Ausgabe 
(28.4.1932) Nr. 87
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Augsburg, 27. April. Die Polizei hat bei einem Angehörige» des Reichsbanners in Augsburg 178 Seitengewehre ohne Schei­den beschlagnahmt. Die Waffen waren an­geblich für Dckorationszwecke gesammelt worden. Ueber ihre Herkunft ist trotz ein­gehender polizeilicher Ermittlungen noch nichts in Erfahrung gebracht worden.

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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung» Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag i»is Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.

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Im Lager der schwarz-roten Koalition und der dazugehörigen Presse beginnt jetzt das große Rätselraten, was in Zukunft ge­schehen soll. Man ist sich zunächst darüber klar geworden, daß die Regierung Brauu- Severing verspielt hat und sie nur als ge- schäftsführendes Kabinett ein gefährdetes Dasein führen kann, das außerdem dem Nationalsozialismus neue Scharen von Mit­kämpfern zuführen würde. Von letzteren Erwägungen läßt sich besonders das Zen­trum leiten, zumal es befürchtet, daß der eben gewählte preußische Landtag erneut aufgelöst wird und der Nationalsozialismus abermals verstärkt aus einem neuen Wahl­kamps hervorgeht. Daher scheint man ge­willt zu sein, an die NSDAP. heranzutre­ten, um die Regierungsverhandlungen auf­zunehmen.

Allerdings wird sich das Zentrum klar sein, daß dann ihr Kanzler Brüning un­mittelbar vor einer Regierungskrise steht. Die SPD. hat nur deshalb ihre eigene programmatische Einstellung verraten und das Kabinett Brüning gestützt, um in Preu­ßen an der Macht zu bleiben. Fällt dieser Grund weg, so wird die in den eigenen Kreisen der SPD. stark befehdete Tolerie- rungspolitik völlig unsinnig und man wird Herrn Brüning bei nächster Gelegenheit das Vertrauen aufsagen. So sitzt das Zentrum genau wie die SPD. zwischen zwei Stühlen und weiß nicht recht, nach welcher Seite es rettenden Anschluß suchen soll.

Noch hoffnungsloser ist die Lage der SPD., die in Preußen ihre Stellung ver­loren hat und Gefahr läuft, nun auch im Reich abgehängt zu werden. Jedenfalls scheint in den Reihen der SPD.-Politiker heillose Verwirrung zu herrschen. Der „Vorwärts" z. B-, das parteioffizielle Or­gan der SPD., unternimmt Plötzlich einen wilden Sprung ins kommunistische Lager und fordert die Regierung auf, im Interesse

der Sowjetunion einen Schritt gegen Japan zu unternehmen. Dazu müßten die anti- bolschewistischen Kräfte des Nationalsozia­lismus weiter von der Macht ferngehalten werden. Auf einmal also bekennt sich der „Vorwärts" zu einer nach unserer Ansicht völlig falschen imperialistischen Außenpolitik und schlägt sich zum anderen auf die Seite der Kommune, die den deutschen Arbeiter gegen Japan in blutige Auseinandersetzun­gen hetzen möchte.

Den entgegengesetzten Weg hält Herr Se- vering für richtig. Er wünscht nämlich, daß die Nationalsozialisten an der Verantwor­tung beteiligt würden, die bisher Zentrum und SPD. getragen hätten. Wenn Herr Severing sich einbildet, daß wir in ein Ka­binett hineingehen, um mit den gleichen kümmerlichen Mitteln des Systems weiter fortzuwursteln, hat er vom Nationalsozia­lismus noch immer nicht die geringste Ah­nung. Wir sind jederzeit bereit, die Ver­antwortung zu übernehmen, aber man muß uns die Gelegenheit geben, unsere grund­sätzlichen programmatischen Forderungen auch in die Tat umzusetzen, denn sonst kann selbstverständlich keine Besserung der Lage eintreten. Dieser Grundgedanke wird zwei­fellos alle Regierungsverhandlungen be­herrschen, zu denen wir uns bereit finden werden. Wir wollen weder Ministersessel noch sonstige Posten, wir wollen entscheiden­den Einfluß auf die Gestaltung der Dinge in Preußen und im Reich, der uns zukommt als der weitaus größten Partei Deutschlands.

Von diesem Gedanken lassen wir uns auch leiten, wenn wir jetzt die Forderung erhe­ben, den völlig überholten Reichstag aufzu­lösen und neue Wahlen auszuschreiben. Das Kabinett Brüning würde dann mit aller Deutlichkeit erleben, daß er das Vertrauen des deutschen Volkes in keiner Weise mehr besitzt.

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Berlin, 28. April. Zu unerhörten Ausschrei­tungen der litauischen Wahlpropaganda kam es in der vergangenen Nacht in ganz Memel. Große Trupps großlitauischer Burschen durchzogen mit Plakaten und Wahlaufrusen die Straße», klebten an alle Häuser und auch an die öffentlichen Ge­bäude Plakate mit litauischen Ausrufen an und verschonten damit nicht einmal die Denkmäler. S-r wurden die Büsten am Borussia-Denkmal der­art überklebt, daß sie nicht mehr zu erkennen find, und der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals wurde über und über mit großlitauischeu Wahl- ausrusen beklebt. Auch in verschiedenen Straßen wurden die Hauswünde mit Teer besudelt und die Fenster mit Plakaten beklebt. Einen Kaufmann, der sich das Besudeln seines Hauses verbat, schlug man nieder und mißhandelte ihn schwer. Besonders hatte man es aus das Gebäude des „Memeler Tainpsbootes" abgesehen, dessen Fenster und Türen sämtlich mit Teer und Farbe beschmiert wurden. Die Polizeibeamten, die den Ausschreitungen ent­gegentreten wollten, wurden mit Wassengewalt be­droht und mußten sich zurückziehen. Erst später gelang es, vier der gewalttätigen Burschen fest­zustellen. Es Haudell sich durchweg um Leute, die unlängs aus Großlitauen ins Memelgebiet gekom­men find, sowie um solche, die widerrechtlich vor kurzem eingebürgert wurden.

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Paris, 27. April. Die vielen Reben und Reisen der letzten Wochen haben den Mi­nisterpräsidenten Tardieu so stark ermüdet, daß ihm die Aerzte vorläufig strengste Ruhe empfohlen haben. Tardieu ist ernstlich an einer Kehlkopfentzündung erkrankt. Er wird weder am Donnerstag in Belfort die be­absichtigte große politische Rede halten, noch am Freitag, wie ursprünglich geplant, nach Genf reisen.

Diese zur rechten Zeit gekommene politische Krankheit Tardiqus beweist nur, wie Reichs­kanzler Brüning in Genf mit sich spielen lassekr muß.

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Paris, 28. April. Die Genfer Sonder­berichterstatter der großen Pariser Blätter machen sich zum Sprachrohr der großen Ent­täuschung, die die plötzliche Verhinderung Tardicus an seiner Genfer Reise in den verschiedenen .Abordnungen hervorgerufen hat. Man habe in amerikanischen und eng­lischen Kreisen geglaubt, Tardieu so kurz vor den französischen Wahlen zu einer Reihe von Zugeständnissen in der Abrüstungs- und Flottenfrage bewegen zu können und diese Auffassung sei bis zu einem gewissen Grad sogar von der deutschen und italienischen Ab- Krdnung geteilt worden. Das „Echo. de

Paris" zeigt sich über die Verhinderung Tardieus keineswegs verärgert. Man sei auch in französischen Kreisen in Genf der Auf­fassung, daß Frankreich kein Interesse daran habe, sich in eine Fünferkonferenz einzulas­sen, auf der es von vornherein eine isolierte Stellung eingenommen hätte. Der ,'»Petit Parisien" bezeichnet die Absichten und Ziele der Vertreter Amerikas, Englands, Deutsch­lands und Italiens als ziemlich vage, da man niemals ernstlich daran habe glauben können, daß Tardieu in der Abrüstungs­frage die Zugeständnisse gemacht hätte, die man von ihm erwartete. Das „Journal" warnt vor einer Uebertreibung der Auswir­kungen der geplanten Fünferbesprechung. Es gehöre eine ziemliche Naivität dazu, anzu­nehmen. daß die französisch-italienischen

Meinungsverschiedenheiten am Vorabend der französischen Wahlen in einigen Stunden ge­regelt worden wären und daß man in einer so kurzen Zeit eine Brücke über den Ab­grund gebaut hätte, der die französische und deutsche Abrüstungsthcse voneinander trenne. Auch die französische Linkspresse zeigt sich mit der Entwicklung der Dinge sehr zu­frieden. Man verstehe sehr Wohl, so schreibt die „Ere Nouvelle", daß Stimson, Brüning und Macdonald sehr viel an der Regelung der Abrüstungsfrage gelegen sei. Frankreich sei von Hause aus das Land der Höflichkeit. Diese Höflichkeit zwinge auch gewisse Pflich­ten auf, die aber auf Gegenseitigkeit beruhen und selbstverständlich hinter die allgemeinen Interessen des Landes gestellt werden müßten.

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In einem Leitartikel in den „Bremer Nach-, richten" vom Mttwoch, beschäftigt sich Dompre­diger Dr. Hartwich mit dem SA.-Berbot. Erweist treffend nach, wie völlig abwegig es ist, von einem „Privatheer" zu reden und wie sehr man durch einen solchen Sprachgebrauch Wasser auf die Mühlen des feindlichen Auslandes leitet. Es' dürfte aber doch in diesem Zusammenhange zu betonen nicht unwesentlich sein, daß die den deutschen Belangen so abträgliche und unrichtige Bezeichnung aus rein parteipolitischen Gründen sowohl von der Regierung als auch von den ihr? nahestehenden und sie stützenden Parteien erfunden und gebraucht worden ist — eine Tatsache, die in tief zu bedauernder Weise zeigt, wie sehr gerade bei den Faktoren, die im Augenblick Deutschlands! Geschick bestimmen, parteipolitische Erwägungen den Vorrang vor gesamtdeutschen Belangen Habens Wir vermißten leider eine dahingehende Kenn-l Zeichnung in den Ausführungen Pastor Hart« wichs! —

Herr Pastor Hartwich bezeichnet es als ein G« bot der Staatsräson, gegen Organisationen wie die SA. einzuschreiten. Aber Praktische Erfolgs staatspolitischer Art dürften dem SA.-Verbot wohl kaum beschieden sein! Der Widerspruch und dis Empörung, die es allgemein hervorgerufen hak und die vermehrte Beeinträchtigung des Rechts­empfindens breiter Kreise, die es im Gefolge hatte? und hat, tragen gewiß nicht zur Hebung der? Staatsgesinnung, zur Stützung der Staatsautork tät bei.

Das Wesen der SA. selbst und der Geist, dei sie beseelt und aus dem heraus sie allein zu ver-i stehen ist, sind Herrn Pastor Hartwich augen­scheinlich völlig fremd. Wenn er die in der SA. gebräuchlich gewesenen, mehr oder weniger der alten Armee entnommenen Bezeichnungen auf­zählt und der SA. „Spielerei" vorwirft, so ist eine solche Betrachtung doch gar zu sehr an Äußerlichkeiten gebunden, ohne auch nur den Versuch zu machen, in die Tiefe zu gehen und das Wesentliche zu erfassen.

Eines ist richtig und zu einem bekennen wir uns in aller Öffentlichkeit: wir knüpfen in unserer politischen Gestaltung und Erziehungs­arbeit bewußt an jene Tradition und an jene Faktoren an, die Preußen und Deutschland groß machten und die in ihrer reinsten Form in der deutschen Armee verkörpert waren: Kameradschaft, Unterordnung, Selbstzucht, Opferbereitschast, un­bedingte Hingabe an die Idee, an Staat, Volk und Vaterland!

So wie die preußische und deutsche Armee nichts willkürlich Geschaffenes war, sondern dem tiefsten Wesen Preußen-Deutschlands entquoll und deren reinster Ausdruck war, so sind auch die seelischen Werte die sich in der alten Armee verkörpern, unerläßlich zum Wiederaufbau Deutschlands und es ist kein Zufall, daß jene Parteien und Geistes­richtungen, die in den letzten 13 Jahren in Deutschland herrschten und die Zustände schufen, die wir heute haben, bewußt und konsequent die alte Ärmee und ihre Tradition bekämpften, be­schmutzten und begeiferten.

Diese seelischen Werte und ihre Träger zn unterdrücken, dürfte, darin wird Herr Hartwich uns Recht geben müssen, niemals einem Gebot wahrer Staatsräson entsprechen; sind sie es doch gerade, die überhaupt erst einen Staat aufbauen.