Ausgabe 
(8.4.1932) Nr. 70
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Wo bleibt Gröner?

In der Nacht zum Montag wurde in Münder am Deister eine große Anzahl Reichsbannerleute wegen verbotenen Waffenbesitzes festgenommen. In der Verhandlung vor dem Schnellrichter wurden 33 Angeklagte heute zu je einem Monat Gefängnis verurteilt, drei weitere Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 2 Wochen bis 2 Monaten.

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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeiaenberechnung: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile RM 0.10 «rationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Lextteil RM 0.50, auswärts RM 0.70.

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menie, denen wir in unserer kleinen Maschine Trotz bieten.

^ Im Auto geht es durch Nürnbergs Straßen. Oben grüßt die alte Burg, Stammsitz jener Burggrafen, die einst Brandenburgs, Preußens und damit Deutschlands Geschicke in ihre Hände Nahmen. Die Wagen keuchen die steile Straße gum Flugplatz hinauf. Hier oben weht der Wind, daß es eine Freude ist. Die Wimpel flattern über den Köpfen der Wartenden, als wenn sie je­den Augenblick reißen wollten und in Fetzen davongetragen würden. Aber geflogen wird auf jeden Fall. In Frankfurt warten sie, in Darm- stadt und in Ludwigshafen warten sie auf den Führer, der auf dem Rundslug durch Deutsch­land auch zu ihnen kommen wird.

Schon haben die dicken Räder wieder den Bo­den verlassen, schon packt uns der Sturm und schüttelt die Maschine hin und her. Wir bekom­men je zwei weiße Pillen zu schlucken, gegen die mögliche Luftkrankheit. Links und rechts zwei Reihen von je fünf Sitzen in der geräumigen Kabine. Ueber jedem Sitz eine kleine Lampe. Kurbelsenster find vorhanden, schalldichte Wände und sogar zwei kreisrunde Notausgänge in der Decke, deren Bespannung man mtt der Faust herausstoßen kann. Auf dem ersten Platz rechts sitzt der Bordfunker vor seinen Apparaten, hin­ter ihm Adolf Hitler, der von Zeit zu Zeit die Meldungen des Funkers entgegennimmt. Links vom Führer sein Adjutant Brfickner. Die näch­sten beiden Plätze nehmen der Reichspresseches und sein Mitarbeiter ein. Dahinter handhabt der Fotograf seine Kamera, während der Begleiter Schaub auf merkwürdige Motive aufmerksam macht. Kurs also auf Würzburg. Hui — wie das in den Spanndrähten heult und Pfeift. Ein wilder Sturm, der uns Wolkenfetzen entgegen­treibt. Die Luftfahrt ist eingestellt bei diesem Wetter, nur wir find in der Luft. . . Dichter und dichter werden die Wolken, die unsere Ma­schine umstürmen. Minutenlang sind wir wie in weiße Watte verpackt. Die Erde unter uns ist verschwunden. Der Pilot versucht, nach oben durchzustoßen, es geht nicht. Da fliegen wir noch tiefer, aber es ist wie verhext. Lange schon ist die Antenne eingezogen, damit sie nicht abge­rissen wird. Ganz niedrig fliegen wir dahin, doch die Wolken find nicht loszuwerden. Es wird immer schlimmer. Das Unwetter wird zu Schnee- und Hagelsturm. Weiße Hagelgarben peitschen durch die Lust, das Land unter uns bedeckt sich in kurzer Zeit mit einer weißen Decke.

Der Bordfunker schickt eine Warnung für an­dere Flugzeuge aus; meldet den Weg des Schnee­sturms.

Die Maschine donnert weiter gegen die an­drängenden weißen Sturmwirbel. Die drei Pro­peller Peitschen sie auseinander. . . Was die Hetze nicht vermochte, das schaffen auch die Na­turgewalten nicht. Wir geben nicht nach. Mit fester Hand steuert der Pilot seine donnernde Maschine durch das Unwetter hindurch. Der Führer blickt durch sein Fenster in das bro­delnde und kochende Meer unter uns. Er weiß, daß wir durchkommen Bevor seine Mission nicht beendet ist, wird ihm nichts geschehen Die Göt­ter verderben nur den Schwachen und Lauen, der ihren Gewalten hinter dem Ofen zu ein­schert glaubt. Wer sich ihnen mutig entgegen-

stemmt, dem reichen sie schließlich die rettenden Arme. Bald werden die weißen Hagelkörner dünner und schwächer. Die Wolken umfallen un­ser Flugzeug jetzt wie spielende Leiber. In seiner ganzen Herrlichkeit schaut das Land jetzt zu uns herauf. Mannigfaltig und bunt find seine Far­ben. Wer das malen wollte, der müßte eine Palette haben wie sie Gott hatten als er das schuf. Die Arbett geht über die Kräfte eines menschlichen Künstlers und auch Motte versagen. Das find die gewaltigen Bergkuppen. Sie schim­mern blau, rot, grün und braun wie in un-, zähligen Tönungen und Abstufungen. Dazwischen das Gelb-Grün der Täler, von violetten und braunen Armen durchzogen, den kleinen Bächen und Flüssen und immer wieder ein Geschiebe von roten und braunen Dächern in allen Ueber- schattungen. Doch jetzt kommt der Spessart. Wie­der Wolken und Hagelsturm, wieder nehmen uns die schweren Wolken die Sicht, wieder schwankt die Maschine. Wir schnallen uns die Gurte um und blicken hinaus. Großartig und herrlich ist dieses gewaltige Toben der entfesselnden Ele-

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Wieder wird es ruhiger und Bilder von un­aussprechlicher Schönheit ziehen unter uns dahin. Berge, von Wolken umgeben, ziehen unter uns dahin. Wieder erleben wir ein Wunder. Der Pi­lot steuert längs einer Wolkenmauer entlang. Die rechte Seite der Maschine ist von weißer Wolkenwatte umhüllt. Man blickt in ein einziges Brodeln. Zur Linken aber breitet sich mit seinen Feldern, Flüssen, Dörfern, Land, Städten, das mtt Hellem Lichte übergössen. So geht es minutenlang und dann nimmt uns wieder blau-grauer Düm­mer gefangen, der über die Welt verschüttet ist. Nur im Westen leuchtet ein weißer Goldstreifen am unteren Himmel und hinter einem finsteren Waldgürtel, den zwei schnurgerade Straßen scheinbar bis in die Unendlichkeit durchziehen, schimmert in einem Meer von Gold das Turm­gewirr von Frankfurt. Wind und Sturm, Wol­ken und Finsternis haben wir hinter uns ge­lassen. Als wir in Frankfurt die Festhalle über­fliegen, vor der Tausende von Menschen stehen und zu dem Flugzeug Heraufblicken, da lacht der Sonnenhimmel des späten Abends über uns.

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Frankfurt, 7. April. Der Sonderberichterstatter, der nach rasender Eisenbahnfahrt in Frankfurt am Main den Zug verließ und unter dem riesigen Transparent des „Goethejahr" die Stadt betritt, muß sich einmal mehr voll und ganz umstellen, um wahr schildern zu können, was für eine uralte deutsche Stadt der Türme, Giebel und Dächer der Hitlertag bedeutet. Der tosende Jubel und der beispiellose Erfolg, den der Führer jetzt stündlich für seine Bewegung und für das Volk erkämpft, ist überall der gleiche. Er ist überall ein Schlag gegen das System, mit Wahr­heit und Tat gegen Lügen und leere Worte ge­führt, ein Schlag, der den Gegner täglich tiefer in die Knie zwingt und zugleich ein neues deutsches Volk und Vaterland schmiedet. Wie überall, war der Ursprung des Erfolges auch iu Frankfurt der gleiche:

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den die Vorsehung dem Volk im Augenblick höchster Not gab. Die Art des Erfolges aber ist überall grundverschieden, weil nicht einer, sondern zahllose Blutsauger an dem Körper Deutschlands hängen. In dem Reiseführer unserer Väter stand Frankfurt als eine der ersten Handelsstädte verzeichnet. Heute ist die Stadt mit 100 Millionen verschuldet, Industrie und Mittelstand erstickt. Was ist daran schuld? Das Gleiche, das das Goethe-Jahr zum Goethe- Rummel macht, der Klassenmaterialismus, der nichts kennt als Eigennutz. Man kann diese Sorge nicht bester aussprechen, als damit, daß 40 000 Juden im Volkskörper Frankfurts schma­rotzen. Das ist wilde jüdische Geschäftemacherei und schließlich ein jüdischer Stämmling als Ober­bürgermeister. Der Nationalsozialismus gibt auch dieser Stadt wieder Halt. Dreimal schon rannte der Führer mit dem Feuer seines heiligen Idealismus gegen diese Stadt an, deren Stützen angefault sind, brachte neues Leben in die Gleich­gültigkeit Gott weiß wo. Der vierte große Sturm- angrifs und Sieg Adolf Hitlers vollendete sich am Donnerstag. Die drei ersten haben gezeigt, daß man mit Befriedigung feststellen kann, daß man auf der Straße für eine Hakennase mindestens zwei Hakenkreuze sieht, daß dieser Tage ein Pro« pagandamärsch von 5000 Personen durch die jubelnden Straßen zog, barhäuptig, weil Kopf­bedeckung verboten war. Ob das noch etwas mit Materialismus zu tun hat? Die Erfolge des vierten Angriffs wird Frankfurt am 10. April erkennen können. Zwar hat Dr. Goebbels am Sonntag gesprochen vor einer großen Menge, aber Donnerstag war der zweitgrößte Bau Deutschlands die Festhalte, trotz der frühen Abendstunde, trotz des Wochentages, überfüllt, wie nur ein Raum über- ! füllt sein kann. Schon lange vor Beginn drängten > ch die Massen im wildesten Aprilwetter vor den Toren der Halle, die schon tagelang ausverkaust war. Eine Stunde später war der Riesenbau derart gefüllt, daß man Angst bekommen konnte« Auf den wcitausladenden wuchtigen RängerH verschwinden die Gesichter, an den Eisenträgern! Menschentrauben. Unter Beifall umbrandet. Aber! das Geräusch der Masse ist stumm, wenn man es mit dem vergleichen will, was aufbraust, als Adolf Hitler den mächtigen Kuvvelbau betritt.

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jDieses Bild Wtnchmen wir dem soevea erschienenen Buch „Hitler wie ihn keiner kennt!")

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