Ausgabe 
(3.5.1932) Nr. 91
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Unsers Parole:

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Derlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werttag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die lOgespaltene mm-Zeile RMO.Iu Aationalsozialistlsche Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Textteil RM 0 50. auswärts RM 0.7H Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Dorauszahlbar.BeiBetriebsstörung,Streik,Verba.,Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM O.OL bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878. usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugpr. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

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Berlin, 3. Mai.

Gestern begannen die Beratungen des Reichskabinetts, in denen neben den be­kannten Plänen der Arbeitsbeschaffung und deren Finanzierung durch eine Prämien­anleihe mit, nach neueren Nachrichten, weit­gehender Steuererleichterung bzw. Steuer­befreiung, sicherlich auch über die Gestal­tung der Dinge in Preußen beratschlagt wer­den wird, da Brüning sich bekanntlich ge­rade hierüber die letzten Entscheidungen be­züglich der Haltung des Zentrums vorbe­halten hat.

Irgendwelche Verhandlungen zwischen Zentrum und NSDAP. haben, wie erncnt festgestellt sei, noch nicht stattgefunden. Die Nationalsozialisten können abwarten, bis die anderen Parteien mit sich ins klare ge­kommen sind.

Am meisten verwirrt scheint man bei der SPD. zu sein. Herr Braun und ebenso Herr Severing scheinen gute Lust zu haben, mit ihren Mannen in Preußen in die Oppo­sition zu gehen. Sie möchten dies aus einer Taktik heraus, die der Jude Groß­mann in seinem „Tagebuch" sehr aufschluß­reich folgendermaßen formuliert hat:

„Der Nationalsozialismus muß an der Regierung beteiligt werden, solange die wirtschaftliche Verschlechterung noch fort­schreitet.'

Man will also der NSDAP. „Gelegen­heit geben", sich „unfähig" zu zeigen, die wirtschaftlichen Dinge in Deutschland vor weiterem Absinken zu bewahren. In­zwischen hätte sich dann die SPD. in der Opposition „erholt" und bei Neukkkhlen zu geeignetem Zeitpunkt glaubt man dann den Nationalsozialismus wieder zurückdrän­gen zu können.

Aehnlich liegen die Dinge beim Zentrum. Hier möchte man anscheinend die NSDAP. in Preußen „mitmachen" lassen, aber un­ter der Bedingung, daß im Reich das System Brüning von ihr gestützt wird. Brüning glaubt nämlich nicht (und Wohl mit Recht), daß die SPD. die von Stegerwald kürzlich angekündigte abermalige Verschlechterung

der Sozialversicherung „tolerieren" wird. Dafür sollen nun die Nationalsozialisten einspringen.

Die Nationalsozialisten denken natürlich garnicht daran, sich in plumpe Fallen locken zu lassen.

Die Nationalsozialisten müssen den selbst­verständlichen Standpunkt vertreten, daß sie sich an einer Regierungskoalition in Preußen nur unter der Voraussetzung be­teiligen, daß ihnen die Machtmittel des Staates in die Hand gegeben werden, weil sie anders garnicht die Verantwortung für eine Regierung in der gegenwärtigen durch jahrelange Mißwirtschaft überaus schwie­rigen Situation übernehmen können.

Die Nationalsozialisten können eine Re- gierungsübernahmc in Preußen ferner nur dann verantworten, wenn die Ge­währ dafür vorhanden ist, daß ihnen vom Reiche her nicht die Macht in Preußen aus der Hand geschlagen wird. Deshalb muß auch im Reiche eine Regelung der Dinge eintreten, bei der die National­sozialisten den entscheidenden Einfluß ge­winnen.

Gegenüber dieser klaren und einzig mög­liche» Stellungnahme der Nationalsozialisten gibt es keine Deutelei und keine Kon­zessionen.

Günstig für die NSDAP. ist, daß zur Stunde die Zeit für sie arbeitet. Die Stel­lung Grocners als Innenminister ist nach seiner endgültigen Ablehnung eines Reichs­banner-Verbotes ganz unhaltbar geworden. Und die NSDAP. ist und bleibt sich be­wußt, daß sie vor sich selbst, vor der deut­schen Wählerschaft und vor der deutschen Geschichte jetzt, da sie an der Schwelle der Macht steht, die ungeheure Verantwortung dafür trägt, daß es nun auch anders wird und daß, nach einem Worte von Dr. Goeb­bels, „die Politik des gesamten offiziellen Deutschland in Uebereinstimmung gebracht wird mit dem festen und unbeirrbaren nationalpolitischen Willen der Massen."

Das wird die Richtschnur ihres Handelns sein und bleiben.

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Mit dem gestrigen Tage hat unser Ortsgrup­penleiter Thiele MdR. die Ortsgruppe abge­geben, nachdem er in seiner Eigenschaft als Gau­leiter „Seefahrt" der Reichsparteileitung zuge­teilt und als Arbeitsgebiet die gesamte deutsche Küste von Emden bis Königsberg erhalten hat. Don dieser Maßnahme bleibt die Stellung un­seres Parteigenossen Thiele als Bezirksleiter des Bezirkes Bremen (Freistaat Bremen, ohne Vege- sack und Bremerhaven) und seine übrigen Aem­ter unberührt. In einer Führerfitzung dankte Gauleiter Röver Pg. Thiele für seine Tätigkeit in und für die Bewegung und sehte Parteigenos­sen Konsul Bernhard als Ortsgruppenleiter in Bremen ein.

Wir möchten in diesem Augenblick nicht unter­lassen, einen kurzen Rückblick auf die politische Tätigkeit unseres bisherigen Ortsgruppenleiters zu werfen, der in jahrelanger, zäher Kleinarbeit in entscheidendem Maße an der Fundierung der Bewegung erst in Göttingen, dann in Bremer­haven und zuletzt in Bremen mitgearbeitet hat.

1923 wurde Kurt Thiele Parteimitglied und übernahm zugleich das Amt eines Zellenobman- nes, um später sich auch als Kassierer der Orts­gruppe zu widmen. Als solcher gründete er auch die erste nationalsozialistische Buchhandlung in Norddeutschland, die sehr bald der Bewegung wertvolle Dienste leisten konnte. Sehr bald wurde er stellvertretender Bezirksleiter und mußte in dieser Eigenschaft auch mehrfach den Bezirkslei- ter vertreten und wurde so sehr früh vor die verantwortungsvolle Aufgabe gestellt, selbständig für einen Teil der Bewegung handeln zu müssen.

Bei einer beruflichen Versetzung nach Bremer­haven war die Bewegung noch verboten und jetzt mußte sich erweisen, wie weit der Einzelne wirklich Nationalsozialist war. Kurt Thiele be­gann sofort in Bremerhaven mit Gesinnungs- nossen Fühlung zu nehmen und versuchte, von Mund zu Mund, neue Freunde zu gewinnen. Man kam in einem Klubzimmer eines kleinen Lokales zusammen, in dessen Vorderzimmer der jetzige Senator Kleemann (SPD ) seinen Schop­pen trank und so dauerte es auch nicht lange bis dieser Sozialdemokrat dahinter kam, die Po­lizei alarmierte und die Hälfte der Versamm­lungsteilnehmer verhaften ließ. Aber auch schon damals wirkten sich polizeiliche Maßnahmen für nns nur propagandistisch aus, denn nunmehr ging man dazu über, einen Verein anzumelden, dem man den Namen gab „Verein für geschicht­liche und völkerkundliche Vortrüge" und jetzt konnte die Propagandaarbeit weiter vorgetra­gen werden.

Zur Frühjahrswahl 1924 trat die deutsch-völ­kische Freiheitsbewegung in Erscheinung, der sich Kurt Thiele nicht anschloß, obwohl man ihn dazu aufforderte. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß er nur für eine Idee eintreten könne, wenn diese Idee mit einer Persönlichkeit verbunden sei und diese Persönlichkeit sei für ihn Adolf Hitler. Graefe, Wulle und Henning lehnte er ab.

Als dann im Februar 1925 Adolf Hitler die Bewegung erneut aufzog, traten in Bremerhaven einige Arbeiter an Kurt Tbiele heran und for­

derten ihn auf, die Ortsgruppe neu zu gründen. Erneut bewies Pg. Thiele seine organisatorischen Fähigkeiten. Die Ortsgruppe stand sehr bald und konnte mit Stolz auf der ersten Gauvertreter­tagung in Hannover als einzige Ortsgruppe eine Anerkennung von der Gauleitung erreichen.

Im Juli 1926 wurde Kurt Thiele nach Bre­men beruflich versetzt und da hier in Bremen wie den alten Parteigenossen bekannt die Be^ wegung unter den verschiedensten Krisen zu lei­den hatte, hielt sich Kurt Thiele zunächst zurück und trat erst 1928 bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Erscheinung, bei der er als älterer Parteigenosse die Einsetzung eines vorläufigen Parteivorstandes durchsetzte. Er selbst

trat weiterhin nicht in Erscheinung und wurde dann später zum Vorsitzenden des Schlichtungs- ausschusses und im September 1929 zum Kassen- führer bestellt. Damals wurde in der Ortsgruppe das Kassensystem eingerichtet, das noch heute sich als gut und vor allen Dingen aufnahmefähig für die jetzt rasch wachsende Mitgliederzahl er­wiesen hat. Im Dezember 1929 setzte dann Gau­leiter Növcr Kurt Thiele als Ortsgruppenleiter ein und im Januar 1930 übertrug er ihm die Bezirksleitung des Staates Bremen. Jetzt begann die Konsolidierung der Bewegung in Bremen, die erforderlichen organisatorischen Maßnahmen wurden getroffen, die Sektionen entstanden, die Propagandaarbeit wurde eingeteilt und die

Reichstagswahl vorbereitet, der dann vier W« chen später die Bürgerschaftswahl folgte, bei der die Nationalsozialisten 100 Prozent zunahmen, ein Erfolg, der damals in ganz Deutschland urv geheures Aufsehen erregte. Trotzdem wurde weu ter in zäher Kleinarbeit die Ortsgruppe Schritt für Schritt erweitert, die Aerzte, Lehrer unh andere wurden besonders organisiert und schließe lich schritt man zur Gründung einer Zeitung, bis dann im Laufe weniger Monate sich zur Tages- zeitung entwickelte und die heute ein wichtiges Bindeglied der nationalsozialistischen Bewegung in Bremen geworden ist. Mit der Durchführung der beiden Präsidentenwahlen, die der Bewegung erneut einen Stimmengewinn brachten, schließt die Tätigkeit des Ortsgruppenleiters Thiele, de« sich jetzt einer weit größeren und schwierigeren Aufgabe widmen muß, nämlich der organisato­rischen Erfassung sämtlicher nationalsozialistischer Seeleute.

Wenn auch in unserer Bewegung stets oer Einzelne vor dem Ganzen zurücktritt, und wir keiner Person, aber stets der Sache dienen, sä können wir doch an diesem Tage unseres bis­herigen Ortsgruppenleiters gedenken, der uns dank seiner nationalsozialistischen Grunderkennt­nisse, seiner Gerechtigkeitsliebe und seiner Ver­antwortungsfreudigkeit, mit der er zu allen sei­nen Entschließungen stand, in den Jahren inne­ren Aufbaues ein wirklicher Führer gewesen ist- Wenn sein Wirken auch nicht immer nach außen in Erscheinung trat, so schuf seine stille Arbeit innerhalb der Organisation erst die Grundlagen, auf denen die Erfolge des letzten Jahres sich auf­bauten.

Mit dem gleichen Vertrauen, das wir Pg- Thiele entgegenbrachten, begrüßen wir den neuen Ortsgruppenführer Pg. Bernhard, unter dessen Führung weiter für den Sieg unserer Idee i» Bremen gekämpft werden wird. —art.

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Aus Kosten der Allgemeinheit

Berlin, 2. Mai. Im Haushaltsausschuß des Reichstages gab Finanzminister Dr. Dietrich zu, daß sich die Beteiligung des Reiches bei der Sa­nierungsaktion für die Bank, insgesamt auf 1115 Millionen Reichsmark belaufe. Dazu käme» noch etwa 400 Millionen Reichsmark, für die das Reich wegen der Auslandskredite der Danat- bank haftbar sei.

Er glaube allerdings nicht, daß die ganze Summe verloren sei, wenn auch bereits einmal bei Zusammenlegung der Dresdener Bank-Aktien 150 Millionen Mark und dann für Herausgabe der Schatzanweisungen 180 Millionen Mark dem Reich an tatsächlichen Verlusten entstanden seien, Natürlich müsse auch damit gerechnet werden, daß dem Reich bei seinen Bürgschaften vielleicht noch 15 Millionen Reichsmark einbüße.

Wir wissen jetzt, zu welchen Zwecken das deutsche Volksvermögen Verwendung findet. Seine Auslieferung an die Großbanken entzieht es der werteschasfenden Arbeit und fließt es auch als Kredit wieder in die Wirtschaft, so un- ter Bedingungen, die weder der Produktion noch den Menschen dienlich sind. denen es angeblich helfen soll.