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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele, Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM, 1.90 frei Haus. Anzeigenberechnung: hiesige die Ivgesp, Nonp.-Zeile Rm, V.SS. au«.
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Nachdem die NSDAP, die stärkste Partei in Deutschland geworden war — als Freiheitsbewegung war sie schon seit langem der stärkster Faktor deutscher Politik — hat unser Führer Adolf Hitler als nächstes eindeutiges Ziel die Machtergreifung an jeder Stelle, in jedem Land und schließlich im Reich gesetzt. Unter dieser Voraussetzung haben alle inner- politischen Kämpfe des letzten Jahres gestanden, in Braunschweig, Bremen. Hamburg und Hessen. Die Führung war sich darüber klar, daß diese Machtergreifung in den meisten Fällen nur über den Umweg einer Koalition möglich ist. Darum bildeten wir in Braunschweig eine Regierung mit den Rechtsparteien, darum stellten wir in Bremen zunächst den Präsidenten der Bürgerschaft, darum wurde in Hessen mit dem Zentrum verhandelt und in Hamburg sowie in Oldenburg eine Rechtskoalition versucht Aus dieser Marschrichtung ergaben sich die weiteren Entschlüsse der jeweiligen Parteileitungen, so in Oldenburg die Durchführung eines Volksbegebrens zur Auflösung des arbeitsunfähigen Landtages. Ueber allen diesen Einzelverhandlungen aber stand die Bil düng der Harzburger Front unter Führung Adolf Hitlers. Den gleichen Zwecken diente die Fühlungnahme Hitlers mit Amerika und die Reise Rosenbergs nach London.
Wir haben diese Tatsachen noch einmal an geführt, um den klaren Weg der NSDAP, zur Machtergreifung aufzuzeigen. Eine neue Etappe scheint die Unterhandlung Hitlers mit der Reichsregierung zu werden, die scheinbar auf Veranlassung des Reichsprä sidenten von Hindenburg erfolgt. Die Mög lichkeit dieses Schrittes dürfte Adolf Hitler durch ein geschickt formuliertes Neujahrstelegramm an Hindenburg geschaffen haben Auch diese Unterhaltung muß und kann le diglich unter den R>sn angegebenen Gesichts Punkten gewertet werden. Rein sachlich han delt es sich für die Reichsregierung darum im Augenblick wichtiger außenpolitischer Verhandlungen innerpolitische Kämpfe, wie sie die Reichspräsidentenwahl mit sich führen würde, zu vermeiden.
Man kann zu diesem Zweck entweder durch Reichstagsbeschluß die Amtszeit des Reichspräsidenten um eine bestimmte Zeit verlängern, man kann aber auch eine Volksabstimmung herbeiführen, und dieser jede politische Schärfe nehmen, indem man sich vorher auf den Kandidaten einigt. Hindenburg seinerseits scheint vom Reichskanzler verlangt zu haben, daß seiner weiteren Amtsführung seine einstigen Wähler, die heute zu ihm in Opposition stehen, zustimmen. Die Sozialdemokratie wie überhaupt die Systemparteien haben ihrerseits Angst vor einer politischen Entscheidung durch den Stimmzettel und sind daher geneigt, den Plänen des Kanzlers zuzustimmen. Aus dieser Sachlage ergibt sich die Basis der Verhandlungen, die jetzt mit dem Führer der Opposition geführt
Berlin, 7. Jan. Von feiten der NSDAP, wird parteiamtlich mitgeteilt: Adolf Hitler wurde am Dienstag, 5. Jan., telegraphisch zum Reichsinnenminister Groencr zu einer Besprechung nach Berlin gebeten. Der Führer der NSDAP, hatte gestern, Mittwoch, den K. Jan., abends mit dem Reichsinnenministcr Groener und heute, den Jan., nachmittags mit dem Reichskanzler Brüning und dem Reichsinnenminister Groener eine Besprechung, deren Gegenstand die Reichspräsidentenwahl war. Adolf Hitler hat ich eine Stellungnahme dem Reichskanzler gegenüber vorbehalten, um vorher den Parteien der nationalen Opposition seine Auffassung mitzuteilen.
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Zu der Unterredung Groeners mit Hitler wird noch bekannt: Die Anregung zu dieser Unterredung ging
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von Groener als dem für Verfassungsfragen zuständigen Reichsinnenminister aus. Die heutige Besprechung, an der auch Reichskanz- ler Dr. Brüning teilnahm, fand im Reichsinnenministerium statt und dauerte von 16 bis 17L0 Uhr. Um 17.3« Uhr begab sich der Reichskanzler zurück in die Reichskanzlei zu der dort zu diesem Zeitpunkt angesetzten Konferenz mit den nach Berlin berufenen deutschen Botschaftern.
Die Unterredungen wurden, wie von beteiligter Seite versichert wird, in durchaus freundschaftlicher Form geführt. In Kreisen der Nationalsozialisten sah man in ihnen die Anerkennung der Tatsache, daß auch die
Reichsregierung an der nationalsozialistischen Bewegung nicht vorübergehen könne, zumal eine noch wichtige Frage, wie die in den Besprechungen angeschnittene, ohne die NSDAP, nicht zu entscheiden sei. In unterrichteten Kreisen unterstreicht man ferner den von dem Parteiführer der NSDAP, für seine Stellungnahme gemachten Vorbehalt einer vorherigen Fühlungnahm« mit den übrigen Parteien der nationalen Opposition. Man glaubt auch in nationalsozialistischen Kreisen, daß die NSDAP, bezüglich der Wahlen nicht nur in Preußen, sondern auch im Reich bestimmte Zusagen erwarte, die es ihnen ermöglichen würden, sich zur Entscheidung der Frage einer Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten aktiv ein- schalten zu lassen.
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Berlin, 7. Jan. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Adolf Hitler voraussichtlich bereits am Freitag vormittag eine Unterredung mit dem Parteiführer der Deutsch- nationalen, Geheimrat Hugenberg, haben,
und daß noch am Freitag nachmittag eine neue Aussprache mit dem Reichsinnenminister Groener stattfinden werde. Man glaubt, daß die Entscheidungen bestimmt nicht lange hinausgezögert werden würden.
werden und gleichzeitig ersieht man hieraus die Stärke der Opposition, aber auch die Gefahren, in die man sich begeben kann.
Unter der Voraussetzung, so rasch wie möglich zur Macht zu kommen, d. h. zunächst als greisbares Ergebnis die korrekte Durchführung der Preußenwahlen zu sichern, könnte der Führer der Opposition die hinter ihm stehende Macht dadurch in die Wagschale werfen, daß er einer kurzfristigen Verlängerung der Amtsperiode Hindenburgs zustimmt und dafür ganz bestimmte Bedingungen stellt. Es wird ganz nüchtern die Frage zu prüfen sein, ob
unser Endziel rascher durch eine Präsidentenwahl im März oder durch eine ohne amtlichen Terror durchgeführte Preußenwahl erreicht werden kann.
Darum hat Adolf Hitler auch zunächst nach der ersten Besprechung mit Brüning sich mit Hugenberg und dem Stahlhelm in Verbindung gesetzt, um deren Stellungnahme kennenzulernen. Erst dann wieder wird mit Brüning und Groener verhandelt werden. In diesem Zusammenhang sind die taktlosen Ausführungen des Reichsfinanzministers Dietrich von Bedeutung, der erst in diesen Tagen die Nationalsozialisten als Desperados bezeichnete, die in einem Zusammenbruch ihrer Hoffnung säshen — wer war denn, Herr Dietrich, bislang Führer mitten hinein in den Zusammenbruch? — und ebenso bedeutsam sind die unannehm baren Bedingungen, die das Zentrum in Hessen uns für eine Regierungsbildung gestellt hat. Wenn auch Herr Brüning Verhandlungen mit Hitler aufgenommen hat, so scheinen seine hinter ihm stehenden Kräfte — Reichskabinett und Zentrumspartei — keineswegs schon begriffen zu haben, mit welchem Machtfaktor sie es in der NSDAP
zu tun haben. Das wiederum läßt es unwahrscheinlich werden, daß man zur Annahme von Bedingungen, die wir stellen würden, bereit ist. Einen völligen Umschwung der Reichs- und Preußenpolitik des Zentrums würde aber eine der Voraussetzungen sein müssen und so ist es heute noch völlig ungewiß, ob überhaupt aus den Berliner Verhandlungen etwas Greifbares herauskommt, um so mehr als der Marxismus in seinem ersten Strecken über das Erscheinen Hitlers in der Reichskanzlei sich in wildesten Drohungen ergeht und der Regierung ankündigt, daß die SPD. ihr jede Gefolgschaft aufkündigen würde, wenn man den Nazis auch nur irgendwie entgegenkomme.
Wir Nationalsozialisten haben einen kla
ren, legalen Weg vor uns, der nur durch illegale Handlungen z. B. der Preußenregierung aufgehalten werden konnte. Die andern, selbst Herr Brüning und Herr Groener müssen kommen und mit uns verhandeln. In unserer Bewegung liegt die Macht, die heute die Innenpolitik bestimmt und ss werden auch wir entweder heute oder in vier oder sechs Wochen die Entscheidungen treffen, die uns unserem Endziel näher bringen oder es schon erreichen lassen. Es ist überflüssig, sich über Hitlers Berliner Reise vieler Kombinationen hinzugeben, denn es wird auch hier der schon oben aufgezeichnete Weg gegangen werden, bis eines Tages Hitlers Fahnen über allen Straßen wehen und der Tag für Arbeit und Brot angebrochen ist.
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Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1K. bis 31. Dezember 1931
Berlin, 8. Jan. Am Ende des Jahres 1931 bot der Arbeitsmarkt das Bild einer anhaltenden tiefen Depression. Innerhalb der allgemeinen Entwicklung steigt die jahreszeitliche Linie der Arbeitslosigkeit weiter an, deren Höhepunkt erfahrungsgemäß erst gegen Ende Februar zu erwarten ist. Die Zahl der Arbeitslosen betrug am 31. Dezember rund 5 966 00, d. h. um rund 316 000 mehr als Mitte des Monats. Im Vorjahre wurde am Jahresschluß nach einer Zunahme im gleichen Zeitraum um rund 407 000 eine Arbeitslosenzahl von rund 4 384 000 erreicht. Neben den Saisonaußenberufen, in denen die Arbeitslosenzahl infolge der ungünstigen Wit
terung um 7,2 v. H. stieg, haben auch die überwiegend von der Konjunktur abhängigen Berufsgruppen eine, wenn auch schwächere Zunahme, nämlich um 5,1 v. H. zu verzeichnen. Der Druck, der von den internationalen Währungsschwierigkeiten und den Absperrungsmaßnahmen wichtiger Abnehmerländer ausgeht, hat sich weiter verschärft und hat die Auswirkungen der auch sonst na-h dem Weihnachtsgeschäft üblichen Stille verstärkt. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger betrug am 31. Dezember in der Arbeitslosenversicherung rund 1642 000, in der Krisenfürsorge rund 1 506 000. Von der Ge- samtzunahme um rund 214 000 entfielen rund 154 000 auf die Arbeitslosenversicherung, rund 60 000 auf die Krisenfürsorge.