Ausgabe 
(11.1.1932) Nr. 8
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Berlin, 9. Jan. Wie von nati-malsoz. Seite mitgeteilt wird, beabsichtigt di« «er- eivigung englischer Wirtschaftsführer, Trco- nomic League, Adolf Hitler zu einem trag nach London einzuladen.

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Die politischen Ereignisse beginnen sich zu überstürzen. Die deutsche Innen- und Außen­politik steht im Mittelpunkt der gesamten Welt. Der erste sichtbare Erfolg des natio­nalsozialistischen Eingreifens in die Politik, war die Erklärung des Reichskanzlers am Sonnabend, daß Deutschland keine politischen Zahlungen mehr an das Ausland leisten würde. Ohne die nationalsozialistische Bewe­gung wäre es keinem Kanzler möglich gewe­sen, diese Erklärung abzugeben, denn er hätte keinen Machtsaktor besessen, der in dieser Frage ihn unterstützt. Im Ausland hat der Umschwung der deutschen Außenpolitik einen tiefen Eindruck hinterlassen und wir können mit Genugtuung feststellen, daß England, Japan, Italien und selbst Belgien dem deut­schen Standpunkt volles Verständnis ent­gegenbringen. In den bisher bekannt gewor­denen Pressestimmen dieser Länder kommt allgemein zum Ausdruck, daß die vom Kanz­ler abgegebene Erklärung aus das Einwir­ken der Nationalsozialisten zurückzuführen sei. Frankreich selbstverständlich versucht wie­der einmal mit allen Mitteln der Pressehetze gegen Deutschland Stimmung zu machen Bis zur Kriegsdrohung und der Forderung, das Rheinland neu zu besetzen, steigern sich die Wünsche der Franzosen. Wir haben aber mit der Beurteilung der weltpolitischen Lage recht behalten, denn Frankreich steht mit die sen Gewaltplänen völlig allein und so kön­nen wir mit Ruhe abwarten, wie sich hier die Dinge entwickeln werden.

Mit diesem außenpolitischen Ereignis von allergrößter Wichtigkeit haben die innervo litischen Fragen eine noch größere Bedeutung erlangt. Der einmal beschrittene Weg wird fortgesetzt werden müssen.

Aber der Kanzler muß sich klar seiu, daß er nicht die Außenpolitik mit den natio nalen Kräften der Nation, die Jnnenpoli tik aber gegen sie betreiben kann.

Ein weiteres Paktieren mit der SPD. er scheint uns jetzt völlig ausgeschlossen und würde den Zusammenbruch der eben gewon nenen außenpolitischen Position bedeuten Werden jetzt nicht die gesunden Kräfte der Nation, politische und wirtschaftliche, mobili siert, wird jetzt nicht dem Nationalsozialis mus die Führung der deutschen Jnnenpoli tik übertragen, gehen wir einer außenpolit' schen Katastrophe entgegen. Wir kennen die landesverräterischen Absichten der Sozialde mokratie, für die Beweise ohne Zahl vor Handen sind. Wir sind überzeugt davon, daß die SPD den deutschen Lebensbelangen wie der in den Rücken fallen wird, wenn man ihr dazu Gelegenheit gibt. Die Wellblechfront wird nicht nur mit Bürgerkrieg im Innern des Landes drohen, sie wird auch bereit sein s ichmitFrankreichzuverbünden um die Posten ihrer Bonzen verteidigen zu können. Wenn also der Kanzler sich jetzt nicht sofort im Reich und in Preußen von der So zialdemokratie trennt, zerstört er selbst die Brücke, die er soeben zum nationale

Deutschland geschlagen hat.

Wir wissen heute noch nicht, welche Ent­scheidung unser Führer in Berlin tressen

Lippe, 1V. Jan. Die Lippeschen Ge- meinderatswahlen sind im ganzen Lande im allgemeinen ruhig verlaufen. Die Wahl­beteiligung war äußerst rege. Die National- ozialisten haben stark zugenommen. Zu einem politischen Zusammenstoß kam es Sonnabend abend in Schötmar zwischen Na­tionalsozialisten und Kommunisten, wobei zwei Nationalsozialisten Verletzungen davon­trugen.

Gesamtzahl der in Lippe abgegebenen Stimmen einschließl. der kreisfreien Städte: Nationalsozialisten 28 442 (20510), Sozialdemokraten 25 396 (30 142), Deutschnationale 8K16 (72K2), Bürgerliche Liste 13 237 (0), Zentrum 2282 (2K48), Evangelischer Volksdienst 3259 (5023), Kommunisten 9570 (5867).

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Die Wahl zur Stadtverordnetenversamm­lung in der Landeshauptstadt Detmold hatte folgendes Ergebnis (die in Klammern gesetz­ten Ziffern beziehen sich auf die Stimmen­zahlen bei der letzten Reichstagswahl vom 14. 9. 1930, bezw. auf die Mandatsziffern der bisherigen Gemeindeparlamente):

Nationalsozialisten 2852 (2152) 9 (0), Zentrum 423 (450), 1 (1), Volksdienst K7V (K22), 2 (1), Kriegsbeschädigte 302 (522), 1 (1), Kommunisten 797 (431), 2 (1), Sozialdemokraten 1354 (2370), 3 (K), Beamtenliste 597 (—). 2 (0), Staatspartei 188 (K1K). 0 (1), DVP. 083 (1280), 2 (3), Deutschnationair 959 (897), 2 (2).

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Paris, 10. Jan. Die Pariser Presse ist in helle Aufregung geraten. Pertinar bezeich­net den deutschen Schritt als eine der trau­rigen Folgen der Rheinlandräumung. Man habe in Frankreich stets befürchtet, daß die Entfernung der ausländischen Truppen den deutschen Schuldnern die Möglichkeit geben werde, ihr Wort zu brechen. 12 Monate nach ler Räumung habe die Weltkrise dem Reich den gewünschten Anlaß geboten. Man habe vergessen, daß das deutsche Volk sich nur der Gewalt beuge und stets nur gezwungener­maßen gezahlt habe. Schließlich wirft Per- tinax die Frage auf, was man angesichts der deutschen Weigerung tun solle. Wer von einem großzügigen französischen Verzicht rede, kenne die Deutschen nicht, die jede Nach­giebigkeit als Schwäche auffassen würden. Am schlimmsten wäre es, wenn Frankreich den Willen verlieren sollte, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Tri­bute zu erzwingen. Finanzminister Flandin habe in seiner Antwort an Brüning erklärt, daß die französische Regierung nicht nach Lausanne gehen werde, wenn Deutschland auf dem Beschluß, nicht mehr zu zahlen, be­harre.

Wenn dem so sei, könne Frankreich sich mit einer Klage an den Haager Gerichtshof wen­den. Man wisse jedoch nicht, ob der Haag Frankreich so ohne weiteres Recht geben werde. Schließlich müsse man bedenken,

daß auch im Falle eines gewon­nenen Prozesses kein anderes wirk­sames Mittel als der Krieg übrig bleibe.

Endlich gebe es noch einen zweiten Weg

Man könne mit dem Märchen der französisch­deutschen Verständigung Schluß machen und jede unmittelbare oder mittelbare Hilfe ver­

weigern. Die deutsche Wirtschaft hänge nur noch an einem Faden.

Der „Temps" schreibt: Wie man die Din­ge auch ansehe, müsse man zu dem Schluß gelangen, daß die Forderung auf Beseiti­gung der Tributpflicht einen brutalen Vor­stoß gegen den Aoungplan und gleichzeitig einen Akt des bösen Willens darstelle. Deutschland wolle die internationale Ord­nung durchbrechen, jedes Vertrau?n töten und sich in die Rolle eines politischen Part­ners begeben, für den internationale Ver­träge nur einen Fetzen Papier bedeuteten.

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Der Gordische Knoten zerschlagen?

Neuhork, 11. Jan. Die „Tribune" nimmt in ihrem Leitartikel: „Der Gordische Knoten zerschlagen", Stellung zur Brüning- Rcde. Die Hitlerbewegung sei derartig an­gewachsen, daß es für jede deutsche Regie­rung eine Narrheit gewesen sei, nach Lau­sanne zu fahren, ohne die vorherige Unter­stützung durch Hitler erbeten zu haben. Die amerikanischen Banken und das Schatzamt hätten mit diesem Schritt längst gerechnet.

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London, 10. Januar. Die Erklärung des Reichskanzlers, daß Deutschland jetzt und in der Zukunft keine Tribute mehr zahlen könne, hat in der englischen Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt. Die Ueberschriften der Zeitungen sprechen von der „neuen Bom­be", „Reparationsalarm" usw. Es finden sich auch einige kritische Bemerkungen über die offene Art, wie die deutsche Forderung vor­gebracht worden ist, fachlich aber werden die Aeußerungen Brünings ruhig aufgenommen. Die Blätter betonen zum Teil, daß eine der­artige Erklärung nicht unerwartet gekom­men sei. sie führen sie

auf den Einfluß der nationalen Opposition zurück.

Der diplomatische Korrespondent des „Ob- server" sagt: Die vollständige Streichung aller Schulden sei stets die Politik Englands gewesen. Frankreich und Amerika hätten je­doch den englischen Standpunkt nicht voll verstanden. Die Ereignisse aber nähmen ein schnelleres Tempo an, das durch den deut­schen Schritt noch beeinflußt werde.

„Sunday Graphic" erklärt, die Erklä­rung Brünings verpflichte den Reichskanz­ler aus den Standpunkt Hitlers und der Rechtsparteien und aus die Politik deS Vorranges der Privatschulden.

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Brüssel, 10. Jan. Alle belgischen Blätter nehmen eingehend zu der Erklärung des Reichskanzlers über die Unmöglichkeit weite­rer deutscher Tributzahlungen Stellung. Die liberale „Etoile Belge" weist darauf hin, daß die Anwendung von Gewalt Deutschland ge­genüber eine weitaus größere Katastrophe herbeiführen würde, als eine Zahlungsver­weigerung Deutschlands. Die Besetzung deut­schen Landes wäre gleichfalls eine gefährliche Sache. Wenn Frankreich daran denken wür­de, werde es keine Gefolgschaft finden, son­

dern isoliert sein. Die Bewilligung eineS neuen Zahlungsaufschubs unter Aufrechter­haltung der Fassade des Aoungplans sei notwendig.

Die liberale „Jndependance Belge" schreibt, daß die Lausanne? Konferenz nunmehr überflüssig werde. Durch die Unstimmigkeit zwischen den Alliierten triumphiere Deutsch­lands böser Wille. Die für die Reparations­zahlungen vorgesehenen deutschen Gelder würden jetzt zur Verstärkung der deutschen Rüstungen verwandt werden.

wird, aber wir sind davon überzeugt, daß er sich nicht dazu mißbrauchen lassen wird, die Außenpolitik des Kanzlers zu unterstützen, ohne die Gewähr dafür zu haben, daß die Früchteder d e u t s ch e n F r e i h e i t s- bewegung nunmehr durch eine Umstel­lung auch der deutschen Innenpolitik zum Reifen kommen können. Noch müssen wir uns gedulden, bis heute abend die Entscheidung sollt, aber unser Vertrauen zu unserem Füh­rer ist heute größer denn je. Dieser Stimmung habe« auch die Lippe-

schcn Landtags- und Gemeindewahlen am gestrigen Sonntag Rechnung getragen, dies­mal sind nicht nur die Mittelparteien völlig aufgerieben worden, sondern die SPD. hat 30 Prozent ihrer Stimmen verloren, und gemessen an den alten Reichstagswalilen ist ihr bisheriger Einfluß völlig gebrochen wor­den. Die Nationalsozialisten sind überall die bei weitem stärkste Partei geworden und die Svzialdemokratie ist an manchen Plänen zu einer Splitterpartei herabgesunken. ?5n Detmold selbst habe» die Sozialdemokraten

von ihre» K Sitzen 3 verloren, während wir 9 hinzugewonnen haben. Von den insge­samt 8000 Stimmen, die die SPD. gegen­über der letzten Reichstagswahl einbüßte, ge­wann die NSDAP. 5000, während die NPD. über 3000 Stimmen mehr erhielt.

Auch dieses Wahlergebnis muß dem Kanz­ler zeigen, wohin die politische Entwicklung steuert. Seine Entscheidung mag fallen so oder so, der Sieg der deutschen Freiheits­bewegung scheint uns heute sicherer denn je.

—art.