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LVerlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM 1.90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die Ivgespaltene mm°-Zeile RMN.10
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Berlw. 28. Februar. Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, hat am Sonntag ein längeres Schreiben an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet. Hitler erklärt darin, als Führer der großen nationalsozialistischen Partei gezwungen zu sein, die Aufmerksamkeit des Reichspräsidenten auf gewisse Vorkommnisse hinlenken zu müssen. Das Schreiben fährt dann fort: „1. Die Soziol- demökratische Partei, die Sie, Herr Reichspräsident, in Ihrem Parteiaufruf vom 27. Februar für ihre Wähler als Kandidat aufstellt, schreibt in ihrem Wahlaufruf folgendes: „Hitler statt Hindenburg, das bedeutet Chaos in Deutschland und ganz Europa ... höchste Gefahr und blutige Auseinandersetzung im eigenen Volk und mit dem Ausland." Herr Reichspräsident, ich weise den Versuch, mit diesen Methoden das Ausland gegen die freie politische Meinungsentscheidung der deutschen Nation unter Bezugnahme auf Ihren Namen mobil machen zu wollen, entrüstet zurück. Ich habe in meinem Aeußerungen Ausländer^ gegenüber nie unterlassen darauf hinzuweisen, daß jede bisherige deutsche Regierung von wahrhafter und aufrichtiger Friedensliebe be seslt gewesen ist. Versuche, eins unbequeme deutsche Bewegung vor dem Auslande als Unruhestifterin hinzustellen, werde ich, wenn sie unter Hereinbeziehung Ihres Namens, H> rr Reichspräsident, erfolgen und nicht zurückge- wi«Ze« werden, von jetzt ab persönlich in der geeigneten Weise zurückzuweisen wiss.n. Für die Dauer des Wahlkampfes sollen meine Erklärungen der Welt, wenn etforderlich, genau >o zur Kenntnis kommen, wie die Erklärungen des heutigen Systems.
2. In demselben Aufruf, der Sie, Herr Reichspräsident, als Kandidat präsentierenden Sozialdemokratifchen Partei findet sich folgende Stelle: „Hitler statt Hindenburg, das bedeutet Vernichtung aller staatsbürgerlichen Freiheiten der Presse ..." Hitler erklärt demgegenüber, daß durch diesen Satz versucht werde, insbesondere dem Ausland vorzutäuschen Deutschland befände sich im Zustand irgendeiner demokratischen freien Verfassung. Seit Jahren könne von Pressefreiheit in Deutschland überhaupt nicht die Rede sein. Und gerade in diesen Tagen des Wahlkampfes werde die verfassungsmäßig garantierte Wahlfreiheit und Freiheit d:e Propaganda auf das Schonungsloseste unterdrückt. Sofort bei Beginn des Wahlkampfes sei ein Teil unserer Presse teils beschlagnahmt, teils verboten worden. Der Artikel der Verfassung, der die Wahlfreiheit garantiere, könne aber auch mit dem Artikel 43 nicht außer Kraft gesetzt werden. Hitler bezeichnet diese Vorkommnisse als glatte und durch nichts zu beschönigende VerfassUnoS- brüche.
3. Hitler weist dann auf die Ansprache des preußischen Innenministers Severing an die preußischen Ober- und Regierungspräsidenten und höheren Beamten hin, in der Severing laut Pressenachrichten die nationalsozialistische Partei als staatsfeindlich hingestellt habe.
... »Es ist also möglich, daß unter Ihrer Präsidentschaft, Herr Mneralfeldmarschall. der Reichsinnenminister Eroener die Auffassung vertritt, die Nationalsozialistisch.' Deutsche Ardeiterpartei sei nicht staatsfeindlich und der Preußische Innenminister Severing dagegen, in dessen Hand die Mittel der praktischen Exekutivgewalt liegen, die Auffassung verbreitet, sie sei staatsfeindlich. Ich sehe in dem Vorgehen des preußischen Innenministers Se
oering einen unzulässigen Druck aus die preußische Verwaltung, ihren Einfluß bei der Wahl in einem für uns ungünstigen Sinne geltend zu machen."
4. Hitler erinnert darauf an den Wunsch des Reichspräsidenten, daß dieser Wahlkampf w ritterlicher Weise geführt werden soll. In diesem Zusammenhang lenkt er die Aufmerksamkeit des Reichspräsidenten auf zwei Vorgänge:
a) Auf die amtliche Erklärung des Reichsministers Eroener im Reichstag in Antwort auf die Ausführungen des Abgeordneten Goebbels, in der Goebbels eine sinnentstellte
Aeußenmg zugeschrieben werde, die nach dem amtlichen Protokoll der Reichstagssitzung nicht gefallen ist. Trotz erfolgter Aufklärung habe Reichsinnenminister Eroener seinen schweren Vorwurf nicht zurückgenommen. Im Gegetii-! teil sei die NSDAP, durch Notverordnung gezwungen gewesen, die vom Innenministerium verbreitete Wiedergabe dieser Stelle in der nationalsozialistischen Presse zum Abdruck zu bringen. Hitler fragt den Reichspräsidenten, ob ein solches Verfahren ritterlich sei.
b) Hitler macht hier den Reichspräsidenten auf das vom Polizeipräsidenten von Berlin, Erzesinski, ausgesprochene Verbot des „An-
voi* KeieKspi'äsSöen! muk Wattes' 6ss VolKss ssm
Berlin, 23. Februar. Die NSDAP, eröffnete ihren Wahlkampf für die Reichspräsidentenwahl am Sonnabend abend in Berlin mit zwei Massenversammlungen, an denen zusammen 25 000 Personen teilnahmen. Es sprachen der Berliner Gauleiter Dr. Goebbels und der Führer Adolf Hitler. Die Versammlung im Sportpalast wurde schon lange vor Beginn wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossen. Tausende mußten umkehren. Ein großes Polizeiaufgebot führte eine strenge Absperrung der näheren Umgebung des Sportpalastes in der Potsdamer Straße durch. Vom Sportpalast aus wurden die Reden in eine zweite Massenversammlung, in die Tennishallen im Westen Berlins übertragen, und zwar durch ein Kabel, dessen Anzapfung rechtzeitig bemerkt werden konnte.
Es sprach zunächst Dr. Goebbels, der von stürmischem Beifall empfangen wurde und die politische Lage kennzeichnete, wobei er auch die Folgerungen zog, die sich daraus für die Haltung der nationalsozialistischen .Partei ergeben.
Als der Führer kurz nach Uhr den
Sportpalast betrat, setzten tosende Beifallskundgebungen ein. Die Menge erhob sich unter Heilrufen die Fahnen und Standarten senkten sich. Hitler führte u. a. aus: Wenn die Gegner erklären, daß ich jetzt vielleicht Gefahr liefe, zum ersten Male vielleicht wirklich besiegt zu werden, so sage ich: Wer mutig und entschlossen kämpft, wer gewillt und bereit ist, sich einzusetzen, kann überhaupt nicht besiegt werden! Heute erklärt das Organ der Partei, die das alte Reich stürzte und sie jetzt zu feige ist, ihren eigenen Namen in den Kampf vorzuschicken, mein Name sei jetzt das Symbol, um das gekämpft werde gegenüber dem Namen des alten Deutschland. Sie al'e wissen, daß es sich diesesmal um wesentlich mehr handelt, als um einen Präsidentschaftskandidaten, daß diesesmal gerungen wird um den Begriff des 9. November 1913 und seiner Folgeerscheinungen, und daß dieser Kamps gar nicht, ander ausgehen kann, als mit der Vernichtung dieses 9. November. Heul«, meine Volk-genoisen. fordere ich Sie aus, daß Sie nun die Richter werden!
Hitler schilderte dann den Kampf der na- tional'ozialisti'chen Bewegung gegen die Kriegsschuldlüge, Erfüllungspolitik, Inflation, Da- wespakt und Poungvertrag. Wenn es heute in Deutschland die eine Ueberzeugung gibt, daß diese Verträge unmöglich waren, daß sie am Ende sogar den Rum der Welt mit sich bringen, so nur, weil wir in ungezählten
Kundgebungen das Volk darüber belehrt haben. Am Ende dieser 13jährigen Politik steht ein Trümmerhaufen vor unseren Augen. Jetzt auf einmal wiesen auch die Gegner, daß es in Deutschland doch noch so etwas wie einen notwendigen Emporstieg geben könne. Wann ist je ein großes Volk so mißhandelt, gequält und verächtlich gemacht worden? Wir verloren zugleich im Innern das Vertrauen, das gläubige Vertrauen zur wirklichen Autorität der Staatsführung, das wir früher besessen hatten. 1919 hatten wir noch 35 000 Spartakisten, heute vielleicht sechs oder sieben Mil.ionen Und trotzdem sagt man: „Nur so weiter, damit das deutsche Volk einig wird". Nur so weiter! Und in weiteren sieben Jahren wird unser Volk überhaupt kein Volk mehr sein, sondern nur «roch eine Zusammenstelluni von zwei Klassen.
Es ist ein schönes Tun, zu sagen: Ich bin der Wahrer der Versassung, aber der deutsche Reichspräsident muß mehr, er muß auch der Wahrer des deutschen Volkes sein! Eine Verfassung hat ja nur den einen Sinn, das Volk einer glücklichen und großen Zukunft entgegen- zusühren.
... Wer da glaubt, uns durch Drohungen mürbe zu machen, der täuscht sich! Sie können ruhig mit der Hundepeitsche drohen, wir werden sehen, ob am Ende dieses Kampfes die Peitsche sich noch in ihren Händen befindet (stürmischer Beifall). Wir habcn einst dem Generalseldmarschall des Weltkrieges gehorsam als dem obersten Kriegsherrn gedient und haben ihn verehrt. Wir wollen, daß sein Name dem deutschen Volke als der Name des Führers des großen Ringens erhalten bleibt. Weil wir das aber wollen und wünschen, sehen wir heute die Pflicht, dem «Mn Generalseldmarschall zuzurufen: „Alter Mann, Du bist uns zu verehrungswürdig, al5 daß wir es dulden könnten, daß sich hinter Dich diejenigen stellen, die wir vernichten wollen! So leid es uns daher tut, Du mußt znr Seite treten, denn die anderen wollen den Kamps und wir wollen ihn auch". Ich glaube, daß der 13. März diesen Kampf zum mindesten in der ersten Etappe mit dem Sieg« derjenigen abschließen wird, die durch Kamps und Opfer, durch Einsatz und Beharrlichkeit, durch Glauben und Idealismus den Sieg verdienen.
Hitlers Rede wurde am Schluß mit besonders langanhaltenden und stürmischen Heil- rusen ausgenommen, die sich erst legten, als er zusammen mit Goebbels und anderen Führern den Saal verlassen hatte.
griff" für die halbe Zeit des Wahlkampfes ausiiierksam. In der Begründung des Verbots, in der auf die schon seit Tagen unbeanstandet plakatierte Versammlung des Abgeordneten Rosenberg Bezug genommen wurde, habe Grzesinski auf die moralische Notwendigkeit des Ehrenschutzes der Kandidatur des Rciäzspräsidenten hingewiesen. Diese Maßnahme erklärt Hitler als nicht nur ungesetzlich und verfassungswidrig, sondern auch als in striktem Wde<p uch ft.hend zu der vom Reichspräsidenten gerüMtsn Ritterlichkeit des Wahlkampfes. Hitler fragt den Reichspräsidenten, ob es ritterlich sei, die nationalsozialistische Presse unter solchen Vorwänden von einem Manne verbieten zu lassen, der die Ehre des Gegenkandidaten Hindenburg? auf das denkbar schwerste angegriffen habe, und der in einer öffentlichen Rede sein Erstaunen darüber ausgedrückt habe, daß er, Hitler, noch nicht mit der „Hunnepei sche" aus Deutschland hinausgejagt worden sei.
Grzesinski habe außerdem behauptet, ' er, Hitler, fei ein österreichischer Deserteur gewesen. Gegen diese Behauptung legt Hitler dem
„NSSli'NSI'"
K s N »'S K-IV! ö Is'ö S!»
Der Mörder unseres Pg. Becker überführt.
Die Bluttat am Freitagabend in Saarau hat nunmehr ihre volle Aufklärung gefunden. Der Verdacht gegen den Marxisten Paul Klingel aus Saarau hat sich bestätigt. Klingel, der dem Reichsbanner angehört und der auch verhaftet wurde, hat in den Vormittagstunden des Montag ein Geständnis abgelegt, wonach er die 5 Schüsse, durch die der SA.-Führer Franz Becker getötet und mehrere Nationalsozialisten verletzt wurden, abgegeben hat.
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Pg. Dr. Ley verklagt den „Vorwärts". Berlin, 28. Februar. Der galizische „Vorwärts" hat die Stirn gehabt, in seiner gestrigen Nummer wieder die Behauptung aufzustellen, der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Ley sei ein „Heimkrieger". Pg. Dr. Ley hat dem „Vorwärts" eine Berichtigung zugehen lassen und hat außerdem die Redaktionshebräer des Marristen- blattes, die es wagen, einen Mann zu beschimpfen, der vom ersten bis zum letzten Tage an der vordersten Front gestanden hat, auf Grund der Notverordnung zum Schutz der persönlichen Ehre verklagt.
Schreiben die Abschrift semer MilitSrpapiere bei, aus denen hervorgeht, daß er 1914 keine MMärverpflichtungen in Oesterreich gehabt habe und freiwillig in das deutsche Heer eingetreten sei. Hitler fährt fort: „Welches Vertrauen, Herr Reichspräsident, können wir zu Gegnern haben, deren Repräsentanten sich solcher Kampfmittel bedienen?
„Herr Generalfeldmarschall", so schließt der Brief, „halten Sie es Ihres Namens für' würdig, sich selbst als Präsidentschaftskandidat durch ein Gestrüpp von Notverordnungen und Eesetzesparagraphen in ihrer persönlichen Ehre beschützen zu lassen, Ihren Gegenkandidaten aber als Freiwild der parteipolitischen Lüge und Verleumdung preiszugeben? Was gedenken Sie, Herr Reichspräsident, zu tun, um in diesem Kampf, der auch um Ihre Person geht, die Prinzipien der Ritterlichkeit wieder herzustellen?"