Ausgabe 
(15.12.1931) Nr. 162
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Essen, 14. Dez. Wie das Rheinisch-West­fälische Kohlenspndikat auf Anfrage mitteilt, ist es dem Ruhrkohlenbergbau wegen seiner wirtschaftlichen Notlage unmöglich, die Koh- lenpreise vor dem in der Notverordnung vorgesehenen Termin, d. h. 1. Januar 1932, herabzusetzen. Die Ankündigungen einer vorzeitigen Preisermäßigung erweisen sich damit als hinfällig.

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Werlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM. 1,90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die lOgesp, Nonp.-Zeile Rm. 0,25, aus- Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im wärts Rm. 0,30, im Textteil die 4gespalt. Textzeile Rm. 0,80, aus- Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot, Aussperrung wärts Rm. 1,—. Stellengesuche u. Familien-Anzeigen Rm. 0,10. bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878 usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugspr. Kleine Anzeigen Rm. 0,15. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

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Gleich der erste Prozeßtag brachte eine große Ueberraschung. Alle SAP.-Leute, die 4 Wochen vor dem 9. November erklärt hat­ten, in 4 Wochen würden sie alle Braun­hemden in Bremen vernichtet haben, alle diese „Helden" wurden vor dem hohen Ge­richt zu stammelnden Unschuldslämmern, die bei einem harmlosen Vergnügen aufgestört von bis an die Zähne bewaffneten Nazis überfallen und zusammengeschlagen wurden, soweit sie nicht rechtzeitig flüchten konnten.

Man hat wohl selten eine solche Samm­lung kläglich Mißhandelter auf einem Hau­fen gesehen wie hier. Besonders grotesk wird dieses Ergebnis noch durch die Tat­sache, daß wahrscheinlich keiner von diesen Helden seiner blutigen Untaten wird über­führt werden können, weil weder der tote Decker noch die anderen Schwerverletzten als Blutzeugen gegen sie auftreten können. Wie Decker seinen tätlichen Stich erhielt, wie die Dutzende von schweren Spatenverletzungen bei unseren SA.-Leuten entstanden sind, das scheint ein ungelöstes Rätsel — jedenfalls für Las Gericht — bleiben zu sollen. Dennoch könnten dann auch die Strafen auf die glei­chen Leute fallen, die als Ueberfallene schwer verletzt wurden.

Die Vernehmung der SAP.-Leute brachte manch heiteren Moment in die Verhand­lung, wenn es auch deutlich zu erkennen war, daß bestimmte Verabredungen vorla­gen. Aber wie das immer der Fall ist, im Kreuzfeuer der Fragen verließ sie das aus­wendig gelernte Konzept, sie gerieten ins Stottern und die einzelnen SAP.-Leute be­gannen sich heillos zu widersprechen. Der Vorsitzende stellte schließlich reichlich erbost fest: „Ich bekomme von den SAP.-Leuten keine einzige Aussage, die zu der vorher­gehenden paßt." Die einen behaupten, vor den anstürmenden Nazis gleich geflüchtet zu fein, — einer bis in den Stadtgraben hin­ein — ein anderer sein Fahrad wegbringen, ein Dritter seine Frau vom Theater abho­len, ein Vierter nach Haus gehen zu wollen und schließlich kam in dummdreist-theatrali­schem Ton ein Sechster auf die Ausrede nur „aus Gründen der Menschlichkeit" auf die Straße gelaufen zu sein, um eventuell Ver­wundeten zu helfen. Toller kann man die Entstellung wohl kaum treiben und auch der Vorsitzende hatte Mühe, den unsinnigen Redeschwall dieses Edelmarxisten zu dämp fen. Ein anderer wiederum, der in seinem Polizeiprotokoll davon gesprochen hat, daß er immer der erste gewesen sei, behauptet jetzt, stets der letzte gewesen zu sein. So schwanken die Aussagen hin und her und ein klares Bild ist von dieser Seite nicht zu gewinnen, es sei denn. man glaubt ihnen, daß keiner von ihnen einen SA.-Mann be­rührt hätte und diese sich ihch-'e Verletzungen selbst beigebracht haben.

Bemerkenswert ist lediglich die immer wiederkehrende Behauptung, daß alle durch unsinnige Gerüchte aufgeputscht worden seien, deren Quelle mehr oder weniger aus dem Volkshaus stammt. Einer sagt denn schließlich auch ganz offen: „Das habe alles in der „Volkszeitung" gestanden", eine Er­kenntnis, die z. B. der Polizeipräsident von Bremen schon lange gehabt hat.

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Hindenburg soll nach Amerika

Washington, 14. Dez. Der Abg. Collins (Demokrat) forderte in einer Rede im Re­präsentantenhaus den Präsidenten Hoover auf, Reichspräsident von Hindenburg sofort zu einem Besuch in Washington einzuladen. Deutschland sei bisher von den Vereinigten Staaten „nebensächlich" behandelt worden. Falls Hindenburg nicht in der Lage fei, der Einladung Folge zu leisten, tollte er einen Vertreter entsenden. (Soll Meißner mit­fahren?)

Collins kritisierte die Annahme des Pa­riser Standpunktes in der deutschen Frage

durch den Präsidenten Hoover heftig und wies darauf hin, daß Deutschland in der europäischen Politik die wichtigste Rolle spiele und der Mittelpunkt der Kreditkrise sei. Mit bitteren Worten wandte sich Col­lins dagegen, daß die Washingtoner Regie­rung den Deutschen nicht die gleiche Gelegen­heit zur Darlegung ihres Standpunktes ge­geben habe wie den Franzosen.

„Warum hat Hoover den deutschen Standpunkt zurückgewiesen, warum hat er das Vorhandensein dieser edlen Nation, die 28 v. H. unserer Bevölkerung stellt, unbeachtet ge­lassen?"

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In der Sitzung der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion am Montag nachmittag wurde eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:

„Die Notverordnung vom 8. Dezember ist von einer Regierung erlassen, der kein So- zialdemokrat angehört. Die Sozialdemokra­tische Reichstagsfraktion lehnt jede Verant­wortung für jene Teile der Notverordnung ab, die eine neue Belastung der Arbeiter, Angestellten und Beamten mit sich bringen. Sie erhebt gegen die Eingriffe in das Ta­rifrecht, gegen die Senkung der Löhne, Ge­hälter und Sozialrenten schärfsten Protest. In ihrem Bestreben, die schädlichen Bestim­mungen der Notverordnung durch erträg­liche zu ersetzen, findet die Sozialdemokrati- che Reichstagsfraktion bei den Parteien der verantwortungslosen Opposition keine Un­terstützung. Sie ist nicht in der Lage, mit ihnen eine Regierung bilden zu können, die die Verordnung vom 8. Dezember durch eine bessere ersetzt. Ein Aufhebungsbeschluß des Reichstages kann deshalb eine praktische Wirkung nicht haben. (!) Eine politische Krise im gegenwärtigen Augenblick würde aber nur die Verwirrung steigern, die Ver­handlungen mit dem Auslande ins Stocken bringen, die Wirtschaftskrise und mit ihr das Massenelend verschärfen. Notwendig ist es, die besonderen Härten, die die Notver­ordnung für einige Arbeiterkategorien mit sich bringt, zu beseitigen. Durch stärksten Massendruck muß dahin gewirkt werden, eine Verbilligung der gesamten Lebenskosten

zu erreichen, die zu den Lohnkürzungen den notwendigen Ausgleich schafft. Unter Hin­weis auf die Erklärung der Reichsregierung, daß es vornehmste Pflicht der Regierung sei, darauf zu achten, daß der jetzige Stand von Löhnen und Gehältern nur bei einem ent­sprechend tiefgehaltenen Stande aller Preise aufrechterhalten bleiben könne, erklärt die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion, daß auch für sie eine neue Lage entstanden sein werde, wenn sich herausstellt, daß die Sen­kung der Preise mit jener der Löhne nicht Schritt hält. Sie behält sich für diesen Fall ihre weiteren Entschlüsse vor.

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Berlin, 14. Dez. Wie TU. erfährt, hat der Führer des Reichsbanners, Hörsing, einen längeren Urlaub angetreten. Die vorläfige Führung des Reichsbanners übernimmt der bisherige 2. Bundesführer des Reichsbanners und Hauptschriftleiter der sozialdemokrati­schen „Volksstimme" in Magdeburg, Hinter­mann. Die Bekanntgabe des endgültigen Rücktritts Hörsings von der Leitung des Reichsbanners dürfte in Kürze erfolgen. Die endgültige Entscheidung fällt in der Bundes­vorstandssitzung am Mittwoch. In dieser Sitzung wird auch über die Verlegung des Sitzes des Bundesvorstandes von Magdeburg nach Berlin beschlossen werden.

Die „Volkszeitung" dagegen ist natürlich weiter bemüht, ihre eigene Schuld und die ihrer Freunde auf die NSDAP. abzuwäl­zen. Ihre gestrige Ausgabe ist wieder aus­schließlich diesem Zweck gewidmet, wenn sie auch gleich zu Beginn ihres Berichtes ihr ganzes Lügengebäude selbst zum Einstürzen bringt. Sie schreibt nämlich, daß man sich nur dann ein richtiges Bild von den Vor­gängen machen könne, wenn man die „Stim­mung" in Betracht zieht, auf deren Boden die Auseinandersetzungen erst entstanden sind. Bisher haben alle Angeklagten als Be­gründung ihrer Stimmung und Alarmbe­

reitschaft den Wust unsinniger Gerüchte an­gegeben, der am 9. November und vorher von der „Volkszeitung" zu durchsichtigen Zwecken in Umlauf gesetzt worden waren, der kümmerliche Versuch aus unserem Artikel „Endkampf um Bremen" die Aufforderung zu einem Ueberfall mit Spaten und Mes­sern herauszulesen, ist kläglich gescheitert.

Es ist selbstverständlich, daß die „Volks­zeitung" dem Gericht vorgreift und die An­klageschrift des Staatsanwaltes in demagogi­scher Weise tür sich ausschlachten. Wir wer den auf diese Darstellung zu gegebener Zeit zurückkommen. —art.

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Berlin, 15. Dez. In einem Interview an. International News Service nimmt Reichs­wehrminister Dr. Groener eingehend Stel­lung zu der Frage, ob die französische An­sicht von der Ueberlegenheit des deutschen „potentiel de Guerre" berechtigt ist und be­zeichnet zunächst die immer wieder vorgs- brachke Behauptung von dem militärischen Wert der deutschen Wehrverbände als eine Legende. Militärischer Wert könne nur auf einer sorgfältigen militärischen Schulung und auf der Uebung im Waffengebrauch be­ruhen. Beide Voraussetzungen fehlten bei den deutschen Wehrverbänden vollständig.

Außerdem fehle es ihnen an Waffen jeder Art; die alten Bestände seien vernichtet. Neu­anfertigungen dürfen nur in wenigen, ge­nau vorgeschriebenen Fabriken erfolgen. Die übrige Rüstungsindustrie Deutschlands sei zerstört. Die Reichswehr selbst verfüge nur über eine Garnitur an Waffen und Aus­rüstung, sei also nicht in der Lage, im Kriegsfall die Wehrverbände zu bewaffnen.

Den französischen Vorschlag auf Schaffung einer Völkerbund-Luftflotte lehnt Groener ab. Die jetzigen Vorgänge in der Man­dschurei zeigten die Schwierigkeiten für die Aufstellung einer militärischen Exekutiv­macht des Völkerbundes. Außerdem fetze eine solche die Preisgabe eines Teiles der staatlichen Souveränität der Völkerbunds­mitglieder voraus, während gerade Briand als die Grundlagen des Völkerbundes die Souveränität der Staaten und die Gleich­heit ihrer Rechte genannt habe.

Das Gebot der Stunde heiße Ab­rüstung und nicht Sabotage durch Auswerfen von Problemen, deren Lösung entweder undurchführbar oder erst in ferner Zukunft möglich sei.

Auf die Frage, wodurch Deutschland sich in seiner nationalen Sicherheit bedroht fühle, verweist der Reichswehrminister auf den ge­waltigen Unterschied zwischen den Rüstungen seiner Nachbarn und seiner Entwaffnung. Hinter den aktiven Friedensheeren der Nach­barn Deutschlands, die fast eine Million stark seien, ständen nahezu 10 Millionen aus­gebildeter Reserven, für die eine ungeheure Bewaffnung und Ausrüstung in den Arse­nalen bereitliege. Die Grenzen der Nach- barn seien außerordentlich stark befestigt, während Deutschland an seiner Westgrenze eine entmilitarisierte Zone habe und auch an der Ost- und Südgrenze keine Befestigun­gen anlegen dürfe. Der Minister zeigte dann noch im einzelnen auf, wie das gleich» Mißverhältnis der militärischen Stärke auch in der Seerüstung besteht und erklärt zum Schluß: „Aus diesepr Unterschied an Recht und Macht und aus den feierlichen Ver­pflichtungen der Siegermüchte, dem deutschen Beispiel in der Abrüstung zu folgen, er- geben sich die Grundsätze der deutschen Ab- rüstungspolitik. Sie lassen sich in die kurzen Worte zusammenfassen: Gleichberechtigung, Gleichheit in den Methoden der Abrüstung und gleiche Sicherheit für alle Völkerbunds-