Ausgabe 
(18.4.1932) Nr. 78
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Ein Wehrminister avs falschen Wtzgeii.

Minister Eroener veröffentlicht in der Sonn- kagsprefse seine Stellungnahme zum SA-Ver- bot. Wir haben ihm Hierauf folgendes zu dntworten:

Eerr Minister, Sie berufen sich in Ihrem Leitaussatz „Mein Standpunkt" zunächst, dar­auf. daß es „bestimmte Grundgesetze des staat­lichen Lebens gäbe, die völlig unabhängig sind von dem Wechsel der Regierungen".

Diese Grundgesetze, deren Notwendigkeit keiner bestreiket, haben nur Sinn, wenn sie auf eine Gnmdidsr, auf die Erhaltung des Staates aus Erhaltung der Gemeinschaft und Art zurückgehen. , Diesen Grundgesetzen ist dann auch jede Regierung unterworfen.

Hier, Herr Minister, liegt aber die Wurzel all des Uebels, das unser Volk und unsere Wirtschaft betroffen hat. Seit mehr als einem Jahrzehnt regierten abwechselnd im Reich und in den Ländem, besonders in Preußen Män­ner, die sich gar nicht oder nur formell diesen Gesehen unterwarfen und die alle zusammen es nicht fertig brachten, diesen an sich ungeschrieO denen Gesetzen durch eine Stamtsidee einen lebendigen Gehalt zu geben. Weil aber die Jugend aller Parteilager nicht zuletzt um ihrer Opferbereitschast und Begeisterungsfähigkeit Sinn und Ziel zu geben, eine solche wehrhafte, heldische Staatsidee vermißt, steht sie in ihrer überwältigenden Mehrheit in erbitterter Oppo­sition zu diesem System, das eben aus den gleichen Gründen nicht als Staat bezeichnet werden kann.

In Ihrer Stellungnahme sprechen Sie davon, daß zu diesen Grundgesetzen die „Pflicht der Gewährleistung der unbedingten Sicherheit aller Staatsbürger" gehört.

Herr Minister, weil der Staat diesem Grund­gesetz keine Achtung verschaffen konnte^ schuf Adolf Hitler seine Schuhabteilungen, ohne die unsere legale 'Versammlungstätigkeit nicht mög­lich gewesen wäre. An 308 Tote und viele taufend Verwundete beweisen Ihnen, wie man­gelhaft dieses System seinen Verpflichtungen nachkommt.

Sie sprechen des weiteren von durch unsere SA. gefährdeter Staatsautorität und fordern, daß „der in die Schranken der staatlichen Ordnung zurückgewiesen wird, der sich in Wi­derspruch zu den Grundgesetzen stellt".

Herr Minister, dieses System hat noch nie eine idornmäßig begründete und darum ge­schichtlich tragbare Autorität besessen. Die Führung der SS und SA hat sich in lang­jähriger Erziehungsarbeit darum bemüht, die sittlichen und ethischen und darum auch sozia­len Grundlagen für eine solche noch fehlende Staatsautorität zu schaffen.' In diesem Zu­sammenhang sei auch wieder einmal darauf hingewiesen, daß unser Kampf sich nicht gegen den Staat sondern gegen die den Staat ge­fährdenden Mächte handelt.

Sie unterstreichen dann, daß gerade Sie es sich zur besonderen Aufgabe gesetzt haben, -,den Geist der Wehrhaftigkeit" zu pflegen.

Solange es möglich ist, Herr Minister, daß Ahnen eine Partei, die in allen ihren Hand-

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(Drahtbericht unseres Sonderberichterstatters.)

Augsburg, 16. April.

An dem ersten Tage seiner neuen Reise sprach der Führer im bayrischen Schwaben.

Schon in den frühen Abendstunden stehen die Massen der alten schwäbischen Hairptstadt Augs­burg zu Hunderten, zu Tausenden, säumen schwarz die Straßen und Plätze, warten ohne Ungeduld stundenlang im schlechten, feuchten Wetter des trüben, naßkalten Tages, warten, weil sie alle wissen, daß sie heute noch den Füh­rer sehen werden, der hier vorbeikommen mutz. Und alle, wie sie dort stehen, wie sie keinen Für­sten und Minister erwartet hätten, sie konnten keinen Einlaß finden in die große Halle vor der Stadt. Trotz Bitten und Flehen war kein Platz mehr für sie da, denn kein Zelt und keine Halle ist weit und breit da, die alle die Tausende auf­zunehmen vermag. Die Bauern und Arbeiter aus dem weiten und nahen Schwaben, die sich alle heute hier in der alten Augsburger Ven- delikorum trafen, sie stehen in den Abend und hoffen froh, sind schon zufrieden, einen Gruß, einen Blick ihres Führers mit sich forttragen zu können.

Vom Himmel tröpfelt es kalt und unaufhör­lich, da setzt ein dichter Strom, ohne Anfang, ohne Ende ein, hier vor der großen Sängerhalle, die

der größte Raum hier im ganzen Lande ist. Um 6,30 Uhr öffnen sich die Tore und es quillt herein, dicht gedrängt und eilig. Schon um 7 Uhr wird der weitere Kartenverkauf polizeilich unter­sagt.

Es ist ein grandioses Bild, hier diese große Halle mit dem unbeschreiblichen Meer von Köp­fen, mitten im Saale, in den Rängen, bis hoch unter das Dach, in den Galerien. Es drängt sich und schiebt immer mehr. Immer dichter rücken sie aufeinander. In ihnen ist ein uner­meßlich frohes Gefühl voll Zuversicht, Glauben und Mut, das sie alle fest umschließt, sie alle zu einem einzigen lebenden Wesen kettet.

Bauern aus der weiten Umgebung, Arbeiter aus den Maschinenwerken, Angestellte und Er­werbslose, Frauen und Männer, alle eins im Glauben und Willen. Ein herrlicher Ausschnitt aus dem Zukunftsbild unseres kommenden Reiches.

Ja Herzlichkeit, lauter helle Herzlichkeit ist es, die den Führer empfängt, ihn mit Blumen überschüttet, ihm die Hand entgegenstreckt, daß er kaum seinen Weg zum Mikrophon findet. Adolf Hitler steht vor den Tausenden, noch ein­mal jubelt es auf in Dankbarkeit und Treue, dann ist es still.

> Der Führer spricht:

Man sagt mir nach, ich sei der Führer aller derer, die nur die Not zu mir getrieben hat.

Dann also würden in Deutschland 13 Millionen von Not getrieben. Wer trieb diese 13 Millionen? Nicht ich habe regiert, regiert haben doch wohl jene Parteien, die in den 14 Jahren ihres Re­giments Gelegenheit einer unumstößlichen Pro­paganda hatten, die Propaganda der Leistung und der Tat. Statt dessen haben sie in den zehn Jahren unzählige Menschen vernichtet, haben das

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Wie wir erfahren, ist am Sonnabend der Kassierer. Hermann Meyer der Bremer Spar­kasse geflüchtet, nachdem er im Laufe der Zeit 100 OOü Mark unterschlagen hat. Wie wir weiter hören, soll er sich gegenüber der Polizei und der Leitung der Sparkasse bereit erklärt haben, An­gaben über seine Unterschlagungen zu machen, so daß mit einem freiwilligen Stellen des Tä­ters gerechnet werden kann.

Eine kritische Stellungnahme zu diesen Vor­gängen behalten wir uns vor.

Volk ruiniert und Stand um Stand dem Unter­gänge nahe gebracht. Kein einziger stünde heute aus, für sie gegen mich zu sprechen.

Darum glissen sie zu jener Propaganda der

lungen und Programmpunkten den Landes­verrat verkörpert, im Reichstag das Vertrauen ausspricht, solange, Herr Minister, müssen wir Ihrem Kampf für die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes sehr skeptisch gegenüberstehen. Ich brauche Sie nicht auf die Fülle authen­tischen Materials zu verweisen, das über voll­brachten und geplanten Landesverrat und über die Wehrseindlichkeit dieser Partei vor­liegt. —

Wenn Sie in der weiteren Fortsetzung Ihrer Verteidigungsschrift die Bürgerkriegsvorberei- tungen des Reichsbanners! mit „kommenden gewaltsamen Auseinandersetzungen" und schon mit „der Tatsache des Bestehens der SA" er­klären, so liegt hierin eine völlige Verschie­bung der Tatsachen.

Die gewaltsame Auseinandersetzung ist nicht von uns, sondem von führenden Persönlich­keiten der „Eisernen Front", so vom Reichs­tagspräsidenten Lobe, auch für die verfassungs­mäßig« Uebernahme der Macht durch die NS. DAP. angekündigt worden.

Da die SA und SS kraft ihrer ganzen Gesinnung sich für einen wahrhaften deutschen Staat einsehen, während das Reichsbanner unzählige Beweise für seine internationale Verbundenheit und Wehrfeindlichkeit geliefert hat, dürsten Sie eigentlich als Wehrminister keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, welche Organisation als staatsfeindlich zu vrr- deiten fei. Dabei wird vorausgesetzt, daß

Sie über die angebliche „staatserhaltende" Gesinnung des internationalen, klassenkämpse' rischen Marxismus ein richtiges Urteil haben. Dagegen spricht allerdings Ihr Appell an die Einsicht der Führung des Reichsbanners, von dein sie wissen könnten, daß Ihnen selbst­verständlich alles zugesagt wird, ohne daß tatsächlich eine Aenderung eintritt.

Sie kommen dann mit einem Vorschlag heraus, die Angehörigen der SA wie die Mitglieder durch Verbände in einer neuen großen iMtioualsportlichen Organisation zu­sammenzufassen. Dieser Vorschlag erschüttert uns, denn wir entnehmen aus ihm, wie ver­ständnislos Sie dem Fühlen und Wollen zum mindesten der nationalsozialistischen Jugend gegenüberstehen.

Wir wollen uns als Lebensinhalt einen freien, starken Staat erkämpfen, wir wollen wieder, daß ideale und sittliche Forderungen das staatliche und politische Leben beherrschen, wir verlangen Arbeit und Brot für Millionen deutscher Volksgenosse«, wir wollen einen Neu­bau deutscher Kultur und deutschen Volks­lebens, und Sie, Herr Minister, schlagen uns vor, Fußball zu spielen und Wettlaufen zu veranstalten!

Ueberdies wäre eine nationalspovtliche Ver­einigung schon deshalb unmöglich, weil das Reichsbanner, wie Ihnen bekannt ist, internatio­nal denkt.

Zum Schluß Ihrer Ausführungen werfen Sie

unserem Führer, Adolf Hitler, vor, daß er einem ausländischen Korrespondenten gegenüber die Ver­mutung ausgesprochen habe, der Reichskanzler habe unter dem Druck des französischen Minister­präsidenten gehandelt. Wir haben für diese Ver­mutung sowohl in der englischen wie französi­schen Presse mehr als eine Bestätigung gefunden und darüber hinaus haben eine Reihe großer deutscher Zeitungen, die uns keineswegs freund­lich gesonnen sind, dieser Vermutung erheblich deutlicher Ausdruck gegeben, als unser Führer. In diesem Zusammenhang betonen Sie, daß die Landesverteidigung eine Ehrensrage des ganzen deutschen Volkes ist und „alle anderen Volks­schichten bereit seien, wenn es gilt, die Heimat zu schützen."

Sollte Ihnen, Herr Wehrminister, entgangen sein, daß die stärkste Regierungspartei im Reichs­tag durch ihre führenden Vertreter und mit ihnen zusammen das Reichsbanner bei jeder sich bietenden Gelegenheit erklärt haben, daß sie einen Verteidigungskampf des deutschen Volkes mit Ge­neralstreik und Bürgerkrieg beantworten würden.

Mit solchen Elementen, Herr Minister Groe- ncr, bilden wir weder einen nationalsportlichcn Verein, noch sind wir bereit, den Hader, d. h. den Kamps gegen sie einzustellen und mit ihnen zusammenzustehen. Nur so, Herr Wehrminister, bleibt Ihnen Ihr Betätigungsfeld als Wehrmi­nister erhalten, denn die Sozialdemokratie würde sowohl Reichswehr wie Sie abschössen. —art.