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Vor einigen Tagen ist der sozialdemokratische Fraktionsführer im Gemeindeparlament in Neustadt (Baden), Blasius Müßle, zur NSDAP. übergetreten. Müßle, der besonders im Hochschwarzwald unter den Bauern großen Anhang hat, gehörte früher zu den eifrigsten Bekämpfern der nationalsozialistischen Idee.
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Verlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele Verlag: Bremer Die BNZ erscheint jeden Werktag u. kostet RM. 1,90 frei Haus, Anzeigenberechnung: hiesige die lOgesp. Nonp.-Zeile Rm. 0,25, aus» Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und durch die Post zuzügl. 36 Pfg. Bestellgeld. Der Bezugspreis ist im wärts Rm. 0,30, im Textteil die 4gespalt. Textzeile Rm. 0,80, aus« Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag Voraus zahlbar. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot, Aussperrung wärts Rm. 1,—. Stellengesuche u. Familien-Anzeigen Rm. 0,10. bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878 usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahl. des Bezugspr. Kleine Anzeigen Rm. 0,15. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.
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Die nächste Sitzung der Bürgerschaft um eine Woche verschoben!
Wenn die Bremer Bevölkerung bisher schon für die ganzen letzten Bürgerschaftsverhandlungen kein Verständnis mehr zeigte, so muß man wohl sagen, daß bei Bekanntgabe der Aufschiebung dieser fieberhaft erwarteten Bürgerschaftssitzung die Geduld der Bremer Bevölkerung doch allzusehr auf die Probe gestellt wird. —
Ganz Bremen hat bestimmt damit gerechnet, daß in der kommenden Bürgerschaftssitzung der jetzige Senat durch einmütigen Beschluß aller deutschdenkenden Vertreter des Landtages abgesetzt wird, nachdem keiner dieser Herren den Mut aufbringen konnte, von sich aus, aus einem Amt zu scheiden, das länger zu verwalten er nach dem Erlebten und Versäumten weder fähig, noch berechtigt war. —
Handelte es sich bisher darum, diesem Senat das höchste Mißtrauen in finanzieller und verwaltungstechnischer Beziehung aus- zusprechen, nachdem unter seiner glorreichen Tätigkeit die Finanzen und der gute Ruf Bremens in Grund und Boden gestampft sind, so haben die traurigen Ereignisse der letzten Woche obendrein noch den Beweis erbracht, daß diese Regierung überhaupt nicht mehr die Kraft aufbringen kann, zu regieren. Wer regiert in Bremen? Mord und Totschlag in den Straßen; Reichsbanner unter Führung von marxistischen Polizeibeamten. Was sagt zu alledem der regierende Bürgermeister -?
Es ist soweit gekommen, daß anständige Menschen bei einbrechender Dunkelheit ohne für Gut und Leben besorgt fein zu müssen, nicht mehr über Bremens Straßen gehen können. — Der Meuchelmord lauert mit dem geräuschlos arbeitenden Dolch in den zahlreichen dunklen Gängen und Türnischen mitten in Bremens Mauern; Meuchelmord, der Lurch aufreizende Zeitungen, deren eine auch sogar von Regierungsseite aus als „Regierungsblatt" bezeichnet wurde, heraufbeschworen ist. —
Mit geballten Fäusten geht der Bremer durch die Straßen, nur noch mühsam niedergedrückt durch die einseitig angewandten Notverordnungen. — Wie leicht kann die andere Seite einen Funken in dieses Pulverfaß werfen und die Explosion herbeiführen, und das sonst so ruhige und friedliche Bremen in die Flammen des Bürgerkrieges hin- einreißen.
Wie wenig Wert ein dem politischen Mord zum Opfer gefallener Deutscher dem Bremer - Senat doch ist! Wir sehen dieses an den Litfaßsäulen. — Für die Ergreifung eines Mörders an einer Dirne wurden in anderen Plätzen Belohnungen von 5000 Rm. ausgesetzt, für die Ergreifung eines Mörders an einem deutschen Arbeiter hat man sich zu 500 Reichsmark aufgeschwungen! Für 500 Mk. verrät kein Mordkumpan seinen Genossen, man verdient ja im Dienste der Sache schon mehr!!!
Das Volk versteht diese Svrache allzu deutlich. — Die „regierenden Köpfe" Bremens scheinen mit den Sorgen um ihre eigene finanzielle Krise kein Verständnis mehr für die Volksseele zu haben. —
Wir sind fest überzeugt, daß der Mord an dem nationalsozialistischen Arbeiter Decker bis ein Volksgericht alle Schuldigen zu richten hat, genau so ungesühnt bleiben wird, wie der Mord an dem Nationalsozialisten Gössel.
In der Bürgerschaftssitzung dieses Freitags sollte und mußte der Senat verschwinden. — Er wird uns noch 8 Tage, vielleicht auch länger, erhalten bleiben. —
Was hält ihn? Was hält die Männer davon zurück, die Konsequenzen zu ziehen? Treten sie nicht freiwillig zurück, weil sie dann ihrer Pensionen verlustig gehen?
Die Bürgerschaftssitzung wird verschoben und dies ist nach Aussage der Schünemann- Presse nur zu begrüßen. Sehr verständlich für diese Herren!
An das Vertuschungssystem hat man sich in Bremen ja gewöhnt. Nur Zeit gewinnen, bedeutet für die Vertreter des heutigen Systems, alles gewinnen. —
Meine Herren, das war Wohl möglich in einer Zeit, da der größte Teil -der Bremer Bevölkerung aus feisten satten Bürgern bestand; nicht aber in einer Zeit, wo Hunderttausende in Not und Elend versinken, wo Frau und Kind nach Brot jammern.
Acht Tage diese Regierung länger bedeutet für unser Volk acht Tage Not und Elend länger, acht Tage Lug und Trug länger, acht
Tage, in denen der letzte Lebenssaft aus dem deutschen Volkskörper länger in die Taschen der Bonzen und Nutznießer des alten Systems ungehemmt fließt, acht Tage in denen es möglich ist, noch gründlicher die Spuren der Mißwirtschaft zu verwischen, acht Tage in denen vielleicht noch mehr Blut in der Terroraktion gegen die aufrechten Kämpfer fließen kann.
Meine Herren, die Wunden, die ihre Mißwirtschaft geschlagen, wird keine Zeit heilen; Generationen hindurch wird die Wunde offen bleiben für unser Volk, die ihre Regierungskunst in die Finanzen des Bremer Staates geschlagen hat. — Keine Zeit wird jemals die Toten erwecken, aber auch nicht dieselben aus unserem Gedächtnis verwischen, die unter ihrer macht- und kraftlosen Regierung gefallen sind.
Heute kämpft das System um „woylsr- worbene Rechte", um Gehalt und Pensionen. Das deutsche nationalsozialistische Volk wird dereinst diese „wohlerworbenen Rechte" m wohlverdientem Umfange auszahlen.
Deutschland ist erwacht und kann selbst
nicht durch Mord und Totschlag noch einmal in den marxistischen Traumzustand tcr- setzt werden; , von denen aber, die düsies System verkörpern, wird genau so, wie von denen die es gestützt und solange an der Macht gehalten haben, Rechenschaft gefordert werden. Ihnen allen wird das „wohlerworbene Recht" werden.
Auch die Bremer Bevölkerung ist endlich erwacht. — Die Bremer Bevölkerung wird entscheiden, ob der Marxismus oder der Nationalsozialismus in Zukunft Bremens Geschicke lenkt. — Bremen ist in der glücklichen Lage, nicht das schwarze Zünglein on der Waage befürchten zu müssen. — Bremen wird reinen Tisch machen nit den schwammigen Mittelparteien, die Bremens Ruf und Bremens Wohlstand, Bremens Ruhe und Frieden vernichtet haben. — Die Politik Bremens wird in Zukunft nicht mehr an den Stammtischen des Ratskellers gemacht werden. Wer den Marxismus unterstützt, soll mit ihm getroffen werden! Wer uns die Hand reicht zum Kampf für Eine, Freiheit und Brot, soll unser Freund ieinj Noch ist es Zeit; das Volk wird richten!
Kein kiliMiileii gegen ilne kiirlüdsnner!
Die AssImmIkclM mIW ils! Verteil niecker!
Noch steht die ganze Bremische Bevölkerung in kaum gezügelter Empörung unter dem Eindruck der Mordnacht vom 9. November, der noch durch die unverständliche Verschiebung der Bürgerschaftssitzung verstärkt wurde, und schon hören wir von einer neuen Nachricht, die wiederum nur dazu angetan ist, unser Mißtrauen gegen das System zu verstärken. Die Staatsanwaltschaft Bremen hat das Verfahren gegen die Bremer und Hamburger Reichsbannerleute eingestellt, die am Sonntag, 11. Oktober mit einigen 100 Mann über einen kleinen SA.-Trupp am Friedrich-Ebert-Haus hergefallen sind. Das Reichsbanner war scheinbar nur zu diesem Zweck aus Hamburg herübergekommen und ist dann über einzelne SA.-Leute mit Spaten Eisenstangen, Gummiknüppeln und Messern hergefallen. Unsere SA.-Leute waren un- bewaffnet und konnten sich nur mit Schulterriemen und Koppeln zur Wehr setzen. Eine Reihe von erheblich Verletzten mußten wir beklagen, weil die blaue Polizei viel zu spät eintraf und auch der Ueberfallwagen erst aus der Staderstraße herankommen mußte.
, Wir mußten bestimmt damit rechnen, daß eine große Zahl von Reichsbannerleuten wegen schweren Landfriedensbruchs vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden würden. Bei dieser Gelegenheit hätte dann auch die Machenschaft des Polizeibeamten Vogt aufgeklärt werden können. Aber die Staatsanwaltschaft hat, wie wir hören, das Verfahren eingestellt und keiner der Täter wird vor Gericht gestellt werden.
Schon einmal haben wir darauf hinweisen müssen, daß die Bremer Staatsanwaltschaft gern überflüssige Fühlung mit dem Senat aufnimmt und sich von ihm über einzuschlagende Schritte beraten läßt. Wir stellen daher lediglich die Anfrage an die Staatsanwaltschaft und an Herrn Oberstaatsanwalt
Drechsler, ob auch in dieser Frage und mit wem Fühlung über die Verfolgung der Reichsbannertäter genommen wurde. Minister Groener hat gerade jetzt ein rücksichtsloses Durchgreifen gegen Terrorakte gefordert! Wir glauben kaum, daß das Verhalten der Bremer Staatsanwaltschaft diesen ministeriellen Wünschen entspricht!
Man sollte bei diesen Untersuchungen auch nicht über Kleinigkeiten stolpern und alles vergeben und vergessen sein lassen, wenn s'cks der äußere Hergang des Ueberfalls nicht mehr in allen Einzelheiten rekonstruieren läßt. Auf den irgendwie in die Tat umgesetzten
Willen zum Terror, zum Niederschlagen der „Faschisten", wo man sie trifft,
kommt es an, und daß dieser beim Reichsbanner in ausgeprägtester Form vorhanden ist, das wird doch die Bremer Staatsanwaltschaft auch begriffen haben. Oder sollten ihr die täglichen Morddrohungen der Marxisten entgangen sein? Wir empfehlen in diesem Fall die Lektüre der Volkszeitung und den Besuch marxistischer Versammlungen. Im übrigen können aber auch
der vom Staate besoldete Jugenderzieher Drees oder die zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ord- angestellten Polizeibeamten Noch und Vogt einschlägige Auskunft erteilen.
Wir werden uns durch das Schweigen des Senates und die Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft nicht dazu verleiten lassen, unsere Forderungen auf gründliche Untersuchung der Reichsbanner-Ueberfälle und deren Drahtzieher einzustellen. Wir werden auch mit der uns eigenen Rücksichtslosigkeit
darauf dringen, daß die Ermordung unseres Kameraden Decker ihre Sühne findet und zwar nicht nur an dem Täter selbst, sondern auch an all den Hintermännern, die vom Schreibtisch oder Motorrad aus den Mordüberfall geleitet haben.
Aus diesen Gründen wird sich die nächste Bürgerschaft mit verschiedenen nationalsozialistischen Anträgen, Anfragen und Interpellationen zu beschäftigen haben, so mit dem Antrag, daß Staatsbeamte, die Mitglieder der Bürgerschaft sind, nur zu ihrer eigentlichen parlamentarischen Tätigkeit und nicht zu sonstiger Organisationsarbeit Urlaub erhalten. Der Staat kann kein Interesse daran haben, einen Lehrer zu besolden, der eine Mordorganisation des Reichsbanners leitet.
Wir werden den Senat fragen, ob die Polizeidirektion gegen die Beamten Vogt und Jendrasch (der kleine dicke blaue Wachtmeister) etwas unternommen hat, die in der Mordnacht ihre Pflichten als Polizeibeamte gröblichst verletzt haben. Schließlich werden wir folgende Interpellation einbringen:
In der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1931, sperrte die Polizei das Volkshaus straßen- feitig ab und forderte die Kriminalpolizei zur Durchsuchung nach Waffen und Tätern an. Die Kriminalpolizei traf erst nach nahezu einer Stunde ein, so daß Gelegenheit gegeben war, belastendes Material und Personen rechtzeitig verschwinden zu lasten.
Die Ueberraschung des polizeilichen Eingreifens wurde dadurch wieder aufgehoben. Obendrein erfolgte die verspätet vorgenommene Durchsuchung in so kurzer Zeit, daß bezweifelt werden muß, ob die angesichts obiger Tatsache nötige Gründlichkeit überhaupt beabsichtigt war.