Ausgabe 
(21.12.1931) Nr. 167
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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15 Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Berlin, 21. Dezbr. Das Reichskabinett wird, nach einer Meldung des „Montag", am Dienstag über eine sogenannte „Kleine Notverordnung" Beschluß soffen, in der eine Reihe von Fragen geregelt wird, die nicht in den einheitlichen Rahmen der Notverordnung vom 8. Dezember aufgenommen werden konnten. Es handelt sich dabei um Bestim­mungen, die u. a. das Gebiet der Binnen­

schiffahrt und der Veterinärpolizei berühren. Eine Verlängerung des politischen Weih­nachtsfriedens über den 3. Januar hinaus und eine Verkündung von Schutzmaßnahmen gegen die Stnatsvcrleumder kommen, wie von zuständiger Seite erklärt wird, nicht in Be­tracht. Zur Vorbereitung der „Kleinen Not­verordnung" wird sich das Kabinett Montag versammelcn.

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Paris, 21. Dezbr. In französischen poli­tischen Kreisen wird die Ablehnung jeden Schuldennachlasses durch Amerika mit einer o gewissen versteckten Befriedigung aufgenom- « men. Diese Stimmung erklärt sich selbstver- n stündlich daraus, daß die französische amtliche Politik die Schulden und die Tributfrage u grundsätzlich miteinander verbindet und vor ^ der Tributkonferenz nicht gern auf Zu­geständnisse zugunsten Deutschlands festgelegt werden will. Man nimmt den amerikanischen Standpunkt als Bestätigung und Festigung der eigenen Meinung zur Kenntnis.

Das „Journal" erklärt, daß man angesichts der Haltung des amerikanischen Kongresses Deutschland keinerlei Zugeständnisse mehr machen könne. Auch hinsichtlich des geschütz­ten Teiles der Tribute sei jede französische Nachgiebigkeit ausgeschlossen.

Man rechnet hier jetzt ziemlich fest damit, daß die Regierungskonferenz am 15. Januar zusammentreten wird, verspricht sich jedoch keine großen Entscheidungen von ihr. Was die Baseler Verhandlungen angeht, so ist man der Meinung, daß sich der französische Standpunkt durchsetzen werde Eine Schwie­rigkeit bestehe noch in der Festsetzung der Moratoriumsdauer für die geschützten Tri­butzahlungen.

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Kassel, 21. Dezbr. Durch die Polizei wurde ein großes kommunistisches Waffenlager auf­gedeckt. Sie beschlagnahmte u. a. 13 Ge­wehre, darunter Militär- und Jagdgewehre,

> große Mengen Sprengstoff, Zündschnur und i Patronentaschen, mehrere 100 Schuß Ge­wehrmunition. Vier Kommunisten wurden verhaftet, die heute noch dem Richter vor­geführt werden sollen.

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Wie Mainz „abgerüstet" wird Niederreißung aller ehemaligen militärischen Gebäude

Mainz, 20. Dez. Nachdem kurz vor dem Abzug der französischen Besatzung sämtliche alten Festungswerke rings um die Stadt in Trümmer gelegt wurden, soll das Zerstö­rungswerk jetzt seine Krönung erfahren durch die Niederreißung aller massiven Gebäude in Mainz, die früher militärischen Zwecken dienten. Es sind dies etwa ein halbes Dutzend Kasernen, das große massive Ge­bäude des einstigen Proviantamtes, der um­fangreiche Jndustriekompler der früheren Konsernvenfabrik, die 50 Meter hohen Funk- türme am Gautor und anderes. Mit dem

Abbruch der aus dem Jahre 1865 stammen­den Prinz Karl-Kaserire ist schon begonnen worden. Die Abbruchkosten für diesen Bau

stellen sich auf 65 000 Mk., die Kosten für das ganze Zerstörungswerk gehen in die Hunderttausende. Dübei ist diese ganze kost­spielige und sinnlose Vernichtung wertvoller Bauwerke auf „Abrllstungskonto" nur des­wegen notwendig, weil die gegenwärtige schwere Wirtschaftskrise eine Verwendung der Bauten für wirtschaftliche Zwecke nicht möglich macht.

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Offene Revolutionsdrohung der Marxisten nach dem Freisprach im Grazer Heimwehr- Prozeß

Wien, 20. Dez. Die Sozialdemokratische Partei Oesterreichs nimmt den Freisprach Dr. Pfrimers zum Anlaß, um ihre Mitglie­der zum äußersten Widerstand gegen Staats-

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Preußische Regierungsvertreter als Gäste bei Rcichsbanncr-Bürgerkriegs-Film-Vor- führungcn

Berlin, 21. Dezbr. Im Demokratischen Klub fand gestern abend ein Jnformations- Abend statt, bei dem zwei Filme vorgeführt wurden, die ein Bild von der militärischen Ausbildung des Reichsbanners gaben.

Ist die Tatsache allein schon geeignet, größtes Aufsehen und ernsteste Besorgnis zu erregen, so muß es als geradezu unverständ­lich bezeichnet werden, daß Behördenvertreter dieser Veran­staltung, die doch nur den Zweck haben kann, die Bürgerkriegs-Tauglichkeit des Reichsbanners zu beweisen, nicht nur etwa als Beobachter, sondern sogar als Gäste und Redner beiwohnten.

Das amtliche Wolffsche Telegrafen-Büro berichtet wonnegrunzend, daß der Vizepoli­zeipräsident Dr. Weiß, der preußische Staats­

sekretär Dr. Abegg, der Berliner Schupo- koMmandeur Heimannsberg und andere polizeiliche Würdenträger der Veranstaltung beiwohnten. Im Zeichen der Notverordnung ist es unmöglich, hierzu das zu sagen, was gesagt werden muß. Zwei Fragen seien aber doch erlaubt:

1. Wollte man mit dieser gemeinsamen Kungebung der Öffentlichkeit etwa zeigen, daß die Ausrüstung des Reichsbanners mit Schupo-Uniform, von der verschiedene Blät­ter zu melden wußten, nicht nur Zufall sein?

2. Was sagt der Reichsinnenminister Groe- ner dazu, daß das Reichsbanner von amt­lichen preußischen Stellen auf seine Tauglich­keit geprüft wird?

Vielleicht lohnt es sich doch einmal, daß der Reichsinnenminister sich mit diesen Vor­kommnissen beschäftigt, die sicherlich nicht zur Festigung des „Weihnachtsfriedens" dienen können.

exekutive und Regierung aufzuputschen. In einem

Hctzaufruf der Sozialdemokratie

heißt es u. a.: „Diese Republik ist verraten und verkauft von denen, denen ihre Sicher­heit vertraut ist! . . . Darauf, daß die Staatsgewalt die Republik verteidigen wer­de, können wir uns nicht mehr verlassen. Wir werden unsere Freiheit das nächste Mal selbst verteidigen müssen I

Die Vorbereitungen unserer Abwehr schleunigst zu vollenden — das muß un­sere Antwort auf das Urteil von Graz und auf die Schüsse von Voitsberg sein! Dann — Genossen — aus den Trümmern des geschlagenen Faschismus wird das wahre Volksgcricht über die Faschisten tagen."

Sehr richtig bemerken die großdeutschen „Wiener Neuesten Nachrichten": „Wir stehen nicht an zu erklären, daß dieser Aufruf der So-zialdemokraten uns bedeutend interessan­ter, ja sensationaller erscheint als der Frei- spruch der Grazer Geschworenen, mit dem man vom ersten Prozeßtage an gerechnet hat . . . Dieses Urteil wird vermutlich wenig politische Wirkung haben. Anders steht es um den sozialdemokratischen Aufruf, der mit unverhüllten Worten geradezu zum Bürger­krieg herausfordert. Der Aufruf bedeutet, zumal da unmittelbar auch die Regierung aufs schärfste angegriffen wird, eine neue beträchtliche Verschärfung der politischen Ge- samtlage."

Verschiebung der Abrüstungskonferenz

Genf, 19. Dez. Nach den letzten diploma­tischen Verhandlungen zwischen den europäi­schen Hauptstaaten rechnet man, wie aus gut­unterrichteter Quelle verlautet, mit der Mög­lichkeit, daß die englische Regierung bereits in der nächsten Zeit einen Antrag auf eine zwei- bis dreiwöchige Verschiebung der zum 2. Februar festgesetzten Abrüstungskonferenz stellen wird.

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Der Vorsitzende begann mit der Verneh­mung des Zeugen Schlickriede, Natio­nalsozialist, der von der Totenfeier im Ca- sino kam und seinen Weg durch die Birken- und Falkenstraße mit einigen SA.-Kame- raden zusammen nahm. In der Weidestraße wurde er überfallen. Schläge wie Trommel­feuer rasselten auf ihn nieder, Schlag aus Schlag traf den alten Mann, der nur da­durch vor dem sicheren Tode bewahrt wurde, daß er mit seinen Händen den Hut auf dem Kopf festhielt. Mit Totschläger und Spaten haben feige Reichsbannerleute, acht Mann stark, auf einen alten, wehrlosen Mann los­geschlagen. Der Zeuge Schlickriede hat Kopf-, Hand und Seitenverletzungen davongetragen und ist heute noch in ärztlicher Behandlung. Auch bei eindringlichem Befragen des Vor­sitzenden bleibt der Zeuge dabei, daß Öster­lich der Haupttäter ist: Der Mann ist es ge­wesen, sagt mit Bestimmtheit der Zeuge. Später hat Osterloh dann zur Seite ge­standen und seine Genossen mit den Worten:

Haut den Lump tot, ermuntert. Von den beiden anderen zu diesem Vorfall Mitange­klagten Reichsbannerleuten glaubt der Zeu­ge Langenbest wiederzuerkennen. Zeuge Pg. Schlickriede, der als Nebenkläger zugelassen ist, bringt trotz seiner schweren Verletzungen, die ihm von feigen Reichsbannerbuben bei­gebracht wurden, noch die Anständigkeit auf, die Leute, die über ihn herfielen, als ver­hetzte von ihren Führern zu bedauern.

Die nächste Zeugin, Frau Piokowski, hat die Vorfälle in der Weidestraße mit an­gesehen, sie schildert sie in ähnlicher Weise wie Pg. Schlickriede angegeben hat. Sie gibt eine anschauliche Darstellung von einem Vorfall, bei dem ihr ein junger Mann im blauen Hemd mit der Faust gedroht und gerufen habe: Ihr Arbeitermörder, das pas­siert jetzt jeden Tag! Es wird aber von Seiten der SAP. behauptet, daß die Zeugin sich irren müsse, und daß der Angeklagte Mauerhoff, den sie wiedererkennen will, nicht die Drohung ausgestoßen hat. Der Zeuge Härtung, Jungsta, hat gesehen, daß auf

einen alten Mann in der Weidestraße in viehischer Weise losgeschlagen wurde. Er beobachtete das Rollkommando des Reichs­banners, das auf Rädern die Gegend un­sicher machte. Den alten Herrn Schlickriede sah er dann bei F. W. Neukirch am Garten­gitter lehnen, er blutete. Den Angeklagten Langenbeck will der Zeuge als Schläger Schlickriedes wiedererkennen, kanh,^ es aber nicht mit Bestimmtheit angeben. ^

Der Oberstaatsanwalt gibt bekannt, daß gegen den Angeklagten Osterlcit noch ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletz­ung, begangen an einem SA.-Mann, schwebt.

Pg. Dr. med. Thyssen

als Zeuge und Sachverständiger vereidigt, gibt an, daß Pg. Schlickriede nach Anlegung der ersten Verbände von ihm behandelt ist. Am Kopf hatte der Verletzte mindestens ein Dutzend Schlagverlctzungcn davongetragen, die Hände waren stark geschwollen/an einer Hand wird eine Knochenhantverhärtung nicht geheilt werden. Daß Pa. Schlickriede am