Ausgabe 
(19.11.1931) Nr. 158
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Vor einigen Tagen ist der sozialdemokra­tische Fraktionsführer im Gemeindeparla­ment in Neustadt (Baden), Blasius Müßle, zur NSDAP. übergetreten. Müßle, der be­sonders im Hochschwarzwald unter den Bau­ern großen Anhang hat, gehörte früher zu den eifrigsten Bekämpfern der national­sozialistischen Idee.

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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM. 1,90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die lOgesp. Nonp.-Zeile Rm. 0,25, aus» Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im wärts Rm. 0,30, im Textteil die 4gespalt. Textzeile Rm. 0,80, aus« Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot, Aussperrung wärts Rm. 1,—. Stellengesuche u. Familien-Anzeigen Rm. 0,10. bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878 usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugspr. Kleine Anzeigen Rm. 0,15. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

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Die nächste Sitzung der Bürgerschaft um eine Woche verschoben!

Wenn die Bremer Bevölkerung bisher schon für die ganzen letzten Bürgerschafts­verhandlungen kein Verständnis mehr zeigte, so muß man wohl sagen, daß bei Bekannt­gabe der Aufschiebung dieser fieberhaft er­warteten Bürgerschaftssitzung die Geduld der Bremer Bevölkerung doch allzusehr auf die Probe gestellt wird. —

Ganz Bremen hat bestimmt damit gerech­net, daß in der kommenden Bürgerschafts­sitzung der jetzige Senat durch einmütigen Beschluß aller deutschdenkenden Vertreter des Landtages abgesetzt wird, nachdem keiner dieser Herren den Mut aufbringen konnte, von sich aus, aus einem Amt zu scheiden, das länger zu verwalten er nach dem Erlebten und Versäumten weder fähig, noch berech­tigt war. —

Handelte es sich bisher darum, diesem Se­nat das höchste Mißtrauen in finanzieller und verwaltungstechnischer Beziehung aus- zusprechen, nachdem unter seiner glorreichen Tätigkeit die Finanzen und der gute Ruf Bremens in Grund und Boden gestampft sind, so haben die traurigen Ereignisse der letzten Woche obendrein noch den Beweis er­bracht, daß diese Regierung überhaupt nicht mehr die Kraft aufbringen kann, zu regieren. Wer regiert in Bremen? Mord und Tot­schlag in den Straßen; Reichsbanner unter Führung von marxistischen Polizeibeamten. Was sagt zu alledem der regierende Bür­germeister -?

Es ist soweit gekommen, daß anständige Menschen bei einbrechender Dunkelheit ohne für Gut und Leben besorgt fein zu müssen, nicht mehr über Bremens Straßen gehen können. — Der Meuchelmord lauert mit dem geräuschlos arbeitenden Dolch in den zahl­reichen dunklen Gängen und Türnischen mit­ten in Bremens Mauern; Meuchelmord, der Lurch aufreizende Zeitungen, deren eine auch sogar von Regierungsseite aus als „Regie­rungsblatt" bezeichnet wurde, heraufbeschwo­ren ist. —

Mit geballten Fäusten geht der Bremer durch die Straßen, nur noch mühsam nieder­gedrückt durch die einseitig angewandten Notverordnungen. — Wie leicht kann die andere Seite einen Funken in dieses Pulver­faß werfen und die Explosion herbeiführen, und das sonst so ruhige und friedliche Bre­men in die Flammen des Bürgerkrieges hin- einreißen.

Wie wenig Wert ein dem politischen Mord zum Opfer gefallener Deutscher dem Bremer - Senat doch ist! Wir sehen dieses an den Litfaßsäulen. — Für die Ergreifung eines Mörders an einer Dirne wurden in anderen Plätzen Belohnungen von 5000 Rm. ausge­setzt, für die Ergreifung eines Mörders an einem deutschen Arbeiter hat man sich zu 500 Reichsmark aufgeschwungen! Für 500 Mk. verrät kein Mordkumpan seinen Genossen, man verdient ja im Dienste der Sache schon mehr!!!

Das Volk versteht diese Svrache allzu deut­lich. — Die „regierenden Köpfe" Bremens scheinen mit den Sorgen um ihre eigene fi­nanzielle Krise kein Verständnis mehr für die Volksseele zu haben. —

Wir sind fest überzeugt, daß der Mord an dem nationalsozialistischen Arbeiter Decker bis ein Volksgericht alle Schuldigen zu richten hat, genau so ungesühnt bleiben wird, wie der Mord an dem Nationalsozialisten Gössel.

In der Bürgerschaftssitzung dieses Frei­tags sollte und mußte der Senat verschwin­den. — Er wird uns noch 8 Tage, vielleicht auch länger, erhalten bleiben. —

Was hält ihn? Was hält die Männer da­von zurück, die Konsequenzen zu ziehen? Treten sie nicht freiwillig zurück, weil sie dann ihrer Pensionen verlustig gehen?

Die Bürgerschaftssitzung wird verschoben und dies ist nach Aussage der Schünemann- Presse nur zu begrüßen. Sehr verständlich für diese Herren!

An das Vertuschungssystem hat man sich in Bremen ja gewöhnt. Nur Zeit gewin­nen, bedeutet für die Vertreter des heuti­gen Systems, alles gewinnen. —

Meine Herren, das war Wohl möglich in einer Zeit, da der größte Teil -der Bremer Bevölkerung aus feisten satten Bürgern be­stand; nicht aber in einer Zeit, wo Hun­derttausende in Not und Elend versinken, wo Frau und Kind nach Brot jammern.

Acht Tage diese Regierung länger bedeu­tet für unser Volk acht Tage Not und Elend länger, acht Tage Lug und Trug länger, acht

Tage, in denen der letzte Lebenssaft aus dem deutschen Volkskörper länger in die Ta­schen der Bonzen und Nutznießer des alten Systems ungehemmt fließt, acht Tage in denen es möglich ist, noch gründlicher die Spuren der Mißwirtschaft zu verwischen, acht Tage in denen vielleicht noch mehr Blut in der Terroraktion gegen die aufrechten Kämpfer fließen kann.

Meine Herren, die Wunden, die ihre Miß­wirtschaft geschlagen, wird keine Zeit heilen; Generationen hindurch wird die Wunde offen bleiben für unser Volk, die ihre Regie­rungskunst in die Finanzen des Bremer Staates geschlagen hat. — Keine Zeit wird jemals die Toten erwecken, aber auch nicht dieselben aus unserem Gedächtnis verwi­schen, die unter ihrer macht- und kraftlosen Regierung gefallen sind.

Heute kämpft das System um „woylsr- worbene Rechte", um Gehalt und Pensionen. Das deutsche nationalsozialistische Volk wird dereinst diese „wohlerworbenen Rechte" m wohlverdientem Umfange auszahlen.

Deutschland ist erwacht und kann selbst

nicht durch Mord und Totschlag noch ein­mal in den marxistischen Traumzustand tcr- setzt werden; , von denen aber, die düsies System verkörpern, wird genau so, wie von denen die es gestützt und solange an der Macht gehalten haben, Rechenschaft gefor­dert werden. Ihnen allen wird das „wohl­erworbene Recht" werden.

Auch die Bremer Bevölkerung ist endlich erwacht. — Die Bremer Bevölkerung wird entscheiden, ob der Marxismus oder der Nationalsozialismus in Zukunft Bremens Geschicke lenkt. — Bremen ist in der glück­lichen Lage, nicht das schwarze Zünglein on der Waage befürchten zu müssen. — Bre­men wird reinen Tisch machen nit den schwammigen Mittelparteien, die Bremens Ruf und Bremens Wohlstand, Bremens Ruhe und Frieden vernichtet haben. — Die Politik Bremens wird in Zukunft nicht mehr an den Stammtischen des Ratskellers gemacht werden. Wer den Marxismus unter­stützt, soll mit ihm getroffen werden! Wer uns die Hand reicht zum Kampf für Eine, Freiheit und Brot, soll unser Freund ieinj Noch ist es Zeit; das Volk wird richten!

Kein kiliMiileii gegen ilne kiirlüdsnner!

Die AssImmIkclM mIW ils! Verteil niecker!

Noch steht die ganze Bremische Bevölke­rung in kaum gezügelter Empörung unter dem Eindruck der Mordnacht vom 9. Novem­ber, der noch durch die unverständliche Ver­schiebung der Bürgerschaftssitzung verstärkt wurde, und schon hören wir von einer neuen Nachricht, die wiederum nur dazu angetan ist, unser Mißtrauen gegen das System zu verstärken. Die Staatsanwaltschaft Bremen hat das Verfahren gegen die Bremer und Hamburger Reichsbannerleute eingestellt, die am Sonntag, 11. Oktober mit einigen 100 Mann über einen kleinen SA.-Trupp am Friedrich-Ebert-Haus hergefallen sind. Das Reichsbanner war scheinbar nur zu diesem Zweck aus Hamburg herübergekommen und ist dann über einzelne SA.-Leute mit Spaten Eisenstangen, Gummiknüppeln und Messern hergefallen. Unsere SA.-Leute waren un- bewaffnet und konnten sich nur mit Schulter­riemen und Koppeln zur Wehr setzen. Eine Reihe von erheblich Verletzten mußten wir beklagen, weil die blaue Polizei viel zu spät eintraf und auch der Ueberfallwagen erst aus der Staderstraße herankommen mußte.

, Wir mußten bestimmt damit rechnen, daß eine große Zahl von Reichsbannerleuten we­gen schweren Landfriedensbruchs vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden würden. Bei dieser Gelegenheit hätte dann auch die Machenschaft des Polizeibeamten Vogt auf­geklärt werden können. Aber die Staatsan­waltschaft hat, wie wir hören, das Verfahren eingestellt und keiner der Täter wird vor Gericht gestellt werden.

Schon einmal haben wir darauf hinweisen müssen, daß die Bremer Staatsanwaltschaft gern überflüssige Fühlung mit dem Senat aufnimmt und sich von ihm über einzuschla­gende Schritte beraten läßt. Wir stellen da­her lediglich die Anfrage an die Staatsan­waltschaft und an Herrn Oberstaatsanwalt

Drechsler, ob auch in dieser Frage und mit wem Fühlung über die Verfolgung der Reichsbannertäter genommen wurde. Mi­nister Groener hat gerade jetzt ein rücksichts­loses Durchgreifen gegen Terrorakte gefor­dert! Wir glauben kaum, daß das Verhal­ten der Bremer Staatsanwaltschaft diesen ministeriellen Wünschen entspricht!

Man sollte bei diesen Untersuchungen auch nicht über Kleinigkeiten stolpern und alles vergeben und vergessen sein lassen, wenn s'cks der äußere Hergang des Ueberfalls nicht mehr in allen Einzelheiten rekonstruieren läßt. Auf den irgendwie in die Tat umge­setzten

Willen zum Terror, zum Nieder­schlagen der „Faschisten", wo man sie trifft,

kommt es an, und daß dieser beim Reichs­banner in ausgeprägtester Form vorhanden ist, das wird doch die Bremer Staatsanwalt­schaft auch begriffen haben. Oder sollten ihr die täglichen Morddrohungen der Marxisten entgangen sein? Wir empfehlen in diesem Fall die Lektüre der Volkszeitung und den Besuch marxistischer Versammlungen. Im übrigen können aber auch

der vom Staate besoldete Jugend­erzieher Drees oder die zur Auf­rechterhaltung von Ruhe und Ord- angestellten Polizeibeamten Noch und Vogt einschlägige Auskunft er­teilen.

Wir werden uns durch das Schweigen des Senates und die Zurückhaltung der Staats­anwaltschaft nicht dazu verleiten lassen, un­sere Forderungen auf gründliche Untersu­chung der Reichsbanner-Ueberfälle und de­ren Drahtzieher einzustellen. Wir werden auch mit der uns eigenen Rücksichtslosigkeit

darauf dringen, daß die Ermordung unseres Kameraden Decker ihre Sühne findet und zwar nicht nur an dem Täter selbst, sondern auch an all den Hintermännern, die vom Schreibtisch oder Motorrad aus den Mord­überfall geleitet haben.

Aus diesen Gründen wird sich die nächste Bürgerschaft mit verschiedenen national­sozialistischen Anträgen, Anfragen und In­terpellationen zu beschäftigen haben, so mit dem Antrag, daß Staatsbeamte, die Mit­glieder der Bürgerschaft sind, nur zu ihrer eigentlichen parlamentarischen Tätigkeit und nicht zu sonstiger Organisationsarbeit Ur­laub erhalten. Der Staat kann kein Interesse daran haben, einen Lehrer zu besolden, der eine Mordorganisation des Reichsbanners leitet.

Wir werden den Senat fragen, ob die Po­lizeidirektion gegen die Beamten Vogt und Jendrasch (der kleine dicke blaue Wacht­meister) etwas unternommen hat, die in der Mordnacht ihre Pflichten als Polizeibeamte gröblichst verletzt haben. Schließlich werden wir folgende Interpellation einbringen:

In der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1931, sperrte die Polizei das Volkshaus straßen- feitig ab und forderte die Kriminalpolizei zur Durchsuchung nach Waffen und Tätern an. Die Kriminalpolizei traf erst nach nahezu einer Stunde ein, so daß Gelegenheit ge­geben war, belastendes Material und Per­sonen rechtzeitig verschwinden zu lasten.

Die Ueberraschung des polizeilichen Ein­greifens wurde dadurch wieder aufgehoben. Obendrein erfolgte die verspätet vorgenom­mene Durchsuchung in so kurzer Zeit, daß bezweifelt werden muß, ob die angesichts obi­ger Tatsache nötige Gründlichkeit überhaupt beabsichtigt war.