Ausgabe 
(6.1.1932) Nr. 4
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Beuth en, 5. Jan. Zum Unglück auf der Karsten-Zentrum-Grube wurde am Dienstag abend folgender amtl. Bericht aus­gegeben: „Die Rcttungsarbeiten sind weiter im Gange; es wnrde festgestellt, das, die Ttreckenbetricbe, in denen die verschütteten Bergleute arbeiteten, vollkommen zerbrochen sind. Aufräumungsnrbcitcn werden sich vor- aussichtlich noch mehrere Tage hinziehen. Es steht fest, das, keiner der Verschütteten mehr am Leben ist."

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Von Dr. Albert Krebs

Zum Jahreswechsel pflegen viele Men­schen in eine absonderliche Stimmung zu geraten. Je nach Veranlagung sehen sie Ver­gangenheit und Zukunft in dem Grau eines melancholischen Pessimismus oder in dem Sonnenlicht eines fröhlichen Optimismus. Es mag fein, daß für private Zwecke der­artige Stimmungen, gesteigert noch durch Alkohol, zum mindestens ganz angenehm, manchmal vielleicht auch ganz furchtbar sind, obwohl sogenannte gute Vorsätze meistens über den 2. Januar nicht hinausreichen. Aber für die Politik scheinen uns weder melancho­lische noch sanguinische Stimmungen zu pas­sen. Nur zu leicht versetzen sie in einem Rauschzustand, der die Dinge dann im Lichte des schwachen oder leichtgläubigen HerzenS erscheinen läßt. Aber dies Licht ist falsch wie das Licht von gefärbten Scheinwerfern. Po­litik kann nur gedeihen in der klaren hellen Beleuchtung des Tages.

Was uns die Vergangenheit gebracht hat. wissen wir. Wir haben die Illusionen zer­reißen sehen, die zwölf Jahre Ersüllungs- politik beim deutschen Volke mit viel listi­ger Kunst verbreitet und genährt hatten. Wir erinnern uns jener Tage im Juni, in denen sich alle Hoffnungen und Versprechun­gen, die man einst an den Joungplan ge­knüpft hatte, wie leerer Rauch verflüchteten und am Ende, nichts blieb, als mit einer abermaligen Bitte an Amerika, die mit dem unseligen Waffenstillstandsangebot des Herb­stes 1918 eine verzweiselte Aehnlichkeit hat­te, den Staatsbankerott in letzter Minute abzuwenden. Dann kam das von allen Spie­ßern so bejubelte Hovver-Feierjahr, es kam die Krise des Sommers mit ihren unzähli­gen Zusammenbrüchen, die die letzte große Katastrophe in greifbare Nähe gerückt schie­nen. Einschneidende Notverordnungen mit ihren aus dem nationalsozialistischen Arz- neischränkchen entlehnten Mitteln haben diese Katastrophe noch verhindert, ohne jedoch die zunehmende Schrumpfung der deutschen Wirtschaft und die wachsende Verelendung der breiten Volksmassen aufhalten zu kön nen. Im September erlitt Deutschland außerdem noch in Genf jene schmähliche Niederlage in der Zollunionfrage, die die ganze politische Ohnmacht des Reiches mit allen ihrer Würde und Ehre zerstörenden Folgen offenbar machte. Dabei wäre diefe Niederlage so leicht zu vermeiden gewesen wenn nicht der paragraphengezäumte Opti mismus des Herrn Curtius sich in falschen Erfolgshoffnungen gewiegt hätte. Auch der englische Abgang dieses Besten der deutschen Außenminister konnte die Niederlage nicht mehr ungeschehen machen.

Doch es ist falsch, allzu lange am vergan genen zu haften. Auch sind wir nicht der Meinung, daß die eigenen Kräfte allein an der Feststellung wachsen, wie dumm es doch die anderen gemacht haben. Warum sollten wir leugnen, daß im vergangenen Jahr ne­ben allem Niederziehenden und neben allen Fehlern es doch auch gelungen ist, die Tri­butfrage zu einer Weltfrage zu machen, an deren Lösung sich kein Staat mehr unbe­teiligt erklären kann. Selbst, wenn wir zu­gestehen würden, daß diese Tatsache zu einem

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Mainz, 5. Jan. Im „Mainzer Journal dem Mainzer Zentrumsblatt, veröffentlicht der Vorsitzende der Hessischen Zentrumspar­tei, Rechtsanwalt Dr. Bockius. Mitglied des Reichstages, einen Artikel „Im Jahre 1932 hinter Brüning". Es heißt darin: „Soweit es an uns liegt in Deutschland, müssen wir geschlossen auftreten. Das heißt aber nichts anderes, als daß das ganM deutsche Volk ichtbar und offen hinter den verantwort- ichen Staatsmann, den Kanzler und Außen­minister Brüning, zu treten hat. Das ist das Gebot der Schicksalsstunde Deutschlands im Anfang des Jahres 19Z2. Deshalb er­gebe sich für uns in Hessen daraus auch die Konsequenz, daß wir von jeder Partei, die mit uns in eine Regierung treten will, ver­langen müssen, daß es in Deutschland nur eine Außenpolitik gibt, die Außenpolitik der Regierung Brüning, die im Reichsrat unter- 'tützt werden muß.

ir stehen vor Wahlen in Preußen und vor der Reichspräsidentenwahl. Niemand kennt den Ausgang dieser Wahlen. Soviel erscheint gewiß: in den nächsten Jahren wird keine Partei die absolute Mehrheit erhalten. Das haben die Hessenwahlen gezeigt. Es wird im übrigen deutschen Reich genau so sein, da der katholische Volksteil dem Zen­trum die Treue hält, wenn auch alle Par­tsien rechts von ihm zerschlagen werden soll­ten. Nach allen Wahlen wird das Zentrum mitregieren müssen. (!!) Mit dem Zentrum kann man jedoch nur verantwortlich regieren und auch wohl auf weite Sicht hinaus nicht ohne Brüning, den gegenwärtigen Exponen­ten des Zentrums.

Auch die Nationalsozialisten, die danach nicht dazu kommen werden, auf Grund von Wahlen 'in Deutschland allein zu regieren, müssen sich eventuell einmal entscheiden, vom Regieren sich dauernd fernzuhalten, oder völlig verantwortlich zu arbeiten, also um­

zulernen, wie es vor ihnen schon so viele andere Parteien tun mußten. Vielleicht könnten sie in der Zukunft einmal als eine Zusammenfassung einer Rechten in einer Verantwortung eine geschichtliche Bedeutung im aufbauenden Sinne erhalten, die sie bis jetzt nicht haben. Das wäre allerdings eine Zeit, wo SS. und SA. neben den gesetzlichen Machtmitteln des Staats aufgehört hätten, zu bestehen.

Mit diesem Artikel hat das Zentrum wie­der einmal sein wahres Gesicht enthüllt. Seit Jahren bereits treibt es die gleiche Politik, indem es als Minderheit, die nur M Pro­zent der Reichstagssitze umfaßt, fast ständig den Kanzler und führende Minister stellt und so Deutschland unter eine schwarze Diktatur zwingt. Das Zentrum irrt sich, wenn es glaubt, daß es diese ultramontane Politik aus die Dauer auch gegen die deutsche Frei­heitsbewegung treiben kann. Wenn sich das Zentrum jetzt versagt — und dieser Artikel ist eine Absage an die NSDAP. — so wer­den doch. Wege gefunden werden, um ohne Zentrum das Heft in die Hand zu bekom­men. Es ist ein Unsinn von der stärksten Oppositionspartei, hinter der bereits heute 15 Million Wähler stehen, zu verlangen, daß sie die völlig und restlos gescheiterte Außen­politik des Reichskanzlers unterstützt, weil dieser ein Zentrumsmann ist. Wir behaup­ten, daß gerade diese Katastrophenpolitik all das unsagbare Elend im Jnlande verursacht hat. Die deutsche Freiheitsbewegung müßte also sich selbst aufgeben, das deutsche Volk müßte endgültig auf seine Freiheit verzich­ten und wir alle müßten uns beugen vor ultramontanen Diktaturgelüsten, wenn wir die Voraussetzungen zur Regierungsumbil­dung in Hessen erfüllen würden, wie sie das Zentrum sieht. Das' aber ist und wird immer eine Unmöglichkeit sein. —art.

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Paris, 5. Jan. Die „Depesche de Tou­louse", eines der bedeutendsten französischen Provinzbliitter mit radikalsozialistischer Fär­bung, fordert in einem Leitartikel die fran­zösische Regierung auf, die deutschen Tribut­zahlungen endgültig abzuschaffen. Frankreich werde damit die Zukunstsaussichten Hitlers für die kommenden Wahlen vernichten. Die Nationalsozialisten erzählten dem deutschen Volk Märchen über die Gründe der Krise und hätten es erreicht, daß heute die große Masse die Tributzahlungen dafür verant­wortlich mache. Wenn es gelänge, Hitler dieses Argument zu entziehen, so entziehe man ihm wenigstens Dreiviertel seiner Wähler.

Sieht man davon ab, daß selbstverständlich darum die Tribute noch nicht gestrichen sind, ist es doch interessant, zu beobachten, wie die instinktlose marxistische Presse diese Meldung in großer Aufmachung bringt, um die Schlechtigkeit der Nazis und ihre eigene Tüchtigkeit zu beweisen. Diese „politischen

Kinder" merken gar nicht, welche ungeheure Anerkennung in dieser Meldung für uns liegt, begreifen gar nicht, daß bei der leider nicht eintretenden Verwirklichung der Mel­dung Adolf Hitler einen ungeheuren außen­politischen Erfolg kraft seiner Bewegung er­rungen hätte, wie er zur Zeit größer gar nicht gedacht werden kann. Was Herrn Brü­ning nie gelingt, wäre von uns dann erreicht worden und wenn wir dann an diesem Er­folg als Bewegung zugrunde gingen — na­türlich eine Unmöglichkeit — hätten wir immer noch tausendmal mehr sür das deutsche Volk geleistet als die ganzen Re­gierungen der Nachkriegszeit. Nein, unsere Bewegung würde sich verdoppeln und die Letzten würden in Deutschland begreifen, daß die Fragen der Außenpolitik mit den natio­nalen Kräften der Nation, nicht aber mit landesverräterischen Parteien gelöst werden können. Dieser grundlegende politische Irr­tum, dem auch der letzte Zentrumskanzler zum Opfer fiel, ist im übrigen nur in Deutschland möglich.

Teil das Verdienst Brünings ist, würden wir damit der Stoßkraft unserer Idee auch nicht einem Atom ihrer Energie rauben. Nur unsere Feinde und außerdem die klei­

nen und dummen Spießer glauben, daß der Nationalsozialismus allein von den Feh­lern seiner Gegner lebe. Nichts ist irrsinniger, als eine solche An­

nahme, die ein nur allzu echtes Kind rein parlamentarisch taktischer Denkweise ist. >

Es erscheint uns durchaus nicht unmög­lich, daß Brüning auch auf der bevorstehen- oeii Regierungskonferenz einige Erfolge er­zielen wird. Vielleicht gelingt ihm sogar die endgültige Beseitigung der Tribute oder doch wenigstens die Erreichung eines so lan­gen Zahlungsaufschubes, daß es nachher eine Rückkehr zur Reparationspolitik nicht mehr gibt. Aber was hat das alles mit den letzten Zielen des Nationalsozialismus zu tun! Ge­wiß, die Tribute sind eine Lebensfrage für unser Volk, aber doch nur in dem Sinn, daß wir ohne ihre Beseitigung als Nation unter­gehen müssen. Sie sind ein Hindernis das wi-x niederreißen müssen, um überhaupt wie­der' atmen und unsere Glieder bewegen zu können. Aber hinter diesem Hindernis baut sich schon ein neues auf, das heißt Ver- sailler Vertrag und auch hinter seiner Ueber­windung harren hundert Fragen und Prob­leme ihrer Antwort und ihrer Lösung!

Wollen wir vergessen, daß wir schon vor dem Krieg ein Volk ohne Raum waren, in dessen Enge Ströme der Kraft und der Gestaltungsfähigkeit versiegten oder zu zer­störenden Fluten des Klassenhasses und der Zwietracht wurden.

Wollen wir vergessen, daß in Europa 80 Millionen Deutsche leben, in deren Herzen der tausendjährige Traum von dem großen, die zweitausendjährige Kultur des Abend­landes schirmenden Reich der deutschen Na­tion wohnt?

Wollen wir vergessen, daß die Marien­kirche in Danzig, das Münster in Straß­burg, der Stephansdom in Wien auf einst­mals deutschem Boden stehen, daß im Rat­haus zu Eger tschechische Beamte Hausen, daß. in der Heimat von Andreas Hofer und Wal­ter von der Vogelwside die deutsche Sprache verboten ist?

Wollen wir vergessen, daß man dem größ­ten Soldatenvolk der Erde seine Waffen weggenommen hat, wie einem auffrühreri- schen Negerstamm und Deutschland ohne Schutz seiner Grenzen der Willkür raub­gieriger bis an die Zähne bewaffneter Nach­barn preisgegeben ist?

Wollen wir vergessen, daß seit ungefähr 60 Jahren Millionen von Proletariern an die Tür des deutschen Volkes und Staates klopfen und Einlaß und würdige Behausung fordern?

Wollen wir vergessen, daß wir einst an­traten mit dem Anspruch, eine neue soziale Ordnung zu schaffen, in der das von ma­terialistischen Interessen und von der Macht des Goldes in sich zerfleischende Haufen zer­rissene Volk wieder zu emer organischen Einheit zusammenwachsen sollte?

Nein, wir haben nichts vergessen und dar­um lachen wir über die kindlichen Hoffnun­gen jener, die sich einbilden, uns abwürgen zu können, wenn sie einige unserer For­derungen selbst erfüllen. Dabei wäre eine deutsche Außenpolitik im Augenblick über­haupt nicht mehr möglich, wenn es keine nationalsozialistisch? Bewegung gäbe. Mit den Herren Breitscheid und Genossen wären Briand und Laval bereits im September fertig gewesen. Denen hätte man damals einen französischen Kredit bewilligt und da­mit das deutsche Volk und seine Zukunft im