Ausgabe 
(8.3.1932) Nr. 45
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Aerlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878.

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In der Außenpolitik bereiten sich augenblick­lich Entscheidungen von höchster Bedeutung »or. In Genf beginnen nächste Woche in der politischen Kommission die Verhandlungen über die Ausdehnung des zu schaffenden Rüftungs- «Akammens, wobei von Frankreich schwere An­griffe und raffinierte Intrigen gegen die deut­sche Gleichberechtigung zu erwarten sind. In Wl«t, Budapest, Prag, Belgrad, Bukarest, Warschau, arbeitet Frankreich aufs inten- sirche an

»er Schaffung einer mitteleuropäischen Zollunion

unter Ausschaltung Deutschlands; es sucht sich damit heute schon die Garantie zu schaffen, daß nach Ablauf des sog. Genfer Abkommens in einigen Jahren die augenblicklich durch dieses Abkommen verhinderte deutsch-österreichische Zollunion nicht Wirklichkeit wird.

In Genf sind vereinigt oder werden in den nächsten Tagen wieder anwesend sein die Außenminister von England, Italien, Ruß­land, Frankreich, Polen, Südslawien, wobei der französische Außenminister Tardieu, gleich­zeitig Ministerpräsident Frankreichs, ein be­sonderes Gewicht in Waagschale zu werfen hat. Allgemein ist bekannt, daß Tardieu «chtzt nur der erbittertste Feind Deutschlands U, sondern auch ein Mann von ganz beson­derer Energie und Hartnäckigkeit. Er ver­säumt keine Stunde, seinem Lande zu nützen; dieses Nützen aber bedeutet für ihn vor allem, Deutschland die Gurgel noch enger zu schntren, als es schon bisher der Fall war, zum mindesten aber zu verhindern, daß Deutschland mehr Lust bekomme. Diesem Mann weiß das „System" heute in Genf niemand anders entgegenzustellen, als den deutschen Botschafter »»» Angora, der bis vor kurzem weder mit der Abrüstungssrage noch an den Verhand­lungen der Großmächte 1931 beteiligt war. Es fehlen ihm also alle persönlichen Erfah­rungen auf diesem Gebiete. Für keinen Staat sind die Aufgaben, die der Verlauf der poli­tischen Entwicklung gestellt hat, heute schwerer als für Deutschland. Man steigert für Deutsch­lands Vertreter die gegebenen ungeheuren Schwierigkeiten noch ganz unnötigerweise da­durch, daß man ihm die Macht vorenthält, die die Vertreter der wichtigsten übrigen Staa­ten besitzen, und daß man ihn durch minderen Rang und mindere Kompetenzen von vorn­herein in die Hinterhand drängt.

Was treibt inzwischen der deutsche Außenminister?

Offiziell besitzt nämlich Deutschland einen sol­chen. Er ist Dr. Brüning, zugleich Kanzler des deutschen Reiches. Dieser deutsche Außen­minister hält als Zentrumsmann Agitations- «is« für den von seiner Partei gekürten Kandidaten zur Reichspräsidentenwahl in einem Augenblick, der dringend die ganze Kraft eines ganzen Mannes für die Außenpolitik erfordern würde. Wir müssen hören, daß Brüning am 7. März in Köln, am 8. März in Düsseldorf, am 9. März in Dortmund, am 11. März in Berlin und am 12. MäH in Breslau sprechen wird. Nur da, wo der deut­sche Außenminister heute zu arbeiten und zu sprechen hätte, in Gens, wird er nicht zu finden sein. Man wird von Zentrumsseite entgegen­halten, daß Adolf Hitler ja auch im ganzen Lande herumreise und spreche. Aber Adolf Hitler ist nicht verantwortlicher deutscher Außenminister.

Ileberdies — könnte es keine bessere Propa­ganda für die Fortdauer des „Systems" ge­ben, als wenn Brüning in Gens weilen und dem deutschen Volke außenpolitische Erfolge bescheren würde. Er scheint aber von seinem Genfer Auftreten am 9. Februar und der Kri­tik, die dieses bis weit in die Kreise der „System"-Anhänger hinein gefunden hat, so genug zu haben, daß er lieber für das „Sy­stem" in Deutschland kämpft, als für Deutsch­land in Gens.

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Genf, 7. März. Der französische Minister­präsident Tardieu trifft am Dienstag vor­mittag hier ein und wird, wie in unterrich­teten Kreisen verlautet, eingehende Verhand­lungen mit dem englischen Außenminister über den Vorschlag des Zusammenschlusses der Donaustaaten führen, den die französische Re­gierung soeben in einer Denkschrift den euro­päischen Großmächten vorgelegt hat, Der französische Plan baut sich, wie verlautet, im wesentlichen auf folgenden vier Punkten auf: 1. Oesterreich, Ungarn und die Tschecho­slowakei treten in enge wirtschaftliche Verbindungen aus Grund von Abkommen,

in denen die wirtschaftlichen Beziehungen dieser Staaten für die Zukunft neu geregelt werde«.

2. Der Beitritt der übrigen Donaustaaten, jedoch nicht Polens, zu dieser Staaten­gruppe ist zulässig, jedoch bilden die drei erstgenannten Staaten die Grundlage des angestrebten engen wirtschaftlichen Zusam­menschlusses der Donaumächtr.

3. Die französische Regierung erklärt sich bereit, diesen Staaten im Falle der prak­tischen Durchführung des Planes sin a n- ziell e Hilfe zu gewährleiste«.

4. England, Italien, Frankreich und Deutschland verpflichtete« sich gegen­seitig, aus den wirtschaftlichen Vorteilen, dir sie der neuen Gruppierung der Donaustaa­ten, besonders auf zollpolitischem Gebiet sichern, für sich keinerlei Sondrrvorteile in Anspruch zu nehmen. Sollte eine dieser vier Mächte einem der Donaustaaten aus zollpolitischem Gebiet« besonderes Entgegen­kommen zeigen, so dürften hierdurch unter keinen Umständen Sondervorteil« gezogen werde«.

Wie weiter verlautet, vertritt die französische

Denkschrift den Standpunkt, daß die Verhand­lungen über den Zusammenschluß der Donau­staaten erst dann praktisch begonnen werden sollen, wenn eine vollständige Uebereinstim­mung zwischen Frankreich, England, Italien und Deutschland zustandegekommen ist.

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Stuttgarts Studenten kommen zu Hitler. Völkische Studenten 2701 St., 20 Sitze Nationale Arbeitsgemein­schaft 906 „ 7 »,

Katholische deutsche Stu­denten 201 „ 2 „

Deutsche preist udenten 525 „ 4 „

Antifaschisten 105 „ 0 „

Republikanische Studenten 33 „ 0 „

Der NSDStB., der seine Vertreter auf verschiedenen Listen aufgestellt hatte, konnte 14 Vertreter in den neuen Asta bringen und hat damit einen prächtigen Sieg errungen. Dieser Sieg wiegt umso schwerer, da ja all­gemein bekannt ist, daß gerade die württenr- vergischen Hochschulen dem Nationalsozialismus große Schwierigkeiten bereiteten. Der zäh« und beharrliche Wille zum Sieg wurde in Stuttgart herrlich belohnt. Wie mächtig der Nationalsozialismus auf den Hochschulen ent­wickelt ist, geht daraus hervor, daß — soweit wir unterrichtet sind — im letzten Asta ledig­lich 4 nationalsozialistische Vertreter mitwirkten.

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Wir geben diesen Brief ohne Kommentar Wie­der, da er für sich selbst spricht:

„An den Major a. D. Herrn von Capelle, Bremen, Tiefer 1-5. Sehr geehrter Herr von Capelle! In den Bremer Nachrichten Nr. 64, zweites Blatt, vom 4. März a. cr., teilt die Deutschnationale Volkspattei mit, daß Sie die Geschäfte des Landesgeschäftsführers genannter Partei übernommen haben. Ich muß annehmen, daß Sie diesen politischen Schritt von außer­ordentlich weittragender Bedeutung im Einver­ständnis mit der Bundesführung getan haben. Die Bundesleitung des Bundes der Frontsoldaten hat dadurch ihren Grundsatz der Ueberparteilich- keit aufgegeben. Diese politische Bindung der Bundesführung ändert somit die Voraussetzung für die ehrlich politisch uügebundenen Stahlhelm­mitglieder zur Wahl des Oberstleutnants a. D. Duesterberg als Reichspräsidentskandidat grund­legend. Die Stahlhelmmitglieder werden somit gezwungen, einen Deutschnationalen in Duester­berg zu wählen und keinen Stahlhelmer (Politisch Ueberpatteiligen). Dieses Manöver empfinde ich als unkorrekt und sogar als unehrlich. Sie wollen mich daher aus der Mitgliedsliste des Bundes der Frontsoldaten streichen. Hochach­tungsvoll gez. H. S.

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Die Führerin des Königin-Luise-Bundes Ortsgruppe Kyritz, Fräulein Günther, ist zur NSDAP. übergetreten. Sie hat ihre Aemter niedergelegt und der Bundesführung mitge­teilt, daß sie mit ihrer ganzen Gruppe Adolf Hitler wählen würde.

Die starke Stahlhelmgruppe Mildenberg hat ihren Uebertritt zur NSDAP. erklärt. Die Mitglieder, alles Landarbeiter, betonen, daß der einzige Führer in eine bessere Zukunft Adolf Hitler sei.

In einer Versammlung des Stahlhelm in

Nationalsozialistischer Staat oder bolschewistisches Chaos:

Ausstieg oder Untergang!

Leben oder Tod!

Es geht nicht um Hindenburg, sondern es geht um das deutsche ToM Deutschland ist in Gefahr!

Das System muß fallen, weil Deutschland lebe« sak!

Volksgenossen!

Von dsrriMers Sttrbettev mrd SvorMsldaisnr