Ausgabe 
(7.4.1932) Nr. 69
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Nerlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide S5878.

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Dienstag noch im äußersten Osten des Rei­ches, Mittwoch schon in Main-Franken. Dazwi­schen lag eine Nacht voller Räderrollen, dem ein­tönigen Lied des Schienenstranges. Sturm und Regen in Pommern und im polnischen Korridor, graues dunstverhangenes Wetter in Berlin.

Noch klingt uns das Rattern des Zuges in den Ohren, da werfen sie schon auf dem Tempelhofer Flughafen die Propeller der dreimotorigen Flug­maschine an, die uns durch Dunst und Regen nach Süden bringen soll.

Der vierte Tag des Deutschland-Fluges Adolf Hitlers beginnt. Schon liegt Berlin wie ein Kin­derspiel unter uns, schon schimmern zur Rechten die Havelseen und daneben gleitet das große und bunte Schachbrett des Landes unter uns dahin, Wie von einer unsichtbaren Hand hinweggezogen.

Die Erde ist wie von einem feinen Schleier überzogen. Hin und wieder wird ein Stück von ihr durch Sonnenstrahlen, die irgendwo ein Loch in der Wolkenwand gefunden haben, auf dem ein­tönigen Blau-Grau wie ein Lichtblick herausge­hoben. Wir überfliegen den Flemming. Man

Werkt in der Höhe kaum, daß sich unten Bran­denburgs höchstes „Gebirge" befindet, dann schimmert schon unter unserer Maschine das große mattgraue Band der Elbe auf. Wittenberg streckt seine Domtürme zu uns herauf. — Es weht sogar recht heftig, aber die Motoren singen ihr wirbeln­des Lied unverdrossen und kraftvoll gegen Wind und Regen. Kiefern und Föhrenwald, dazwischen Ackerstücke verteilt, unterbrochen von Hingespritz­ten weißen Farbenflecken, die über sich einen seinen blau-roten Hauch tragen, das sind die Bir- kenwäldchen und Birken-Alleen.

Es ist eigentlich kein Flugwetter. Böen schütteln unsere Maschine und werfen sie hin und her, aber man fühlt, daß vorn ein Pilot sitzt, der das Fliegen in den Fingerspitzen hat. Es ist, als ob sich das Gleichgewicht des Mannes am Steuer auf die Maschine überträgt und von hier aus auf die Fahrgäste. Man fühlt sich irgendwie mit dem Flugzeug verbunden und es kommt eigentlich nicht einmal für Sekunden der Ge­danke auf, daß dem Apparat und seinen Insassen Gefahr drohen könnte.

Adolf Hitler hat- den Kopf zurückgelehnt und die Augen geschloffen. Er schläft nicht. Man kann nur ahnen, womit sich seine Gedanken be­schäftigen. Unter uns zieht Deutschland dahin, hinter uns haben wir den v§.n Feinden um­lauerten Osten zurückgelassen, aber > auch die Hoffnung in HunderttausendcN von Herzen, daß' er nicht verloren ist und daß der Führer getreu seinen Worten, die er zu den Ostpreußen sprach, schon wieder an die Arbeit gegangen ist, auch das Hinterland dafür reif zu machen, den Kampf seiner Brüder an der Grenze als den eigenen Kampf anzusehen.

In Rudolstadt treibt uns die erste Wolke ent­gegen und zwingt unsre Maschine, in ihren weißen Dunst. Das wiederholt sich immer.öfter, so steigen wir denn langsam höher und höher. Die Nadel des Höhenmessers zeigt immer größere Zahlen an: 1500 Meter, 1800-Met er, 2000 Nieter. Unter uns kocht und wirbelt ein Wolkenmeer, das seine zerrissenen Fetzen zu uns heraufschickt. Wir fliegen,blind und die. Sonne ist mit einem Male wieder da. Sie schimmert am Rande der Trag­

flächen und an den Spitzen der Motoren, aber wir steigen weiter. In 2500 Meter Höhe singen jetzt die Motoren ihr wildes Lied. Am Gestänge unter den Tragflächen setzt sich leichter Reif an. Es wird kalt. Wir ziehen die Wolldecke über die Füße. Und es dauert gar nicht lange, da sind die Fenster mit Eisblumen bedeckt. Der Fotograf Hoffmann hat seinen Apparat gezückt und bringt das wilde Wolkengebirge unter uns auf die Platte. Hin und wieder gibt der Bordfunker die Meldung bekannt. Das kleine Begleitflugzeug hat soeben Treuenbrietzen Passiert und schwer gegen den Sturm zu kämpfen. Ob sie es schaffen werden?

Wir funken ihnen, daß sie Würzburg nicht an­fliegen sollen, sondern gleich Kurs auf Nürnberg nehmen.

Der Bordfunker Peilt unsere Lage. Wir wissen nicht genau, wo wir sind. Da ist unter uns die Wolkendecke Plötzlich zerrissen. Der Pilot nutzt die günstige Gelegenheit aus und läßt seine Maschine wie ein Raubvogel 150st Meter unter die Wolkendecke stoßen. Vor uns die Höhen des Thüringer Waldes. Ihr erster Gruß ist ein Windstoß, der unsere Maschine anfällt, als wollte er sie hindern, die Höhen unter uns zu überfliegen. Der Sturm heult und braust um die Spanndrähte der Tragflächen. Er stemmt sich uns mit aller Gewalt entgegen, aber die drei Motoren arbeiten unentwegt weiter und er­kämpfen sich den Weg nach Süden. Keine Meldung mehr von unserem Begleitflugzeug. Sie werden uns aufgegeben haben, umgekehrt sein.

Es ist ein gigantischer Kampf menschlichen Willens und menschlicher Erfindungsgabe gegen

die Naturgewalt. Wir zweifeln keine Minute, daß wir es schaffen werden. Der Pressechef läßt sogar jetzt nicht einmal seine Bordzeitungen in Ruhe und bespricht mit seinen Mitarbeitern die kommende Arbeit.

Dr. Hanfstaengel, der die Auslandspresse vertritt, diskutiert mit seinem englischen Bgleiter lebhaft die letzte Nummer des „Daily Expreß". Der Adjutant Adolf Hitlers, Brückner, zeigt dem Führer auf der Karte, wo wir uns befinden. Das Gebirge ist mit einem Regendunst übergössen. Gerade zieht Koburg unter uns weg, die Stadt mit dem nationalsozialistischen Magistrat, viel verleumdet und viel verspottet.

Jetzt steuern wir den bogenreichen Lauf deg Main an, noch 20 Minuten, dann sind wir in Würzburg. Immer noch stemmt sich der Sturm gegen uns. Dann ist die Stadt Plötzlich da. Die Maschine legt sich in die Kurve und ehe wir noch recht begriffen haben, worum es geht, stoßen schon die gewaltigen Gummireifen der Räder auf den Flugplatz auf/ Ehe das- Flugzeug noch richtig zum Stehen gekommen ist, wird es schon wieder von einer Menschenmauer umringt, die den Führer jubelnd begrüßt. Das Auto trägt ihn in die Stadt hinein, wo ihn die Zehntausende in der Franken-Halle bereits erwarten.

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Würzburg, das ist Stein gewordene Geschichte. Hier vollzog sich das Schicksal jenes Bauern­aufstandes, der, mit einer großen Hoffnung entflammt, aus Mißgunst, Uneinigkeit und Ver­rat in den Strömen nutzlos vergossenen Blutes schnöde dahinstarb. Ein trotziges Vermächtnis nur war den Nachfahren hinterlassen: „Unsere Enkel richten's besser ein". Würzburg, in Kirchen und Kuppeln, Kapellen und goldenem Barock, Madonnen und - Tillmann-Rtemeu- schneiders Meisterwerken, der Main, ' schnell fließend unter sanft geschwungener Brücke und die Apostel einer neuen Lehre, immer wieder allenthalben in Sandstein, in Lindenholz und in buntesten Farben prangend.

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H.(DiAs- Bild 'dem^joäwn erschienenen Buch -»„Hitler:Die- ihn keiner kennt!")

Das ist Franken, das ist Würzburg. All dies! unbeschreiblichen Schönheiten grüßten den Führer des zukünftigen Deutschland.

Durch den Frühlingszauber marschieren diq fränkischen Bauern in Würzburg. Welch!

Bitternis birgt ein solcher Frühlingstag in sich, wenn Ungewißheit und Sorgen den Blick trüben, ob man zur Zeit der Ernte nicht bereits von Haus und Hof getrieben ist. In Scharen schreiten die fränkischen Bauern durch die Straßen der Stadt'und - mischen sich mit jungen Studenten, denen systematisch jede Fortkommensmöglichkeil versperrt ist. Hinzu gesellen sich die Bürger dieser Stadt, die eine rigorose Steuerpolitik an das Hungertuch gebracht hat. Alle diese Mallen kennen nur ein Ziel: Die Frankenhalle. Der größte Versammlungsraum Würzburgs ist seit zwei Tagen ausverkauft. In allen Städten, die Adolf Hitler auf seiner Reise passiert, immer, das gleiche Bild und doch immer aufs neue ergreifend. In. ganz Deutschland marschieren die Aktivisten,- die Adolf Hitler Besreinngstat aufgerufen . Hut. In einer einzigen Woche hält der Führer Muste­rung über seine Millionenarmec, die entgegen einem babylonischen Gemenge von Gegnern nur einem Mann und seiner Idee sich zugcschworcn hat, nur eine Fahne kennt, gegenüber jenen, bis in ihrer. Hindenburg-Front ein dreifaches welt- auschauLch'. niemals : zu einendes Farbentuch . zeigen:: das:. monarchistische. Schwärz-Weiß-Rot, - die Fahne der Weltrevvlntion und die offizielle Fahne der Republik-

Die schwarze Fahne Florian Geyers sank zu Boden und mit ihr die freie Sehnsucht der auf­ständischen Bauern: „Unsere Enkel fechten's besser aus." Wieder ist Rcvotntionicrnng der Geister in Fluß. Unter dein Hakenkrcuzbanner haben sich alle jene gefunden, die den Glauben an eine Wendung des deutschen Geschicks nicht aufgeben wollen. Wie im ganzen Reich jubeln auch in Würzburg zchntansende dem Manne zu, der dem ungestümen Freiheitssehncn des geknechteten Volkes Richtung, Ziel und Form gab. Mit den niederträchtigsten Mitteln sucht das System im .Bewußtsein seiner Schuld durch Terror und Lügen die. große . Abrechnung hinauszuschieben. Leistungen hab dieses System keine auszuweisen, .wenn man nicht seine Lügentechnik als- sa^e: ansprechen-iwill-' TagtägljchF rechnet der: Führer, mit diesen Lügen.unserer Gegner ab und immer