Ausgabe 
(26.3.1932) Nr. 60
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Berlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr.— Fernsprecher Domshetde 25878.

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Es ist noch nicht allzulange her, da be­deutete Ostern — wie jedes kirchliche Fest — eine Zeit der inneren Sammlung und see­lischen Erhebung, die jeden Lhristenmenschen Einkehr halten hieß in sich selbst und ihn zwang, sich mit den Mysterien seines Glau­bens persönlich auseinanderzusetzen. So sah er in tieferem Sinne im Osterfest gleichzeitig das Fest der geistigen Auferstehung und see­lischen Erneuerung, die ihn von allen Schlacken in seinem Innern befreite und ihm — gleich der Ueberwindung des Todes durch seinen Erlöser — alles Beschwerende und Niederzie­hende überwinden half. Wie Christus einst de Fesseln seines Grabes sprengte, so stieß zu dieser Zeit der christliche Mensch die Tore auf zum Kerker seiner innerer Beengtheit und schritt hinaus in die Gefilde seelischer Befrei­ung wie der der Haft entronnene Gefan­gene in den Sonnenglanz der wiedererwachen- den Natur. Der Auserstehungsgedanke hob sich im Sinne seiner Wesensbestimmung weit hin­aus über die Begrenztheit einer bloßen Ueber­lieferung und wurde zum tiefempfundenen re­ligiösen Erleben.

In unserer traurigen Gegenwart ist gleich allen anderen seelischen Werten auch dieses Sich-Einsühlen in die lebenspendenden Kräfte des Glaubens einem Großteil unseres Volkes ab­handen gekommen. In dumpfer Verzweiflung und widerstandsloser Resignation fügt er sich dem Druck der aus ihm lastenden ungeheuren Not, die ihm jeden Ausblick in die Regionen des Geistigen verbietet und mit bleiernen Ketten an den Boden einer trostlosen Dies- seitigkeit fesselt. Vor allem ist ihm jede, aber

Die preußische Regierung hat sich, wie wir nach Redaktionsschluß er­fahren, vor dem Staatsgerichtshof be­reiterklären müssen, das von der NS- DAP. in ihrem Antrag geforderte Material unverzüglich herauszugeben. Damit dürfte die Preußenaktion end­gültig gescheitert sein.

auch jede Hoffnungsfreudigkeit vergällt und der Gedanke an eine Auferstehung aus der Tiefe seiner Elendsgmft, an eine Erlösung und Befreiung aus der Agonie seiner qual­vollen Niedergeschlagenheit zur hohlklingenden Phrase geworden. Die große Mehrzahl unse­res Volkes stirbt täglich eines seelischen Todes, der fürchterlicher ist, als alle körperliche Not und alles materielle Elend.

Inmitten dieses Inferno der fortgesetzten geistigen Ermordung eines ehemals starken und lebensfrohen Volkes erhebt sich nun: «ine Bewegung, die es nicht wahr haben will, daß plötzlich alles ausgelöscht sein soll, was dem irdischen Leben erst Wort und Inhalt verleiht, die es nicht zulassen will, daß einem Siebzig-Millionen-Volk sein wertvollstes Elau- bsnsgut gestohlen und eine Nation —. be­kennt als die der Denker und Dichter — durch gedungene Herkersknechte ^langsaM aber sicher

Usus MZMBWS

Berlin» 25. März. Zu dem in der Ver­handlung vor dem Staatsgerichtshos für das Deutsche Reich von dem Preußenvertreter Dr. Badt verlesenen Schreiben des Reichsinnen- ministcrs Groencr an die preußische Staatsrc- gierung wird von unterrichteter Seite auf An­frage bestätigt» daß ein solches Schreiben vom NeichSnlnenministcr an die preußische Regierung gesandt worden ist.

Auch wird bestätigt» daß das Schreiben des Ncichsinneuministcrs von Dr. Badt richtig wiedergegeben wurde, jedoch wird daraus hin­gewiesen, daß die Schlüsse, die anscheinend aus diesem Schreiben gezogen worden sind, nicht richtig seien. Der Reichsinnenminister habe lediglich Gerüchte wiedergegeben, die er von einem Gewährsmann erhalten habe.

Diese Gerüchte habe er nicht aus seine Nichtig­keit nachprüfen können, da er als Reichsinnen­minister keine polizeilichen Befugnisse habe. Wie das auch schon in anderen Fällen geschehen sei, habe der Neichsinnenminister daher das Material an die Länderregierungcn zur Prüfung und etwaigen Veranlassung weitergeleitet, ohne sich damit jedoch die Angaben des Materials zu eigen zu machen. Der Neichsinnenminister habe lediglich pflichtgemäß die preußische Regierung von den Gerüchten in Kenntnis setzen wollen, damit sie am 13. März in der Lage sei, aus jeden Fall für

Ruhe und Ordnung zu sorgen. Davon, daß der Neichsinnenminister durch sein Schreiben die erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt erfolgten Haussuchungen und Beschlagnahmen bei der NSDAP. habe veranlassen wollen, könne somit keine Rede sein.

So also sehen die „Kronzeugen" aus, auf die sich die preußische Regierung in ihrem Vorgehen gegen die NSDAP. stützt. Gerüchte, die dem Reichsinnenminister von irgendwoher zu Ohren gekommen sind, und die dieser ohne Nach­prüfung an Preußen in Briefform weiter­geleitet hat, bilden das A und O der ganzen Severing-Aktion, aus der bisher auch nicht viel mehr als aus einer ausgepreßten Zitrone heraus­gekommen ist. Reichsgerichtspräsident Bumke hatte gleich den richtigen Riecher, als er auf die geheimnisvollen Andeutungen des Ministerial- rats Badt über „erdrückendes Material gegen die NSDAP." ungeduldig aussprach: „Was uns erdrückt, werden wir dann schon selbst sehen."

Und in der Tat, was uns hier erdrückt, das ist nicht etwa die Stichhaltigkeit des von Badt vorgebrachten Materials gegen die NSDAP. das ist einzig und allein das Staunen über soviel — sagen wir mal — Naivität.

Leider verbietet uns die Notverordnung, deut­licher zu werden.

in seinem inneren Erleben znm Tode ge»i martert werden soll. Und der Führer dieser« Bewegung wirft sich — die Augen blitzend vor heiligem Zorn — dem drohenden Ver­derben entgegen, predigt von dem Ewigkeits­wert unantastbarer Ideale, hämmert in ver­zweifelte Gemüter prophetenhast den Glau­ben und die Zuversicht an eine bessere und lichtere Zukunft, verkündet den Auferstehungs­gedanken des deutschen Wesens.

Wie aber noch jedes Ostern seinen Kar-, freitag hatte, - wie gegen jeden Lichtbringerj noch das Heer der yntermenschlichen Kräften entfesselt wurde, so bemühen sich auch heutA

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Abbau der weltlichen Schule

Berlin, 25. März. Der nationalsozialistische! braunschweigische Innenminister, Pg. Klagges,, hat den Abbau der weltlichen Schulen im Lande« Brannschwcig verfügt. In dem neuen Schuljahr« wird die Neuaufnahme von Kindern für weltliche! Schulen sowie die Errichtung von Sammclklassen! eingestellt. Die noch verbleibenden Klassen des! weltlichen Systems sollen weitergeführt werden, Begründet wird diese begrüßenswerte Maß­nahme in einer amtlichen Denkschrift, in der er­klärt wird, daß die Lehrkräfte der weltlichen Schulen durchaus versagt und aus der Schule ein Zerrbild der deutschen Volksschule gemacht hätten. In vielen Klaffen herrsche ein pädagogisches Chaos. Die Kinder würden zu mangelhaftem Pflichtbewußtsein erzogen.

„Lassen Sie uns in Bremen Deutschland und der Welt zeigen, daß wir mit gutem Beispiel vorangehen und in Bremen eine fest­gefügte nationale Regierung bilden können. — Ein Beispiel der Einigkeit aller staatserhak-, tenden Kräfte, zusammengeschlossen mit dein gemeinsamen Ziel: „Heraus aus dem Elend, einer besseren Zukunft entgegen!"

So etwa klangen die Worte unseres Red­ners in der letzten Bürgerschaftssitzung den Vertretern der Bürgerlichen Mittelparteien ent­gegen. — -l > -

Bremen voran! Die Leitwerte eines jeden "stolzen Bremers. Hier wäre es wirklich

noch Zeit gewesen, die Gelegenheit war dazu geboten, der Welt zu zeigen, daß Bremen vorangeht. — — Man hat es nicht getan und wieder ist es Hamburg, das Bremen um eine Nasenlänge geschlagen hat. — Man hat hier nicht gewagt, den Schritt zu tun, die Bürgerschaft aufzulösen, um gesundere Ver­hältnisse zu schaffen. — „Wagen und Minnen" ist mal wieder nicht der Leitsatz der bürger­lichen Mitte gewesen, aus namenloser Angst vor „wirtschaftlichen Folgen". — Verbunden mit einer starken Portion persönlicher Vor­urteile, ließen di ..Volksparteiler, das Züng­lein an der Waage, Bremen nicht den Schritt tun, den das stolze Hamburg sogar einstimmig getan hat.

Als ob die wirtschaftlichen Erschütterungen in Hamburg, ja in einer ganzen Anzahl ande­rer Länder des deutschen Reiches durch eine Meuwahl geringer wären, als in Bremen, oder sollte^-er ^ Unterbau von ^ Ztaai

und Wirtschaaft in Bremen, der nach den fortgesetzten Erklärungen der Herren Volksparteiler, Staatsparteiler und Sozialdemokraten durchaus gesund und solide erscheint, doch nicht stark genug sein, um die Erschütterungen zu ertragen, denen sich Ham­burg und die übrigen Länder, die jetzt zur ihrer Länderparlamente schreiten, aussetzten?

Auffallend ist es ja, daß mit derartigen Gründen als Wortführer der wirtschaftlichen Köpfe in Bremen ein Professor der Philo­logie auftrat, um die so ernsten, von inniger Sorge durchzitterten Worte unseres Redners zurückzuweisen.

Der Appell unseres Redners, eines Mannes der Wirtschaft, der ängstlich vermied, eine Polemik hervorzurufen, aus dessen Worten jedoch ein warmer Appell an den bremischen Hanseatengeist, gerade an die wirtschaftlich ein­gestellten Vertreter der bürgerlichen Mitte, entgegenklang, beantwortete nicht ein Wirt­schaftler, sondern ein Professor mit rein wirt­schaftlichen und persönlichen Gründen. —

Was soll es bedeuten, daß aus dem Auf­sichtsrat der vereinigten Danatbank und Bre­mer Bank Fil. der Dresdner Bank, sämtliche Vertreter der Bremer Wirtschaft bei den Neu­wahlen jetzt ausgefallen sind? Hat man selbst in Berliner Bankkreisen jetzt das Vertrauen zu den bisher so angesehenen',. Bremer wirt­schaftlichen Köpfen verloren?

Ein Schlag für Bremen, eine Quittung wie sie an dir Abstimmung der Bürgerschaft am vorangegangenen Freitag nicht deutlicher «r- waxtetWrden^lonnte. ' -

die ewigen Widersacher jeder Aufwärtsent­wicklung zum tausendsten Male in der Welt­geschichte, das Eoethesche Wort wahr zu machen:

„Die wenigen, die was davon erkann,.,

Die, töricht g'nug, ihr volles Herz nichl^ wahrten, >

Dem Volle ihr E.efühl, ihr Schauen s offenbarten,

Hat man von je gekreuzigt und verbrannt."!

Und wie an jenem Tage, da über das Leben und Sterben des Erlösers entschieden wurde, heulte die Meute der Schriftgelehrten! und Pharisäer:

>,Ans Kreuz mit ihm! Den Barbaras giLs uns frei, den Barbaras!"

Den Barbaras gib uns frei, der sich durch! seine Freveltaten ebenso an den Lebensrechten seines Volkes versündigt hatte, wie diejenigen, die ihn verteidigten, das ist auch die Parole der heutigen Tage, einer Zeit, die Lichtbringey nnd Wahrheitskünder ebensowenig brauchen kann, wie der vor zweitausend Jahren, da deu gewaltigste Geist aller Zeiten auf Veranlassung der den heutigen Wohlverwandten Charakte­ren an dem Schandpsahl aus Golgatha senk Leben opferte. k

Damals — wie letzten Endes auch heute —» ging es um die Interessen der gesamt«! Menschheit. Damals wie heute handelte « sich um die erhabene Aufgabe, die Eotteseri^ von der Weltpest des ewigen Juden zu befrei««