Ausgabe 
(2.5.1932) Nr. 90
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Kerrl nationalsozialistischer Kandidat für das preußische Landtagspräsidium.

Peine, 1. Mai. Der preußische Landtags­abgeordnete der NSDAP. Kerrl aus Peine ist, wie v der hiesigen Geschäftsstelle der NSDAP. bestätigt wird, von Adolf Hitler als preußischer Landtagspräsident in Aussicht genommen.

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Eine merkwürdige Erscheinung seit den letzten Reichspräsidentenwahlen macht sich bemerkbar in Dezug auf die Entwicklung der Kommunistischen ^Partei. Mit großmäuligen Phrasen haben seiner­zeit, hauptsächlich nach den Reichstagswahlen im September 1930, Thälmann und Genossen ver­stündet, daß es sich nur noch um einige Monate 'handeln könne, bis die KPD. schon rein zahlen­mäßig die Führung des Gesamtmarxismus über­nehmen werde. Trotz aller günstigen Voraus­setzungen ist diese in großen Teilen des deutschen Pvolkes durchaus für möglich gehaltene Entwick­lung keineswegs eingetreten. Wenn auch die ^PD. im ersten Wahlgang zur Reichspräsiden- Senwahl noch etwa 5 Millionen Stimmen auf­bringen konnte, so hat sich diese Zahl bei der zweiten Wahl nicht halten lassen, sondern wurde inoch um etwa eine Million Stimmen reduziert. Wn anderer Faktor, der anderenteils noch als günstig hinzukam, war die Haltung der neuge- 'grimdeten SAP. (Sozialistische Arbeiterpartei). Diese neugegründete Splittergruppe hat sich be­kanntlich im vorigen Jahre gebildet. Die Füh­rung dieser anscheinend guten Konjunkturpartei 'übernahmen seinerzeit die berüchtigten SPD.- Leute Seydewitz und Rosenfeld, zu denen sich Doch vier weitere sozialdemokratische Abgeordnete gesellten. Als Grund des Austritts wurde da­mals die von ihnen nicht mehr gebilligte Tole- rierung der NotverordnungsPolitik der SPD. an­gegeben. Diese neue Gruppe hatte, sich ihrer neuen Linie entsprechend, für die Kandidatur Deddy Thälmanns entschieden. Die Empfehlung Thälmanns als Reichspräsident lag absolut in der Linie dieser neuen Splittergruppe, die es sich zur Aufgabe gesetzt hatte, der Verbürgerlichung der SPD. ein Gegengewicht zu schaffen. Diese etwa 350 000 Stimmen, die man Thälmann zu­gute rechnete, fielen vollkommen aus. Auch die Preußenwahlen haben an dieser Tatsache wenig 'ändern können.

Was sind nun die Grundursachen dafür, daß die radikale Richtung des Marxismus nicht das erreicht hat, was bei ihrem guten Nährboden, der heutigen Not des deutschen Volkes, allgemein angenommen wurde? Da gibt es nur eine Er­klärung, der Marxismus ist gescheitert an dem gesunden Menschenverstand des anständigen deut­schen Arbeiters, der in seiner großen Anzahl keine negative Hetze, sondern wirkliche positive Aufbauarbeit will. Es gehört für einen Menschen piit einigermaßen Rechtsempfinden schon eine große Ueberwindung dazu, die ganze verlogene Berichterstattung und unwahre Wiedergabe der jjpolitischen Geschehnisse tagtäglich zu glauben. Der deutsche Arbeiter hat diese Hetze satt und .wünscht vor allen Dingen die Befähigung seiner Führer zum Wiederaufbau zu sehen. In dieser Beziehung gerade bietet die KPD. ihren Anhän­gern weiter nichts als das gute Beispiel des ßkowjet-Paradieses" Rußland. Auch hat er noch -richt vergessen, daß schon einmal mit einer so­genannten Weltrevolution im Jahre 1918 poli- »ische Geschäfte gemacht wurden. Das Ergebnis Hieser internationalen Verbrüderung hat er jetzt -am eigenen Leibe zu spüren. Im übrigen muß Heute jeder Proletarier einsehen, daß es seit dem Auftauchen der Nationalsozialisten für alle Zei- pen vorbei ist mit der Diktatur des Proletariats, Heim das Agitationsgebiet der KPD. wird ihrer

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Die Sozialdemokratie hatte ihre inter­nationale Hetzveranstaltung im Weserstadion aufgezogen, dessen Tribüne leidlich besetzt war. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eingroßes Festspiel", benanntDie Eiserne Front", das sich bei näherem Zu­schauen als übelste Bürgerlriegshetze ent­puppte und wenn wir nicht inzwischen ein­sehen gelernt hätten, daß unter dem heutigen System der Sozialdemokratie alles das ge­stattet ist, wofür man die NSDAP. verfolgt und terrorisiert, würden wir uns dagegen verwahren.

Man hatte ein halbes hundert Reichs­bannerjünglinge mit SA-Mützen versehen, ließ Hakenkreuzfahnen wehen und dann das Reichsbanner in voller Uniform über den Stadionplatz stürmen und die getarnten SA-Leute unter lautem Gejohl in die Flucht schlagen. Besser konnte die Sozialdemo­kratie ihre Ideenlosigkeit und den Unfug des internationalen Mairummels nicht do­kumentieren. Man könnte, wie gesagt, den Einwand erheben, daß bei solchen Vorfüh­rungen die Lust am Bürgerkrieg nicht ge­mindert wird und tatsächlich haben sich ja auch nachher Reichsbannerjünglinge, noch hell begeistert von ihrem leichten Siege über die SA. allerdings auf kommunistische Arbeiter gestürzt und eine Schlägerei insze­niert, in deren weiterem Verlause dann die

Nachdem die Polizei in den letzten Tagen mehrfach gegen Kommunisten einschreiten mußte, die trotz des'in Bremen bestehenden Umzugsverbotes in verschiedenen Stadt­teilen Demonstrationen durchzuführen ver­suchten, ist es am 1. Mai an mehreren Stellen zu Zusammenstößen zwischen Poli­zisten und Kommunisten gekommen. Die Kommunisten veranstalteten um 9.30 Uhr vormittags eine Kundgebung in den Central- hallen. Bereits auf dem Anmarsch wurden kleinere Züge von der Polizei aufgelöst.

Nach Schluß der Versammlung, kurz nach 12 Uhr, bildete sich ein größerer Zug, der unter Absingen revolutionärer Lieder, Ausrufung kommunistischer Kampfparolen und Nicderrufen auf die Polizei durch die Lanbwehrstraße zog.

Den einschreitenden Polizeibeamten wurde tätlicher Widerstand entgegengesetzt, sodatz die Beamten vom Gummiknüppel Gebrauch machen mußten. Sieben Beamte wurden verletzt; drei davon erlitten blutige Ver­letzungen am Kopf, die anscheinend von Schlagringen oder anderen scharfen Gegen­ständen herrühre«, und durch Hautabschür­fungen; sie mußten sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Nnr dadurch, daß

Polizei eingreifen mußte. Ueber diese Zu­sammenstöße berichten wir weiter unten.

Hier sei nur noch aus eines hingewiesen. Im Anschluß an die Maifeier im Stadion sah man in der ganzen Stadt uniformierte Reichsbannerleute, die übrigens mit nicht mehr und nicht weniger als ganze 150 Mann aufmarschiert waren. Da scheinbar das Uniformverbot für das Reichsbanner auch in Bremen keine Gültigkeit hat, schlagen wir dem Senat vor, dieses Verbot überhaupt aufzuheben, da ja die Organisation, gegen die es gerichtet war, sowieso verboten ist. Man würde dann dadurch erreichen, daß einmal die Bevölkerung nicht allzu offen­sichtlich feststellen kann, wie weit wir von der Gerechtigkeit als Grundlage des Staates entfernt sind und zum anderen würde man den Polizeibeamten unnötige Konflikte er­sparen.

Jedenfalls hat der gestrige Sonntag deut­lich bewiesen, daß für das Reichsbanner kein Unisormverbot mehr besteht, denn wir konn­ten uniformierte Reichsbannerleute beob­achten, die an Polizeibeamten vorbeigingen, ohne daß eingegriffen wurde.

Ganz nebenbei bitten wir unsere Leser, sich einmal den Entrüstungssturm bis hinauf zum Reichsinnenminister vorzustellen, der ausbrechen würde, wenn die SA-Leute es gewagt hätten, trotz Uniformverbot in Uni­form dur chdie Straßen zu gehend

die Beamten ihre Pistolen zogen, und zu schießen drohten, ließen die Kommunisten von den Angriffen ab und flüchteten.

In der Bremerhavener Straße wurde ebenfalls ein größerer Trupp von Kommu­nisten aufgelöst. Hierbei wurden mehrere Demonstranten auf Waffen durchsucht. Eine Person, die ein feststehendes Messer mit sich führte, wurde festgenommen. Ein anderer Zug, der in Richtung Ansgariitor- straße-Obernstraße zog, löste sich bei Er­scheinen der Polizei auf. Die Demonstran­ten zogen dann in die Neustadt, wo sie sich in der Kleinen Allee wieder zu einem Zug zusammenschlössen. Die Polizei löste den Zug auf und führte sechs Personen zur Wache. Im Anschluß hieran mußte die Westerstraße geräumt werden. Der Hauptschreier der dortigen Ansammlungen wurde ebenfalls zur Wache geführt. Auch in anderen Stadtteilen wurden kleinere Züge der Kommunisten festgestellt.

Die Zusammenstöße sind eine Folge der in den letzten Tagen durchgeführten plan­mäßigen Hetzpropaganda der kommunisti­schen Parteileitung, die trotz des Umzugs­verbots in der Presse, in Versammlungen und in Flugblättern zur Durchführung von Demonstrationen^aufforderten

geistigen Einstellung nach immer ein sehr be­schränktes sein, weil sich eine Klassenkämpferpar- tei, die getragen ist von dem Gedanken der Dik­tatur des Proletariats, stets nur sich wenden kann an einen bestimmten Prozentsatz des Vol­kes. Ihr ist von vornherein durch die marxisti­sche Grundeinstellung die Möglichkeit genommen, jemals große Volksmassen, wie Bauern, Hand­werker und Mittelständler in ihrem Rahmen zu vereinen.

Eine Partei, die Kollektivwirtschaft anstrebt in der Landwirtschaft, erhält niemals einen selbstän­digen Bauern als Anhänger, eine Partei, die den Mittelständler und Handwerker als rückständig betrachtet und ihn gerne aus der individuellen Einzelstellung in die Zwangsjacke des proletari­schen Massenmenschen zwingen möchte, wird nie einen Mittelständler von Charakter zu den ihri­gen zählen, eine Partei, die das Leistungsprin­zip ablehnt, wird den tüchtigen Qualitätsarbeiter aus ihren Reihen verdammen.

Und nun wäre es durchaus möglich gewesen, daß die weltanschaulich geeichten Marxisten in­nerhalb der SPD. in den Schoß des Kommunis­mus zurückkehren würden. Das ist aber auch nicht eingetreten. Wir wissen alle, daß die heutige KPD. mit denselben Versprechungen arbeitet, wie vor zwanzig Jahren ihre Vorgängerin, die SPD. der Vorkriegszeit. Es tauchen dieselben Ver­sprechungen in anderer Form wieder auf, wie der Sechsstundentag, vier Wochen Sommerur­laub für jeden Arbeiter und ähnliche schöne Sa­chen mehr. Ja, sogar das neue Paradies, das seit der Austreibung von Adam und Eva nicht wiedergefunden wurde, wird in Aussicht gestellt Für manchen SPDler ist es natürlich eine Ent­täuschung, wenn er nach lljähriger Positiver Ar­beit als Mitglied seiner staatserhaltendenVer­nunftspartei" wieder mit dieser ihm aus der Ju­gend so bekannten Phraseologie von neuem be­ginnen muß. Aus diesem Grunde bleibt so man­cher alte Klassenkämpfer in seiner Partei, ob­gleich die positiven Leistungen die marxistische Idee auf den Kops stellen. Er merkt auch bald, daß die Verbonzung und Korruption, die Unehr- lichkeit der einzelnen Funktionäre noch größer ist als in seiner Traditionspartei. Durch diese für die KPD. niederdrückenden Tatsachen ist so man­cher suchende Arbeiter zum Nationalsozialismus gekommen. Hier hat er einmal sein Volk wieder­gefunden, das andere Mal zeigt sich hier der ehr­liche Wille, den deutschen Sozialismus wirklich durchzuführen. Hier kann er mit seinem Volks­genossen, deni Bauern und Mittelständler, für ein neues Reich kämpfen. Heute gibt es für ihn nur zwei Wege, entweder er verhungert im demo­kratischen Staat oder schafft mit Adolf Hitler eis neues Deutschland.

Wie stellt sich nun die kommunistische Partei­leitung zu dieser Einstellung der Wählermassen'k Die Zeit, wo sie Farbe zu bekennen hat, rückt unbarmherzig näher. In ihrer Hand liegt vorerst die Entwicklung der Dinge in Preußen. Thäl­mann erklärte der englischen Presse, auf alle Fälle ein nationalsozialistisches Preußen verhin­dern zu wollen. Das wäre gleichbedeutend mit einer Tolerierungspolit-k der Regierung Braun- Severing oder praktisch die Rettung des früher so viel geschmähten kapitalistischen Staates und indirekt die Aufrechterhaltung der Notverord­nungspolitik Brünings. Oder bleibt die KPD ehrlich-in ihrer Haltung, wie man doch eigent­lich nach den Protestreden anläßlich der,A-

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