Ausgabe 
(25.4.1932) Nr. 84
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag; Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.S0 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige hie 10 gespaltene mm--Zeile RM 0.10 Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.13, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70. Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verba..Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM0.0L* bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878. usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugpr. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

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Die Sozialdemokratie ist in Preußen nach ÜZjähriger Herrschaft vernichtend geschlagen. Die NSDAP., bisher verfemt, wurde vorn Vertrauen der zugrunde gerichteten Massen der Bauern und Arbeiter mit der hohen Aufgabe betraut, den preußischen Staat sei­ner deutschen Aufgabe wieder zuzuführen. Wir sind bereit, in Preußen die Regierung zu übernehmen und mit jedem zusammen­zuarbeiten, der ein nationales von sozialem Gerechtigkeitssinn erfülltes und von kräf­tigem Geist veredeltes Preußen will. Wir weisen niemanden zurück, der bereit ist, mit uns an den Aufbau des Staates heran­zugehen.

Mit diesen Worten begrüßt der Führer der bisherigen preußischen Landtagsfraktion der NSDAP., Parteigenosse Kube, den Wahlausgang des gestrigen Tages und cha­rakterisiert damit eindeutig die gegebene Situation. Berücksichtigt man, daß beim zweiten Wahlgang zur Präsidentenwahl Deutschnationale und andere Rechte in gro-^ ßer Zahl Hitler ihre Stimmen gaben, so kann man feststellen, daß die NSDAP. seit dem 1. Wahlgang, der uns ia 6,5 Millionen in Preußen brachte, iü rund 8 Wochen 1,5 Millionen Stimmen gewann, eine Wähler­masse, die heute die gesamten Mittelparkeien Preußens zusammen nicht mehr aufzubrin­gen in der Lage sind. Deutlicher konnte also das preußische Volk seinem Willen nicht Ausdruck geben, von wem es in Zukunft regiert weäen möchte und deutlicher konnte der Regierung Braun nicht das Mißtrauen ausgesprochen werden.

Trotz abledern können und dürfen wir kei­nen Augenblick vom Kampfe ablassen, um­so mehr, als die Schwierigkeiten in der Umbildung zu einer neuen Regierung recht groß sein werden. Nachstehende Tabelle zeigt das Mandatsverhältnis im neuen Preußi­schen Landtag.

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(mit Vsi-glsivksLsiiisn ilsi» Ivtxlsn ^.snritsgs- unil »rvielisrsgsvvskl

Landtagswahl

20. Mai 1928

Reichstagswahl 14. Sept. 1930

Landtagswahl

24. April 1932

SVD.

5 464 767

' 4 989 488

4 674 943

DNVP.

3 274 897

1 968 856

1 524 931

2870 283

3 158 131

3 374 413

KPD...

2 237 160

3 141 547

2 819 602

DVP..

1 602 070

1 004 118

330 807

Wirtschaftspartei....

850391

803 141

191 032

Staatspartei........

839 530

680 946

332 441

NSDAP ^.

552 560

3 982 657

8 008 219

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München, 24. April. Die amtliche Zahlung aus Gesamt-Bayern ergab folgendes Ergebnis:

14.9.1930

Bayerische VP.

1272074

1 175 074

SPD.

604 098

787 699

Bayerischer Bauern-

und

Mittelstand

253 260

69 105

DNVP.

127 983

75 052

NSDAP.

127Ü 612

677 928

KPD.

259 400

224 719

SAP.

13 452

_

Christlicher Volksdienst 42109

66 723

Deutsche Volkspartei und

Wirtschastspartet

26 012

176661

Werktätige

236

—

Parteien

Zahl d

LÄ

SL

m

bei der " Auslösung S 1932 §

ordneten

2.S»

S. P. D.

137

137

93

D. N. V. P.

82

71

31

Zentrum.

71

71

68

Kommunisten.

§6

48

56

D. V. P.

40

40

6

Dölk. Rat. Block 1

2

—

—

Landvolk l Deutsche

7

12

—

Hannoveraner I Fraktion

5

5

1

Volksrechtpartei 1

2

2

—

Staatspartei .

21

22

2

Wirtschaftspartei.

21

16

2

N. S. D. A. P.

6

9

162

Christi. Soziale .

4

2

Kommunistische Oppos—..

—

1

—

Kommun. Linke Oppos...

—

1

—

Radikaler Mittelstand ..

—

1

—

Soz. Arbeiterpartei ....

3

—

Bei keiner Fraktion ....

7

—

Gesamtzahl

450

450

423

Auch im schwarzen Bayern ist es uns gelungen unsere Stimmenzahl zu verdoppeln und neben der Bayerischen Volkspartei zur stärksten Partei zu werden. Um nicht ganz 2000 Stimmen ist uns'die Bayerische Volkspartei noch voraus.

Wer den Einfluß der Kirche in Bayern kennt; wer weiß, mit welcher Bedenkenlosigkeit alle Mittel der Kirche in den Dienst der Politischen

Propaganda und Beeinflussung zugunsten der Bayerischen Volkspartei — wie im Reich zu­gunsten des Zentrums — gestellt war, der wird den ungeheuren Erfolg, den wir erzielt ha­ben, erst voll ermessen können.

Die SPD. hat über 104 000 Stimmen ver­loren von denen nur ungefähr 35 000 Stimmen der KPD. zugute gekommen sind.

Die 128 Sitze im neuen Bayerischen Land­tag verteilen sich wie folgt:

Bayerische VP. 45

SPD. 20

Bauernbund 9

DNVP. 3

NSDAP. 43

KPD. 8

Es hängt vom bayerischen Zentrum, der * „Bayerischen Volkspartei", ab, ob sie mit der atheistischen und volkszersehenden SPD. zusam­menarbeiten will oder ob sie endlich gewillt ist, das Steuer herumzureißen und eine Regierung bil­den zu helfen, die dem Willen des Volkes ent­spricht und eine Gesundung der Verhältnisse ge­währleistet.

Aus dieftr Tabelle geht hervor, daß die bisher regierende Weimarer Koalition von der absoluten Mehrheit im neuen Landtag, die etwa 212 Sitze beträgt, nur 163 Sitze und die große Koalition nur 169 Sitze er­zielen würde. Die NSDAP. zusammen mit der DNVP. verfügt aber auch nur über 193 Sitze und rechnet man selbst die bür­gerlichen Splitter, zu denen neuerdings auch die Volkspartei gehört, hinzu, so fehlen 9 Mandate an der absoluten Mehrheit im Landtag. Das Zentrum* hätte es in der

Hand, bei einem Zusammengehen mit den Nationalsozialisten, eine sehr starke Regie­rungsmehrheit zu bilden. Jedenfalls ist eS uns gelungen, dem Zentrum ein für allemal den Weg nach links zu zerschlagen.

Es ist unzweckmäßig, hier Vermutungen und Kombinationen nachzugehen, da in un­serer Bewegung der Führer entscheidet und der wird wissen, welcher Weg gegangen wer­den muß.

Von einiger Bedeutung dagegen ist die offene Kriegserklärung, die die geschlagene

Regierung Braun au die deutsche Freiheits bewegung richtet. Eine Kriegserklärung, dst einmal das Bekenntnis zur marxistischen Dik­tatur und zum anderen gleichzeitig das Re- gierungsprogramm dieser Männer enthält, Optimismus und Schönfärberei, bis der letzte verhungert ist. Wir geben dieses Do­kument nachstehend im Wortlaut wieder.

In Kreisen der preußischen Staatsregie­rung wird unabhängig von der sonstigen Beurteilung des preußischen Wahlergebnisses mit großer Befriedigung festgestellt, daß die Oppositionsparteien die absolute Mehrheit nicht erreicht haben. Nach der nur kurze Zeit vor den Wahlen erfolgten Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Land­tages sei daher das Verhalten der Regierung Braun gegenüber dem neuen Landtag bes rcits klar vorgezeichnet. Es sei eine Frag« von nur untergeordneter Bedeutung, ob die Regierung Braun entsprechend den Gepflo­genheiten formal zurücktreten wird oder nicht. Denn in maßgebenden Kreisen der preußischen Staatsregierung wird kein Zwei­fel darüber gelassen, daß die Regierung Brau» auf jeden Fall als gcschästsf-hrendes Kabinett weiter amtieren will. Man hält es in diesen Kreisen auch für ausgeschlossen, daß die Kommunisten etwa der Rechtsopp.o- sition zur Rückgängigmachung der Geschäfts­ordnungsänderung im Preußischen Landtag die Hand reichen werden. Zunächst wird noch der alte Landtag bis zum 19. Mai weiter bestehen. Die Regierung Braun setzt ihre Hoffnung auf die Möglichleit einer allmäh­lichen Besserung der allgemeinen Wirtschafts­lage und auf eine sich hieraus ergebende

LisssmtSS'gSdnis

SPD. 4 674 943

DNVP. 1 524 931

Zentrum 3374 413

KPD. 2 819 602

DVP. 330 807

Volksrechtsparti i 44119

Wirtschaftspakt i 191032

Landvolk 153 562

Junge Rechte 13 942

Staatspartei 332 441

NSDAP. 8 008 219

Deutsch-Hann. Partei 63 803

Christlich-Sozialer VD. 255 068

SAP. 80 437

Radikaler Mittelstand 9 949

Nationale Sammlung 6 515

Kleinrentner 25 518

Polnische VP. 57 731

Nationale Beamte 3 885

Haus- und Grundbesitz 67 405

Liste Schmalix 4 570

National, deutsche AP. II 592

Preußisch-litauische VP. 363

Schleswigsche Heimat 2 301

Partei der Erwerbslosen 3 461

Deutsche Einheitspartei 1 329

Wahlbeteiligung 81 v. H. Abgegebene gültig« Stimmen: 22 069 849-