Ausgabe 
(2.2.1932) Nr. 27
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Sklarek-Prozeß erst im Sommer zu Ende.

Berlin, 1. Febr. Im Sklarek-Prozeß der bereits am 13. Oktober begann, ist am Montag die Erörterung über den Stadt­bankkomplex zum Abschluß gebracht worden. Am Donnerstag wird das Gericht die den Sklareks znr Last gelegten Konkursverbrechen behandeln. In unterrichteten Kreisen rech­net man erst im Hochsommer, Juli ober August, mit dem Urteil.

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Lehnt Hindenburg ab?

(Eigene Meldung)

Berlin, 2. Februar.

Der sogenannte „Hindenburg-Ausschuß" des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Sahm trat am Montag nachmittag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Eine illustre Gesell­schaft war hierzu geladen, das Komitee zur „Vollswahl" aufzustellen, um der Brüning- regierung diskret die Sorgen abzunehmen. Angefangen vom marxistischen Gewerkschafts­bonzen Leipart, feinem Genossen Bürgermei­ster Lange (Berlin), bis zum Kardinal Faul­haber, wies die Liste der Eingeladenen die seit—sahmsten „Führer" aus Handel, Indu­strie, Wissenschaft usw. auf. Der Stahlhelm­führer Seldte und G?neral Horn vom Kyff- HLuserbund hatten bekanntlich abgelehnt.

Nach längerer Beratung beschloß man fol­genden Aufruf zu erlassen:

Das Volk will Hindenburg! Deutsche!

In wenigen Wochen soll das deutsche Volk den neuen Reichspräsidenten wählen. Milli­onen sind der Ueberzeugung, daß für die höchste Würde des Reiches nur ein Mann in Betracht kommt: Hindenburg. Gegenüber der geschichtlichen Persönlichkeit des gegen­wärtigen Reichspräsidenten treten alle ande­ren Namen zurück, die in den Erörterungen der letzten Wochen von der Parteipolitik ge­nannt worden sind.

Hindenburg: Um diesen Namen leuchtet der Ruhm von Tannenberg und die leben­dige Erinnerung an das deutsche Heer des Weltkrieges, das vier Jahre lang den Bo den der Heimat schützte und die deutschen Waffen siegreich in ferrie Länder trug.

Hindenburg: Das ist ein Leben deutscher Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes von der Kaiserproklamation von 1871 bis zur Präsidentschaft der Republik.

Hindenburg: Das ist die Ueberwindung des Parteigeistes, das Sinnbild der Volks­gemeinschaft, die Führung in die Freiheit.

Hindenburg: Das ist für Deutschland und die Welt die vornehmste Verkörperung der deutschen Nation: der Erste im Kriege, der Erste im Frieden und der Erste im Herzen seiner Mitbürger.

Deutsche! Seid in dieser Stunde ein Volk, dankbar, einig und groß.

Eine spontane Kundgebung soll Hinden­burg bitten, sich als Volkskandidat für die Wiederwahl zum Reichspräsidenten zur Ver­fügung zu'stellen.

Keiner darf beiseitestehen, wenn es gilt, sich zu Hindenburg und zur nationalen Ein­heit zu bekennen!

Deutscher! Dein Name gehört Hindenburg! Berlin, den 1. Februar 1932.

Der Hindenburg-Ausschuß.

Gleichzeitig mit dem Aufruf ergeht die Auiiorderuug zur Einzeichnung iu Listen,

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die bei den örtlichen Zeitungen ausgelegt werden sollen, um 20 WO Unterschriften zu ammeln. Der Aufruf trägt als erste die Unterschrift Dr. Solms und des ehemaligen Reichsgerichtspräsidenten Simson. Auffällig ist, daß der Präsident des Landwirtschcnl?-- rates, Brandes, General von der Goltz (V. V.), Dr. Eckener, Krupp, Leipart u. a. ihre Unterschrift im letzten Augenblick zurück­zogen.

Nach der Sitzung des Ausschusses, bat Dr. Zahm die Pressevertreter, diese Bestrebungen zu unterstützen und erklärte dabei u. a., es müsse schnell gehandelt werden, um Hinden­burg als Volkskandidat auf den Schild zu heben. Er selbst habe sich zur Leitung des Ausschusses entschlossen, weil die Initiative von Personen ausgehen müsse, die, im öffent­lichen Leben stehend, parteipolitisch ungebun­den seien. Das deutsche Volk wolle in dieser bedeutsamen Frage eine Führerstellung (?) sehen. Es handele sich in keinem Falle um eine Aktion gegen oder für die Reichsregie­rung (?!). Besondere Kopfschmerzen scheint nach Sahm die technische Durchführung zu be­reiten. Man könne sich, so erklärte er, nur an Personen wenden, die im wirtschaftlichen, religiösen, sozialen oder Geistesleben etwas geleistet haben. Die 2. Aufgabe sei die Sammlung möglichst vieler Unterschriften hierzu bedürfe es der Hilfe der Presse. Er sei jedocb davon überzeugt, daß der Aufruf eine ungeheure Kundgebung wecke, die zu­gleich den Herrn Reichspräsidenten veran­lassen solle, noch einmal die Bürde des hohen Amtes zu übernehmen.

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Dr. Sahm „mit deutschem Gruß"

Berlin, 1. Februar. Der von uns be­reits beleuchtete komische Ausschuß für die sogenannte „Volkswahl Hindenbnrgs" hat sich nun insoweit konstituiert und zwar unter Führung des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Sahm, daß man zu heute nachmittag eine Reihe von „Prominenzen" aus dem zen- trümlichen und mittelparteilichen Lager zu einer „Kundgebung" zusammengetrommelt und Listen verschickt hat, in die sich die „Volkswähler" eintragen sollen.

Die Einladung hierzu ist von Herrn Dr. Sahm „mit deutschem Gruß" unterschrieben, Wohl in der Hoffnung, damit auch ein Paar Leute aus dem nicht schwarzroten Lager zu ködern. Eine Hoffnung, die freilich trüge­risch sein dürfte. Der Reichslandbund, auf den die „Volkswähler" besonders starke Hofs­nungen setzten, hat beispielsweise bereits er­klärt, daß er jede Beteiligung an der Aktion ablehnen müsse. Vom Kyffhäuserbund der Kriegervereine liegt bislang eine ähnliche Steliungnahme vor, so daß diejenigen Bau­ern und alten Soldaten, die allenfalls für die Sache in Frage gekommen wären, bereits ausgefallen sind. Uebrig bleiben diejenigen Kreise, die hinter dem Worte „Volkswahl" ihre eigenen Parteiqeschäfte machen wollen, nachdem sie noch 1925 Hindenburg schamlos durch den Dreck gezogen haben.

Vor allem gilt das für das Zentrum. Die Dunkelmänner, die heute von einer „sittlichen Pflicht" gegenüber Hindenburg faseln, haben sich (nur ein Beispiel von vielen!) über Hindenburg vor 7 Jahren, unmittelbar nach

dessen Wahl folgendermaßen ausgesprochen (Kreuznacher Zeitung vom 27. April 1925):

„Wenn Hindenburg nun in einigen Wo« chen sein Amt antritt, so wird er schon in de« ersten Tagen merken, daß er vollständig un­fähig ist, es zu verwalten. Ist denn Hin­denburg der ehrliche Haudegen, als den ihn seine Anhänger ausgeben, so muß seine Ehr­lichkeit ihn zwingen, ein Amt, zu dessen Aus­übung er körperlich und geistig unfähig ist, niederzulegen.

Tut Hindenburg diesen Schritt nicht, s» muß der Reichstag ihn erzwingen, denn ein Reichspräsident, der sein Amt nicht selbst aus» üben kann, ist zweifellos versasiungswidrig.

Einen verfassungswidrig regierende« Reichspräsidenten kann der Reichstag ab­setzen."

Heute ist dieser „unfähige" Mann, der vor sieben Jahren schon „zu alt" war, um sei« Amt zu verwalten, der Kandidat des Zen­trums! Und der gleiche Reichstag, der da­mals Hindenburg wegen Unfähigkeit hätte absetzen sollen, hätte heute, nach der Absicht des Zentrums die Amtsdauer des Reichsprä» sidenten „aus vaterländischen Gründen" ver­längern sollen.

Damals waren es (wieder nach der zea- trümlichen Kreuznacher Zeitung) „Lügner, Heuchler, charakterlose Trottel und Idioten", die den Feldmarschall zum Reichspräsident?« machten.

Was sind dann heute Dr. Sahm und seine Hintermänner?

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Mit diesem Aufruf des Oberbürgermeisters Sahm tritt die Frage der Präsidentenwahl in ein neues Stadium, ohne daß sich grund­sätzlich an den politischen Voraussetzungen und Schlußfolgerungen irgend etwas ge­ändert hat. Wir wollen darum noch einmal ganz kurz und sachlich die Lage so aufzeich­nen, wie sie tatsächlich besteht.

Reichspräsident von Hindenburg hat den Reichskanzler Brüning berufen und stützt ihn heute noch. Brüning wiederum befindet sich in absoluter Abhängigkeit von der Sozial­demokratie und ist außerdem als Zentrums­mann unbedingter Anhänger des herrschen­den Systems, das Deutschland zugrunde rich­tet. Wer also heute sich für eine Wieder­wahl Hindenburgs einsetzt, wählt nicht Hindenburg, sondern Brüning, wählt nicht den auch von uns verehrten Fcldmarschall, sondern stärkt die schon zusammenbrechende Machtposition des Zentrumkanzlers und wählt so in letzter Konsequenz marxistisch!

Es sollte heute jeder begriffen haben, daß zwei Weltanschauungen um die Macht im

Staate ringen, die des internationalen Mar­xismus, gestützt vom Liberalismus und die des nationalen Sozialismus. Die erstere ist Trägerin des herrschenden Systems, die letz­tere wird den neuen deutschen Staat bauen.

Ein Mann aber, der noch heute bemüht ist, diese geschichtlich notwendige Entscheidung hinauszuschieben oder zu vermeiden, kann unter gar keinen Umständen Präsident wer­den, es sei denn, daß vorher die Entscheidung gefallen ist. Wir Nationalsozialisten sind uns durchaus bewußt, welche sittlichen und poli­tischen Kräfte in der Persönlichkeit Hinden­burgs, innen- und außenpolitisch gesehen, verborgen sind. Aber diese Kräfte müssen sich unheilvoll auswirken, solange das heutige System sich ihrer bedient, um die eigenen marxistischen und internationalen Ziele da­hinter zu verbergen. Wer also etwas weiter­sieht, wer sich freimacht von zufälligen Tagesereignissen in der Politik, wer die ge­schichtliche Entwicklung in unserem Volke er­kannt bat, der weiß auch, daß heute die Kan­didatur Hindenburgs^ unterstützt selbst vom

Marxismus, eine glatte Unmöglichkeit ist. Wer sich trotzdem für die Kandidatur einsetzt, wie es neben den Drahtziehern nun auch die Generalanzeigerpresse tun wird, verfolgt entweder selbst eigennützige Absichten, oder aber hat immer noch nicht begriffen, um was es in Deutschland geht.

Diese Ausführungen geben gleichzeitig die Antwort auf die Auslassungen, die besonders in der heutigen Ausgabe der „Bremer Nach­richten" mit dem Thema „Unerquicklicher Streit" zu finden sind. Wir haben nicht not­wendig auf die unsachlichen zum Teil ge­hässigen Formulierungen dieses anonymen Schreibers einzugehen, denn sie richten sich von selbst. Wesentlicher erscheint uns die Feststellung, daß es heute tatsächlich nur einen einzigen Gegenpol zum System gibt, der in der Person unseres Führers Adolf Hitler und seiner nationalsozialistischen Be­wegung ruht. Gerade weil der National- sozialismus ein absolut geschlossenes Ganzes darstellt, gerade darum handelt jeder Unter- sichrer so, wie der Führer selbst und