Ausgabe 
(16.3.1932) Nr. 52
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die lOgespaltene mm-Ieile RM0.1Ü Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12, im Textteil RM 0.50, auswärts RM 0.70. Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Vorauszahlbar.BeiBetriebsstörung,Streik,Verbot,Aussperrung Stellengesuche RM 0.04. Sonstige kleine Anzeigen RM 0.06. bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878. usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugpr. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

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Berlin, 15. März 1932.

Die Reichsregierung plant, eine weitere Ver­hinderung der Wahlpropaganda vorzunehmen. Wie aus dem Reichsinnenministerium verlautet, ist bereits der Entwurf einer Verordnung vor­bereitet, durch den, wie seinerzeit an Weihnach­ten, über die Ofterzeit, und zwar voraussicht­lich für 14 Tage, ein sogenannter poli­tischer Burgfriede verordnet werden soll. Der Entwurf dürfte demnächst dem Reichskabinett vorgelegt werden.

Mit dieser Notverordnung beginnt der Kampf des Systems gegen uns. Das Zentrum und Sozialdemokratie begreifen allmählich, daß die 12 Millionen nationalsozialistischer Wähler eine ungeheure Gefahr für ihre Parteipolitik bedeuten und so setzt man schon jetzt alle Hebel in Bewegung, um dem siegreichen National­sozialismus mit staatlichen Gewaltmitteln ent­gegentreten zu können. In Preußen soll das Wahlalter heraufgesetzt werden, um der Ju­gend das Recht zu nehmen, ihr Schicksal mit­zubestimmen und man ist eifrig dabei, die bis­herige große Macht der preußischen Regierung an das Reich überzuleiten, um einer kommenden nationalsozialistischen Regierung in Preußen die Möglichkeit zu nehmen, diese Macht zum Um­bau des Staates zu verwenden.

Man verbietet ganz einfach den Wahlkampf zut Reichspräsidentenwahl, und man glaubt l/as umso eher tun zu können, als der Kampf- ölock Schwarz-weiß-rot seine Fahne verläßt und auf einen zweiten Wahlkampf verzichtet. Damit nicht genug. Es soll jetzt «in General­angriff auf die NSDAP. erfolgen, so fordert die „Germania", das Blatt des Reichskanzlers, daß nunmehr unsere Bewegung rücksichtslos Unterdrückt werden müsse, daß man die Ge­staltung der Opposition nicht dem Zufall über­lassen dürfe, sondern leider eine unerläßliche Zwangserziehung zur Anständigkeit erforder­lich sei. Dazu also hat man Hindenburg als Schild vor sich gestellt, um hinterher eine schwarz-rote Parteidiktatur aufrichten zu kön­nen. Denkt das Zentrum vielleicht an eine mittelalterliche Jnquisitionsperiode, mit deren Hilfe man den deutschen Lebenswillen zer­stören will?

Auch die Sozialdemokratie tn'tt bereits ganz offen mit ihrer Lohnforderung für den Verrat an der Arbeiterschaft hervor und läßt den Präsidenten des deutschen Reichstages, Herrn Löbe, das rücksichtslose Vorgehen des gesamten Verwaltungsapparates gegen die nationalsozia­listische Bewegung verlangen. Es soll nunmehr Schluß gemacht werden mit der demokratischen Tolerierung unserer Bewegung, so meint Herr Lobe, und versteigt sich zu noch weiteren Drohungen.

, Wir fürchten diese Angriffe nicht, wir sind sie seit 13 Jahren gewohnt und werden wie bisher, uns unseren Sieg allen Gewalten zum Motz erstreiten.

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Die Beratung im Landtage des Preußischen Haushaltsplanes nimmt gegenwärtig das In­teresse der Oeffentlichkeit in Anspruch. Der Finanzminister Klepper hat wieder eine seiner grundsahlosen Reden gehalten. Er will noch schnell vor Toresschluß von dem sterbenden Landtag und seiner schwarz-roten Schwind­suchtsmehrheit eine Blankovollmacht für den Etat und die . . . Finanzreform herausholen. Bekanntlich weist die Haushaltsrechnung im praktischen Ergebnis ein Defizit von mehreren hundert Millionen auf; man hat diese Summe bis auf 100 Millionen errechnet, die vom Reiche zugebuttert werden sollen. Dafür ver­zichtet Preußen auf eine Beteiligung an der Siedlung.

Dieser Etat ist die dunkelste Haushaltsrech­nung, die man sich in den letzten Jahren leistete. Mit der Durchführung dieser Finanz- erperimente will man der kommenden Preu­ßischen Regierung einen Knüppel zwischen die

Beine werfen. Die derzeitigen Preußenzaren sind — mindestens nach dem Ergebnis vom 13. März 1932 — davon überzeugt, daß die NSDAP. die kommende preußische Regierung bilden wird. Nun will man die praktischen Maßnahmen dieser nationalsozialistischen Re­gierung durch kalte Sabotage verhindern. Die Möglichkeiten einer Arbeitsbeschaffung sind durch die Abtretungen der preußischen Sied­lungsbeteiligung auf ein Minimum herabge- senkt. Was sonst noch vorgenommen wurde verschweigt man vor der Hand noch. Jeden­falls will man vorsorglich die bisher bestehen­den weitgehenden preußischen Rechte ausschal­ten und dem Reich kommende übertragen, da­mit die nationalsozialistische Preuhenregierung ihre durchgreifenden Pläne nicht verwirklichen kann, sondern im Reiche auf Widerstand stößt. Wir werden auf der Hut sein und auch diese dunklen Pläne der jetzigen Preußenregierung zunichte machen!

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In einer resignierten Betrachtung „Nach der Wahl" offenbart der Stahlhelmpressedienst die vor­aussichtlichen weiteren Ziele des Kampfblocks „schwarz-weiß-rot", der seine Arbeit mit allen: Nachdruck fortsetzen wolle. Der zweite Wahlgang interessiere allerdings nicht mehr; der Stahlhelm Hütte offenbar nichts dagegen, wenn die Präsident­schaftsfrage einfach durch eine Parlamentsfront Wels—Hugenberg zugunsten Hindenburgs gelöst werde. Wichtiger seien die kommenden Preußen- wahlen, bei denen der Stahlhelm im „Kampf­block" seine Kraft zeigen werde. Danach hat der Bund der Frontsoldaten in aller Oeffentlichkeit auf seine politische Selbständigkeit verzichtet. Der Stahlhelm ist nichts anderes als eine Truppe Hugenbergs; einige Bundesführer werden dafür mit einem sicheren Mandat bedacht werden.

Die Stahlhelmkameraden, die politisch seit lan­gem im Lager des Nationalsozialismus stehen, dürfen nicht mehr länger im Unklaren gelassen werden, daß man sie zu Schlepperdiensten einer absterbenden bürgerlichen Parlamentspartei miß­braucht. Die Stahlhelmführung will sich — um mit deren eigenen Worten zu reden — einer „nationalsozialistischen Parteidiktatur nicht unter­werfen. Sie kriechen dafür bei Hugenberg unter, da ist für einige Ehrgeizige und Alleswisser noch etwas zu holen! Damit ist jedoch das Ende des Stahlhelms besiegelt; die Organisation wird viel­leicht unter oder neben der DNVP. weiter vege­tieren. Für den deutschen Arbeiter und Soldaten aber ist kein Platz mehr in diesen Reihen!

Landtagswahlen st« Preußen am 24. April.

Berlin, 15. März. Der Ständige Aus- schuß des Preußischen Landtages setzte Montag abend im Einvernehmen mit der preußischen Regierung den Termin für die Neuwahl des Preußischen Landtages auf Sonntag, den 24. April, fest.

Auch Bayern wählt am 24. April?

Mönchen, 15. März. Im Bayrischen Land­tag ist von der Bayrischen Volkspartei, den Sozialdemokraten, dem Bayrischen Bauern- und Mittelstandsbund sowie den Deutschnatio­nalen der Antrag eingelaufen, den Landtag mit Wirkung vom 24. April aufzulösen und die Neuwahlen auf den 24. April anzusetzen.

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Hamburg, 15. März. Wie die Pressestelle der NSDAP., Gau Hamburg, mitteilt, hat die nationalsozialistische Bürgerschaftsfraktion beschlossen, die Auflösung der Bürgerschaft zu beantragen. Der Antrag wird die Bürgerschaft voraussichtlich am Mittwoch nächster Woche beschäftigen. Nach Ansicht der nationalsozia­listischen Fraktion entspricht die Stimmenver- teilung der Bürgerschaft im Hinblick auf das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl nicht mehr der Stimmung im Volke.

Berlin, 16. März. Der D-Zug 7,45 Uhr früh ab München, mit dem Hitler, Dr. Goeb­bels und Dr. Frick nach Weimar fuhren, wurde, nach Mitteilung der Reichsbahndirek- tion, kurz vor Jena von bisher nicht ermittel­ten Tätern beschossen. Ein Wagen wurde ge­troffen. Personen wurden nicht verletzt. Der Wagen wurde zur Untersuchung zum Reichs­bahnausbesserungswerk Naumburg a. d. Saale gebracht.

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Zum Ausschluß des MdN. Förster aus dem DHV. Mit dem Artikel in Nr. 3 des „Vorposten", den der DHV. als Grund für die Ausschließung des Kollegen Albert Förster benutzt hat, erklären wür uns voll und ganz einverstanden.

Wir Nationalsozialisten sprechen allen Leuten, die sich mit Crispien, Heilmann, „Vorwärts", Berliner Tageblatt" usw. in eine Front stellen, das Recht ab, über nationale Würde, über Fragen des deutschen Ostens und insbesondere über die der Freien Stadt Danzig mitzureden.

Danzig, 8. März 1932.

Wilhelm von Wnuck Präsident des Danziacr Volkstones und Mitglie­des DHV. Nr. 150 253.

Walter Maaß

Mitglied des Volkstagcs und des DHV.

Der Kämpfer für die liberale Front, Herr Bechltz batte bekanntlich durch die Einzeich- nung seines Namens für den „Sah in-Aus- schuß" in den Reihen derer, welche im DHV. organisiert sind, zum Teil sehr großen Widerstand wachgerufen.

Die im DHV. organisierten Mitglieder der nationalen Opposition wollten sich ein derartiges Vorgehen des „unpolitischen" Herrn Bschly nicht gefallen lassen. In vielen Protestschreiben wurden die Liberalisten in der DHV.-Leitnna bombardiert. Diejenigen Mitglied des DHV-, welche Nun öffent­lich ihr Mißfallen kund tun, sollen aus dem DHV. ausgeschlossen werden. In Berlin hat man bereits begonnen. Ein höherer Verwaltungs­funktionär: Herr Dr. Richter, droht den Nazis mit Ausschluß und hat seine Drohung auch in einigen Fällen in die Praxis umgesetzt.

Sehr mutig, Herr Dr. Richter! Ein Mitglied aus dem Verband auf Grund der Satzungen und unter Berufung auf den Neutralitätsparagraphen auszuschließen, ist nicht schwer; das kann jeder. Wir werfen aber die Frage auf:

Warum ist Herr» Bechlq ein derartiger politi­scher Schritt erlaubt gewesen?

Wenn der Vorsitzende.eines Verbandes selbst die Grenzen der politischen Neutralität überschreitet, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die "Mitglieder dasselbe machen oder mindestens gegen das politische Treiben ihres Vorsitzenden Protest erheben.

Wir werden weiter die Entwicklung in dieser Richtung beobachten und zur gegebenen Zeit. un­sere Schlüsse ziehen.

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Wegen einer „falschen Seite".

Auf Anordnung des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen sind die in Herford er­scheinenden nationalsozialistischen Zeitungen „Westfälischer Beobachter", „Birlefelder Be­obachter" und „Herforder Beobachter" auf die Dauer von drei Tagen verboten worden.

Das Verbot wird damit begründet, daß die Blätter eine amtliche Berichtigung statt aus der ersten Seite des Hauptblattes auf der ersten Seite der Beilage gebracht hätten.