Ausgabe 
(22.4.1932) Nr. 82
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Morgens wacht man verwundert auf und fragt sich, ob es nun eigentlich wahr ist, baß man schon nicht mehr drüben in Ost­preußen sitzt, sondern hier im Westen des Reiches, am deutschen Rhein. — Es stimmt schon. Dazwischen liegt sogar ein Tag, an dem der Führer — in brausendem Auto von Stadt zu Stadt getragen — in Halle, Kassel und Marburg zu Hunderttan- senden gesprochen hat, in unermiüilicher Eile kreuz und quer durch Deutschland, eine Leistung, die noch keiner vorgemacht hat und keiner nachmachen wird.

Um 3 Uhr nachts sind wir in Wiesbaden erst zum Schlaf gekommen. Am Vormittag geht es schon wieder los. Die Hupen bellen, die Motoren springen an nnd dann flitzen schon die Straßenbäume an uns vor­über, wie von einem Orkan blitzschnell vor- beigewirbelt. Da taucht aus dem Dunst des Tages das „goldene Mainz" auf. Wir passieren die Rheinbrucke, sind schon in Jngelheim und sehen bereits die Rochus- Kapelle auf hohem Berge über Bingen. Ueber die alte Römerbrücke fahren wir ins Nahttal ein, überlegen dabei noch, was wir drüben am Rhein gesehen haben. Rüdes- heim und das Niederwald-Denkmal.

In Laubenheim schallt unserer Kolonne der erste Gruß entgegen. Kinder schwenken Hakenkreuz sahnen am Wege, Winzer grüßen mit erhobener Hand und lassen für eipige Augenblicke die Arbeit liegen.

In Bad Kreuznach haben sie ein rie­siges Zelt aufgebaut, in dem sie zu Zehn­tausenden sitzen, vor dem sie zu Taufenden stehen und den Führer mit einem wilden Begrüßungssturm empfangen.

Als sich das gewaltige Zelt in Kreuznach zu leeren beginnt, sind wir bereits wieder auf der Straße, nach Bingerbrück unter­wegs. Ein Siegeszug unseres Führers ohnegleichen beginnt, ein Siegeszug durch das Rheinland. Man kann beinahe nur die Namen der Orte nennen, die wir passie­ren, oder die uns vom jenseitigen Ufer des Stromes grüßen, weil Zeit und Platz bei­nahe nicht ausreichen, um au challe Empfin­dungen und Eindrücke zu schildern, erhiel­ten. Zur Rechten wälzt der vielbesungene Rheinstrom seine Wasser, über die dunkle Rauchfahnen stampfender Dampfer hinweg­setzen. Wir sind nicht gekommen, um seine Weine zu kosten, die hier an den Bergen in verschwenderischer Fülle wachsen. Wir kommen um des Kampfes willen. Auch dafür sind stumme Zeugen vorhanden: Ritterbur­gen aus allen Felsen.

Am Mäuseturm vorbei, an der Burg Rheinstein und vorüber Burg Reichenstein und Burg Sonneck. Bacharach wird durch­führen. Ueber der Stadt grüßt Burg Fels­eck. In allen Orten flattern uns Hitler­fahnen entgegen, grüßen uns erhobene Arme. Handwerker kommen aus ihren Arme. Handwerker kommen aus ihrem Laden auf die Straße, rufen dem Führer ihr Hell entgegen. Bauern winken aus den Obstgärten, Frauen heben ihre Kinder

hoch, damit sie Adolf Hitler sehen können. So ist es allerorts.

Massig steht die „Pfalz" bei Caub mitten im Strom. Hier zog Blücher in-jener denkwürdigen Neujahrsnacht über den Rhein und aus Paris. Heute braust Adolf Hitler an ihr vorüber.

Durch Oberwesel hindurch, unter den er­sten Blüten der Kirschbäume weiter auf ge­wundener Straße, hart neben dem Strom, der jetzt enger zwischen den drängenden Bergen fließt. Am anderen Ufer die Lore­lei), dort Burg Rheinfels, dann Hirzenach, mit Kindern, Hitlerfahnen und jubelnden Menschen. Wieder zwei Bergen, die zu­sammengehören, Sternberg und Labenstein, die „feindlichen Brüder". Vor Boppard steht unter blühenden Bäumen eine junge Frau und hält ihr Kind an der Hand. Stundenlang, vielleicht hat sie auf Adolf Hitler gewartet. Der Führer läßt hallen.

drückt beiden, Mutter und Kind, die Hand dankt für ihren schlichten und einfacher Gruß. Von wo können die heutigen Macht Haber ein gleiches berichten. Steine ha man ihnen nachgeworfen, als sie in den deutschen Grenzlande erschienen. Mit Hitlei ist das Volk. Es atmet heute schon auf wie befreit von schwarzem und roten Druck der lange genug, allzu lange auf ihner lastete.

Mit Hitler ist das Voll. Wer des Füh­rers Rheinfahrt miterleben durfte, Zweifel nicht daran. — Als wir die Marksburg unk den Königstuhl hinter uns gelassen haben grüßt vom jenseitigen Ufer der Turm eine: stolzen Burg. Frei und groß flattert aü seinen Zinnen die Fahne des künftiger Deutschland: Rot mit schwarzem Haken­

kreuz in weißem Felde — Burg Äihneck

Die Wagen fahren eben am Felsen vor­bei, der die Burg Stolzenfels trägt, dc winken schon die Türme von Koblenz unt im Stadion jubeln 50000 auf, als Adolf Hitler erscheint.

(Drahtbericht unseres Sonderberichterstatters)

21. April.

Dieser Flug des Führers durch Deutschland ist keine Reise eines politischen Wahlredners, kein Agitationszug für irgendeine Partei — das ist der glühende Appell an die deutsche Volksseele, das ist der täglich vor Zehntausenden, ja Hun­derttausend!:» wiederholte Weckruf an alle ewigen Kräfte der Nation. Da spricht kein Vorsitzender eines Politischen Jnteressenvereins — hier predigt ein Mann, der nichts kennt als die glühende Liebe und das unerschütterliche Vertrauen zu Deutschland und seine Predigten sind nichts als die wunderbare Wiedererweckung alles dessen, was in 13 schandvollen Jahren unter dem Sumpf der Novemberparteien verschüttet lag und ver­loren gegangen schien. Hier in der Person, in den Reden Adolf Hitlers findet ein Voll sich selbst wieder, finidet wieder den rechten Weg, erkennt voll glühender Scham seine Erniedri­gung und strebt auf zum Gelöbnis, nicht zu rasten nnö zu ruhen, bis das neue Reich der Deutschen geschaffen ist.

Der fünfte Tag des zweiten Deutschlandfluges führte den Führer zunächst nach Bad Kreuznach, der jüdisch-zeutrümlichen Hochburg. Kübel voll Schmutz, tausendfache Lügen prasselten hier auf die junge nationalsozialistische Ortsgruppe nieder- dazu der Blutterror der Kommune, die hier eine ihrer besten Ortsgruppen besitzt. Aber das Ver­trauen der Parteigenossen und die Fäuste der ehemaligen SA.-Männer haben sich durchgesetzt. Heute steht im Bezirk Kreuznach, unter der Füh­rung des Pq. Schrnitt eine vorbildliche Organi­sation der NSDAP.

Drangen vor der Stadt ist ein Riesenzelt er­richtet, das Raum für über 20 000 Besucher hat. 120 erwerbslose Nationalsozialisten arbeiteten Tag und Nacht an seiner Fertigstellung.

Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Kinder mit Hakenkreuz sahnen — verschiedene Schulen draußen haben frei bekommen — Nationalsozia­

listen tragen immer noch mehr Tische und Bänke hinaus zum Zelt, dazwischen die Wagen der Po­lizei.

Inzwischen find schon die ersten Sonderzüge im Bahnhof eingelaufen. Aus dem Birkenfelder Land, wo Adolf Hitler bei der Präsidentenwahl mit großem Vorsprang die absolute Mehrheit er­hielt, aus der Pfalz bis aus dem Saargebiet kommen die Züge voll Menschen.

Schwarz wälzt sich der Strom der Masse hin­aus zum Zelt — Heil Hitler ist der Ruf der tausendfach voll Freude und Stolz erklingt. Eine unübersehbare Wagenkolonne stellt sich vor dem Zelt auf. Motorräder, Bauerrkfahrzenge — nnd in dem Riesenraum schiebt und drängt es un­aufhörlich. Bauern, Arbeiter und wieder Arbei­ter, Bauern — hier ist keiner, dem Wohlergehen auf dem Gesicht geschrieben steht. Das ist das werktätige Deutschland, das sind die Aermsten nnd Treuesten der Nation, die sich hier versam­meln, wie zu einem Festtage. Sie haben zu Hause die Arbeit liegengelassen. Der Pflug steht im Schuppen. Das alles ist ihnen nicht so wichtig, wie einmal in ihrem Leben den Führer zu sehen und zu hören.

Eine Stunde vor Beginn der Versammlung ist der Riesenraum des Zeltes bis zum letzten Fleck­chen gefüllt, ein Saal in der Nähe bietet kaum mehr Platz. Auf dem weiten Platz vor dem Zelt stauen und drängen sich die Massen nach Tau­fenden. Ein großes Lautsprecherauto ist hier auf­gebaut.

30- bis 40 000 Bauern und Arbeiter im Her­zen der ehemaligen Zentrumsdomäne und Hoch­burg der SPD. sind gekommen, um dem natio­nalsozialistischen Führer zuzujubeln.

Von fern hört man ein Auto — die Massen werden unruhig -Da bricht es auch schon los in einem Sturm der Begeisterung, der Freude, der Huldigung, die kein Mensch hier je gehört. Mi­nutenlang tost es durch den Raum. Der Ver­

sammlungsleiter versucht durchzudrängen — abe« wieder und immer wieder dröhnt und schreit es« „Heil Hitler!"

Endlich ist es still. — Der Führer spricht dock dem Kamps, den er seit 13 Jahren führt, kündel davon, wie er in den Jahren, da die anderen einen Staat zerstörten, eine Bewegung von 1? Millionen fanatisch geeinigter Anhänger geschaf­fen hat, widerlegt dann die unzähligen Lügen, die täglich aufs neue auf ihn und seine Partek niederprasseln.

,,Es gibt keinen deutschen Volksstaud, der als Zeuge für die Parteien des Systems auftrete« könnte. Wenn unsere Gegner heute so tun, als ob wir Chaos und Unglück bringen müßten, so! müssen wir dagegen fragen: Was könnte den« heute noch schlechter gemacht werden? H

Wir einige» das Voll. Das Bild dieser Riesen­kundgebung, das Sie heute hier sehen, wiederholt sich vor meine« Auge» täglich viermal. Wir kör« neu mit Stolz sagen: Wir sind die größte Eim- gungsbewegung, die die deutsche Nation überhaupt jemals gehabt hat."

Sie sagen, ihr bringt den Bürgerlrieg. Wit aber erklären: Wenn wir einmal regieren, hat der Bürgerkrieg endgültig und mit Sicherheit sei« Ende gesunden.

Die Finanzen sollen wir in Unordnung brin­gen. Es bleibt heute schon gar nichts anderes übrig, als sie wieder in Ordnung zu bringen.

Hier im Weingebiet schreit man, ich wolle die Prohibition einführen, in Berlin aber heißt es: Das ist ein Quartalssäuser, der von der Sekt­slasche nicht mehr wegkommt. So lügen die Par­teien des Systems.

Wsnum sdvn gsnskmigsn sIs mit» nieki suek sinmsl sins Stunüv» Hang «len irunü-unk?

Weil sie wissen, daß ich sie dann jämmerlich zusammenhauen würde.

Ich habe den festen Willen, diesen Parteiunsug in Deutschland z« beseitigen. Die anderen haben 1918 die Potentaten beseitigt, weil die Nation einig werden sollte. Wir werden die Parteien be­seitigen, weil die Nation einig sein muß.

Ich bin heute 4L Jahre all und bin von sie­ben Mann aus 13 Millionen gekommen. Ich werd« von diesen 13 Millionen auch noch aus die 30! oder 60 Millionen kommen.

Wir kämpfen am 24. April für einen Sieg, von dem wir haften, daß er einmal ganz Deutsch­land zugute kommen wird.

Die Parteien, die die Verantwortung haben für die Not und das Elend von heute, müssen ent­fernt werden.

Stille herrscht jetzt, als der Führer geendet hat. Aber dann bricht es los, Stürme des Jubels und der Begeisterung. Schon hat Adolf Hitler mit seiner Begleitung das Zelt verlassen, da aber braust es immer wieder „Heil", ;Heil". Die Massen durchbrechen das Zelt um an das Auto Hitlers heranzukommen aber schon ist der Wagen des Führers einige Kilometer weiter, aus der Fahrt nach Koblenz, wo ihn eine Stund» später die Massen erwarten.

Im Kreuznacher Land aber flattert das Ban.» ner Hitlers noch stolzer, noch höher als zuvor.