Ausgabe 
(7.1.1932) Nr. 5
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Berlin, K. Jan. Während die Still­halteverhandlungen bisher unter völliger Vertraulichkeit geführt wurden, ist jetzt durch eine offiziöse Mitteilung bekannt geworden, daß man auf eine Endlosung verzichtet hat und auf ein einjähriges Provisorium hin­arbeitet.

Die deutschen Vertreter, d. h. die Ver­treter der Privatbanken gingen wcchl nickt zuletzt auf Anregimg der deutschen amtlichen Stellen zunächst darauf aus, eine endgültige Konsolidierung bezüglich der gestundeten Auslandskredite zu erzielen. Eine solche Endiösung Hütte eine Umwandlung der kurz­fristigen Anleihen in langfristige und ein planmäßiges Verzinsungs- und Tilgungs­system über viele Jahre in sich schließen müssen. Aus einer solchen Konsolidierung hätte man demzufolge auch eine günstige Rückwirkung auf die deutsche und die Welt­wirtschaft erwarten können, da der Druck, der dauernd abrufbaren kurzfristigen Kredite aufgehört hätte. Wie man nun hört, ist dieser Plan völlig in den Hintergrund ge­treten.

Zur Zeit ist man damit beschäftigt, die Möglichkeiten zu prüfen, unter welchen Um­ständen das bisherige Stillhalteabkommen auf die Dauer von zwölf Monaten ver­längert werden kann. Auch die einjährige provisorische Verlängerung ist keineswegs einfach, da von den Vertragsparteien weit­gehende Aenderungswünsche angemeldet wer­den.

Die Forderungen der Bankiers

Die ausländischen Banken stellen eine gan­ge Reihe von Forderungen, die von deut­scher Seite nicht ohne weiteres zugestanden werden können. Abgesehen davon, daß 'ich die internationalen FinanzkapitaUsten n.'tur gemäß gegen eine Herabsetzung ihrer Zinsen wehren, verlangen sie darüber hinaus w?'t gehende neue Sicherheiten und zwar wird diese Forderung insbesondere von Amerika vertreten. Ferner sind sich sämtliche inte»' nationalen Banken in der Forderung uus ratenweise hohe Tilgungsleistungen während des am 1. März beginnenden Prolongations­jahres einig.

Demgegenüber wird von deutscher Zeile darauf hingewiesen, daß durch die Rückzah lungen während der bisherigen Dauer der Stillhaltung, die einen Betrag von 1,2 M:l liarden trotz der offiziellen Stillhaltung er­reichten, die deutschen Valutareserven tatsäch lich bis zur Neige erschöpft wurden und daß diese Reserven überdies nur vermittels einer drakonischen Verschärfung der Devisengesctz- gebung überhaupt aufrechterhalten werden konnte. Ferner ist auch nach den Festste! lungen des Berichtes des Sonöersausschrsses der BIZ im nächsten Jahre mit einem we­sentlichen Rückgang des deutschen Ausfuhr Überschusses, der einzigen devisenspeodenden Quelle, aus der Tilgungsleistungej». aber auch Zinszahlungen zu leisten wären, zu rechnen.

Die Auslandsgläubiger möchten nun an­scheinend eine Lösung derart anstreben, daß der Ueberschuß der deutschen Handelsbilanz

nach Abzug des Dienstes für die langfristi­gen Auslandskredite und der Zinsen für die schwebenden Schulden sich bei der Reichsbank in Gestalt einer Sicherheitsreserve für die stillgehaltenen Kredite ansammeln soll.

Das Bedenkliche an dieser jetzt angestreb­ten provisorischen Lösung ist, daß sich Deutschland hier mit einem Provisorium zu­frieden geben will, bedenklich insbesondere »m Hinblick auf die bevorstehende Verhand­lung von Lausanne über die politischen Tri­bute, während bekanntlich der deutsche Standpunkt darauf hinausläuft, daß kein Provisorium, sondern nur eine Endlösung, d. h. völlige Befreiung von den politischen Zahlungen in Frage kommt. Solange aber das Damoklesschwert der Kurzkredite, und seien sie auch sür ein Jahr verlängert, über Deutschland schwebt, bleibt eine wirkliche Be­ruhigung der Wirtschaftslage auch von dieser Seite her nicht zu erwarten.

1Ui? Kosenbe^g in r«en

In einer großen nationalsozialistischen Kundgebung sprach der Hauptschristleiter des Völkischen Beobachter", Rosenberg, über außenpolitische Frugen. Der Redner ging vor allem aus die beiden bevorstehenden gro­ßen Konferenzen, die

Abrüstungs- und Tributkonferenz

ein, die nach den bisherigen Mißerfolgen vor allem in der Oberschlssienfrage und in der Frage der Zollunion, den Znsammen­bruch aller etwa noch bestehenden Illusio­nen bedeuten würden. Auf der Abrüstungs« konferenz habe Deutschland einige Thesen vorzubringen und zu vertreten, den Rechts­anspruch Deutschlands auf allgemeine Ab­rüstung, seinen Airspruch auf

das Mindestmaß der eigenen nationalen

Sicherheit gegenüber der von Frankreich be­tonten Gefährdung seiner nationalen Si­cherheit, und ebenso die Verpflichtung des Völkerbundes, der nach der Völkerbundsakts

Vei«Kied»ns Äe» ?»i l»tl lo «i e»ei»?

England hält am 18. Januar fest London, 7. Jan. Die Vereinigung der ausländischen Presse in London gab am Mittwoch im Savoy-Hotel dem englischen Außenminister Sir John Simon ein Früh­stück, auf dem Simon über die politische Lage sprach. Innerhalb der nächsten vier Wochen, so führte der Außenminister aus, würden drei große Konferenzen zusammen­treten und auf jeder müsse das Foreign Office eine wichtige Rolle spielen.

Der Zeitpunkt für die Tributkonferenz sei noch nicht endgültig festgelegt. Die englische Regierung würde es als eine große Erleich­terung begrüßen, wenn die Konferenz w bald wie möglich eröffnet werden könne, da auch in England die Wiedereröffnung des Parlaments vor der Tür stehe. Wenn es nicht gelinge, einen früheren Zeitpunkt als den 18. Januar oder einen Zeitpunkt etwa um den 18. Januar herum sicherzustellen, so würden einige der Minister schwerlich teil­nehmen können, obwohl sie den Wunsch da­zu hätten. Sir John Simon ließ durch­blicken, daß dem Ministerpräsidenten Mac- Donald nur die Woche, die mit dem 18. Ja­nuar beginnt, gelegen sei. Der Schatzkanzler sei wohl auf jeden Fall verpflichtet, nach Lausanne zu gehen, und er selbst hoffe, ihn zu begleiten. Die TributkonferenL werde kaum fchon beendet sein, wenn die Vertreter der Mächte von einem Ende des Genfer Wegs zum anderen hinüberwechseln müßten, um an der zum 25. Januar beginnenden Sitzung des Völkerbundsrates teilzunehmen. Es sei möglich, daß hier einige sehr schwie­rige und besorgniserregende Fragen aufge­worfen würden, die Europa und Asien an­gingen. Die dritte Tagung sei die am 2. Fe­bruar beginnende Abrüstungskonferenz, wo­bei der Minister hinzufügte, daß mit all­gemeiner Zustimmung versucht werde, an diesem Zeitpunkte festzuhalten.

An jeder dieser drei Konferenzen, so fuhr Simon fort, nehme England ein ernstes In­

teresse, da es sich der großen Bedeutung der vorliegenden Fragen voll bewußt sei. Eng­land werde eine Haltung einnehmen, die alle Wünsche verstehen und umfassen wolle, und er hoffe, daß auch die übrigen Staaten in diesem Sinne handeln würden. Es sei von allergrößter Bedeutung, daß auf jeder der vorerwähnten Konferenzen eine Löfung an­gestrebt werde, und daß man auch willens sei, eine solche zu finden. Selbst wenn die endgültige Lösung noch in weiter Ferne liege, so sollten doch alle Kräfte angespannt werden, um einen wirklichen und erheblichen Schritt nach vorwärts auf dem Wege zu einer Lösung sicherzustellen, auch wenn es nur eine Lösung in Abschnitten sein sollte.

LöseWne I?D0nt

Höchststand des Hochwasser erreicht. Einheitsfront der Not.

Dessau, 7. Jan. Das Hochwasser der Mulde hat am Mittwoch um 21 Uhr in Dessau seinen höchsten Stand erreicht. Den Bemühungen der Feuerwehr, der Technischen Nothilse, des Stahlhelms, der SA.-Mann- schaften, der Reichswehr und Hunderter von Arbeitslosen ist es gelungen, die gefährdeten Dammstücke in der Ueberschwemmungszone bei Retzau, Sollnitz und Niesau im Dessauer Kreise zu erhalten. Dank der vereinten An­strengungen ist die größte Gefahr beseitigt. In fieberhafter Eile wurden Reservedämme angelegt, da sich das Hochwasser an mehreren Stellen bereits durchgefressen hatte.

Die Hochwasserwelle bei Dessau

Dessau, 6. Jan. Die größte Hochwasser­welle wird gegen Mitternacht in Dessau er­wartet. Der Promenadenwald, der letzte Wasserschutzgürtel, und der Verbindungsweg nach dem Osten des Kreises ist überflutet. Die Häuser der Wasserstadt stehen bereits unter Wasser.

von 1919 die Pflicht habe, alle zehn Jahr« den Rüstunasstand der Völker zu prüfen.

Von den ihr zustehenden Rechten habe die deutsche Regierung keinen Gebrauch gemacht, wie sie es überhaupt versäumt habe, zielbe­wußte Revisionspolitik zu treiben. Die Ge­sundung Deutschlands sei nicht ein Wirt­schaftsproblem, sondern eine Frage des Cha­rakters.

Scharf wandte sich Rosenberg gegen den Reichskanzler Brüning, der die amerikanische Presse zusammenberufen habe, um ihr die nationalsozialistische Bewegung alsWelt in Gefahr" hinzustellen.

Man müsse mit der Auffassung der Geg­ner brechen und ihr die nationalsozialistische Auffassung gegenüberstellen, daß man es nicht mit Reparationen, sondern mit Kriegs­tributen zu tun habe, daß Deutschland in die­ser Beziehung mehr als genug gezahlt habe. Bei der Erörterung der Frage der bevor­stehenden Tributkonferenz wies Nosenb.'rz vor allem darauf hin, daß

im Haag von den Franzosen erneut die

Sanktionsklausel des Artikels 40 des

Versailler Vertrages in den Joungplan hineingeschmuggelt worden sei. Man habe das Scheitern des Gedankens einer sogenannten Weltdemokratie und die Ver­ständigung mit Frankreich erlebt, und vor allem auch der Ideologie Brünings und Dietrichs, daß, ehe man zur Revision schreite, der deutsche Staatshaushalt in Ordnung sein müsse. Es sei unverständlich, daß der Kanz­ler in einem Augenblick, wo er sich anschicke, zur Tributkonferenz zu gehen, die National­sozialisten bekämpfe, die mit ihrer ganze» Kraft für eine Revision eingetreten seien.

Er betonte, daß es nicht um Sieg oder Un­tergang unserer nationalsozialistischen Be­wegung, sondern um Tod oder Auferstehung Deutschlands gehe.

Es ist heute keine Vermessenheit mehr, wenn wir erklären, der Nationalsozialismus ist DMltschlands letzte Trumpskarte. Wird die verspielt, dann haben nicht wir, dann hat Deutschland verloren.

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Anmeldepflicht für Schußwaffen und Munition

Köln, 6. Jan. Im Hinblick auf die vor einigen Tagen von den Kommunisten ange­zettelte Streikaktion hat der Regierungspräsi­dent in Köln für seinen Bezirk die Polizei­behörden angewiesen, alle Versammlungen der Kommunistischen Partei und ihrer Unter- und Nebenorganisationen bis auf weiteres zu verbieten.

Der Regierungspräsident hat ferner auf Grund der letzten Notverordnung eine An­ordnung über die Anmeldung von Schuß­waffen und Munition herausgegeben. Da­nach müssen Schußwaffen und Munition, die den Vorschriften des Gesetzes über Schuß­waffen und Munition vom 12. April 1928 unterliegen, bei der Ortspolizeibehörde, in deren Bezirk sie sich befinden, angemeldet werden.