vom Kommunismus und von der Sozialdemokratie zur Hitlerbewegung kom­men? Sie wenden sich vom Zertrümme­rungsfanatismus zum Aufbau glaub en. Un­sere denkmüden Mitbürger meinen immer, daß ein Unzufriedener, ein aus der Bahn Geworfener ein zerstörungswütiger, gewalt­tätiger Revolutionär werden muß. Sie ken­nen es ja aus der Geschichte, wie sie sie verstehen, nicht anders, und ihnen kommt gar nicht der Gedanke, daß eine Volksbe­wegung aus ihrer Unterdrückung heraus statt Zerstörung neues Leben bringen kann. Hitler gab allen mit den Geschehnissen im deutschen Vaterlande Unzufriedenen Idee und Ziel: den Aufbauglauben. Und der Ausbaugkaube siegt über dem Zertrümme­rungsfanatismus der Kommunisten.

Wenn wir nun nach dem Ideal eines bre­mischen, königlichen Kaufmannes (im besten Sinne des Wortes) fragen, so werden wir, kurz formuliert, folgende Antwort erhallen: „Gedeihen von Handel, Schiffahrt und In­dustrie, damit Bremen seine wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben im Dienste des deutschen Reiches erfüllen kann." Wir Na­tionalsozialisten antworten: Bremens Han­del und Schiffahrt können nur gedeihen, wenn bremischer Unternehmungsgeist und Wagemut, sowie Bremens Reichsunmittel- barkeit in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht erhalten bleiben und wenn hinter Bremen der Schutz eines wredererstarkten Deutschen Reiches steht.

Wie bauen wir Deutschland wie­der auf?

Darüber, daß es zurzeit noch bergab geht und daß mal wieder aufgebaut werden mu- herrscht gewiß kein Zweifel. Also Ziel: po^ litischer, kultureller, wirtschaftlicher Wieder­aufbau! Die Arbeit an einem so großen Ziele bedingt Positiv gerichtete, gewaltige Anstrengungen, Großzügigkell, Verzicht auf Einzelheiten, Einordnung und Unterordnung und Zukunftsglauben. Programme und Pro­grammpunkte werden Nebensache, die Mittel nicht Selbstzweck, sondern Werkzeug. Er­fordernis: Ideen, Persönlichkeiten.

Generalidee! Laßt uns den deutschen Menschen erst einmal wieder für große Auf­gaben tauglich machen, mit untaualicheu

Volksgenossen kann nichts geleistet werden, darum reden und schreiben wir bei jeder Gelegenheit immer und immer wieder von: Religiosität, Vaterlandsliebe, Mut, Opfer- bereitschaft, Gesittung. Darum bekämpfen wir Gottlosenpropaganda und schützen ehr­liche Religiosität, und greifen rücksichtslos jeden moralisch minderwertigen Schädling an. Wer sich in uns hineindenkt, den kann es nicht wundernehmen, daß es aus un­seren Herzen mal zornig und grimmig her­ausquillt, wenn wir sehen, wie seit Kriegs­ende an unserem Volke gesündigt ist und noch gesündigt wird.

Inzwischen ist durch die vielen Veröffent­lichungey der letzten Zeit für jeden, der hören will, genugsam offenkundig gewor­den, daß wir auf den einzelnen Gebieten der deutschen Lebensnotwendigkeiten über Ideen und Persönlichkellen verfügen. Wir fassen kurz zusammen: Außenpolitik: Ver-

Berlin, 4. Mai. Reichskanzler Brüning hat dem Reichspräsidenten in einer Unterredung am Dienstag mittag von dem Rücktrittsgesuch des Reichswirtschaftsministers Professor Warmbold Kenntnis gegeben. Nach Lage der Dinge durste sich an der Tatsache des Rücktritts nichts mehr ändern. Die Ernennung eines Nachfolgers für Professor Warmbold steht bevor. (!)

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Der Rücktritt des Reichswirtschaftsministers kann dem Kabinett Brüning Kopf und Kragen kosten. Selbstverständlich bemüht sich der Kanzler, mit allen Mitteln die neue Erschütterung seiner Stellung zu bestreiten und beruft sich dabei be­sonders auf das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem Reichspräsidenten. Dabei bleibt aber offen, wie die Mittelparteien des Reichstages, die in Warmbold ihren Vertreter erblickten, seinen Rücktritt auffassen und es scheint uns durchaus möglich ^>aß das Kabinell in der kommenden Reichstagssitzung gestürzt wird. Welche Folgerun­gen sich daraus ergeben, lassen sich heute noch nicht sagen, denn wir halten nichts von denallzu vielen Kombinationen und Konstruktionen, die man zur Zeit im übrigen Blätterwald den Lesern vor­setzt und die alle mehr oder weniger an Unkennt­nis der nationalsozialistischen Bewegung und ihres Führerprinzips leiden.

Wenn z. B. heute die, Bremer Nachrichten" wie­der einmal davon reden, daß es im Nationalso­zialismus drei Hauptgruppen gäbe, die sich gegen­einander befehdeten, so ist das entweder Stim­mungsmache gegen unsere Bewegung oder aber Unkenntnis. Der Nationalsozialismus verfügt über einen eucheitlichen und geschlossenen Willen, der sich im Führer Adolf Hitler repräsentiert und dieser ist, das dürfen wir den „Bremer Nachrich­ten" vertraulich mitteilen, sich völlig klar über den einzuschlagenden Weg. Unsere Machtcmsprüche als größte Partei Deutschlands sind bekannt und es bleibt nur die Frage offen, ob die übrigen Par­teien, in erster Linie das Zentrum, sich dazu ent­schließen, von der Socialdemokratie zu lassen oder nickt-

ständigung mit Frankreich ist Utopie, mft England und Italien auch für diese Na-« ti^nen das Gegebene, Verhältnisse im Osten unerträglich. Wirtschaftspolitik: Erneuerung des Volksvermögens in erster Linie durch Stärkung des Binnenmarktes, keine An- sammlung zu großer wirtschaftlicher Macht­mittel an einer Stelle, deren Versagen schwere Schädigung für die Allgemeinheit zur Folge haben müßte. „Sozialistisch" be- deutet für uns: jedem Freude an ehrlicher Arbeit und am Erwerb — aber jedes deut­sche Schaffen und Erwerben muß zugleich auch dem Ganzen dienen. Kulturell: Hebung aller guten deutschen Charaktereigenschaften und Bekämpfung vergiftender fremdländi­scher Einflüsse. Unsere Kampfbünde für. deutsche Kultur in vielen deutschen Städte« geben davon Zeugnis.

So arbeiten wir und so glauben wir an Deutschlands Zukunft!

Im übrigen ist die Linie der Verhandlungen durch die Erklärung Kubes vorgezeichnet, nach der eine Regierungsbildung ohn« die Deutsch­nationalen in Preußen nicht in Frage kommt. Außerdem wird im heutigen „Völkischen Beobach­ter" von Dr. Frick darauf hingewiesen, daß es unhaltbar sei, wenn in Preußen das Zentrum mit den Nationalsozialisten, im Reich aber mit

Lin ßi'ttksi'vn 8^,-iVisnn in Sszfspn si'moi'Äst

Montag abend wurde in Jtzing bei München der ehemalige SA.-Mann Hilz von einer Horde Kommnnisten überfallen, die sämtlich mit Messern bewaffnet waren. Die Strolche stachen in bestiali­scher Weise auf Pg. Hilz ein und brachten ihm so schwere Verletzungen bei, daß er auf der Sllaße tot liegen blieb.

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Zwei ehemalige SS.-Männer schwer verletzt.

In Augsburg wurden in der letzten Nacht ebenfalls von Kommunisten die ehemaligen SS.- Männer Kinderger und Hund übersatte«. Pg. Kindergcr erlitt eine lebensgesährliche Kopf­verletzung. Er ringt mit dem Tode.

Pg. Hund wurde ebenfalls schwer verletzt; bei ihm besteht allerdings keine Lebensgefahr.

der Sozialdemokratie regieren wollte. Auf jeden Fall kan man aus diesen parteioffiziellen Erklä­rungen zwar einen einheitlichen Willen, aber kaum drei sich befehdende Hauptgruppen erkennen. Den Streit überlassen wir den anderen, wir ha­ben Zeit und wir haben den längeren Atem. Jede Stunde arbeitet.für uns und kann man sich heute nicht entscheiden, wird man es morgen unter weit schwereren Bedingungen tun müssen. -—art.

Wsi'mbolri Lui'üokgslr'slvn