Ausgabe 
(28.1.1932) Nr. 23
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Noch mehr fast als damals, am 16. No­vember 1931, stauten sich die Massen vor dem Casinosaal. Sie freuen sich auf das Kommen des Berliner Gauleiters. Stunden vor Be­ginn schon wird der große Saal geöffnet und in ganz kurzer Zeit erweist er sich als viel zu klein, um die unübersehbare Menge in sich aufzunehmen. Der fleißige Musik­zug verkürzt die lange Wartezeit mit seinen Klängen, die Ohren und Herzen öffnen für die Worte und Gedanken, die Dr. Goebbels geben wird. Weit über 5lM sind jetzt im Raum. Immer dichter, Mann neben Mann, Kopf an Kopf, eine einzige, von einem Geist beseelte Gesamtheit, so wartet das deutsche Bremen. Schon längst hat die Polizei die Eingänge schließen lassen, viele müssen wie­der umkehren, doch auch sie warten noch, wollen ihn wenigstens sehen, den Führer.

Und dann geht eine Bewegung durch den Raum. Freudiges Rufen dringt von draußen herein. Der Führer des deutschen Berlin, der „Doktor", wird von der SS durch die Volksgenossen zur Tribüne geleitet. Tausen­de Arme strecken sich aus. Noch einmal klingt laut, brausend, die Freude hoch.

Dann wird es stiller, ruhiger, erwartend blickt alles gespannt nach vorne: dort steht Dr. Goebbels und spricht. Und was er ge­stern in der Metropole nicht sagen dürfte, weil die „Vorsicht" gewisser Leute ihm das Reden verboten hat. was er in Berlin nicht aussprechen durfte, in seinem gerechten Zorn, seiner tiefen Empörung und klaren, sachlichen Voraussicht, das sagt er jetzt hier in Bremen.

Sagt es von hier aus dem gesamten Volk.

HSe? uns SISMTSZS» SüSStt HS VUNiionen

„Man kann es den Leuten nie recht ma- > chen, sind wir scharf, angreifend, so schrei?» sie, sind wir gemäßigt, so sagen sie: „Es geht mit gedämpftem Trommelklang." Wir passen ihnen eben nicht! Und weil man weiß, daß diese Abneigung demnächst unbeachtet blei­ben wird, daß man einmal über einige Kreise mit zermalmenden Schritten hinwegmarschie­ren wird, deshalb versuchen sie krampfhaft mit allen Mitteln dem Schicksal in die Sol­chen zu fallen, um uns zu hemmen. Nichts ist ihnen verbrecherisch, nichts dumm genug Sie versuchen alles, vergessen aber, daß un sere Bewegung 15 Millionen Deutsche um­faßt, daß sie, wenn sie uns angreisen, täglich 15 Millionen Deutsche Männer und Frauen, in der gemeinsten Weise mit Dreck bewerfen und verleumden.

Sie versuchen unseren Führer in der Welt Verächtlich zu machen und die deutsche Regie­rung begeht die Unklugheit, sie in dies:m Vorhaben noch zu überbieten» indem der Reichskanzler das neue Deutschland, den N>i- tionalsozialismus, und seine Männer als „illegale Hochverräter" hinstellte. Man muß sich dabei etwas gedacht haben. Wir können uns sonst nicht erklären, warum der Kanzler das deutsche Volk in der Welt mißkreditiert, mit dem er später einmal Politik machen will. Hätte sich der Nationalsozialismus

nicht energisch und aktiv gegen alle Infor­mationen dieser Art erfolgreich gewehrt, so wäre er für das Ausland ein großes Rätsel geblieben — denn wenn 13 Millionen, ein Drittel unserer Nation, politische Verbrecher sind, dann muß dieses Volk entweder toll geworden sein, oder die Regierung hat Grün- de, es in der Achtung des Auslandes her­abzusetzen! Und das ist. obwohl man es kaum glauben sollte, der Fall.

Aber nichts hilft dieser Regierung gegen das eigene Volk. Der Bruch zu ihm läßt sich nicht überbrücken. Nicht eher wird es Ruhe geben, bis das Mißverhältnis zwischen dem Willen des Volkes und den Handlungen und Exponenten der Regierung ausgeglichen ist, solange kann es keine Ruhe geben. Wir Na­tionalsozialisten stehen in der besten Position, wir könnten mit verschränkten Armen da­

stehen und zusehen, wenn nicht die ganze Entwicklung nach einer endgültigen Lösung schriee.

Es ist ein trauriger Irrtum, wenn sich Leute in ihrer jämmerlichen Angst einreden, die Nationalsozialiften seien nichts, als eine Zeiterscheinung, die Nutznießer der katastro­phalen Verhältnisse, bei deren Lösung sie automatisch verschwinden würden. Jene haben Ursache und Wirkung verwechselt!

Wären wir herrschsüchtige Egoisten, wir ständen im anderen Lager. Um dort Mini­ster zu werden, dazu hätte es noch gereicht. — Wir predigen unsere Politik, wir mar­schieren, weil das Volk mit uns die Richtig­keit unserer Anschauungen glauben muß. Doch nicht immer hat uns das Volk auf Hän­den getragen, Jahre hat es gegeben, da wur­den wir verlacht, geprügelt, verhöhnt und ge­hetzt. Von Gericht zu Gericht, von einem Gefängnis in das andere schleppte man uns „Egoistische Nutznießer".

Ve»>sM«kMMÄwsI «les VMergsmMS KSimen niekß plSnne»? «les Kukstiegs sein"

Wenn heute die Regierung mit unseren Ansichten herumkrebst, die sie vor zwei Jahr- rcn als irrsinnige Illusionen bezeichnete, so wünscht sie nichts sehnlicher, als daß wir ver­gessen könnten.

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Ein französischer Schriftsteller sagte ein­mal: „Der Patriotismus ist die letzte Zuflucht aller Gauner." Dieses Wort kennzeichnet am

besten die heutige Lage. Glaubt ihnen nicht, die jetzt unter dieser Maske den Biedermann spielen, reißt sie ihnen von der Fratze, hin­ter der sich die Lüge ihrer dreizehnjäh ritzen Herrschaft verbirgt.

Immer aufgeweckter, radikaler, wird das Volk. Noch hat es sich nicht, wie man zu hoffen und meinen glaubt, mit allem abge- funden. Man täusche sich nicht über die un­heimliche Ruhe! Wir leben im latent m Bürgerkrieg. Abend für Abend fordert er seine Opfer. Mit drakonischen, mechanischen

Mitteln schreitet der Staat ein, doch die Zahl der Toten mehrt sich von Tag zu Tag.

Die Männer aber, die mit ihrem Werke verbunden sind, auf Gedeih und Verderb, sie wird das Volk lehren, daß sie, die Verant­wortlichen des Unterganges, nicht Männer des Aufstieges sein können. Das Volk ist oer klaren, unumstößlichen Ansicht, daß mit Wechsel der Methode, auch deren Männer zu verschwinden haben!

13 Jahre trieb man eine Politik des wehr­losesten Verzichtes, ohne Rücksicht auf das Volk und seine Lebensmöglichkeiten, entgegen jeden Ehrenstandpunkt. Nachdem man nun 13 Jahre nachgegeben, bis aus das letzte Maschinengewehr abgerüstet hat, stellt man als Ergebnis fest, daß Frankreich drohender und unverschämter denn je, weiteres, end­loses Erfüllen fordert. Jetzt erst sieht dis Volk den Weg, jetzt, wo sich die Folgen nicht mehr vertuschen lassen, aber jetzt sieht es auch endlich seine Folgerungen.

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Die Politik ist nicht, wie behauptet wird, eine Angelegenheit der Regierenden, sie ist Angelegenheit des Volkes, im selben Aug'n blick, wo dieses an die Politik gebunden wird. Da nützt der gute Wille allein nichts mehr. Da heißt es nur Können beweisen. Verträge und Verpflichtungen werden nicht von der Regierung, fondern vom Volke erfüllt.

Darum unterliegt die Politik der önent- lichen Prüfung. Eine Regierung, die das zu hintertreiben wünscht, zeigt damit ihr schlech­tes Gewissen!

Sie sollen sich nicht damit entschuldigen, ihre Politik sei unpopulär. Wer das ^olk kennt und versteht, wer mit dem Volke eine innere Gemeinschaft hat, dem wird es gelin­gen, ihm alles klar zu machen.

Auch unser Wollen, unser Weg, er ist nicht populär. Hunderttausende stehen vor der Möglichkeit, ihm ihr Leben zu opfern. Ge­fängnisse, Zuchthäuser stehen offen für un­

sere Kämpfer und trotzdem haben wir uns 12 Jahre lang durchgesetzt, haben uns den­noch zu dem gemacht, was wir heute sind — populär.

Die Herren von der Regierung, sie wagen es nicht, vor das Volk zu treten und R chm schaft abzulegen. Sie wagen nicht, die wah­ren Gründe der Mißerfolge zu erklären und denjenigen, die ihnen die peinliche Arbeit ab- nshmen, verbieten sie das Wort, nehin'n ihnen die Möglichkeit ins Land hinauszurufen, um aus Schuld und Fehlern die klare N'ch nung der Katastrophenpolitik zu ziehen.

Zwölfmal verbietet man in Berlin inner­halb eines Jahres unsere Zeitung, den „An­griff". Das Reichsgericht muß jeweils acht­mal nach Ablauf der Verbotsdauer die völl'ge Unrechtmäßigkeit des Verbots bestätigen. Aber es gibt keine Möglichkeit, die marxisti­schen Verwaltungen für ihr unverantwort­liches Verhalten zur Rechenschaft zu ziehen.

Es ist ihnen erlaubt, die wirtschaftlichen Un­ternehmungen des Gegners rechtlos zu zer­schlagen. Nicht nur der Presse, sondern so­gar Abgeordneten nehmen sie die Möglich­keit, ihre Meinung zu äußern.

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Man verbietet mit den vom Reichspräsi­denten unterzeichneten Notverordnungen.

Wenn wir uns recht erinnern, ist vor kurzem der Reichskanzler mit dem Ersuchen an uns herangetreten, die Amtsdauer des Reichsprä­sidenten von Hindenburg um weitere 7 Jahre zu verlängern. Wir können uns kaum denken, daß der Reichspräsident ahnt, was für ein Mißbrauch mit seinen Notverordnun­gen getrieben wird. Wenn er es nicht wissen sollte, er müßte sich dennoch hüten, den mar­xistischen Lcinderregierungen eine derartige Peitsche in die Hand zu geben. Denn mögen die Verordnungen lauten, wie sie nur wollen, das weiß jeder, stets wird man einen Weg finden, sie allein gegen die NSDAP, zur Anwendung zu bringen.

Man versicherte uns, die Amtsverlänge­rung des Reichspräsidenten sei eine national- verbindliche Handlung, der wir uns nicht entziehen könnten. Aber zu schnell merkten wir, was der eigentliche Zweck der Verlänge­rung der Amtsdauer des Reichspräsidenten war: Herr Briining wollte noch einmal sich selbst verlängern, um so seine morsche Stel­lung zu untermauern. Dazu konnten wir un­sere Hand nicht reichen!

Raffiniert hatte man diesen Plan einge­fädelt. Man wollte uns in eine Ecke drän­gen, um uns so schachmatt zu setzen. Nur zu gut sagte uns das Wutgeheul des Sy­stems, daß unser Manöver, nicht mit großen Schlägen, sondern mit gleicher Taktik zu antworten, richtig gewesen ist.

Man glaubte, wir Nationalsozialisten würden uns auf einen unsauberen Kompro­miß einlassen. Wenn man uns vorwarf, wa­rum wir damals nicht klarer die Öffentlich­keit unterrichtet hätten, sagen wir dazu grundsätzlich Folgendes: Die Strategie be­stimmt in der Politik das Ziel. Die Taktik die Zermürbungsmittel. Das Ziel ist immer klar, die Taktik jedoch erst bei ihrer Anwen­dung. Früher im Besitz unbedeutender Machtmittel brauchten wir keine Taktik. Je größer wir werden, je näher wir dem Ziel kommen, desto gewagter werden unsere Schritte. Und stehen wir vor dem Tor zur Macht, so werden wir es schweigend öffnen.

Der taktische Weg ist belanglos, wenn das Ziel klar im Auge behalten wird, unser re­volutionärer Charakter ist nicht von der Tak-. tik, sondern allein von unserem Ziel abhän­gig. Unser Umbruch des Volksgefügss, von der libsraliftischen Hülle zum sozialistisch-or­ganischen Volkskörper, ist revolutionär. 1923 wollten wir ihn mit der Gewalt durchsetzen. Erringen wir ihn seit 1924 mit der legalen Machteroberung, so ist das ohne Einfluß, denn das Ziel, und damit der Charakter un­serer Bewegung blieb dasselbe.

Man hatte geglaubt, das Jahr 1931 wür­de das Ende der innerpolitischen Auseinan­dersetzungen bringen, es brachte den letzten, großen Anlauf zu dieser Entwirrung. In