Ausgabe 
(14.11.1931) Nr. 155
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Derlagsort Bremen. Herausgeber: Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle und Redaktion: Papenstr. 15. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr. — Fernsprecher Domsheide 25878

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Das Gute siegt, indem es sich opfert. Das ist das Letzte und große Geheimnis der deut­schen Freiheitsbewegung, daß sie erkannt hat, welche Kraftquellen im Opfer, in der ^ inneren Verschwendungskraft liegen, die über alles hinausragt, was uns Menschen ^ an Wollen und Können in unserem Leben l beschicken ist.

^ Wir nehmen Abschied von Wilhelm Decker.

H Er ist nur einer von Vielen, dem es ver- 3 gönnt war, sich ganz unserer Idee und dem ! Freiheitskampf zu geben. Und doch ist ein solcher Opfertod immer wieder etwas Ein­zigartiges, ein Fanal, das hell aufleuchtet über alle Gaue und das den letzten Mann in unserer Bewegung mitreißt zu neuem Wollen und Können.

. Die anderen werden das nie begreifen,

I was es heißt, sich ganz hinzugeben. Die an- ! deren werden spotten und höhnen, oder sie ! werden uns sagen, wir machten Propaganda ! mit unseren Toten. Die anderen spüren ^ nicht, wie weit sie sich damit von uns stel- H len, wie tief sie unter denen stehen, denen ^ der Opfertod eines Kameraden etwas Heili- ! ges und Unangreifbares ist. Sie werden auch nie begreifen, welche Kraft aus einem solchen Opfertode sprießt, nicht äußerlich, sondern tief innen im Herzen, das sich danach drängt, es Wilhelm Decker gleichzutun.

Wir haben Abschied genommen von Wil­helm Decker am Freitag abend, zusammen mit Tausenden von Parteigenossen, und wir ^ haben ihn heute morgen hinausgetragen zur l letzten Ruhestätte. Aber er ist weiter unter uns, lebendiger und kraftvoller, denn je, s gleich Johann Gössel.

! Wir haben die Fahnen gesenkt und die H Eltern gegrüßt, die ihren Sohn hergegeben L haben. Wir haben der Mutter den schönsten A Trost geben können, der uns möglich war, p und wir wissen von beiden Eltern, daß sie s stolz auf ihren Jungen sind, daß auch sie ihn ti wieder in den Reihen der braunen Armee »! marschieren lassen würden, wenn er noch t unter uns weilte.

Wir aber, die wir morgen wieder in den ! Alltag zurückkehren, an den Arbeitsplatz und i in den politischen Tageskampf, wir sind in- > nerlich freier geworden, stärker und härter. ! Wir haben einen Kameraden hergeben müs- ! sen, und schließen die Reihen jetzt fester und 1 sehen klarer unser Ziel vor Augen. Uns i schreckt kein Widerstand auf unserem Weg ü und sicher ist uns der Sieg, weil wir ihn im ö Herzen tragen, weil es immer wieder Kame­raden unter uns gibt, die um seinetwillen, um unseretwillen den Opfertod auf sich neh­men. Wir marschieren auch über Gräber ins Dritte Reich.

IllmIiU von Mein Heckes

In der Totenhalle des Diakonissenhauses Hegt Wilhelm Decker. Dunkles Grün von Taxus und Lebensbäumen, frische Blüten an vielen Kränzen bilden eine dichte Hecke um die letzte Lagerstatt des toten Soldaten. Er liegt in Blumen, rote Rosen bedecken die Tücher, und von schweren Haltern flak- kern Wachskerzen, das Licht und Schatten unruhig auf dem wächsernen Antlitz des Schlafenden spielen. Die Hände gefaltet, die Augen friedlich geschlossen, liegt unser Toter in seinem braunen Kleid der Ehre. Vor ihm die Mütze, die Braunschweig, die den 9. November sah. Ernst, fast lebend- ind seine Züge und nur eine Schramme im Gesicht erinnert mahnend an die Blutnacht.

An der Bahre steht die Wache. Kameraden vom Sturm 4 lassen den Toten nicht allein. Hand am Koppel, die Zähne zusammenge­bissen, bleich und hart, sehen sie den Ge­mordeten, sehen sie jung und alt, Mann und Frau, die ohne Ende vom Bruder und Vor­kämpfer Abschied nehmen.

Wieder stehen SA.-Männer am offenen Sarge, ernst und starr blicken sie auf den Stummen, der gestern noch in ihrer Reihe stand, der gestern noch im selben Glied mar­schierte. Sie wollen, sie können das alles noch nicht voll erfassen, können es nicht be­greifen, daß Wilhelm Decker schweigen und schlafen mutz. Es zuckt den Männern um die schmalen Lippen, die Fäuste krampfen sich, einer tritt aus der Reihe, spricht von Opfer, von Tod und Kampf, sie schauen auf den Toten, immer und immer, in ihre Hirne fritzt sich das Bild, das sie nie vergessen werden, komme was Willi Sie heben die Arme in deutschem Gruh, blicken zum letz­ten Mal in das liebe, bleiche Totengesicht. Lautlos, heilig ist ihr unerschütterlicher Schwur: „Vollendung", und langsam, unge­wohnt leise klingen dann die Stiefel über den Boden. — Revolutionäre verlassen die Halle, in der der Tote, jetzt Führer, allein mit Gott zurückbleibt.

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Kahl und schmucklos ist heute der große Saal und eine ernste Stille liegt über den

Menschen, die kaum noch Platz finden kön­nen. Um die Arme der braunen Soldaten schlingen sich schwarz die Zeichen der Trauer. Schwarz hängen die Flore schwer und drük- kend auf den hellen Farben der Sturm­fahne.

Langsam werden sie durch die stehende Menge getragen. Dann betreten die armen tapferen Eltern, die uns ihr Bestes gaben in die Gemeinde derer, die ihres Kindes ge­denken wollen. Aus der Stille, aus dem Meer der erhobenen Arme dringt ihnen Trost, Mitgefühlt und Verehrung entgegen.

Getragen und schwer finden die Moll-Ak­korde des Trauermarsches in die Herzen der Tausende. Dann spricht der Ortsgruppen- führer, Pg. Thiele:

9. November!

Wir haben gehört, wie es war damals 1923 und immer, wenn der Tag sich jährt, kommen wir zusammen, von Jahr zu Jahr eine größere Schar. Von Jahr zu Jahr aber auch größer die Schar derer, die fehlen.

Als der 9. November 1931 aufdämmerte, senkte die Natur ihre November-Nebelschlei­er tränengleich auf den Friedhof am Bun- tentor. Naß war das gefallene Laub, als ich bei Johann Gössel war.

Doch nicht gilt es. Vergangenem in lähmender Trauer nachzuhängen, sondern aus dem Vorleben und Vorsterben voraus­gegangener Kraft und Zielsicherheit zu schöpfen für den Weg, den wir gehen müssen, von Station zu Station.

Wir kennen sie nicht im Voraus, die Sta­tionen.

Wir kennen nicht die Wegstrecken.

Am Morgen bei Johann Gössel.

Am Abend bei Wilhelm Decker.

Mitternacht war's als ich ihm zum Ab­schied die Hand drückte.

Doch nicht gilt es Vergangenem in läh­mender Trauer nachzuhängen, sondern aus dem Vorleben und Vorsterben unserer Hel­den Kraft, Zielsicherheit und Härte zu schöpfen für den Weg, den wir gehen müssen, um zum Ziele zu gelangen:

Das heilige deutsche, das dritte Reich, das

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Eutin, 13. Nov. In Eutin, wo erst kürz­lich ein Nationalsozialist ermordet worden war, sind am Freitag Waffen bei Reichs­bannerangehörigen gefunden worden.

Der amtliche Polizeibericht sagt darüber folgendes: „Der Eutiner Polizei, verstärkt durch die in Kiel stationierten Gendarmerie­beamten, gelang es in letzter Nacht, 14 Lü­becker Reichsbannerangehörige zu verhaften, die mit Totschlägern, Dolchmesscrn und Pi­stolen bewaffnet hier in Autos, auf Fahr­rädern und teils mit der Bahn eingetroffen waren. Der größere Teil der Besucher hatte sich der Verhaftung durch die Flucht ent­zogen. Sämtliche Verhafteten trugen Reichs­

banneruniform mit Gamaschen, Verbands­zeug und Waffen bei sich. Im Lokal „Stadt Kiel" wurden einige Einlogiergäste, zwei Reichsbannerangehörige, festgenommen, die. versuchten, sich ihrer Schußwaffen in der Herrentoilette zu entledigen. Dort wurde ein Totschläger, eine Mauserpisttole und in einem Rollhandtuch ein Ladestreifen mit Munition gefunden. In dem Gepäck der im Gasthose „Stadt Kiel" Festgenommenen, fand man zahlreiches Verbandszeug, Muni­tion und u. a. ein 14 Zentimeter langes Dolchmcsser. 21 Fahrräder wurden beschlag­nahmt, die den bisher noch unbekannten Be­suchern gehören.

Und in Bremen?

deutsche Deutschland. Deutschland erwache, wenn wir auch sterben müssen.

Und wie dieser Gedanke, wie das Opfer zum Kampf, wachsen in der Musik aus dem vollen Moll-Akkorden der Trauer, mächtige Klänge in Dur, als kraftvolle Melodie des Kampfes.

Dann spricht Pg. Spangemacher:

Auch Tote stehen in unseren Reihen. Wir Tragen sie nicht zu Grabe, nein, der Toten Gesicht, es tragen heute Hunderttausende!

Heut fragen wir nicht, wer trägt die Schuld, wir sehen den Helden nur! Wir denken des Hitler-Wortes: Es ist nicht nötig, daß ich lebe, nötig ist, daß mein Volk lebt! und sehen die Armee der Freiheit marschie­ren.

Man nannte sie „Arbeitermörder", „Blut­hunde", und feige Verräter im Volke hetzten urteilslose, irrende Massen auf sie.

Kein größer Heiligtum gibt es, als die Freiheit, und nie wurde einem Volk die Freiheit geschenkt, das nicht dafür im Opfer­tod die Besten seiner Söhne einsetzte.

Heute ist es Bremen, das wieder dieses Opfer bringen mußte. Wilhelm Decker, der arbeitslose Schiffbauer, ist nicht mehr. Noch nicht lange ist es her, als er zu uns kam. Man warnte ihn, zeigte ihm die Gefahr des Volksfeindes, da sprach er dies große Wort: „Was soll das alles? Erst kommt unser Va­terland, dann mein Leben!"

Das ist deutsch! Wir sind stolz auf diesen einfachen, deutschen Mann.— Dir, Bluts- bruder, entsank das Banner, du ruhst jetzt im Glauben, daß du recht gelebt und recht gehandelt hast. Wir greifen die Fahne auf, reißen sie hoch, daß sie weit hineinflattert in das Land, in die Herzen. , Sie weht zum Sieg, der kommen muß, weil Männer leben, wie Wilhelm Decker!

Nur noch kurze Zeit, und wir stehen vor den Toren des Reiches, das sich der Tote er­träumte! —

Es wird dunkel im Saal, still und ernst sind die Vielen, hart die langen Reihen der Gesichter unserer Kämpfer. Die Fahnen werden gesenkt. Das Lied vom guten Käme- raden erklingt. Still und ergriffen stehen die Männer, denken ihres toten Bruders, heimlich rollen Tränen über harte Gesichter, starr, den Blick nach vorn, stehen die Sol­daten der Zukunft. Vor ihren Augen steht das Bild des bleichen, treuen Gesichtes, des ermordeten Kameraden.

Durch ein Meer erhobener Hände gehen die Eltern. Mit sich nehmen sie das Bewußt­sein, daß sie nicht allein sind in ihrem Schmerz, und daß das Sterben ihres Kindes einen Sinn gehabt hat, daß er unvergessen in den Reihen der Kameraden, unsterblich mit uns weiterleben wird. Die Fahnen des Kampfes setzen sich in Achtung und Ehr­furcht, in Liebe, Trauer und Verpflichtung vor dem Opfer, das die Eltern Deutschland bringen mußten.

Der Sprechchor spricht einen mahnenden Vers. Noch vor wenigen Tagen, am Abend des Mordes, stand der Gefallene in seinen Reihen und sprach das gleiche Gebet für die Toten, das Gebet, das jetzt ihm gilt.

Pg. Thyssen, Stürmkamerad von Wilhelm Decker, spricht: