Ausgabe 
(23.4.1932) Nr. 83
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^Kerlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die 10gespaltene mm-Zeile RM 0.10 Dationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Textteil RM 0 50, auswärts RM 0.70.

Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbo ., Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM 0.08,

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Von s. IVI.

nsok ^nonk-onl s. O.

Der Morgen graute bereits, als Adolf Hitler von seiner Rheinfahrt nach Wiesbaden zurück­kehrte. In dunkler Nacht zog die Kolonne der Wagen von Trier über den Hunsrück und als sie die ersten Straßen Wiesbadens durchsuhr, da stand bereits ein fahler Schein am östlichen Him­mel. Nur wenige Stunden Ruhe, da find die Wagen schon wieder gerichtet und stehen zur nsueu Abfahrt bereit. - Auch die Wiesbadener haben anscheinend kaum geschlafen. Als wir zum Flughafen fuhren, bevölkern sie schon wieder die Straßen und jubeln dem Führer zu.

Rein in die Autos und dann in das Flug­zeug und ehe wir noch richtig zur Besinnung ge­kommen sind, schwebt die Maschine schon wieder über Frankfurt a. M.

Auf der Rhön liegt noch Schnee, weit im Schutz der Wälder, als lange schmale Streifen.

Es gibt keine Entfernungen mehr. Schon liegt Erfurt unter uns. Felder, Wälder, Seen und Dörfer gleiten unter uns dahin und während wir glauben, daß wir mindestens noch eine Stunde zu fliegen haben, da schimmert schon das Band der Oder zu uns herauf. Der Pilot läßt die Maschine über dem Stadion von Frankfurt kreisen. Hinter einem Waldrücken liegt der Flug­platz. Die Maschine setzt auf. Adolf Hitler steigt mit seiner Begleitung aus, und schon brausen die Wagen, die ihn erwarteten, davon.

Wir liegen mit den Piloten einiger kleiner Propaganda-Flugzeuge im Grase des Flughafens und hören über den Waldrückeu hinweg den Ju­bel der 60 000, die Adolf Hitler begrüßen.

6O0V0 »n s. O.

Wieder leuchtet uns ein sonniger Frühlings­tag, ein Tag in blau und gold. Frankfurt a. d. Oder liegt in Heller Sonne. In Straßen und Gasten flutet der Menschenstrom über die große Oderbrücke hinüber, dem Oderdamm entlang, hinaus zum Stadion, zu dem riesigen Oval, in dem der Führer heute sprechen wird.

Die ganze Ostmark ist auf den Beinen. Son- derzüge aus Kottbus und Schneidemühl haben Tausende und aber Tausende herangebracht. Om­nibusse kamen von weither, aus Küstrin, Lands- äerg und Meseritz. Radfahrer aus allen Dörfern der Ostmark, fahren durch den strahlenden Tag. Als um 10 Uhr das Stadion geöffnet wird, strö­men die Tausende hinein und warten, warten stundenlang. Die Musik spielt.

Plötzlich in der Ferne Motorgebrumm. Ein Flugzeug über dem Walde wird sichtbar und fliegt über den Platz. 60 000 Arme strecken sich empor, um den glitzernden Vogel zu grüßen, in dem der Führer fliegt. Wenige Minuten später erscheint Adolf Hitler auf der großen Tribüne des Stadions. Eine Welle der Begeisterung geht durch die wogenden Menschen. Lachenden Ge­sichts sieht er auf die unübersehbare Menge, die ihm zujubelt. Dann beginnt er zu sprechen.

Er spricht von den Lügen, die man in den letzten Jahren, als man sah, daß er zum Führer des ganzen Volkes wurde, über ihn und seine Bewegung ausschüttete. Er zerschlägt eine Lüge nach der anderen. Der immer wieder aufbrau-

viklslui* in I^suÜsn?

SIsaLskommissar*

Keins Umbildung rlvn Nvgisnung

DemGroßdeutschen Pressedienst" wird aus zuverlässiger Quelle geschrieben»

Aus der Besprechung, die am kommenden Sonntag zwischen Reichskiuizler Brüniug und dem Innen- und Wehrminister Groener j« Hoheuzollern-Sigmaringen vorgesehen ist, sollen die Grundlagen für die kommende politische Entwicklung im Reich und in Preußen festgelegt werden. Man rechnet allgemein in Kreisen der Reichsregierung mit einem gewaltigen Siege der nationalsozialistischenBeweguug und damit, daß die Zusammensetzung im neuen Preußenparlament jede Regierungs­mehrheit auf der Grundlage der Weimarer Parteien oder einer von der Sozialdemo- kratie toleriertennationalen" Regie­rung unmöglich macht. In diesem Augen­blick hält Groener den lange erwogenen und vorbereiteten Plan einerdemokra­tischen" Diktatur für gekommen. Der Neichsinnen- und Wehrminister will Brü- ning den Erlaß -es Ausnahmezustandes und die Einsetzung eines Staatskommissars für Preußen vorschlagen« Mit der ausführen­den Gewalt soll Groener betraut werden,

der für diesen Posten ja bereits bei der Umbildung -es Brüning-Kabinettes und

der Personalunion von Reichswehr- »nd

Innenministerium auserschen wurde.

Um die Sozialdemolratie für diese Pläne zu gewinnen, beabsichtigt man das ge­genwärtige Preußische Kabinett kommissarisch mit der Regierung zu beauftragen. Personelle Verände­rungen in der Preußenregierung, die Umbe- setzung des Innen- und Wirtschastsmini- steriums werden erwogen. Mit der Ver­öffentlichung dieser neuen Pläne dürfte am 2S. oder 3V. April zu rechnen sein. In den Kreisen um Groener hält man jedoch die Zustimmung des Reichskanzlers für sicher, umsomehr, als dieser Plan bereits wieder­holt besonders kurz vor dem ersten Präsi­dentenwahlgang erwogen wurde.

Mit diesem letzten Versuche der Herüber- rettung des Brüning-Systems wird mit einem Schlage der Schleier von der gegen­wärtigenDemokratie" gezogen. Man glaubt mit einem solchen Vorgehen das aus angeblich demokratischen Füßen aufgebaute System zu retten«

Hinlrmsnn AUS VVI'. susgstnslvn

nun kiei'n ^pokessop MslL?

Kapitänleutnant Hintzmann, der Führer der bremischen Volkspartei, richtet einen offenen Brief an seinen Parteivorsitzenden Dingeldeh, in dem er ihm mitteilt, daß er nun die Zeit für gekommen erachtet, aus seiner Partei auszutreten ynd sich den Deutschnationalen anzuschließen. Als grund­sätzliche Erwägung zu diesem Schritt gibt er einmal an, daß die politischen Parteien und Gruppen» die zwischen den National­sozialisten und dem Zentrum stehen, infolge ihrer Zersplitterung immer mehr zusam­menschmelzen und darum nicht mehr im­stande sind, nennenswerten Einfluß auf die Gesamtpolitik zu nehmen. Zum anderen aber hätten diese Parteien es nicht fertigge­bracht, eine klare und eindeutige Stellung zur Sozialdemolratie einzunehmen. Für ihn komme deshalb nur die Deutschnationale Volkspartei in Frage, weil sie noch ein großer Machtfaktor" sei und sowohl pro­grammatisch wie praktisch gegen die SPD Stellung genommen habe.

Der Volkspartei wirft er vor, baß sie trotz ihrer einst schwarz-weiß-roten Einstellung in der Praxis mit der SPD. zusammenar­beitet, ja, daß sogar führende Persönlich­keiten in ihren Reihen LP.rosejsor ^ Dietz,

Karkmeyer) sich zur grundsätzliche« Notwen­digkeit solcher Zusammenarbeit bekennen.

Mein Austritt aus der Volkspartei einen Tag vor den Landtagswahlen soll als eine Warnung vor dieser Partei aufgefaßt wer­den und wir glauben auch, daß zum minde­stens für Bremen diese Warnung bei einer etwaigen Bürgerschastswahl einen durch­schlagenden Erfolg gehabt hätte. Da wir aber nicht in Bremen wählen, bleibt abzu­warten, wie weit sich Teile der bremischen Volkspartei diesen an sich richtigen Erkennt­nissen des früheren Volksparteilers Hintz­mann mrschließen, soweit sie Bezug haben aus die Stellung der Volkspartei zur SPD.

Ein Unglück kommt selten allein. Der bremische Senat, der soeben durch die Vor­gänge in der Sparkasse, für die er als Aufsichtsbehörde immerhin nicht ganz un­verantwortlich ist, einen Stoß bekommen hat, muß heute einen neuen Affront ein­stecken, der seine volksparteilichen Mitglie­der in eine peinliche Lage bringt. Wir Nationalsozialisten können auf jeden Fall mit Ruhe die Entwicklung abwarten, denn jeder Tag, an dem dieses System am Ruder ist, jeder Tag arbeitet jür uns .und gegen die aud-^ ^ ütt- -

sende Jubel der Zehntausende beweist, daß er ihnen aus dem Herzen sprach. Die Begeisterung kennt aber keine Grenzen mehr, als der Führer seine Rede beendet:

Sie behaupten, wir wollten alle anderen Par­teien zerschlagen. Wir bekennen: Jawohl, das

wollen wir!

vei» ^lug Ssr'ttn

nsok kßsunuppin

Wieder steigt drüben hinter dem Walde ein brausendes Rufen zum Himmel empor. Kurze Zeit später gleitet die Wagenkette heran. Die Propeller springen an und schon sind wir wie­der in der Luft, Kurs auf Berlin. Bald über­queren wir Seen bei Erkner. Der Müggelseg breitet sich unter uns aus. Kleine Boote schwim­men auf ihm umher und sehen aus der Höhe wi« winzige Wasserspinnen aus. Ueber Schöneweids, Treptow, Ncukolln geht der Flug. Im roter Neukölln flattern Hitlersahnen. Dann rollen wieder die Autoräder über dem Berliner Asphalt, Ueber die Heerstraße geht die Fahrt durch Staa- ken hindurch und in die Mark hinein. Ribbeck wird durchführen, wo der alte Ribbeck lebte, aus dessen Grabe der Birnbaum wächst, von dem wir in der Schule hörten: Fehrbellin, wo der Große Kurfürst die Schweden vernichtend schlug; Frie- sack, die Heimat der Raubritter, deren Macht der erste Hohenzoller erst brechen mußte, um Brandenburg zur Größe zu führen, dann N«v ruppin.

Ein Meer von Fahnen, Triumphbogen und grünen Girlanden.

Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Alle, aber auch alle Straßen sind von Menschenmaffen umsäumt. Immer wieder sind Schnüre über die Straße gespannt, an denen sechs, sieben und acht Hakenkreuzfahnen hängen.

75 000 Menschen stehen aus dem allen Schütze«- Hausplatz und erwarten den Führer.

In allen Dörfern ging es von Mund zu Munv, daß der Führer in Neuruppin sprechen würde, Als nun der Tag herankam, da wurden die Eisenbahnzüge gestürmt, da setzten sich Autoko­lonnen in Bewegung und Pferdefuhrwerke bevöl-! kerten die märkischen Straßen. 19 000 Einwohner hat Neuruppin. Aus dem alten Schützenhausplatz aber hatten sich 75 000 Menschen zusammenge­funden, die Adolf Hitler hören wollten.

hohen, mit Kieferngrün bespannten Masten u die roten Fahnen mit dem Hakenkreuz, u über einem Meer von Menschen, von mär- Bauern, Arbeitern und Bürgern, die voü ! her zusammengekommen sind. Drüben Laldrande aber, hinter der Absperrung, 10000 Erwerbslose, die den Beitrag zur ebung nicht bezahlen können. Da springt s auf die Rednertribüne und verkündet, ich diesen Volksgenossen Gelegenheit gegeben r muß, den Führer zu hören. Sie dürfen k-n Nlnk betreten. Mit brausendem

lung aufgenommen.

Zunächst spricht August Wilhelm.

Er erzählt von dem großen König, der Zie^