Ausgabe 
(1.3.1932) Nr. 39
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München. 29. Februar. Aus einer Mittei­lung im „Völkischen Beobachter" geht hervor, daß während des Wahlkampfes für die Reichspräsidentenwahl von der NSDAP, jeden Abend MD Versammlungen abgehalten wer den sollen, insgesamt also rund 50000. Acht Millionen Broschüren und 12 Millionen Zei­tungssonderausgaben werden verteilt werden. Außerdem sollen eine Million Bildplakate an­geschlagen werden.

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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die Ivgespaltene mm°Zeile RM0.10

Nationalsozialistische Zeitung. Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg, Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im auswärts RM 0.12. im Textteil RM 0 auswärts RM 0.70.

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Streikleitung für den Reichslichtstreik gebildet.

Berlin, 29. Februar. Der Vorstand des Reichskartells des selbständigen Mittelstandes faßte in der Frage eines Lichtstreiks folgende Entschließung:

Die Beschlußfassung über den Eintritt in einen Lichtstreik ist Sache der örtlichen Organi­sationen. Das Reichskartell des selbständigen Mittelstandes wird für alle in den Lichtstreik getretene Orte eine Zentralstreikleitung bilden, die für die örtlichen Aktionen Richtlinien auf­stellen wird. Diese Richtlinien sollen jeweils die örtlichen Erfahrungen ergänzen. Es sollen sofort Verhandlungen mit der Regierung auf­genommen werden mit dem Ziel der Senkung der Werkgebühren, der öffentlichen Tarife und aller öffentlichen Abgaben, an die sich bisher die Regierung und der Preiskommissar nicht heranwagten.

Ms Ksgivi'ung vsnssgt!

Allgemeiner Bierstreik jür Neumünster beschlossen.

In einer am gestrigen Sonntag stattge­fundenen, sehr stark besuchten Versammlung der Wirte-Innung Neumünsters fand über .den Bierstreik und über die Notlage des Gewerbes eine erregte Aussprache statt. Scharf geißelte man das nach Kuhhindrl aussehende Verhalten der Regierung, der man die Erkenntnis über die Notlage des Gewerbes absprechen müsse. Zu bedauern sei, daß von feiten der Spitze des Eastwirtsverbandes keine klare Entschei­dung gekommen sei. Eine einheitliche Be­handlung und ein einheitlicher Beginn in der Provinz und im Reich erhöhte die Schlag­kraft. Folgender Antrag fand geschlossen An­nahme:

„Die Freie Innung der Gast- und Schank­wirte von Neumünster und Umgegend be­schließt, daß sie grundsätzlich bereit ist, aus Gründen der erbitterten Not, des Existenz­kampfes und der Kollegialität in einen all­gemeinen Bierstreik bis zur Entscheidung einzutreten. Der Tag des Beginns ist innerhalb 4 Tagen zu bestimmen, um die Entwicklung in der Provinz, in Hamburg «nd Berlin zu übersehen.

Einen nur viertägigen Sympathiestreik lehnt die Innung Neumünster ab, da die Wirkung nicht schlagkräftig genug erscheint."

Handel- und Gewerbetreibende für Bier- und Lichtstreik.

Berlin, 29. Februar. Der Bund der Handel- und Gewerbetreibenden teilt u. a. mit: Eine vom Bund der Handel- und Ge­werbetreibenden e. V. und seinen 21 ange­schlossenen Verbänden einberufene Abgeord- netenversammlun-g hat am Montag einstimmig beschlossen, die Mitglieder des Bundes, die Flaschenbier feilhalten, anzuweisen, bis zur endgültigen Regelung der Angelegenheit den Verkauf von Flaschenbier einzustellen. Ferner wurde einmütig beschlossen, in den Lichtstreik einzutreten.

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Berlin, 29. Februar. Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine am 28. Februar in Kraft getretene Verordnung des Reichskommissars für Preisüberwachung über die Meldefrist bei Preiserhöhungen im Kleinhandel mit Brot.

Von Kommunisten v^stoenen

In Tessin (Mecklenburg) wurden Natio­nalsozialisten von Kommunisten überfallen. 3 Nationalsozialisten mußten mit schweren Ver­letzungen nach Rostock überfahrt werden. Einer davon erlag bald daraus seinen schweren Stich- verletzungen, der zweite schwebt in Lebens­gefahr.

SS -Mann Ködert und SA -Mann Damus f

Hamburg, 29. Februar. Im Dienste der Bewegung für ein freies D'utschland haben der 24jährige SS -Mann Henry Ködert aus Hamburg und der SA -Mann A. Damus aus

Ratzeburg ihr höchstes Opfer, ihr Leben ge­geben.

Pg. Kobert wurde, nachdem er auf dem Nachhauseweg? vom 4 Reichsbinn:rl?ut?n über­fallen war, von einem Schupo in Hast ge­nommen. Als der Beamte zu Fall kam und Pg. K. mit zu Boden riß, glaub « der Schupo sich angegriffen und schoß unseren Partei­genossen nieder, der bald darauf in Kranken­haus der schweren Vauhschußverl tzung erlag.

Während des Dienste; ist am Sonntag Pg. Damus mit dem Motorrad bei dem Dorfs Ziephen b. Ratzeburg tödlich verunglückt. Mit ihm erlitt ein SA -Mann schwer« und drei weitere Kameraden leichl« Verl tzungen.

Danach sind Preiserhöhungen nur nach schrift­licher Anmeldung bei der zuständigen Orts­polizeibehörde zulässig. Die Anmeldung hat durch die örtlichen Innungen oder örtlichen Händlerverbände zu erfolgen. Eine Preiser­höhung darf frühestens drei Tage nach erfolg­te? Anmeldung (ohne Einrechnung von Sonn- und Feiertagen) erfolgen. Bei der Anmeldung ist der bisher gültige, ferner der in Aussicht genommene Preis und schließlich der Grund für die Preiserhöhung anzugeben. Zuwider­handelnde werden mit Geldstrafe bestraft.

Von allen Seiten des Reiches laufen Pro­teste gegen diese Maßnahme ein, bis das Bäckergewerbe auf das schwerste belasten.

Wirtschaftspakte! Baden-Badcn aus der Reichspartei ausgetreten.

Baden-Baden, 23. Februar. Die Orts­gruppe Baden-Baden der Wirtschaftspartei hat den Beschluß gefaßt, aus der Reichspartei aus­zutreten. Der Beschluß ist eine direkte Folge der Haltung der wirtschaftsparteilichen Frak­tion im Reichstag.

VolKspsi'lSS in Koller Auflösung

Berlin, 29. Februar. Der Vorsitzende des Wahlkreisverbandes Berlin der Deutschen Volkspartei, Stadtverordneter Dr. Richard Faltz, hat einen Aufruf an die Mitglieder und bisherigen Wähler der Deutschen Volkspartei gerichtet, in dem es heißt:

„Die Entwicklung der Deutschen Volkspartei ist in den letzten Jahren immer mehr von dem Wege abgewichen, der ihr als Hüterin der­jenigen Gedankengüter gewiesen war, deren Vorhandensein bei ihren Gründern sie ihre Entstehung verdankte. Angesichts der inneren Zwiespältigkeit, die sich bei den jüngsten Ent­scheidungen erneut offenbart hat, ist das Ver­trauen der Wählerschaft zu der Führung der Deutschen Volkspartei vollends untergraben woxden. Man hört allenthalben die These von der nunmehr nachgerade sprichwörtlich ge­wordenen politischen UnZuverlässigkeit und Charakterlosigkeit der gegenüber angesichts der aller Welt bekannten Tatsachen entsprechende Gegenbeweise nicht mehr ins Feld geführt wer­den können. Niemand ist mehr in der Lage, den Zerfall der Partei zu verhindern.

Diese Ueberlegung hat mich nach genauester Ueberprüfung zu dem Entschluß geführt, mein Amt als Wahlkreisoorsitzender des Wahlkreis­verbandes Berlin der Deutschen Volkspartei niederzulegen, meinen Austritt aus der Partei zu erklären, und mich der Deutschnationalen Volkspartei anzuschließen.

Ich weiß mich eines Sinnes mit den wei­testen Kreisen der bisherigen Wähler der DVP. Ich bin überzeugt und weiß, daß meine Entscheidung ihre rückhaltlose Zustim­mung und auch ihre Gefolgschaft finden wird."

Im Anschluß an diese Erklärung haben gleichzeitig ihren Austritt aus der DVP. und ihren Uebertritt zu den Deutschnationalen voll­zogen: der Generalsekretär des Wahlkreisver­führer, dazu der verantwortliche Schriftleiter der volksvarteilichen Zeitschrift .Berliner Stimmen", Werner Pfeiffer.

Die Ortsgruppe Gesundbrunnen gibt be konnt, daß sie einmütig den ge chlossenen Bei­tritt zur Deutschnationalen Volkspartei be­schlossen hat.

Der frühere Reichstagsabgeordne'e, Reichs­minister a. D. von Raumer, hat sich bereits seit längerer Zeit von der Parteiarbeit zurück­gezogen und nunmehr sein« Streichung in den Mitgliederlisten der Partei veranlaßt, ohne sich zunächst einer anderen Partei anzuschließen.

tVIsutels'nriv S^v ^nnängsn

Wie man erfährt, sind neuerdings bei der SPD. Bestrebungen im Gange, „mindestens im ersten Wahlgang" einen eigenen Kandidaten aufzustellen, da es sich herausgestellt habe, daß für weite Teile der Sozialdemokratie die Pro­paganda für Hindenburg untragbar ist.

In vielen Ortsgruppen der Sozialdemokratie hat man sich offen gegen die Anordnungen des Parteivorstaindes aufgelehnt, weil man es für notwendig hält, daß die Sozialdemokra­tie mindestens im ersten Wahlgange einen eigenen Kandidaten ausstellt. Sozialdemokra­tische Abgeordnete, die in der Agitation Er­fahrung haben, versichern, daß bei dem Ver­zicht auf eine eigene Kandidatur im ersten Mahlgange es nicht möglich sein werde, die Mehrzahl der organisierten Sozialdemokraten an die Wahlurne zu bringen, ganz abgesehen von den vielen sozialdemokratischen Mitläufern, aus die die Parteileitung ohnehin ja nur einen ganz geringen Einfluß ausüben kann. Die Kämpfe in den Ortsgruppen dauern noch an. Verschiedentlich ist von sozialdemokratischen Or­ganisationsleitern aber bereits offen erklärt worden, daß sie keinerlei Werbearbeit leisten würden, wenn nicht wenigstens im ersten Wahl­gang ein eigener Kandidat der Sozialdeino- kratie aufgestellt werden würde.

Qen! es osnn üdvi'nsupt um Ninlivndung?

Geht es bei der Reichspräsidentenwahl über­haupt um Hindenburg? Nein und nochmals nein! Die Parteien des Systems haben es lediglich verstanden, den greisen Reichspräsi­denten für ihre Ziele einzufangen und ihn der unpolitischen Masse als Kandidat für Einigkeit und Wiederaufstieg zu präsentieren. Jetzt wird, da das Fieber des Wahlkampfes zu steigen beginnt, im ganzen deutschen Reiche auf riesen­großen weißen Plakaten mit schwarzer Schrift für Hindenburg getrommelt. Es wäre inter­essant, zu erfahren, wer die Millionenkosten für diese von Berlin ausgehende Wahlpropa­ganda finanziert. Wenn man sich daran er­innert, welche Stellen seinerzeit den Propa­gandakampf der Regierung gegen die national­sozialistische Anti-Voungfront finanziert haben, dann kommt man auf allerhand Gedanken, die nicht gerade systemfreundlich sind. Denn am Ende kann man sich doch schlecht vorstellen, daß ein nationalsozialistischer Arbeiter, Bauer oder Bürger entzückt wäre, wenn er beim Anblick eines solchen Plakates vermuten müßte, daß es vielleicht sogar durch seine eigenen Steuergroschen bezahlt worden.sei.

Der Tert dieser Plakate zeigt die ganze Verlogenheit und Heuchelei all' jener Parteien, die sich hinter dem breiten Rücken Hindenburgs verstecken. Da liest man: „Gegen das System der Uneinigkeit! Wählt Hindenburg!" Sie fühlen scheinbar nicht, die Novemberlinge und die schwarzen Separatisten, daß sie sich mit diesen Worten selbst ins Gesicht schlagen, weil doch das System der Uneinigkeit das System von heute ist, das System des kapitalistisch- marristischen Klassenkampfes, das demokratische System des Parteiklüngels und der parla­mentarischen Korruption. Wer gegen dieses System der Uneinigkeit sein will, der darf ai?o nicht Hindenburg wühlen, weil nach dem Willen seiner Hintermänner, Hindenburgs Auf­gabe darin erblickt wird, dieses heutige System zu verewigen.

Es ist wirklich ein unerträglicher Gedanke, jetzt Tag für Tag mit ansehen zu müssen, wie Hindenburgs Name in der unverantwort­lichsten und rücksichtslosesten Art von den Ver­fechtern seiner Kandidatur in die politische Drecklinie gezogen wird. Wie die Sozial­demokratie den Sozialismus mißbraucht, um ihr marxistisches Bonzentum dem Arbeiter sym­pathisch zu machen, wie das Zentrum die Religion mißbraucht, um seine schwarze Futter- krippenpolitik fortsetzen zu können, so miß­brauchen beide jetzt gemeinsam den Namen Hindenburgs, nicht um das Volk, sondern um ihre volksfeindlichen Parteien zu retten und zu verhindern, daß mit einem Siege Adolf Hitlers die Abrechnung für all jene Schur­kereien erfolgt, die sie seit ihrem Bestehen ans dem Gewissen haben.

Der politische Sinn der Kandidatur Hin­denburgs ist nichts anderes, als der Wille zur Verschleppung der Entscheidung, zur Verewi­gung der heutigen Parteiherrschaft und damit zur Vergrößerung der Volksnot und der deut­schen Unfreiheit. Niemand wird daran zwei­feln, daß bei einem Siege Hindenburgs die parlamentarische Karre im alten Trott nach der alten Manier von denselben Parteien als Kutscher weiter in den Dreck gefahren wird! Niemand wird hoffen, daß mit einem Siege Hindenburgs neue Männer, neue Ideen