Ausgabe 
(5.4.1932) Nr. 67
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(Drahtbericht unseres Sonderkorrespondenten)

' An Bord der D 1720, 4. April 1932.

In Morgensvnne geblendet, liegt Plauen. Hitler-Wetter wie gestern. Kein Wind streicht über das Fluggelände. SS-Männer ziehen die schwere Maschine aus der Halle, die dann riesen­groß und breitspurig neben zwei winzigen Flug­zeugen steht, die das nationalsozialistische Flieger­korps bewacht.

Schlag 9 Uhr trifft der Führer ein, frisch und in bester Stimmung. Die Anstrengungen des gestrigen Tages und die Besprechungen beim sächsischen Gauleiter, die bis spät in die Nacht sich ausdehnten, haben nicht die geringste Spur der Ermüdung hinterlassen. Der Bildberichterstatter der NSDAP. mit seinem Gehilfen find bereit. 8m Laufschritt kommt noch der Bordfunker. Heil- Rufe, Motoren-Geratter, viele Hundert erhobene Arme, Tücherschwenken, die Maschine rollt und setzt an zum Fluge, noch ein zweites Mal und nun liegt sie in der Luft, zieht minutenlang eine rechte Kurve über die Türme und Häuser der nationalsozialistischen Hochburg. Ein Stück mit­fliegen gleich schillernden Libellen die Leiden kleinen Flugzeuge. Heil-Rufe, leuchten die Trag­flächen, Heil Hitler grüßen die Arme der beiden Flieger.

Zwischen Himmel und Erde unter uns das Land, dessen Blut der Führer gestern in Wallung gebracht, besten Söhne gestern dem Führer zujubelten im Glauben an ihn und Deutschlands Aufstieg.

Die Kabine atmet die Luft der Arbett. Am Steuer fitzt ruhig der Flugkapitän, der bereits LOÜ OOÜ Kilometer bezwungen und die Alpe« Hundertmal überslog. Neben ihm sein treuer Begleiter und ehemalige Führer eines Bomben­flugzeuges, der Bordmonteur. Stetig nimmt der Bordfunker die letzten Wettermeldungen auf und reicht sie hinauf znm Führersitz. Adolf Hitler, befriedigt von den gewaltigen Eindrücken des ersten Tages, liest die neuesten Zeitungen, die zum Teil bereits in spaltenlangen Berichten vorn grandiosen Erfolg der gestrigen Versammlungen- erzählen, wahrend die jüdische Journaille-neue Lügen auftischt und vor den gemeinsten Fsl-- schungen nach echtritterlicher" Art nicht zurück­schreckt.

Die Auslandspreise hat für den ersten Tag schon nach Chemnitz von der journalistischen Hetz- orbeit dieser sensationellen Reise genüg, und zog sich zur Ausarbeitung des ersten Auftaktes dieses, gewaltigen Erlebens in die Telefonzentrale zu-, icück, so daß ein weiterer Platz im Flugzeug für «inen Fotografen frei ist. Dieser sitzt nun mtt dem Bildberichterstatter der NSDAP. über den Platten und verpackt sie, schreibt dazu die Unter­schriften, damit die Pakete nach der Ankunft in Berlin sofort mit dem Flieger den Weg zur .Nationalsozialistischen Presse antreten können. Koll beschäftigt sind die Sonderberichterstatter der nationalsozialistischen Zeitungen, die diese große Reise des Führers mitmachen. Kaum daß hie Nacht ein Paar kurze Stunden Pause ge­währte, fliegen bereits jetzt wieder die Bleistifte Wer weißes Papier damit auch dieser Flug-

bericht vom nächsten Landeplatz an alle national­sozialistischen Zeitungen durch den Draht gegeben werden kann.

Zu all den Lasten der Arbeit liefern die Mo­tors die Musik. In rasender Geschwindigkeit drehen sich die Propeller, während deren Stand­ort nur ein Blitzen und Sausen verrät. Selbst der Wind meint es gut und bläst heute von rückwärts, hilft mit, daß wir in 240 Kilometer- Tempo der Reichshanptstadt entgegeneilen.

Greiz liegt unter uns. Dort schlangelt sich die Weiße neben dem dunklen Schienenstrang. Verträumt liegt Altenburg im Dunst des Mor­gens. Bohrlöcher dunsten nach Kohle, könnten ein Trichterfeld der Westfront vortäuschen. Bei Borna unterbricht das Gelb und Grün der Wiesen riesige Flächen der Braunkohle-Aübau- gebiete.

Zur Linken Leipzig und Krimma, unter uns die Schlachtfelder von 1813 auf denen unsere Vater die Freiheit erkämpften. Die Heimat der Sachsen liegt hinter uns. Brandenburgisches Land jetzt, soweit das Auge reicht. Über Eilen- burg, entlang der Mulde, wenig später die rie­sigen Schleifen der Elbe. In der Mittagssonne spiegelt sich der Wannsee und wie der Schatten Friedrichs des Großen über dem Boden unserer Bewegung liegt, so wachsen aus dem Nebelgrau Potsdam und Schloß Sanssouci. Dann dehnt sich vor uns das Meer der Häuser der Reichs­hauptstadt. Trostlos fast und unnatürlich nach den Wiesen, Feldern und kleinen Dörfern vorher. Das Brummen der Motore läßt nach. Wir verlieren an Höhe. Greifbar nahe kommen die Spitzen der Türme. Kleiner werden die Men­schen. Erschrocken eilen zwei Hasen über die weite Flugbahn. Sachte setzt sich nach nur 80 Minuten Flugzeit von Plauen die dreimotorigc D 1720 auf die Erde, rollt noch ein Stück und steht.

Vom Flugplatz im Auto hinein in die Stadt, die in wenigen Stunden den Führer hören wird in der größten Kundgebung und im gewaltig­sten Appell, den Berlin bisher erlebte.

Sonntag viermal in Sachsen, Montag viermal in Berlin. Adolf Hitler sprach im Lustgarten^ im Potsdamer Lustschisfhasen, im Sportpalast und im Saalbau Friedrichshai«.

Die Lustgarten-Kundgebung war das größte Ereignis des Montags in Berlin. Das bewies uns die Teilnahme eines Mannes, der an alle« ersten Ereignissen teilzunehmen pflegt, der sozial­demokratische Polizeipräsident Grzesinski. Er stand auf dem., historischen Balkon des Berliner Schlosses und die Berliner pfiffen ihn aus, wo­rauf er den Kops schüttelte, als verstünde er nicht, warum die Hunderttausende da unte» die Münder spitzten.

Wir müssen gestehen, wir verstehen es recht gut.

Waren es bei der vorigen Lustgarten-Kund­gebung im ersten Wahlkampf 120000, die un­serem Rufe gefolgt waren, so standen gestern

diese 120 OVO schon eine Stunde vor Beginn der Kundgebung aus dem gleichen Asphalt- und Rasen­platz zwischen Schloß, Dom, Museum und Zeug- Haus. Als Dr. Goebbels erschien, war der ge­samte Platz schwarz von Menschen und selbst ganz neutrale Beobachter schätzte» die Menschen aus 200 000 Personen.

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Es ist beinahe wie ein Zeichen, das wir sahen, aber dessen Ursprung wir nicht kennen: Als der Führer vorgestern in Leipzig die Halle betrat, brach die Sonne ich selben Augenblick wieder durch die Wolken, durchleuchtete die hohen Glas­dächer mit strahlendem Schimmer. Gestern blick­ten wir die Linden hinunter, woher der Führer kommen mußte. Links und rechts der Straße das Gekräusel der historischen Fassaden vom Zeughaus, 'Universität und Kronprinzen-Palais, in einem seltsamen Schimmer, den das gedämpfte und gemischte Licht des Abends hervorrief. Der Himmel war bereits mit dem Schleier des Abends überzogen. Nur hinten über den Baumkronen, wo das Brandenburger Tor sein muß, dort ein Heller breiter,Streifen und auf ihm ein schwarzer Schattenriß: Der Kop^ vom Retterdenkmal Frie­drichs des Großen. Dorther-wurde Adolf Hitler erwartet.

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Plötzlich Motorengeratter über dem weite» Platz, alle Köpfe fliegen empor. Wieder ein Hindenburg-Flugzeug? Aber unter den hellen Tragflächen des Flugzeuges steht groß und, schwarz ein ehernes Wort: Hitler! zwei große rote Hakenkreuzwimpel flattern längs des Rumpfes.

Während der Flieger seine Kreise zog, ver­wandelten sich mehr als 200000 Köpfe in ein Meer von winkenden Armen, die mtt Tüchern und Hüten die Menschen dort oben in der Ma­schine grüßten, nicht nur die Menschen, vor allem den Namen, der unter den Tragflächen steht, die Fahnen, die hinter der Maschine flatterten.

Und als wir gerade wieder die Linden hin- untersahen, ging dort am äußersten Rande der schwarzen Menschenmenge, über der die rot«l

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