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Berlin, K. Jan. Während die Stillhalteverhandlungen bisher unter völliger Vertraulichkeit geführt wurden, ist jetzt durch eine offiziöse Mitteilung bekannt geworden, daß man auf eine Endlosung verzichtet hat und auf ein einjähriges Provisorium hinarbeitet.
Die deutschen Vertreter, d. h. die Vertreter der Privatbanken gingen wcchl nickt zuletzt auf Anregimg der deutschen amtlichen Stellen zunächst darauf aus, eine endgültige Konsolidierung bezüglich der gestundeten Auslandskredite zu erzielen. Eine solche Endiösung Hütte eine Umwandlung der kurzfristigen Anleihen in langfristige und ein planmäßiges Verzinsungs- und Tilgungssystem über viele Jahre in sich schließen müssen. Aus einer solchen Konsolidierung hätte man demzufolge auch eine günstige Rückwirkung auf die deutsche und die Weltwirtschaft erwarten können, da der Druck, der dauernd abrufbaren kurzfristigen Kredite aufgehört hätte. Wie man nun hört, ist dieser Plan völlig in den Hintergrund getreten.
Zur Zeit ist man damit beschäftigt, die Möglichkeiten zu prüfen, unter welchen Umständen das bisherige Stillhalteabkommen auf die Dauer von zwölf Monaten verlängert werden kann. Auch die einjährige provisorische Verlängerung ist keineswegs einfach, da von den Vertragsparteien weitgehende Aenderungswünsche angemeldet werden.
Die Forderungen der Bankiers
Die ausländischen Banken stellen eine gange Reihe von Forderungen, die von deutscher Seite nicht ohne weiteres zugestanden werden können. Abgesehen davon, daß 'ich die internationalen FinanzkapitaUsten n.'tur gemäß gegen eine Herabsetzung ihrer Zinsen wehren, verlangen sie darüber hinaus w?'t gehende neue Sicherheiten und zwar wird diese Forderung insbesondere von Amerika vertreten. Ferner sind sich sämtliche inte»' nationalen Banken in der Forderung uus ratenweise hohe Tilgungsleistungen während des am 1. März beginnenden Prolongationsjahres einig.
Demgegenüber wird von deutscher Zeile darauf hingewiesen, daß durch die Rückzah lungen während der bisherigen Dauer der Stillhaltung, die einen Betrag von 1,2 M:l liarden trotz der offiziellen Stillhaltung erreichten, die deutschen Valutareserven tatsäch lich bis zur Neige erschöpft wurden und daß diese Reserven überdies nur vermittels einer drakonischen Verschärfung der Devisengesctz- gebung überhaupt aufrechterhalten werden konnte. Ferner ist auch nach den Festste! lungen des Berichtes des Sonöersausschrsses der BIZ im nächsten Jahre mit einem wesentlichen Rückgang des deutschen Ausfuhr Überschusses, der einzigen devisenspeodenden Quelle, aus der Tilgungsleistungej». aber auch Zinszahlungen zu leisten wären, zu rechnen.
Die Auslandsgläubiger möchten nun anscheinend eine Lösung derart anstreben, daß der Ueberschuß der deutschen Handelsbilanz
nach Abzug des Dienstes für die langfristigen Auslandskredite und der Zinsen für die schwebenden Schulden sich bei der Reichsbank in Gestalt einer Sicherheitsreserve für die stillgehaltenen Kredite ansammeln soll.
Das Bedenkliche an dieser jetzt angestrebten provisorischen Lösung ist, daß sich Deutschland hier mit einem Provisorium zufrieden geben will, bedenklich insbesondere »m Hinblick auf die bevorstehende Verhandlung von Lausanne über die politischen Tribute, während bekanntlich der deutsche Standpunkt darauf hinausläuft, daß kein Provisorium, sondern nur eine Endlösung, d. h. völlige Befreiung von den politischen Zahlungen in Frage kommt. Solange aber das Damoklesschwert der Kurzkredite, und seien sie auch sür ein Jahr verlängert, über Deutschland schwebt, bleibt eine wirkliche Beruhigung der Wirtschaftslage auch von dieser Seite her nicht zu erwarten.
1Ui?eÄ Kosenbe^g in r«en
In einer großen nationalsozialistischen Kundgebung sprach der Hauptschristleiter des „Völkischen Beobachter", Rosenberg, über außenpolitische Frugen. Der Redner ging vor allem aus die beiden bevorstehenden großen Konferenzen, die
Abrüstungs- und Tributkonferenz
ein, die nach den bisherigen Mißerfolgen vor allem in der Oberschlssienfrage und in der Frage der Zollunion, den Znsammenbruch aller etwa noch bestehenden Illusionen bedeuten würden. Auf der Abrüstungs« konferenz habe Deutschland einige Thesen vorzubringen und zu vertreten, den Rechtsanspruch Deutschlands auf allgemeine Abrüstung, seinen Airspruch auf
das Mindestmaß der eigenen nationalen
Sicherheit gegenüber der von Frankreich betonten Gefährdung seiner nationalen Sicherheit, und ebenso die Verpflichtung des Völkerbundes, der nach der Völkerbundsakts
Vei«Kied»ns Äe» ?»i l»tl lo «i e»ei»?
England hält am 18. Januar fest London, 7. Jan. Die Vereinigung der ausländischen Presse in London gab am Mittwoch im Savoy-Hotel dem englischen Außenminister Sir John Simon ein Frühstück, auf dem Simon über die politische Lage sprach. — Innerhalb der nächsten vier Wochen, so führte der Außenminister aus, würden drei große Konferenzen zusammentreten und auf jeder müsse das Foreign Office eine wichtige Rolle spielen.
Der Zeitpunkt für die Tributkonferenz sei noch nicht endgültig festgelegt. Die englische Regierung würde es als eine große Erleichterung begrüßen, wenn die Konferenz w bald wie möglich eröffnet werden könne, da auch in England die Wiedereröffnung des Parlaments vor der Tür stehe. Wenn es nicht gelinge, einen früheren Zeitpunkt als den 18. Januar oder einen Zeitpunkt etwa um den 18. Januar herum sicherzustellen, so würden einige der Minister schwerlich teilnehmen können, obwohl sie den Wunsch dazu hätten. Sir John Simon ließ durchblicken, daß dem Ministerpräsidenten Mac- Donald nur die Woche, die mit dem 18. Januar beginnt, gelegen sei. Der Schatzkanzler sei wohl auf jeden Fall verpflichtet, nach Lausanne zu gehen, und er selbst hoffe, ihn zu begleiten. — Die TributkonferenL werde kaum fchon beendet sein, wenn die Vertreter der Mächte von einem Ende des Genfer Wegs zum anderen hinüberwechseln müßten, um an der zum 25. Januar beginnenden Sitzung des Völkerbundsrates teilzunehmen. Es sei möglich, daß hier einige sehr schwierige und besorgniserregende Fragen aufgeworfen würden, die Europa und Asien angingen. Die dritte Tagung sei die am 2. Februar beginnende Abrüstungskonferenz, wobei der Minister hinzufügte, daß mit allgemeiner Zustimmung versucht werde, an diesem Zeitpunkte festzuhalten.
An jeder dieser drei Konferenzen, so fuhr Simon fort, nehme England ein ernstes In
teresse, da es sich der großen Bedeutung der vorliegenden Fragen voll bewußt sei. England werde eine Haltung einnehmen, die alle Wünsche verstehen und umfassen wolle, und er hoffe, daß auch die übrigen Staaten in diesem Sinne handeln würden. Es sei von allergrößter Bedeutung, daß auf jeder der vorerwähnten Konferenzen eine Löfung angestrebt werde, und daß man auch willens sei, eine solche zu finden. Selbst wenn die endgültige Lösung noch in weiter Ferne liege, so sollten doch alle Kräfte angespannt werden, um einen wirklichen und erheblichen Schritt nach vorwärts auf dem Wege zu einer Lösung sicherzustellen, auch wenn es nur eine Lösung in Abschnitten sein sollte.
LöseWne I?D0nt
Höchststand des Hochwasser erreicht. Einheitsfront der Not.
Dessau, 7. Jan. Das Hochwasser der Mulde hat am Mittwoch um 21 Uhr in Dessau seinen höchsten Stand erreicht. Den Bemühungen der Feuerwehr, der Technischen Nothilse, des Stahlhelms, der SA.-Mann- schaften, der Reichswehr und Hunderter von Arbeitslosen ist es gelungen, die gefährdeten Dammstücke in der Ueberschwemmungszone bei Retzau, Sollnitz und Niesau im Dessauer Kreise zu erhalten. Dank der vereinten Anstrengungen ist die größte Gefahr beseitigt. In fieberhafter Eile wurden Reservedämme angelegt, da sich das Hochwasser an mehreren Stellen bereits durchgefressen hatte.
Die Hochwasserwelle bei Dessau
Dessau, 6. Jan. Die größte Hochwasserwelle wird gegen Mitternacht in Dessau erwartet. Der Promenadenwald, der letzte Wasserschutzgürtel, und der Verbindungsweg nach dem Osten des Kreises ist überflutet. Die Häuser der Wasserstadt stehen bereits unter Wasser.
von 1919 die Pflicht habe, alle zehn Jahr« den Rüstunasstand der Völker zu prüfen.
Von den ihr zustehenden Rechten habe die deutsche Regierung keinen Gebrauch gemacht, wie sie es überhaupt versäumt habe, zielbewußte Revisionspolitik zu treiben. Die Gesundung Deutschlands sei nicht ein Wirtschaftsproblem, sondern eine Frage des Charakters.
Scharf wandte sich Rosenberg gegen den Reichskanzler Brüning, der die amerikanische Presse zusammenberufen habe, um ihr die nationalsozialistische Bewegung als „Welt in Gefahr" hinzustellen.
Man müsse mit der Auffassung der Gegner brechen und ihr die nationalsozialistische Auffassung gegenüberstellen, daß man es nicht mit Reparationen, sondern mit Kriegstributen zu tun habe, daß Deutschland in dieser Beziehung mehr als genug gezahlt habe. Bei der Erörterung der Frage der bevorstehenden Tributkonferenz wies Nosenb.'rz vor allem darauf hin, daß
im Haag von den Franzosen erneut die
Sanktionsklausel des Artikels 40 des
Versailler Vertrages in den Joungplan hineingeschmuggelt worden sei. Man habe das Scheitern des Gedankens einer sogenannten Weltdemokratie und die Verständigung mit Frankreich erlebt, und vor allem auch der Ideologie Brünings und Dietrichs, daß, ehe man zur Revision schreite, der deutsche Staatshaushalt in Ordnung sein müsse. Es sei unverständlich, daß der Kanzler in einem Augenblick, wo er sich anschicke, zur Tributkonferenz zu gehen, die Nationalsozialisten bekämpfe, die mit ihrer ganze» Kraft für eine Revision eingetreten seien.
Er betonte, daß es nicht um Sieg oder Untergang unserer nationalsozialistischen Bewegung, sondern um Tod oder Auferstehung Deutschlands gehe.
Es ist heute keine Vermessenheit mehr, wenn wir erklären, der Nationalsozialismus ist DMltschlands letzte Trumpskarte. Wird die verspielt, dann haben nicht wir, dann hat Deutschland verloren.
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Anmeldepflicht für Schußwaffen und Munition
Köln, 6. Jan. Im Hinblick auf die vor einigen Tagen von den Kommunisten angezettelte Streikaktion hat der Regierungspräsident in Köln für seinen Bezirk die Polizeibehörden angewiesen, alle Versammlungen der Kommunistischen Partei und ihrer Unter- und Nebenorganisationen bis auf weiteres zu verbieten.
Der Regierungspräsident hat ferner auf Grund der letzten Notverordnung eine Anordnung über die Anmeldung von Schußwaffen und Munition herausgegeben. Danach müssen Schußwaffen und Munition, die den Vorschriften des Gesetzes über Schußwaffen und Munition vom 12. April 1928 unterliegen, bei der Ortspolizeibehörde, in deren Bezirk sie sich befinden, angemeldet werden.