Ausgabe 
(10.3.1932) Nr. 47
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Rationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.

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KIsi'aus -um lslrlsn Appell

Voi'wZk'is rum Lieg!

Die Refthsleitung der NSDAP. veröffentlicht zur Reichspräsidentenwahl folgenden Appell an alle Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen.

DerEntscheid ungs kämpf ist insrinletztes Stadium getreten. Millionen Herzen schlagen in diesen letzten Tagen mit unserer nationalsozialistischen Bewegung und er­sehnen ihren Sieg über das System des Zusammenbruchs und der Hoffnungs­losigkeit.

Millionen sind innerlich bereit, Adolf Hitler, dem Führer in die deutsche Freiheit, ihre Stimme zu geben.

Millionen aber, die den Kraftstrom dieser Bewegung zu den Ufern einer neuen Zeit fühlen, schwanken noch in ihrem Entschluß unter dem Trommelfeuer der geg­nerischen Propaganda. , i ^ >

Ihnen gilt unsere Arbeit in den letzten Tagen. Sie mitzureißen ist unsere Aufgab« in diesen entscheidenden Stunden Mögen sie uns auch das geschriebene Wort, den Rundfunk, den Film »so., die man dem Gegenkandidaten gestattet, verbieten, den Geist können sie nicht bezwingen!

Nationalsozialisten, zum Großangri ff an die Front! Und Ihr, unbekannte Kämpfer Adolf Hitlers, zeigt jetzt Bekennermut.

Stellt in diesen letzten Tagen Eure Person zurück und Eure ganze Kraft und Euer ganzes Sein in den Dienst unserer großen Sache!

Jede Stunde dieser letzten Tage gehört dem Kampf und der Werbung für Adolf Hitler! ! ! !

Jede Minute bis zur Abrechnung am Sonntag gehört dem Gedanken an Deutschlands Zukunft im Zeichen Hitlers!

Treibt die Häunngin. rüttelt die Müden auf und begeistert die Kämpfer!

Wer jetzt noch zurücksteht und die Last des Kampfes anderen überläßt, stellt sich außerhalb unserer Reihen und ist nicht wert, ein Nationalsozialist zu heißen.

In diesen schicksalsentschridenden Stunden gilt das Wort, das in der nationalsozia­listischen Volksgemeinschaft lebendige Gestalt angenommen hat: Einer für alle, alle für einen!

Nensus Lvm Islrlsn Appell!

Werbt furchtlos und unermüdlich!

Mit Euch ist der Lebenswille der Nation! Mit Euch ist der unbesiegbare Geist Adolf Hitlers.

IVM Luok ist Nsutseklsniß! Vonwspts LUM 8ivgl

Berlin, 9. März. Dem großen Aufmarsch der NSDAP im Lustgarten am Mittwoch ! folgte am Abend eine nationalsozialistische Massenkundgebung im Berliner Sportpalast, an der über 15 000 Personen teilnahmen. Hier sprachen der Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels und der Fraktionsführer im preu­ßischen Landtag, Wilhelm Kube.

Goebbels forderte unter dem Beifall der Versammlung den Reichskanzler Brüning zu einem Redekampf heraus. Er lade ihn zu der letzten nationalsozialistischen Massenver­sammlung vor der Wahl am kommenden Sonnabend in den Sportpalast ein und stelle ihm die Hälfte der Eintrittskarten zur Ver­fügung. Die Unkosten trage die National­sozialistische Partei. Goebbels schlug weiter vor, diese Kundgebung, auf der Brüning ge- s uügend Redezeit und auch das Schlußwort er- s halten solle, auf sämtliche Rundfunksender zu übertragen. Er, Dr. Goebbels, sei auch bereit, ohne Anspruch aus Eintrittskarten zu erheben,

« aus der am Freitag stattfindenden Sport­palast-Versammlung, für die Dr. Brüning als ' Redner angekündigt sei, zu sprechen. Das t deutsche Volk werde dann erkennen, auf welcher Seite das Recht sei.

Nspp IVIinistei*, wspurn seknsilsn 8iv niekt ein?

Die NSDAP. erhebt feierlich Protest ge­gen die in den letzten Wochen zu Unrecht er­folgte» einseitigen Verbote und Beschlag- nahmungen nationalsozialistischen Wahlmate­rials.

Er wurden u. a. verboten:

Der „Illustrierte Beobachter" München wurde wegen einer Bildunterschrift beschlagnahmt und auf die Dauer von drei Wochen verboten. Der „Völkische Be­obachter" München wurde beschlagnahmt, weil er eine Karikatur, die von den heutigen Hindenburg-Wählern 1935 gebracht wurde, veröffentlicht hatte, obschon aus dem Begleit- lert klar und deutlich zu ersehen war, daß mit der Wiedergabe nicht die Person des Reichspräsidenten, sondern nur die Parteien die jetzt hinter seiner Kandidatur stehen, ge­troffen werden sollten. Aus dem gleichen Grunde wurde die „Nationalsozia­listische Landpost" innerhalb zwei Wochen polizeilich beschlagnahmt.

Das nationalsozialistische Organ Ostpreu­ßens, die „Preußische Zeitung" in Kö­nigsberg wurde wegen des Leitartikels „Ohne Hitler die Heimat in Gefahr" auf drei Wochen verboten. Das Berliner Blatt der NSDAP. der „Angriff" wurde verboten, weil eine dort , abgedruckte Versammlungsankündigung „Der ! Kandidat Erispiens" angeblich als Verächt­lichmachung des Reichspräsidenten aufgefaßt l wurde. Eigenartig bei dieser Verbotsbegrün- ^ düng ist, daß die gleiche Ankündigung vier ! Tage vorher an den Berliner Litfaßsäulen l angeschlagen war, ohne daß die Polizei hierin l «ine Verächtlichmachung erblickte.

H Die nationalsozialistische Wahlzeitung, !i Sonderausgabe des „Flammenwerfers"

München, wurde beschlagnahmt, weil unter der Überschrift „7 Jahre frühe/' eine SPD.- Karikatur gegen Hindenburg gebildet war. Auch hier ging aus dem Begleittert einwand­frei hervor, daß nicht die Person des Reichs­präsidenten angegriffen, sondern daß nur die verlogene Hetzarbeit der SPD. gebrandmarkt werden sollte. Die nationalsozialistische Wahl­broschüre „Warum Hindenburg?" wurde in Bayern beschlagnahmt, weil in ihr mit Bezug­nahme auf den künftigen Reichspräsidenten der Satz aufgestellt war, daß jeder Nicht- nationalsozialistische Reichspräsident, ob er wolle oder nicht, am Bolschewismus scheitern werde.

Das Wahlplakat der NSDAP. „Wir wäh­len Hindenburg", das eine Photomontage von Köpfen verschiedener im öffentlichen Leben stehender Männer enthält, wurde verboten, Ein weiteres Wahlplakat „Frontsoldaten, gebt die Antwort!" wurde wegen Zitierung des Allsspruches des Berliner Polizeipräsidenten Erzesinski: „Wie blamabel ist es für das deut­sche Volk, daß dieser Ausländer Hitler über Deutschlands Zukunft sprechen kann, ohne daß man diesen Mann mit der Hundepeitsche davonjagt", von dem Lleichen Polizeipräsi­denten Grzesinski verboten.

Das nationalsozialistische Wahlflugblatt „Warum Hitler?" wurde in Berlin we­gen des Textes „Landesverrat der SPD." und „Landesverräterischer Marxismus" be­schlagnahmt und verboten.

Herr Minister Eroener! Während auf der einen Seite die Propagandatätigkeit der NS. DAP. vollkommen einseitig beschränkt wird, dürfen die anderen Parteien ihre Agitation > ungehemmt ausüben.

Herr Minister Eroener! In ihrem ver­öffentlichten Brief an Adolf Hitler erklären Sie am Schluß, daß Sie es Ihre Ehren­pflicht als alter Soldat betrachten, über die „Ehre und das Ansehen des Eeneralfeld- marschalls Hindenburg zu wachen".

Die kommunistische „R ote Po st", Berlin, Nr. 9, vom Februar 1932, veröffentlicht unter dem Titel „Unsere Vorschlage für ^ahl- plakate" eine gemeine Karikatur: Hin­denburg Arm in Arm mit einem fetten SPD.-Bonzen, und schreibt dazu: „Zwei Herzen und «in Schlag".

Herr Minister Eroener, warum schreiten Sie hier nicht «in, wenn Sie es als Ihre Ehrenpflicht betrachten, über die Ehre und das Ansehen des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zu wachen?

Die „Rote Post" bringt in der gleiche« Nummer ein Zitat des „Vorwärts": „Eine Wahl Hindenburgs bedeutet für Deutschland direkt eine Katastrophe!" Die „Rote Post" schreibt dazu wöttlich: „So hieß es damals im „Vorwärts", und so ist es heute." In dem gleichen Artikel wird Hindenburg als der nationale Kandidat der Börse und des Profits gezeichnet.

Herr Minister Eroener! Warum gehen Sie nicht gegen die Behauptungen vor, wenn Sie es als Ihre Ehrenpflicht betrachten, über die Ehre und das Ansehen des Eeneralfeldmar- schalls von Hindenburg zu wachen?

Herr Minister Eroener, warum dulden Sie die Verleumdung Hindenburgs als Kriegs­hetzer, wenn Sie es als Ihre Ehrenpflicht be­trachten. über die Ehre und das Ansehen des (generalfeldmarschalls zu wachen?

Die NSDAP. protestiert -»gegen, daß ihr im Wahkkampf jede srchk'ch? K itik verböte» wird, während selbst die maßloseste gegnerische Hetze und Agitation geduldet wird. Es wird dvtzch diese offenkundige Ungerechtigkeit der Anschein erweckt, als woll« man um jeden Preis den gefährlichen Rivalen mundtot machen.

Herr Minister Eroener! Durch Ihre Dul­dung einer so gearteten Handhabung der Not- vevordnungsparagraphen werden Sie bet Ihrem Bemühen, über Ehre und Ansehen des Generalfeldmarscha'ls zu wachen, ihm letzte« Endes einen schlechten Dienst erweisen.

gez. Dr. Goebbels,

R eichspropag andaleiter.

Die Biersteuer und Bierpreissenkung.

Berlin, 9. März. Amtlich wird mitgeteilt: Die Senkung der Reichsbiersteuer und der Eemeindebiersteuer ist heute in den Reichsrats­ausschüssen unter Vorsitz des Reichsfinanz­ministers besprochen worden. Die Angelegen­heit ist nunmehr soweit vorbereitet,- daß dia endgültige Entscheidung in Kürze erfolgen kann. Dabei wird auch Gewähr dafür gegeben wev- den, daß gleichzeitig mit der Biersteuersenkung eine kräftige Bierpreissenkung eintreten wird.

Immer neue Unruhen in Spante«.

Madrid, 9. März. In Toledo griffen während d.es dort im Gange befindlichen Ge­neralstreiks Teile der Arbeiterschaft unter kom­munistischer Führung wiederholt die Polizei­truppen mit der Schußwaffe an. Um Mitter­nacht in Autobussen herbeigeholte Ueberfakl- kommandos wurden mit Gewehr- und Pistolen- salven empfangen und erwiderten das Feuer, wobei ein Polizist getötet wurde. Drei wettere Polizisten wurden schwer, ein Offizier und mehrere Arbeiter leicht verletzt.

Gasanstalt durch schwere Erplosion vernichtet.

New Park, 9. März. In Camden (New Perser,) ereignete sich aus unbekannter Ursache eine schwere Erplosion in der Gasanstalt, wo­durch acht Personen getötet wurden. Fünfzehn Personen werden vorläufig vermißt. Das ge­samte Gaswerk wurde vollständig vernichtet. Die Fensterscheiben aller Häuser in weitem Umkreis sind zersprungen.