Ausgabe 
(23.3.1932) Nr. 58
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Berlin, 23. März. Die Zahl der Erwerbslosen belief sich am 15. März auf 6129 000 gegen 6 128 000 am 29. Februar.

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s Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer A Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und !l Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.

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Von Dr. Goebbels.

^ . Während in Berlin und überall anderswo ^n Reich die Journaille des Systems und »npie ihr Wesensverwandten Hindenburg- rljsParteien sich im lauten Siegestaumel wieg- n^ten, — noch mehr solcher Siege, und sie ^werden sich bald zu Tode gesiegt haben — 1« saßen die Amtsleiter der Reichsleitung in l>«iN München oder in einem kleinen Ort in l 'C Oberbayem zusammen, legten sich Rechenschaft ^ ä ab über das bisher Geleistete und noch nicht Mri Erreichte, untersuchten kritisch und unvoreinge- ^ Kommen die Gründe» die uns diesmal noch dum nicht bis zum endgültigen Siege vor- M , dringen liehen, und formulierten dann die -- '7 Richtlinien, nach denen die Partei im zweiten P Wahlgang zur Präsidentschaft arbeiten soll. Z5 Es herrschte in der Bewegung auch keine Se­ra künde lang ein Zweifel darüber, dah der " Kampf, den wir einmal aufgenommen hatten, unnter jed er Bedingung weitergeführt, r: und dah es unserer zähen Verbissenheit auch wgelingen würde, am Ende unsere ganze Arbeit in mit einem polten Sieg zu krönen. Knapp eine Woche hat es gedauert, bis wir das, was notwendig war, in allen Einzelheiten er- ,! 7c. örtert und festgelegt hatten. Am Sonnabend traten in München die verantwortlichen Gauleiter der Partei zur letzten Beratung zu- ., ns sammen. Am Sonntag oder gn einem der kurz darauffolgenden Tage fanden in allen Gauen die entsprechenden Amtswalterta- gungen statt und jetzt ist wohl der neue E Plan trotz Osterfrieden und Wahlbehinderung tck bis zum letzten Mann in der Partei durch- rg gedrungen.

InBremen fand diese Versammlung am >8 gestrigen Dienstag im vollbesetzten Casinosaal ch statt.

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Es war von vornherein klar, dah die außer­ordentliche Lage auch außerordentliche Mittel und Methoden erforderlich machte. Wenn unsere Gegner die Hoffnung hegten, sie könn­ten durch eine zwangsmähig eingeführte vier- zehntägige Ruhepause die Partei überhaupt zur Untätigkeit verurteilen, so werden sie sich schon in kürzester Frist davon überzeugen müssen, dah das ein Irrtum ist. Wir unter­scheiden uns von der Hindenburg-Front vor allem Dadurch, dah wir eine absolut feste weltanschaulich untermauerte Organisation zur Verfügung haben, die in ihrer propagandisti­schen Schlagkraft so wendig und elastisch ist, dah sie auch für Lösung fast unlösbar schei­nender Aufgaben eingesetzt werden kann. Bei uns ist nicht, wie dort drüben, «in wilder Hau­fen von Parteien, Gruppen und Jnteresscn- verbänden zusammengekoppelt, der wenn er nicht mehr durch eine temporäre Angst anein- andergehalten wird, sofort wieder auseinander- läuft. Unsere Partei ist im Kampf gewachsen ^und groß geworden. Sie kennt all die Ge­fahren, die in schwierigen Situationen Men­schen und Parteien bedrohen. Sie ist ihrer zu oft Herr geworden, als dah sie davor kapitulieren könnte.

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Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte dafür, dah die nationalsozialistische Bewegung nicht nur zahlen-, jondern auch willensfähig

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Berlin, 22. März. Der Führer der RSDAP., Adolf Hitler, hatte vor einiger Zeit den Antrag gestellt, anlählich des zweiten Mahl­ganges zur Neichsprasidentenwahl den Rundfunk zu einer Ansprache zur Verfügung gestellt zu be­kommen. Der politische Überwachungsausschuh hat Liesen Antrag abgelehnt und seine Stellung­nahme damit begründet, die Reichsregierung stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ,^>uch im zweiten Wahlgang der Reichspräsidcnten- wahl der Rundfunk für parteipolitische Reden nicht zur Verfügung gestellt werden dürfe."

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Wir haben dainit gerechnet, dah das System trotz aller angekündigter Ritterlichkeit unserem Führer den Rundfunk versagen würde, ob­wohl der Kandidat des Systems, Herr von Hindenburg und sein beamteter Propagandist ausgiebigen Gebrauch von dieser Einrichtung gemacht haben und auch wieder machen werden. Dabei ist die Rechtslage so eindeutig zu unseren Gunsten, dah man wirklich gespannt sein darf, mit welcher Begründung man die 11,5 Millio­nen Wähler Hitlers, die mit ihrem Gelde genau wie die Wähler Hindenburgs, den Rundfunk finanzieren und die Gehälter der Rundfunkbeamten aufbringen, ihres selbstver­ständlichen Rechtes beraubt. Wir erinnern uns, dah im ersten ReichspräsidenLenwahlkampf so­wohl Herrn Marr wie Herrn von Hindenburg der Rundfunk zur Verfügung stand, . während man diesmal ganz einseitig nur einem Kandi­daten das Mikrophon freigibt. Wenn die Gegenseite behauptet, Herr von Hindenburg habe als Reichspräsident und nicht als Kan­didat gesprochen, so widerlegt Herr von Hin­denburg selbst diese Behauptung, denn er schloß seine Ausführungen mit dem Sahe: „Das ist Sinn und Ziel meiner Kandidatur!" Und wem das nicht genügt, dem sei gesagt, dah ja nicht nur Hindenburg sondern auch Brüning eine Wahlrede im Rundfunk ge­

halten hat, in der er nichts über seine Tätig­keit als Kanzler verriet, sondern ausschließlich und in wenig sachlicher Form den National­sozialismus angriff. Wir erinnern uns weiter daran, dah man Brünings Reichstagsrede nach sorgfältiger Bearbeitung ebenfalls mehr­fach durch den Rundfunk verbreitete, wieder zu dem ausschließlichen Zweck, den Kandidaten Hitler bei den Wählermassen herabzusetzen.

Die Tatsache, dah in Deutschland eine solche schreiende Ungerechtigkeit möglich ist, führen wir Nationalsozialisten auf das System zurück, dem wir den Kampf bis zum Letzten angesagt haben. Wir erinnern daran, dah schon vor 200 Jahren ein König von Preußen einen Prozeß gegen einen Müller verlor, weil er im Unrecht war! Gerechtigkeit, Herr von Hindenburg, ist aber die Grundlage jedes Staates und wenn dieses Fundament zer­stört wird, so zerstört sich in diesem Falle das System selbst. Man kann uns wider alles Recht den Rundfunk verbieten, aber man kann uns nicht untersagen, jeden deutschen Menschen ganz gleich welcher Partei, daraus hinzuweisen, daß dieses System sich nur noch dadurch am Ruder halten will, daß es die Rechtsgrundsätze des Volkes nicht achtet, und eine vom Volke bezahlte Einrichtung dazu mißbraucht, einen Kandidaten vor dem anderen zu bevorzugen.

So werden die Fehler des Systems unsere besten Waffen und wir lassen nicht vom Geg­ner ab, bis er besiegt am Boden liegt, bis alle deutschen Menschen erkannt haben, dah in unserer Idee und unserer Bewegung allein die Grundlage für den Wiederaufbau der deutschen Nation gegeben ist.

Wi- werden kämpfen bis zum 10. April in einem noch nie dagewesenen Mähe und wir werden weiterkämpfen vom 11. April bis zuin 24. April und dann weiter Tag für Tag, getragen von immer größeren Teilen des deutschen Volkes, bis zu der Stunde, in der sich der Kampf zur Arbeit am Neubau des Staates wandelt. -art.

KSrekZSsiHMunü lüi*

Berlin, 22. März. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes faßte am Dienstag folgende Entschließung:

„Die Gründe, die den Reichslandbund ver­anlaßt hatten, seine Stimme nicht für Hinden­burg einzusetzen, bleiben auch für den zweiten Wahlgang in vollem Umfange bestehen. Die verheerenden Auswirkungen der Irrwege der bis­herigen deutschen gesamtstaatlichen und Wirtschafts­politik sind für die deutsche Wirtschaft von Tag zu Tag fühlbarer. Daher kann ein deutscher Bauer am 10. April nicht Arm in Arm mit der bauernfeindlichen Sozialdemokratie den Reichs­präsidenten wählen. Der Reichslandbund hat schon für den ersten Wahlgang die Herausstellung der Persönlichkeiten bewußt den anderen Gruppen der nationalen Front überlassen. Seine Stellung­nahme für den zweiten Wahlgang bedeutet daher keine parteipolitische Bindung. In der Stimmab­gabe für Hitler, der als einziger der bisherigen Kandidaten der nationalen Bewegung seine Kandidatur in der zweiten Wahl aufrecht erhält, steht der Reichslandbund eine starke kämpferische Kundgebung. Der notwendige Kampf des deut­

schen Landvolkes um Befreiung und Selbst- erhaltung des Berufsstandes gegen das hinter der Person Hindenburgs Schutz suchende System muß in den daraus folgenden Entscheidungskämpfen bei den Landtagswahlen stärksten Ausdruck er­halten. Der 24. April muß den Sieg bringen."

Aus üsp gegniß-sn

München, 22. März. Die Reichsleitung der Hitlerjugend erklärt: Entgegen den Meldun­gen einiger linksgerichteter Berliner Blätter, die von einem Aufmarsch der Hitlerjugend zu Ostern in Braunschweig schreiben» wird mitge­teilt, dah zu Ostern in Braunschweig nur eine geschlossene Führertagung der Hitlerjugend stattfindet, zu der Außenstehende überhaupt keinen Zutritt haben. Diese Tendenzmeldungen sind also völlig aus der Luft gegrifffen.

Lvilung" VS^

Hannover, 22. März. D.e ...^sozia­listische „Niedersächsische Tageszeitung" in! Hannover ist wegen Veröffentlichung einer, von der Reichsleitung der NSDAP. verbrei-! teten Erklärung des Führers der National­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Adolf, Hitler, in der an den Maßnahmen des Innen­ministers Severing Kritik geübt wird, auf die. Dauer von acht Tagen verboten worden. Be- sonders in dem in der Erklärung enthaltenen Wort „Verfassungsbrüche" wird eine Belei­digung Severings erblickt. Gegen das Verbot, wurde Beschwerde eingelegt beim preußisches Innenministerium, beim ReichsinnenmmllteriuM und beim Reichsgericht.

„VvZkiZLksi' Vsodsektss*"

München, 22. März. Der „Völkische Be- obackter" ist von der Polizeidirektion Mün- Len ab Dienstag, den 22. März, bis ein- Miehlich Samstag, den 26. März, aus den­selben Gründen verboten worden.

LInrSwsiLspT kLL.-^siLungsn vspboten

Aus dem gleichen Grunde wurde das „Koblenzer Nationalblatt", „Westdeutsche Leobachter", Köln, „Volksparole", Düssel­dorf, „Oberschlesischer Bote", nebst ihren Kopfblättern auf 5 Tage verboten

Ususi* Sek>sg gsgsn Osnrig

Warschau, 22. März. Die Ortsgruppe des Negierungsblocks in Augusto bei Erodno ist gelegentlich der Namenstag-Feier Pilsudskis am 19. März auf den höchst sonderbaren Ge­danken gekommen, der Regierung und Oeffent- lichkeit den Vorschlag zu unterbreiten, zu Ehren Marschall Pilsudskis „ein Werk von ewiger Dauer und gemeinsamer Nützlichkeit für Staat und Volk" zu errichten. Es sei nämlich, so heiht es in diesem Vorschlag, znr Erweiterung der polnischen Machtbestrebungen von größter Notwendigkeit, den Bau eines Kanals in An­griff zu nehmen, der Edingen mit Dirschau verbinden würde. Dieser Kanal solle mit Un­terstützung der gesamten Öffentlichkeit errich­tet werden und am Tage der 15jährigen Un- abhängigkeitsfeier Polens eingeweiht werden. Der 19. März werde jedes Jahr der Tag sein, an dem in dieser Hinsicht die bisherigen Erfolge überprüft werden sollen. Die Samm- , lung für dieses Werk, für Größe und Ruhm des polnischen Volkes, die unter den Rogie- rungsanhängern in Augusto veranstaltet wur­de, hat ungefähr 200 Zloty ergeben. Sollte dieser Kanalban tatsächlich Zustandekommen, so. würde er von weittragender Bedeutung fein. Die Dauerverbindung Edingens mit der Weichsel würde der letzte Schlag gegen Dan- zig fein. <